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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2021

Ausgabe 10/2021

zum Inhalt dieser Ausgabe

30 Jahre KV Sachsen



Die Bezirksgeschäftsstelle Dresden stellt sich vor


Vom Elbland übers Osterzgebirge, die Sächsische Schweiz bis in die Oberlausitz – in 30 Jahren haben sich Ansprechpartner, Standorte und Aufgaben geändert – aber ein Kerngedanke ist geblieben: Der Servicegedanke.

Die Bezirksgeschäftsstelle Dresden im Wandel der Zeit

Wenn Dr. Johannes Baumann, Wegbereiter der KV-Gründung, zunächst als Bezirksstellenvorsitzender und später als Bezirksgeschäftsstellenleiter, gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen der ersten Stunden von diesen Anfangsjahren erzählt, wird die Herkulesaufgabe deutlich, vor der damals sowohl die niedergelassenen Ärzte als auch die KV Sachsen standen. Zum damaligen Zeitpunkt kamen die meisten Ärzte aus einem festen Anstellungsverhältnis an einer Klinik oder Poliklinik – und nun sollten sie in kürzester Zeit in die Marktwirtschaft eingeführt und in die eigene Niederlassung begleitet werden. Johannes Baumann, der selbst 1980 die Praxis seines Vaters in Coswig übernahm, weiß um die Herausforderungen dieser Anfangsjahre. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksstelle – wie sie damals noch hieß – existierten zu Beginn kaum Telefone. Ärzte trugen ihr Anliegen meist persönlich vor.

Um Führungskräfte für die Bezirksstelle auszubilden, leistete die KV Bayerns Unterstützung, namentlich durch Erich Ulbrich, damaliger Hauptgeschäftsführer. Die KV Bayerns hatte es in jener Nachwendezeit übernommen, den sächsischen Ärzten und ihrer Selbstverwaltung in diesen Anfangsjahren beizustehen. Erste Kontakte gab es bereits vor der Wiedervereinigung – sowohl zwischen den Akteuren in Dresden, Leipzig und Chemnitz als auch auf sächsisch-bayerischer Ebene. Das war von Vorteil, denn die Zeit drängte und die ärztliche Selbstverwaltung musste auf ein sicheres Fundament gestellt werden. In mehrmonatigen Schulungen wurde die Dresdner Führungsriege in München ausgebildet. Umgekehrt kamen die Bayern zu zahlreichen Informationsveranstaltungen in den einstigen Bezirk Dresden, um hier gemeinsam neue Strukturen für die niedergelassenen Ärzte aufzubauen und auch beratend und motivierend zur Seite zu stehen.

Schon Mitte Dezember 1990 trat der erste Zulassungsausschuss im einstigen Forschungsgebäude an der Karl-Marx-Straße zusammen, um an mehreren Tagen Hunderte Ärzte für die Niederlassung zuzulassen.

Zu den Aufgaben der frühen Jahre gehörte auch der Aufbau der Abteilung Sicherstellung sowie die Entwicklung eines Abrechnungsprocederes für die niedergelassenen Ärzte. Auch die Erstellung und Aktualisierung des Arztregisters gehörte damals wie heute zu den Kernaufgaben. Ebenso die Begleitung der Ärzte in die Niederlassung – bei all dem waren neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die vielen sehr engagierten ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzte unverzichtbar.

Bereits Ende 1992 betreute die Bezirksstelle Dresden mehr als 1.800 niedergelassene Ärzte. Aus einer winzigen Abrechnungsstelle des einstigen Bezirkes Dresden für lediglich 49 freiberufliche Ärzte – die übrigens beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) angesiedelt war – war binnen kurzer Zeit eine gut geführte Bezirksstelle mit 154 Mitarbeitern geworden. Das zeigt, wie schnell sowohl Ärzte als auch Verwaltungspersonal bereit und in der Lage waren, sich den neuen Bedingungen anzupassen.

Im Laufe der Jahre kamen neue Aufgaben und Mitarbeiter hinzu, die Anforderungen änderten sich. Mit einem Beschluss der Vertreterversammlung wurde die Grundlage geschaffen, künftig kein Gebäude mehr zu mieten, sondern in eine eigene Immobilie zu investieren. Das war wichtig, denn für die wachsenden neuen Aufgaben und neuen Mitarbeiter mussten zeitgemäße und den Anforderungen entsprechende Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Gebaut wurde letztlich auf dem heutigen Areal der Schützenhöhe, einem einstigen Militärgelände. Bezirksstelle und Landesgeschäftsstelle waren nun ab 1998 unter einem Dach in modernen Räumen und mit guter Infrastruktur untergebracht.

Aber nicht nur positive Zäsuren waren zu verzeichnen, auch Naturkatastrophen gingen nicht spurlos an der Ärzteschaft vorbei: Die Rede ist von der Flut im Jahr 2002. Durch das Hochwasser waren 196 Ärztinnen und Ärzte aus dem Zuständigkeitsbereich der Dresdner Bezirksstelle betroffen, davon allein 35 Ärzte mit einem Totalschaden in der Praxis. Die Schäden reichten von Kellern, die unter Wasser standen, über beschädigte hochwertige Geräte bis zum kompletten Ausfall der Praxis. Die ärztliche Versorgung in diesen Praxen musste von anderen Kollegen aufgefangen werden. Die betroffenen Praxen wurden durch Mitarbeiter der Bezirksstelle aufgesucht und die Schäden dokumentiert. Die noch vorliegenden Bilder von zerstörten Praxen, Wohnhäusern und ganzen Ärztehäusern lassen nur erahnen, was dies für die Betroffenen bedeutete. Einige Ärzte – zum Beispiel in Pirna und Bad Schandau – waren Jahre später beim Hochwasser 2013 erneut betroffen. Die Bezirksstelle konnte auch in diesen Extremsituationen zur Seite stehen: es wurde um Spenden geworben, Hilfsleistungen und finanzielle Unterstützung wurden organisiert.

Das leistet die Bezirksgeschäftsstelle Dresden

Die Beraterinnen und Berater der Bezirksgeschäftsstelle Dresden begleiten Ärzte und Psychotherapeuten auf dem Weg in die eigene Niederlassung – und ggf. auch später bei der Praxisabgabe beim altersbedingten Ausstieg aus der aktiven Tätigkeit. Ein bewährter Ansatz der Bezirksgeschäftsstelle ist die territorial aufgeteilte Beratung, also der Einsatz von Ansprechpartnern für die jeweiligen Regionen und die Stadt Dresden.

Ein ganz anderes Aufgabengebiet der Bezirksgeschäftsstelle Dresden sind die von ihr betriebenen eigenen Praxen, insbesondere die Bereitschaftspraxen. Einen Vorläufer der nunmehr sachsenweit etablierten Bereitschaftspraxen gab es mit der „zentralen Notfallpraxis“ schon seit 1991 in den Räumen einer Poliklinik an der Gerichtsstraße 5 und ab 2003 auf dem Gelände des Universitätsklinikums Dresden. Außerhalb der Sprechzeiten der Arztpraxen wurden dort – und werden bis heute – allgemeinärztliche, kinderärztliche und chirurgische Notfälle ambulant behandelt. Diese Struktur der ambulanten Versorgung war viele Jahre bis zur Bereitschaftsdienstreform einzigartig in Sachsen. Es wurde nicht nur für die Dresdner und die Gäste der Stadt eine zentrale und gut frequentierte Anlaufstelle geschaffen, auch die niedergelassenen Ärzte und die Notaufnahme der Uniklinik konnten entlastet werden. Mit diesen positiven Erfahrungen wurde diese einstmalige „Notfallpraxis“ zur Blaupause der sächsischen Bereitschaftspraxen.

Für eine ambulante Grundversorgung von ausländischen Patienten wurde aus Anlass der Flüchtlingswelle 2015 außerdem die Internationale Praxis Dresden in denselben Räumen eröffnet. Mit Hilfe von Dolmetschern und einem interkulturellen Praxisteam wird die Versorgung sprach- und kultursensibel gestaltet. Neben einem allgemeinärztlichen Bereich gibt es auch eine kinderärztliche und frauenärztliche Sprechstunde.

Fit für die Zukunft

Heute erfüllen die Dresdner Mitarbeiter alle Aufgaben einer modernen und serviceorientierten Bezirksgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Ärzte werden nicht nur zu allen Fragen rund um Verordnungen, Sicherstellung und Abrechnung beraten, darüber hinaus werden auch Workshops und Schulungen für Praxispersonal angeboten. Viele Fortbildungsveranstaltungen finden inzwischen auch zeitgemäß im Online-Format statt.

Unmittelbar spürbar werden die Veränderungen im Aufgabenportfolio unter anderem bei der Abrechnung. Zum Kerngeschäft gehört in Dresden – wie auch in den anderen Bezirksgeschäftsstellen – weiterhin die Bearbeitung der Abrechnungen von Ärzten und Psychotherapeuten. Zwar gibt es selbst heute noch vereinzelt Abrechnungen, die per Post und auf Datenträgern eingereicht werden, aber die Digitalisierung ist hier bereits weit vorangeschritten. Die überwiegende Anzahl der Abrechnungen erreicht die KV Sachsen online.

Eine deutlich größere Rolle als noch vor Jahren spielt heute die Arztakquise inklusive der Beratung zu den entsprechenden Förderprogrammen der KV Sachsen. Diese Aufgabe wird auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Das betrifft in besonderer Weise den hausärztlichen Bereich und die grundversorgenden fachärztlichen Bereiche. Nach wie vor streben die meisten Nachwuchsärzte in die urbanen Regionen, während im ländlichen Raum Versorgungslücken entstehen. Hier unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksgeschäftsstelle die angehenden Ärzte mit individuellen Beratungen und Informationsangeboten.

Ebenfalls an Bedeutung gewonnen hat der Bereich der Qualitätssicherung. Da die Aufgaben aus Qualitätssicherungsvereinbarungen, die die KBV abgeschlossen hat, stetig wachsen, gibt es seit 2008 dafür eine eigene Fachabteilung in allen Bezirksgeschäftsstellen, so auch in Dresden. Die Mitarbeiter der Bezirksgeschäftsstelle bieten nicht nur Beratungen zu allen Fragen der Qualitätssicherung an, sie organisieren Fortbildungen zum Thema, bearbeiten spezielle Krankenkassenverträge und sichern die individuellen Arztkontakte ab.

Heute ist die Bezirksgeschäftsstelle im Direktionsbezirk Dresden zuständig für einen Bereich, in dem rund 1,6 Millionen Menschen leben, die über funktionierende Strukturen ärztlich versorgt werden. Das hat sich auch in der Corona-Pandemie gezeigt – sowohl für unsere Mitglieder, die Ärzte und Psychotherapeuten, als auch für die sächsischen Bürger. Doch dieses Thema sei an anderer Stelle näher ausgeführt: Im Artikel „Hinter den Kulissen“ auf } Seite 10 lesen Sie, welche nicht vorhersehbaren Anforderungen während der Corona-Pandemie durch die KV Sachsen bewältigt werden konnten.

Bezirksgeschäftsstelle Dresden
Schützenhöhe 12
01099 Dresden
dresden@kvsachsen.de
Tel:  0351 8828-0
Fax: 0351 8290-7300

                                                                                 – Öffentlichkeitsarbeit/kbb –