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Sprachdämmerung

Die Sprache ist heute doppelt bedroht: durch ein vorsprachliches Kommunizieren von Gefühlen in Tönen und Gesten, und durch ein technisch-wissenschaftliches Bezeichnen mit Wörtern, die präzise zu sein haben, bei denen es aber gleichgültig ist, welcher besonderen Sprache sie entstammen. Gefährdet wird dabei die Sprache als menschliche Weise, sich die Welt zu erschließen. Das Buch des renommierten Sprachwissenschaftlers Jürgen Trabant ist die vehemente Verteidigung eines kostbaren Guts.

Die vielfältigen Sprachen Europas und der ganzen Welt sind – das wusste schon Humboldt – ebenso vielfältige Weisen, die Welt zu betrachten. Will man also die welterhellende Funktion der Sprache verteidigen, muss man auch den Reichtum der vielen Sprachen erhalten. Das beginnt für uns mit dem Deutschen, das gegenüber dem amerikanischen Englisch zunehmend in Not gerät. Und es gilt genauso für all die anderen europäischen Sprachen, die auf dem Rückzug sind, weil nur die globale Sprache Macht verspricht. Jürgen Trabants Buch ist ein Lob der Sprache, ohne die der Mensch nicht zu denken ist, und zugleich eine Warnung vor der heranrückenden Sprachdämmerung. Eine Verteidigung der Sprache als verbindende Kraft und auf deren Vielfalt der Mensch nicht verzichten kann.

Jürgen Trabant
Sprachdämmerung
Die bedrohte Sprache – eine Intervention

2020, 40 Seiten, gebunden, Format 13,9 × 21,7 cm, 29,95 Euro
ISBN 978-3-406-75015-1
C. H. Beck Verlag

John Heartfield

John Heartfield (1891 – 1968) zählt mit seinen politischen Collagen zu den innovativsten Grafikern der Weimarer Republik und Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Fotomontagen und collagierten Buchumschläge, die ihre Herkunft in der Berliner Dada-Szene haben und sich gegen den Faschismus richten, sind noch heute von großer Sprengkraft.

Der international berühmte Heartfield stellte mit scharfer Beobachtungsgabe, Witz und Kompromisslosigkeit den ursprünglich dokumentarischen Charakter der verwendeten Pressefotos auf den Kopf und setzte seine Kunst bildgewaltig und mit pointiertem Humor aktiv gegen Krieg und Faschismus ein. Heartfield hatte während seines von Verfolgung und Exil geprägten Lebens enge Verbindungen zu bedeutenden Zeitgenossen wie Grosz, Brecht und Piscator. Auch seine Trickfilme und seine Theaterarbeit werden im Kontext von Kunstwerken, Archivalien und Arbeitsmaterialien besprochen, ergänzt um Statements zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die Heartfields Werk im Zeitalter von Fake News beleuchten. Der umfangreiche grafische Nachlass des Pioniers der Fotomontage wird in diesem Bildband vereint. Er zeigt die vielen Facetten seiner Kunst, die von seinem raffinierten Konzept zeugen, mit den Mitteln der Werbung und der Aufklärung den Kunstkontext zu sprengen.

Hg. Anna Schultz, Angela Lammert, Rosa von der Schulenburg
John Heartfield
Fotografie plus Dynamit

2020, 312 Seiten, 250 Abbildungen in Farbe, gebunden, Format 21,5 × 27,5 cm, 39,90 Euro
ISBN 978-3-7774-3442-1
HIRMER Verlag
 

Gärten des Grauens

Sauberkeit, Ordnung und der Krieg gegen das Unkraut sind nach wie vor Kardinaltugenden des Privatgärtners. Die Natur bleibt ein nicht hinzunehmender Störenfried auf heimischer Scholle. Und das selbst in Zeiten von Flächenversiegelung und monströser Artenvernichtung. „Gärten des Grauens“ hält der deutschen Gartenkultur mit den Mitteln des Humors und der Satire den Spiegel vor. Gegen Verbaumarktisierung, unökologische Schotterwüsten, Kunstrasen, sterile Krüppelkoniferen und Psychopathengärten.

„Es sind die trostlosen Gärten selbst, die mich inspirieren, ihnen etwas Tröstendes entgegenzustellen.“, sagt der Autor Ulf Soltau, studierter Biologe, der u. a. im Podocarpus-Nationalpark in Ecuador arbeitete und sich mittlerweile intensiv mit den Eigenheiten der Gartenkultur auseinander setzt. Mit Wortwitz und hintergründiger Gesellschaftskritik erreicht seine Facebook-Seite Gärten des Grauens große Popularität und erfuhr ein riesiges Medienecho. Längst ist Soltaus Projekt die erste Adresse, wenn es um die Dokumentation erschreckender Gartentrends geht. So stammen die meisten Fotos von seinen Abonnentinnen und Abonnenten. In Zeiten von Insektensterben und Klimaerwärmung sind baumlose, versiegelte Steinflächen das Gegenteil dessen, was der Mensch im Garten braucht.

Ulf Soltau
Gärten des Grauens

2019, 128 Seiten, zahlreiche Fotos, gebunden, Format 22,8 × 22,8 cm, 14,00 Euro
ISBN 978-3-8479-0668-1
Eichborn Verlag