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Verordnung von außerklinischer Intensivpflege

Grundlagen
  • Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz /GKV-IPReG vom 23. Oktober 2020)
  • § 37c SGB V
  • Richtlinie über die Verordnung von außerklinischer Intensivpflege (AKI/RL)
Grundsätze


Verordnungen von außerklinischer Intensivpflege sind ab dem 1. Januar 2023 gemäß der Richtlinie über die Verordnung von außerklinischer Intensivpflege (AKI-RL) auszustellen.

Die Häusliche-Krankenpflege-Richtlinie (HKP-RL) wurde um Leistungen der außerklinischen Intensivpflege bereinigt und es wurde eine Übergangsregelung zur Verordnung getroffen.

Übergangsregelung


Verordnungen außerklinischer Intensivpflege, die bis Ende 2022 nach den Regelungen der HKP‐Richtlinie ausgestellt werden, gelten über den 1. Januar 2023 hinaus. Sie verlieren jedoch spätestens ab dem 31. Oktober 2023 ihre Gültigkeit. Dann entfällt der gesetzliche Anspruch auf außerklinische Intensivpflege nach § 37 SGB V „Häusliche Krankenpflege“. Ein solcher Anspruch besteht dann nur noch nach § 37c SGB V „Außerklinische Intensivpflege“.

Formulare 62A-C


Die Einführung der Formulare 62B und 62C erfolgt zum Stichtag 1. Januar 2023.

Das neue Formular 62A ist dafür vorgesehen, das Ergebnis der Potenzialerhebung zu dokumentieren, die vor der Verordnung durch hierfür besonders qualifizierte Ärzte erfolgt. Formular 62A kann bereits vor dem 1. Januar 2023 genutzt werden, damit die Potentialerhebung bereits vor dem 1. Januar 2023 erfolgen kann. Formular 62B ist für die Verordnung zu verwenden und Formular 62C für den Behandlungsplan, der jeder Verordnung beizulegen ist.

Die Muster-Formulare sowie die Vordruckerläuterungen finden Sie unter Dokumente und Links (rechter Rand).

Die Formulare werden den Softwareherstellern zur Einbindung in die Praxisverwaltungssysteme bereitgestellt.

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Detailinformationen (Auszüge AKI-RL)


Anspruch (§1)

  • Anspruch haben Versicherte mit besonders hohem Bedarf an medizinischer Behandlungspflege, d.h., die ständige Anwesenheit einer geeigneten Pflegefachkraft zur indiv. Kontrolle u. Einsatzbereitschaft im gesamten Verordnungszeitraum ist erforderlich.
  • Ein Anspruch besteht nur, wenn Versicherte AKI nicht selbst durchführen können.
  • Gesundheitliche Eigenkompetenz, Eigenverantwortungsbereich der Versicherten und besondere Belange von Kindern und Jugendlichen sind zu berücksichtigen.
  • Die Versorgung durch An- und Zugehörige soll ermöglicht werden.

Die AKI ist an folgenden Orten möglich:

  • in vollstationären Pflegeeinrichtungen
  • in vollstationären Einrichtungen der Behindertenhilfe
  • in Wohneinheiten im Sinne des § 132l Abs. 5 Nr. 1 SGBV, sogen. Beatmungs-WGs
  • im Haushalt der Versicherten oder der Familie oder an sonst. geeigneten Orten – in betreuten Wohnformen, Schulen, Kitas und in Werkstätten für Menschen

Ziele (§ 2)

Neben der Erhaltung, der Förderung und Verbesserung der Patienten- und Versorgungssicherheit ist die Verbesserung der Lebensqualität - bezogen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität im Rahmen des Leistungsumfangs der Krankenkassen - ein wesentliches Ziel.

Weitere (individuelle, patientenzentrierte) Therapieziele sind u. a.:

  • Sicherstellung der Vitalfunktionen
  • Funktionsbeeinträchtigungen verbessern sowie Vermeidung von lebensbedrohlichen Komplikationen
  • Optimale und individuelle Hinführung zur Dekanülierung, zur Entwöhnung von der invasiven Beatmung oder Umstellung auf eine nicht-invasive Beatmung
  • Perspektivisches Potenzial (z. B. zur Dekanülierung oder Beatmungsentwöhnung) soll stabilisiert bzw. verbessert werden

Leistung (§ 3)

  • Permanente Interventionsbereitschaft, Anwesenheit und Leistungserbringung durch geeignete Pflegefachkraft über den gesamten Versorgungszeitraum zur Erbringung medizin. Behandlungspflege
  • pflegerische und medikamentöse Behandlungsmaßnahmen
  • Sicherstellung der Vitalfunktionen, lebensbedrohliche Komplikationen vermeiden bzw. frühzeitig erkennen
  • Bei Bedarf können auch Heilmittel wie Schluck- und Atemtherapie und/oder notwendige Hilfsmittel verordnet werden

Potenzialerhebung (§ 5)

Bei beatmeten oder trachealkanülierten Versicherten erfolgt vor jeder Verordnung jeweils individuell eine Potenzialerhebung.

Dabei wird insbesondere Folgendes erhoben und dokumentiert:

  • das Potenzial zur Reduzierung der Beatmungszeit bis hin zur vollständigen Beatmungsentwöhnung (Weaning),
  • das Potenzial für eine Umstellung auf eine nicht-invasive Beatmung,
  • das Potenzial zur Entfernung der Trachealkanüle (Dekanülierung),
  • beziehungsweise die Möglichkeiten der Therapieoptimierung sowie die jeweils zur Umsetzung notwendigen Maßnahmen.

Für den Fall, dass die Beatmung / Trachealkanüle dauerhaft indiziert oder eine Dekanülierung oder Entwöhnung zum Zeitpunkt der Erhebung nicht möglich oder absehbar ist, sind die konkreten Gründe zu dokumentieren. Nur sofern keine Aussicht auf eine nachhaltige Besserung besteht und eine Dekanülierung oder Entwöhnung dauerhaft nicht möglich ist, sind Ausnahmen von der regelmäßigen Potenzialerhebung möglich.

Die Dokumentation des Ergebnisses erfolgt auf Formular 62A „Ergebnis der Erhebung des Beatmungsentwöhnungs- bzw. Dekanülierungspotenzials gemäß AKI-Richtlinie des G-BA".

Qualifikation der potenzialerhebenden Ärzte (§ 8)

Sowohl zur Verordnung als auch Potenzialerhebung ist eine besondere ärztliche Qualifikation erforderlich. Ärzte in Praxen und Krankenhäusern, die nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, sind zur Potentialerhebung berechtigt - diese nehmen zu diesem Zweck an der vertragsärztlichen Versorgung teil und können dafür ermächtig werden.

Zur Potenzialerhebung berechtigt sind:

  1. Fachärzte/‐innen mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin,
  2. Fachärzte/‐innen für Innere Medizin und Pneumologie,
  3. Fachärzte/‐innen für Anästhesiologie mit mindestens 6‐monatiger einschlägiger Tätigkeit in einer spezialisierten Beatmungsentwöhnungs‐Einheit,
  4. Fachärzte/‐innen für Innere Medizin, Chirurgie, Neurochirurgie, Neurologie oder Kinder‐ und Jugendmedizin mit mindestens 12‐monatiger einschlägiger Tätigkeit in einer Beatmungsentwöhnungs‐Einheit

oder

  1. weitere Fachärzte/‐innen mit mindestens 18‐monatiger einschlägiger Tätigkeit in einer spezialisierten Beatmungsentwöhnungs‐Einheit.
  2. Zur Erhebung des Potenzials zur Entfernung der Trachealkanüle bei nicht beatmeten Versicherten sind auch Fachärzte/‐innen mit mindestens 18‐monatiger einschlägiger Tätigkeit in einer stationären Einheit der neurologisch‐neurochirurgischen Frührehabilitation berechtigt.

Im Rahmen des Entlassmanagements:

  1. Fachärzte/-innen mit der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin,
  2. Fachärzte/-innen mit mindestens 3-jähriger Erfahrung in einer Beatmungsentwöhnungs-Einheit

Die Befugnis zur Potenzialerhebung bedarf einer Genehmigung https://www.kvs-sachsen.de/mitglieder/qualitaet/genehmigungspflichtige-leistungen/aki-ausserklinische-intensivpflege/durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Qualifikation der verordnenden Ärzte (§ 9)

Zur Verordnung (auf der Grundlage einer Potenzialerhebung) sind berechtigt:

  1. Fachärzte/‐innen mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin,
  2. Fachärzte/‐innen für Innere Medizin und Pneumologie,
  3. Fachärzte/‐innen für Anästhesiologie,
  4. Fachärzte/‐innen für Neurologie,
  5. Fachärzte/‐innen für Kinder‐ und Jugendmedizin,
  6. Hausärzte/‐innen, wenn sie über Kompetenzen im Umgang mit beatmeten oder trachealkanülierten Versicherten verfügen.

    Die Befugnis zur Verordnung für Hausärztinnen und Hausärzte bedarf der Genehmigung https://www.kvs-sachsen.de/mitglieder/qualitaet/genehmigungspflichtige-leistungen/aki-ausserklinische-intensivpflege/durch die Kassenärztliche Vereinigung.

    Die Genehmigung ist auf Antrag zu erteilen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind oder die Absicht erklärt wird, sich diese innerhalb von sechs Monaten anzueignen und nachzuweisen Die KBV plant, hierfür eine CME-zertifizierte Onlinefortbildung zur Verfügung zu stellen.

Bei Versicherten, die weder beatmungspflichtig noch trachealkanüliert sind, erfolgt die Verordnung durch Fachärzte/-innen, die auf die außerklinische Intensivpflege auslösende Erkrankung spezialisiert sind.

Ärzte können sowohl zur Potenzialerhebung als auch zur Verordnung qualifiziert sein. Wenn festgestellt wird, dass bei jemandem voraussichtlich langfristig kein Beatmungsentwöhnungs‐ / Dekanülierungspotenzial besteht und die regelmäßige Potenzialerhebung damit nicht notwendig wird, gilt ein Vier-Augen-Prinzip. Wer dann das Potenzial erhebt, kann nicht gleichzeitig die Verordnung ausstellen.

Formular 62B ist für die Verordnung zu verwenden und Formular 62C für den Behandlungsplan, der jeder Verordnung beizulegen ist.

Zusammenarbeit (§ 12)

Der Stellenwert einer guten Kooperation und Koordination zur Sicherstellung der Versorgungskontinuität ist aufgrund der Komplexität der Erkrankungen und Behandlungs-verläufe in der außerklinischen Intensivpflege besonders hoch.

So sollen die ärztlich an der außerklinischen Versorgung Beteiligten und weitere Angehörige von Gesundheitsfachberufen (z. B. geeignete Pflegefachkräfte, Logopäden, Ergo‐ und Physiotherapeuten, Hilfsmittelversorger, Atmungstherapeuten) in einem Netzwerk eng zusammenarbeiten.

Ärzte, die außerklinische Intensivpflege verordnen, tragen die Verantwortung für die Koordination der medizinischen Behandlung der Versicherten einschließlich der rechtzeitigen Einleitung des Verfahrens zur Potenzialerhebung.

Krankenkassen sind mit in die Versorgung einzubeziehen. Sie sollen insbesondere dahingehend unterstützend mitwirken, im Falle einer anstehenden Entwöhnung geeignete stationäre Einrichtungen mit verfügbaren Versorgungskapazitäten zu benennen.

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