Verordnungsbefugnisse Psychotherapeuten

Grundlagen
  • Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung  (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz – GKV-VSG) vom 16. Juli 2015
  • Krankentransport-Richtlinie
  • Krankenhauseinweisungs-Richtlinie
  • Soziotherapie-Richtlinie
  • Rehabilitations-Richtlinie

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Allgemeine Information

Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen seit Juni 2017 Krankenhausbehandlung und Krankenbeförderung sowie Soziotherapie und Leistungen zur psychotherapeutischen Rehabilitation verordnen. Damit entsteht mehr Entscheidungsspielraum bei der Versorgung ihrer Patienten.

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Grundsätze (Auswahl)

Die Verordnungen unterliegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot; sie müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht übersteigen.

Prinzipiell gelten dieselben Vorgaben wie für Vertragsärzte. In den angepassten Richtlinien ist festgelegt, bei welchen Indikationen Leistungen verordnet werden dürfen.

Der gesetzlich vorgegebene Eigenanteil (Zuzahlungen) ist durch den Patienten zu leisten.

Die Verordnungen sind auf den entsprechenden Mustern der „Vereinbarung über Vordrucke für die vertragsärztliche Versorgung“ vorzunehmen. In diesen Bereichen dürfen keine PTV-Formblätter genutzt werden. Die Verordnungsvordrucke sowie das Sicherheitspapier für die Blankoformularbedruckung sind über die Allgemeinen Verwaltungen der Bezirksgeschäftsstellen erhältlich. Bei Fragen zur Software stehen die jeweiligen PVS-Anbieter zur Verfügung.

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Verordnung Krankentransport

Die Verordnung erfolgt auf Muster 4 (nicht PTV 4). Hinweise zum Ausfüllen des Musters 4 finden Sie auf der Internet-Seite Verordnungen|Krankentransport oder in der KBV Praxisinformation. Die Praxisinformation steht Ihnen unter Dokumente und Links im rechten Rand oder hier zur Verfügung.

Eine Krankenbeförderung kann verordnet werden, wenn diese im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung der Krankenkasse zwingend notwendig ist.

Stationäre Behandlung

Die Verordnung einer Krankenbeförderung oder Rettungsfahrt bei einer Einweisung zur stationären Behandlung ist möglich, wenn der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst die Fahrt antreten kann.
Eine Genehmigung durch die Krankenkasse ist bei einer stationären Behandlung nicht erforderlich.

Ambulante Behandlung

Grundsätzliche Genehmigungspflicht

Krankentransporte (Krankentransportfahrzeug) und Krankenfahrten (Taxi, Mietwagen) zur ambulanten Behandlung bedürfen grundsätzlich der vorherigen Genehmigung durch die Krankenkasse. Die Genehmigung ist vom Patienten vor der Fahrt bei seiner Krankenkasse einzuholen. Dauer und Umfang (z. B. Transportmittel, Hin- und Rückfahrt) der Genehmigung werden dabei von der Krankenkasse festgelegt (§ 9 Richtlinie).

Eine Fahrt zur ambulanten Behandlung kann bei medizinischer Notwendigkeit verordnet und durch die Krankenkassen genehmigt werden, wenn die Versicherten:

einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen

  • "aG" = außergewöhnlich gehbehindert,
  • "BI" = blind oder
  • "H" = besonders hilfsbedürftig besitzen,
  • einen Einstufungsbescheid in die Pflegegrade 3, 4 oder 5 vorlegen und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind
  • von vergleichbarer Beeinträchtigung der Mobilität betroffen sind und einer ambulanten Behandlung über einen längeren Zeitraum bedürfen.

Die Mobilitätseinschränkungen können somatische oder kognitive Ursachen haben.

Eine nachträgliche Verordnung ist grundsätzlich nicht möglich! Ausnahme: Für nicht planbare Fahrten (z. B. Notfälle) kann nachträglich eine Verordnung zur Krankenbeförderung ausgestellt werden. Die Verordnung muss von dem Arzt/Psychotherapeuten ausgestellt werden, der in die Notfallbehandlung involviert war, ggf. auch ein Krankenhausarzt/-psychotherapeut.

Beförderungsmittel

Zwingend erforderlich für einen Transport sind die Angaben zur medizinisch-technischen Ausstattung und der medizinisch-fachlichen Betreuung. Wird eine medizinisch-fachliche Betreuung für notwendig erachtet, ist dies im vorgesehenen Feld zu begründen (z.B. Überwachung Vitalfunktionen; notfallmedizinische Versorgung ect.).

Fahrten ohne medizinisch-fachliche Betreuung sind zum Beispiel mit einem Taxi möglich.

Eine von uns erstellte Übersicht soll Ihnen einen Überblick bei der Auswahl des Transportmittels und Hinweise zur korrekten Kennzeichnung des Musters 4 geben. Die Übersicht steht Ihnen unter Dokumente und Links im rechten Rand oder hier zur Verfügung.

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Verordnung einer Krankenhauseinweisung

Die Verordnung erfolgt auf Muster 2 (nicht VPT 2). Hinweise zum Ausfüllen des Musters finden Sie in der KBV Praxisinformation. Die Praxisinformation steht Ihnen unter Dokumente und Links im rechten Rand oder hier zur Verfügung.

Generell gilt der Grundsatz: ambulant vor stationär. Dies bedeutet, dass vor der Einweisung sämtliche ambulante Behandlungsalternativen zu prüfen sind.

Die Verordnung von stationärer Krankenhausbehandlung ist für Patienten mit Diagnosen aus dem Indikationsspektrum des § 26 der Psychotherapie-Richtlinie oder der Richtlinie zu Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der vertragsärztlichen Versorgung (Anlage I, Ziffer 19, § 4) möglich.
Eine Abstimmung mit dem behandelnden Haus-, oder Facharzt ist nicht notwendig.

Möglich sind auch medizinisch erforderliche Einweisungen, wenn eine Diagnose aus dem Indikationsspektrum des Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM vorliegt.
Voraussetzung ist hier die Abstimmung mit dem behandelnden (Haus, -oder Fach-) Arzt.

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Verordnung Soziotherapie

Die Verordnung erfolgt auf Muster 26 (Verordnung von Soziotherapie) zusammen mit dem ausgefüllten Betreuungsplan (Muster 27). Eine Broschüre der KBV bietet Hinweise zur Verordnung von Soziotherapie. Die Broschüre steht Ihnen unter Dokumente und Links im rechten Rand oder hier zur Verfügung.

Die Befugnis zur Verordnung von Soziotherapie bedarf der Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Die Voraussetzungen für die Genehmigung und das entsprechende Antragsformular finden Sie auf der Seite Soziotherapie (Genehmigungspflichtige Leistungen).

Soziotherapie kann nur für Patienten mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und der Gruppe der affektiven Störungen mit psychotischen Symptomen, die in ihren Fähigkeiten und Funktionen maßgeblich eingeschränkt sind, verordnet werden.

Darüber hinaus können in begründeten Einzelfällen Leistungen der Soziotherapie für Patienten mit Erkrankungen des ICD-10-Kapitels für „Psychische und Verhaltensstörungen“ verordnet werden, wenn deren Fähigkeiten stark eingeschränkt sind und weitere Co-Morbiditäten vorliegen. Die in Psychiatrischen Institutsambulanzen tätigen Psychotherapeuten besitzen ebenfalls eine Verordnungsberechtigung.

Bei der Soziotherapie handelt es sich um eine Leistung, die vorab von der Krankenkasse des Patienten genehmigt werden muss. Das Original der Verordnung (Formular 26) wird zusammen mit dem Original des Betreuungsplans (Formular 27) – unterschrieben von Arzt/Psychotherapeut, Soziotherapeut und Patient –bei der Krankenkasse eingereicht (Ausnahme Probestunden). Für diese Aufgabe benötigt der Patient gegebenenfalls Unterstützung.



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Verordnung einer psychotherapeutischen Rehabilitation

Die Verordnung erfolgt auf Muster 61. Hinweise zum Ausfüllen des Musters 61 finden Sie auf der Internet-Seite Verordnungen > Rehabilitation.

Detaillierte Informationen stellt auch hier die KBV in einer Broschüre bereit. Zudem wird das Formular 61 ausführlich vorgestellt. Die Broschüre steht Ihnen unter Dokumente und Links im rechten Rand oder hier zur Verfügung.

Die Verordnung von Leistungen der psychotherapeutischen (psychosomatischen und psychiatrischen) Rehabilitation ist für Patienten mit Diagnosen aus dem Indikationsspektrum des § 26 der Psychotherapie-Richtlinie oder gem. Anlage I Ziff. 19 § 4 der Richtlinie Methoden vertragsärztlicher Versorgung möglich.

Eine Abstimmung mit dem behandelnden Haus-, oder Facharzt ist nicht notwendig.

Ferner können psychotherapeutische Rehabilitationen für Patienten mit übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM verordnet werden.
Voraussetzung ist hier die Abstimmung mit dem behandelnden Haus-, oder Facharzt.

Bei der Verordnung einer psychotherapeutischen Rehabilitation müssen Angaben bzw. Informationen des Vertragsarztes

  • zu ggf. vorliegenden weiteren rehabilitationsrelevanten Diagnosen,
  • zuvor erfolgten ärztlichen Maßnahmen,
  • Risikofaktoren
  • anderen ärztlich bereits veranlassten Leistungen (einschließlich Arzneimitteltherapie)
  • hinzugezogen werden.

Informationen aus Fremdbefunden sind auf der Verordnung zu vermerken.

Leistungen während einer Rehabilitations-Maßnahme – der Kostenträger ist entscheidend


Bei Patienten, die sich in einer Rehabilitationsmaßnahme befinden, muss bei der Notwendigkeit weiterer Leistungen auf den jeweiligen Kostenträger Rentenversicherung oder Gesetzliche Krankenversicherung geachtet werden.

Weiterführende Informationen hierzu finden Sie auf unserer Seite Verordnungen > Rehabilitation.

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