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Jemand musste Josef K. verleumdet haben …

Der erste Satz ist bekanntlich der schwierigste – und der wichtigste. Er muss den Leser verführen und verrät meist mehr, als wir bei der ersten Lektüre wahrnehmen. Manchmal enthält er im Kern schon die ganze folgende Geschichte. Peter-André Alts lustvoller Streifzug durch die Weltliteratur führt an großen Texten von der Antike bis zur Gegenwart vor, wie deren Anfänge jenen Pakt mit dem Leser schließen, der die erste Neugier in andauernde Leselust verwandelt.

Manche erste Sätze der Weltliteratur sind so berühmt geworden, dass man sie kennt, auch wenn man das Werk nie gelesen hat. Die Anfänge von Romanen und Erzählungen gewinnen uns, indem sie überraschen oder überwältigen, schmeicheln, erschrecken, verlocken oder erregen. Sie können Spannung erzeugen, Stimmungen hervorrufen, die Protagonisten zum Leben erwecken oder ihre Leser an Ort und Zeit des Geschehens entführen. In unterschiedlichsten Tonlagen – ironisch, pathetisch, bekenntnishaft oder dunkel – leiten sie in die folgende Geschichte ein. Peter-André Alts funkelnd-luzider Essay über die Poesie des Anfangs zeigt das an 249 Beispielen von Homer bis Peter Handke, von Tolstoi bis Paul Auster. Sein Buch bietet, kurz gesagt, Literaturgeschichte und ist selbst eine große Verführung zum Lesen.

Peter-André Alt
Jemand musste Josef K. verleumdet haben …
Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

2020
272 Seiten, Format 21,6 × 14,8 cm, 26,00 Euro
gebunden, Schutzumschlag
ISBN 978-3-406-75004-5
C. H. Beck Verlag

Gottfried Semper

Gottfried Semper war mehr als ein Stararchitekt des Historismus. Sonja Hildebrand, Professorin für neuere Architekturgeschichte, würdigt den visionären Denker, Kunsttheoretiker und Revolutionär in der vorliegenden Biografie. Mit psychologischem Feingefühl zeichnet die Autorin anhand vieler Originalquellen seinen widersprüchlichen Charakter nach.

Sempers Karriere war wechselhaft: Das Europa des Vormärz prägte sein Leben bis zum fulminanten Karrierestart in Dresden. Als überzeugter Republikaner kämpfte er 1848 / 49 auf den Barrikaden. Die prekären Exiljahre waren von der Trennung von seiner Familie und einer daraus resultierenden Ehekrise geprägt. Darauf folgte eine Professur für Architektur in Zürich. Doch selbst erste kleine Erfolge wie die Mitarbeit an der Londoner Weltausstellung konnten seinen beruflichen Existenzkampf nicht mildern. Erst ab 1870 konnte sich Semper, dessen Gebäude wir heute noch bewundern, als Schöpfer glanzvoller Bauten etablieren. Mit dieser Semper-Biographie werden tiefe Einblicke in Sempers privates und berufliches Leben sowie die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts gewährt. Mit zahlreichen Fotos, farbigen Plänen und Skizzen seiner bekanntesten Bauten, nie verwirklichten Entwürfen und zerstörten Gebäuden.

Sonja Hildebrand
Gottfried Semper
Architekt und Revolutionär

2020
256 Seiten, 30 s / w und 28 farbige Abbildungen, Format 14,5 × 21,7 cm, 32,00 Euro
gebunden, Schutzumschlag
ISBN 978-3-8062-4125-9
THEISS Verlag 

Talent kennt kein Geschlecht

In der Gegenüberstellung von Werken von 16 Malerinnen und 20 Malern der Romantik stellt der Band die spannende Frage nach dem weiblichen und männlichen Blick in der Kunst und nimmt das Rollenspiel der Geschlechter unter die Lupe. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, wie sie zu Lebzeiten der hier gezeigten Malerinnen (noch) nicht möglich war.

Erzählt wird die Geschichte von 16 deutschen Malerinnen der Romantik, die den künstlerischen Aufbruch wagten und sich zunehmend zu einer Gruppe vernetzten. Welches soziale Umfeld ermöglichte den Beruf „Künstlerin“ und welche Möglichkeiten der Ausbildung gab es? Wie gelang es den Frauen, sich gegen Vorurteile zu behaupten und welche Freiräume erschlossen sich im historischen Rollengefüge? Mit der kritischen Beleuchtung von Rollenzuweisungen und Rollenforderungen sowie anderer Fragen spürt der Band dem Entstehen einer neuen Künstlerinnen-Generation in der Romantik nach. Der Bildband stellt ausgewählte Künstlerinnen der Romantik mit ihren Meisterwerken vor – gespiegelt an den Arbeiten der männlichen Kollegen. Ein Statement in einen beeindruckenden Bildband gegossen, das damals so wenig selbstverständlich war wie überhaupt das Urteil einer Frau in jenen Zeiten in Sachen Kunst.

Hg. Wolf Eiermann
Talent kennt kein Geschlecht
Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe

2020
208 Seiten, 185 Abbildungen in Farbe, Format 24,0 × 28,0 cm, 45,00 Euro
gebunden
ISBN 978-3-7774-3508-4
HIRMER Verlag