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Bündnis gegen Sucht – mit Substitution therapieren

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

derzeit können Substitutionsbehandlungen Opoidabhängiger in Sachsen nur unter großen Mühen und mit hohem Engagement einzelner Ärztinnen und Ärzte durchgeführt werden. Insgesamt stehen für 670 Patienten in Sachsen nur 14 Suchtmediziner zur Verfügung. Dies ist viel zu wenig und bringt die substituierenden Kolleginnen und Kollegen an die Grenzen der Umsetzbarkeit, was bedeutet, dass nicht so viele Patienten behandelt werden können, wie es notwendig wäre. Doch in Sachsen geht man von rund 23.000 Abhängigen aus, wenn auch nicht alle für die Substitutionsbehandlung in Frage kommen.  

Hinzu kommt, dass auch die Psychosoziale Betreuung (PSB) während der Substitution – ein weiterer Baustein neben der entsprechenden medizinischen Versorgung – ebenfalls quantitativ nicht zufriedenstellend ist. Doch gerade das Zusammenwirken dieser beiden Disziplinen stellt eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Substitutionstherapie dar. Bei der Opioidabhängigkeit handelt es sich um eine schwere chronische Erkrankung, die in der Regel einer lebenslangen Behandlung bedarf, bei der körperliche, psychische und soziale Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen sind.

Viele Kassenärztliche Vereinigungen – wie auch die KV Sachsen – können die Versorgung auf diesem Gebiet nur unter großen Anstrengungen erfüllen. Mit Blick auf den hohen Altersdurchschnitt der behandelnden Ärzte ist zu erwarten, dass sich diese Situation eher noch verschlechtern wird. „Das wirft neben den negativen Folgen für Leib und Leben der Betroffenen auch Probleme für unsere Gesellschaft auf – bezogen auf gesamtgesellschaftliche Kosten, öffentliche Sicherheit und soziale Verantwortung für fürsorgebedürftige Menschen“, heißt es in einem Positionspapier der bundesweiten „Initiative Substitutionsversorgung Opioidabhängiger“.

Substitutionsbehandlung ist essenziell

Die Opioidgestützte Substitutionstherapie (OST) ist weltweit anerkannter Standard in der Behandlung von Opioidabhängigkeit. Im Zentrum dieses komplexen interdisziplinären Behandlungsansatzes steht die Vergabe eines Substitutionsmittels. Eine Substitutionsbehandlung trägt zur gesundheitlichen Stabilisierung sowie gesellschaftlichen Teilhabe der Patientinnen und Patienten bei und hilft, Todesfälle zu vermeiden. Sie entlastet Abhängige vom Druck, sich illegal Drogen zu beschaffen. Sie legt die Basis für weitere medizinische und psychosoziale Maßnahmen und ermöglicht im Einzelfall auch eine Entwöhnung. Aus ökonomischer Sicht lassen sich damit die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Opioidabhängigkeit reduzieren. Die Wirksamkeit der Substitutionsbehandlung ist wissenschaftlich belegt.

Vor dem Hintergrund der sich diesbezüglich zunehmend verschlechternden Versorgungssituation regt die KV Sachsen gemeinsam mit der Sächsischen Landesärztekammer an, unter Einbindung weiterer Institutionen ein Bündnis für Substitution in Sachsen zu schließen. Vorbild dabei könnte Baden-Württemberg sein, wo sich das Ministerium für Soziales und Integration, die dortige Kassenärztliche Vereinigung, die Krankenkassen, Landkreistag und Städtetag, die Landesstelle für Suchtfragen, die Landesärztekammer, die Landesapothekerkammer und die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg zusammengeschlossen haben. Gemeinsames Ziel ist die zeitnahe Stärkung und Verbesserung der Substitutionsversorgung vor Ort.

Insgesamt hat die KV Sachsen 66 Genehmigungen zur Substitution erteilt. Dabei verfügen 29 Genehmigungsinhaber über die Zusatzbezeichnung „Suchtmedizinische Grundversorgung“. Die übrigen Genehmigungen wurden im Rahmen einer Konsiliariusregelung erteilt. Dennoch führen zu wenige die Substitutionsbehandlung durch. Das ist sehr bedauerlich. 

Es ist ein Anliegen der KV Sachsen, Kräfte zu bündeln und Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Durchführung ambulanter Substitutionstherapien zu gewinnen. Deshalb möchten wir Sie um Ihre Unterstützung bitten, zumal die Versorgungssituation für die Betroffenen unter Corona-Bedingungen nicht einfacher geworden ist.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Sylvia Krug

Bei Interesse steht Ihnen in der KV Sachsen, Abteilung Qualitätssicherung
als Ansprechpartnerin Sandra Dähne zur Verfügung.
Telefon 0351 8290-673