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Sachstand Telematik-Infrastruktur: Datenautobahn für das Gesundheitswesen wächst

Die Telematik-Infrastruktur (TI) als zentrale Kommunikationsplattform soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen miteinander vernetzen. Oberste Priorität hat dabei die Datensicherheit.

Schneller und einfacher miteinander kommunizieren und medizinische Daten sicher austauschen – das ist das Ziel der Telematik-Infrastruktur. Niedergelassene Ärzte, Psychotherapeuten und Zahnärzte sind seit dem 1. Juli 2019 gesetzlich verpflichtet, bei jedem ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) durchzuführen. Der Online-Datenabgleich gilt dabei als Nachweis für den Anschluss an die Telematik-Infrastruktur.

Sachsenweit sind bis dato bereits über 90 Prozent der vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Praxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen und haben somit die Möglichkeit, neben dem VSDM auch die aktuellen Anwendungen wie das Notfalldatenmanagement (NFDM) und den elektronischen Medikationsplan (eMP) zu nutzen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie auch im Artikel „Bestätigung der Betriebsbereitschaft für Notfalldatenmanagement und elektronischen Medikationsplan“ in den KVS-Mitteilungen 04 / 2021.

Nachfolgend geben wir Ihnen eine Übersicht in Form einer Zeitschiene zu den bereits etablierten sowie zukünftigen (Pflicht-)Anwendungen der Telematik-Infrastruktur und deren jeweils geplanten Umsetzungszeitpunkten.

Sie finden die Übersicht im oberen Bereich dieser Seite als PDF „Download des Artikels“   

Zudem fügen wir Ihnen eine aktuelle Zusammenfassung je TI-Anwendung einschließlich der wichtigsten Informationen als Übersicht bei:

  • zum Erstattungsverfahren (einschließlich der derzeit geltenden Erstattungspauschalen),
  • zur Vergütung bei Nutzung der jeweiligen TI-Anwendung,
  • zu den technischen Voraussetzung
  • sowie weiteren relevanten Sachverhalten.

                                                                                                      - Service und Dienstleistungen/hu -

Fragen und Antworten zur elektronischen Patientenakte

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll das zentrale Element der vernetzten Gesundheitsversorgung bilden. Sie soll die bisher an verschiedenen Orten wie Praxen, Apotheken und Krankenhäusern abgelegten Patientendaten digital zusammenführen. Bis zum 1. Juli 2021 müssen laut Gesetz alle Ärzte und Psychotherapeuten die notwendige Ausstattung vorhalten, um Daten über die Telematikinfrastruktur in die ePA zu übertragen oder auszulesen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben droht andernfalls eine Kürzung der Vergütung um ein Prozent.

Was ist die elektronische Patientenakte (ePA)?

Die ePA ist eine digitale Plattform für die Dokumentation und den Austausch von Gesundheitsdaten. Sie wird den Versicherten von den gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung gestellt. Patienten können damit ihre für die Behandlung relevanten Dokumente verwalten. Das Einverständnis der Patienten vorausgesetzt, erhalten Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Krankenhäuser oder Therapeuten Zugriff auf diese Daten. So ermöglicht die ePA den Leistungserbringern einen schnellen und umfassenden Einblick in die jeweilige Krankengeschichte. Dabei wird der Informationsaustausch aller Beteiligten untereinander vereinfacht.

Wer hat Zugriff auf die ePA?

Zugriff auf die ePA haben Patienten und die von ihnen berechtigten Leistungserbringer. Patienten nutzen die ePA-App für Smartphone oder Tablet, um die gespeicherten Gesundheitsdokumente zu lesen, neue Dokumente hochzuladen und diese für Ärzte oder andere Leistungserbringer freizugeben. Berechtigte Ärzte können die in der elektronischen Patientenakte gesammelten Dokumente über ihr Praxisverwaltungssystem einsehen und, falls nötig, die Informationen auch aktualisieren.

Warum und wann wird die ePA eingeführt?

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten spätestens ab dem 1. Januar 2021 eine ePA nach § 341 SGB V zur Verfügung zu stellen.

Ab wann kann oder muss die ePA in der Praxis bedient werden können?

Nach aktuellem Stand sind alle ambulant tätigen Leistungserbringer ab dem 1. Juli 2021 verpflichtet, die ePA auf Wunsch zu befüllen. Dafür sind diverse technische Voraussetzungen (siehe Abschnitt „Zugang zur ePA“) in der Praxis zu schaffen. Danach muss noch die sogenannte Betriebsbereitschaft der ePA im Mitgliederportal der KV Sachsen bis zum 30. Juni 2021 erklärt werden.

Wird die Frist zur Schaffung der ePA-Voraussetzungen in der Praxis noch einmal verlängert?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist schon seit einigen Monaten bemüht, den Gesetzgeber, aufgrund größtenteils erst für Anfang Juni erwarteten Zulassung des sognannten ePA-Updates der TI-Konnektoren, von der Notwendigkeit einer Fristverlängerung zur verpflichtenden Einführung der ePA in den Arztpraxen zu überzeugen. Erste Anzeichen deuten auf eine Bereitschaft des Bundesministeriums für Gesundheit zur Fristverlängerung hin.

Wir werden, sobald neue Entscheidungen des Gesetzgebers vorliegen, auf unserer Internetpräsenz entsprechende Informationen zeitnah veröffentlichen.

Fragen zum Zugang zur ePA für Ärztinnen und Ärzte

Wie erhalte ich Zugang zur ePA meines Patienten?

Sie erhalten den Zugang von Ihren Patienten selbst. Diese entscheiden, ob Ihre Praxis oder eine andere leistungserbringende Institution, wie zum Beispiel ein Krankenhaus oder eine Apotheke, die Daten in der elektronischen Patientenakte einsehen und Dokumente in diese hochladen oder bearbeiten darf. Den Zugriff vergeben die Patienten entweder über ihre ePA-App oder direkt in der Praxis mittels ihrer elektronischen Gesundheitskarte und PIN. Die Patienten bestimmen auch, wie lange ein Leistungserbringer Zugriff auf ihre ePA hat. Zugriffsrechte können von einem Tag bis zu 18 Monaten gewährt werden.

Welche technischen Voraussetzungen muss ich für die Nutzung der ePA in meiner Praxis schaffen?

Für den Zugang zur ePA Ihrer Patienten benötigt Ihre Praxis eine spezifische technische Ausstattung, welche mit der TI verbunden ist. Dazu zählen:

  • Anbindung an die TI
  • Update des Konnektors auf den ePA-Konnektor (Produkttypversion 4)
  • Installation des ePA-Moduls im Praxisverwaltungssystem
  • eHBA ab Generation 2 zur Signatur bestimmter Datensätze (wie z. B. den eArztbrief)
  • ggf. die eGK-PIN des Patienten (wenn eine PIN-Sperre den Zugriff auf die ePA begrenzt. Diese erhält der Patient von seiner Krankenkasse)

Ansprechpartner für weitere Informationen, insbesondere zur Verfügbarkeit der Konnektor- und PVS-Updates, ist der IT-Servicedienstleister oder PVS-Hersteller Ihrer Praxis.

Habe ich denselben Zugang zur ePA für alle meine Patienten oder unterscheiden sich die Akten je nach Krankenkasse?

Der Zugang zur ePA erfolgt einheitlich über Ihr Praxisverwaltungssystem – unabhängig davon, bei welcher gesetzlichen Krankenkasse Ihre Patienten versichert sind.

Wie kann sich der Patient registrieren, um seine ePA zu nutzen?

Jeder Patient, der eine ePA nutzen möchte, kann sich bei seiner Krankenkasse dafür registrieren. Die ePA ist ein kostenloses und für den Patienten freiwilliges Angebot. Patienten, die Fragen zur ePA haben, erhalten dazu umfassende Informationen von ihrer Krankenkasse.

Kann ich als Leistungserbringer eine ePA für meinen Patienten anlegen?

Nein. Nur die Krankenkassen dürfen eine ePA für ihre Versicherten anlegen. Es liegt jedoch in der Verantwortung der Ärztinnen und Ärzte, diese sinnvoll zu befüllen und zu pflegen.

Mit welchem Gerät können Patienten die ePA nutzen?

Patienten können die ePA-App auf ihrem mobilen Gerät mit iOS- oder Android-Betriebssystem installieren. In welcher Form ein Zugang für Desktop-Nutzer möglich ist, wird derzeit geprüft.

Fragen zur Nutzung der ePA durch Ärzte

Welche Funktionen bietet die ePA für Ärzte?

Ärzte können Gesundheitsdokumente in die ePA einstellen, diese herunterladen und lesen, sofern sie von ihren Patienten die nötigen Zugriffsrechte erhalten haben. Das Löschen von Dokumenten ist nur in Absprache mit den Patienten möglich, sie müssen ausdrücklich ihre Zustimmung geben.

Welche Gesundheitsdokumente kann ich in die ePA meines Patienten einstellen?

Damit die ePA die Planung, Kontrolle und Dokumentation gesundheitsbezogener Maßnahmen transparenter und einfacher machen kann, sollten alle dafür relevanten Dokumente auch dort gespeichert sein. Dies betrifft nicht nur Unterlagen, die für die Behandlung des Patienten in der eigenen Praxis wichtig sind, sondern auch Daten, die für Kollegen oder andere Leistungserbringer wesentlich sein könnten. Dazu gehören unter anderem:

  • der Medikationsplan für Patienten, die drei oder mehr verschreibungspflichtige Medikamente gleichzeitig einnehmen;
  • der Notfalldatensatz, der im Notfall medizinische Daten wie Diagnosen, Allergien oder Unverträglichkeiten zugänglich macht und, sofern diese vorhanden sind, Informationen zum Aufbewahrungsort von Dokumenten wie der Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder der Erklärung zu Organ- und Gewebespenden enthalten kann;
  • elektronische Arztbriefe (eArztbriefe), in denen wichtige Informationen zu Krankheitsabläufen dokumentiert sind und die mit Kollegen zum Beispiel im Fall einer Überweisung geteilt werden sollen,
  • Laborergebnisse, Therapie- und Behandlungsberichte, Befunde oder Diagnosen. Diese können auch in unstrukturierter Form, also zum Beispiel als PDF in die ePA eingestellt werden.

Wird die Pflege der ePA vergütet?

Ja. Für das erste Befüllen der Akte im Jahr 2021 erhalten die Mediziner einmalig zehn Euro.

Wie erhalte ich die TI-Pauschalen für das Konnektor- und Praxisverwaltungssystem-Update?

Die Auszahlung der TI-Pauschalen erfolgt nach der Anzeige automatisch mit der Honorarzahlung für das Quartal der Erklärung der Betriebsbereitschaft ePA im Mitgliederportal. Eine weitere Antragstellung, Vorlage von Rechnungen etc. ist nicht notwendig.

Kann ich Dokumente aus der ePA meines Patienten löschen?

Ärzte mit gültigen Zugriffsrechten können Dokumente aus der ePA ihres Patienten löschen, zum Beispiel, um nicht mehr aktuelle Inhalte durch die neue Version zu ersetzen. Da der Patient die Datenhoheit über seine Akte hat, muss er ausdrücklich seine Zustimmung geben.

Welche Dokumentenformate kann ich in der ePA speichern?

Alle gängigen Formate wie zum Beispiel PDF und JPEG sind mit der ePA kompatibel. Vorhandene Dokumente wie Diagnosen, Laborbefunde, Therapie- und Behandlungsberichte können gescannt oder fotografiert und als digitale Version in die ePA eingestellt werden.

Auch standardisierte medizinische Dokumente lassen sich in der ePA speichern und auslesen. Die Standardisierung stellt sicher, dass diese in allen gängigen Praxisverwaltungssystemen und Krankenhausinformationssystemen einheitlich dargestellt werden. Die ersten drei standardisierten Dokumente, die in der ePA zur Verfügung stehen, sind der Medikationsplan, der Notfalldatensatz und der eArztbrief. Weitere standardisierte Dokumente wie der Nachweis von Zahngesundheitsuntersuchungen (Bonusheft), der Mutterpass oder das Kinder-Untersuchungsheft sollen folgen.

Was ist, wenn Patienten ihre komplette ePA löschen möchten?

Patienten können die Löschung ihrer gesamten ePA jederzeit bei ihrer Krankenkasse veranlassen.

Datenschutz der ePA

Wie sicher sind die Daten in der ePA?

Die ePA ist ein digitaler Ordner mit geschütztem Zugang über die TI. Ihre Inhalte sind nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert, sondern liegen verschlüsselt auf Servern in Deutschland bzw. innerhalb der Europäischen Union.

Nur die Versicherten selbst und die von ihnen berechtigten Leistungserbringer dürfen die ePA öffnen und die enthaltenen Dokumente einsehen.

Haben die Krankenkassen Einsicht in die Patientendaten in der ePA?

Die Krankenkassen haben keinen Einblick in die Dokumente. Sie sind zwar gesetzlich verpflichtet, ihren Versicherten eine ePA bereitzustellen, speichern diese jedoch nicht auf ihren eigenen Servern.

Informationen

www.kvsachsen.de > Mitglieder > Telematikinfrastruktur > ePA

 

                                                                                                                     – Hauptabteilung SAVQ / han –