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Korrekte Durchführung der Leichenschau im ärztlichen Bereitschaftsdienst

Das Durchführen einer Leichenschau ist eine häufige Anforderung im ärztlichen Bereitschaftsdienst. Primär ist gemäß Sächsischem Bestattungsgesetz (§ 12) der behandelnde Hausarzt im Rahmen des Sicherstellungsauftrages verpflichtet, die Leichenschau durchzuführen. Zu den Zeiten des organisierten Bereitschaftsdienstes wird der Hausarzt durch den jeweiligen diensthabenden Arzt vertreten.

Leichenschauen sind häufig zu ungünstigen Uhrzeiten notwendig. Die Alarmierung der 116 117 führt dazu, dass der Arzt im Hausbesuch beauftragt wird, sich unverzüglich, d. h. ohne schuldhaftes Zögern, auf den Weg zu machen und zum verstorbenen Patienten zu fahren. Allerdings wäre eine nicht unverzüglich durchgeführte Leichenschau nicht schuldhaft, wenn sie gegen den Schutz eines höherwertigen Gutes (Pflichtenkollision) abgewogen wird.

Der Arzt muss sich bei ausreichender Beleuchtung Gewissheit über den Eintritt des Todes verschaffen. In der Praxis fußt die Todesfeststellung auf Erfolglosigkeit der Reanimation nach hinreichend langer Dauer oder auf dem Nachweis mindestens eines sicheren Todeszeichens: Totenflecke, Totenstarre, Fäulnis, Verletzungen (bzw. Zerstörungen), die mit dem Leben unvereinbar sind.

Die Frist, bis wann eine Leichenschau durchzuführen ist, ist durch das Wort „unverzüglich“, das heißt „ohne schuldhaftes Verzögern“, definiert. Hierzu gibt es oft Beratungsbedarf bei den niedergelassenen Ärzten.

Die KV Sachsen empfiehlt folgende Vorgehensweise:

Falls der Notarzt bereits eine vorläufige Todesbescheinigung ausgestellt hat, kann man davon ausgehen, dass der Tod der Person eindeutig festgestellt wurde. Es ist allerdings auch dann nicht zulässig, noch bis zur Öffnungszeit der Hausarztpraxis mit der Durchführung der Leichenschau zu warten. Darüber hinaus ist ein unverzügliches Aufsuchen der Leiche notwendig, um den zügigen Abtransport zu gewährleisten.

Bitte fahren Sie, um sich rechtssicher zu verhalten, immer zeitnah los und führen die Leichenschau (an der vollständig entkleideten Leiche) durch. Wenn die o. g. Anhaltspunkte (Totenflecke etc.) nach ausreichender Wartezeit noch nicht sichtbar sind, ist die verstorbene Person später erneut aufzusuchen.

Die KV Sachsen empfiehlt die Teilnahme an den Fortbildungsveranstaltungen zu diesem Thema. Das Angebot ist auf der Internetpräsenz der KV Sachsen unter Veranstaltungen, Kategorie „Medizinische Fortbildung“, abrufbar. Auch die Sächsische Landesärztekammer informiert über die korrekte Durchführung der Leichenschau.

Ein Hinweis zur Vergütung:

Durch die Neuregelung in der Gebührenordnung für Ärzte wird die Leichenschau seit dem 1. Januar 2020 leistungsgerechter vergütet.

Informationen

www.kvsachsen.de > Aktuelles > Veranstaltungen

 

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