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Behindern verhindern!

Unter diesem Motto wirbt das Sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) seit einigen Jahren erfolgreich und mit viel Aufsehen für die Maßnahmen des Aktionsplans der Sächsischen Regierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Mit zahlreichen Maßnahmen wird für den Abbau von Barrieren in den verschiedenen Lebensbereichen geworben. Barrieren, ob baulicher oder kommunikativer Art, finden sich überall, auch in den sächsischen Arztpraxen. Diesem Thema, Barrieren in Arzt- und Zahnarztpraxen, widmen sich nun zwei neue Flyer des sächsischen Sozialministeriums.

Die Flyer informieren und sensibilisieren sowohl Ärzte als auch Patienten, denn ein Abbau von Barrieren ist für beide Seiten wichtig. Ab dem Jahr 2020 bietet das SMS nun auch im Rahmen des Förderprogramms „Lieblingsplätze für alle“ ein eigenes Förderbudget für barrierefreie Maßnahmen in Arzt- und Zahnarztpraxen.

Teilhabe für Menschen mit Behinderungen

Bezuschusst werden über das Investitionsprogramm „Barrierefreies Bauen – Lieblingsplätze für alle“ kleinere Investitionen, wie zum Beispiel für den barrierefreien Zugang zum Gebäude, die Schaffung von barrierefreien Sanitäranlagen, aber auch für Vorhaben zur Verbesserung der barrierefreien Kommunikation beispielsweise durch den Einbau induktiver Höranlagen oder Hinweise in Blindenschrift.
Die Höhe der Zuwendung kann bis zu 25.000 Euro je Einzelmaßnahme betragen. Eigentümer oder Betreiber von öffentlich zugänglichen Einrichtungen und Gebäuden sowie ambulant tätige Ärzte und Zahnärzte können Anträge auf die Förderung über die zuständigen Landkreise oder Kreisfreie Städte stellen.

Für die Umsetzung im kommenden Jahr stehen insgesamt 4 Millionen Euro zur Verfügung. Erstmals sind dabei 25 Prozent der bereitgestellten Mittel für die Barrierefreiheit in ambulanten Arzt- und Zahnarztpraxen vorgesehen. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit und lassen Sie sich beraten.

Informationen
www.behindern.verhindern.sachsen.de > Leistungen > Lieblingsplätze

                                                                                                        – Sicherstellung / schue –

Impfungen sind eine ärztliche Aufgabe

Die KBV unterstützt die vom Gesetzgeber gewünschte bessere Durchimpfung gegen Masern in Deutschland.

„Information und Aufklärung hinsichtlich der Notwendigkeit einer Impfung weiter zu intensivieren, wäre auf diesem Weg zu bevorzugen. Vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Masernausbrüche in den vergangenen Jahren ist der Schritt einer Impfverpflichtung aber nachvollziehbar“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Ende September anlässlich der öffentlichen Anhörung zum Masernschutzgesetz.

„Die Klarstellung, dass jeder Arzt zur Durchführung von Schutzimpfungen berechtigt ist, soll ebenso dazu beitragen, dass Impflücken schneller geschlossen werden können. Ärzte mit Erfahrung in der Durchführung von Schutzimpfungen können Patientenbesuche zur Überprüfung des Impfstatus nutzen. Beispielsweise könnten Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin auch die Eltern impfen. Bei der Verpflichtung zum Nachweis der Impfung für bestimmte Personengruppen, die tagtäglich mit vielen Menschen in Kontakt kommen, war für uns wichtig, dass der Gesetzgeber für diejenigen, die bereits in Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind beziehungsweise dort betreut werden, nun eine um ein Jahr verlängerte Frist bis zum 31. Juli 2021 vorsieht und damit unseren Hinweis einer dringend notwendigen Verlängerung aufgegriffen hat.

Klar ablehnend stehen wir einem Änderungsantrag der Koalition gegenüber, demzufolge Apotheken künftig in Modellprojekten Grippeimpfungen vornehmen sollen. Nur Ärztin und Arzt kennen den umfassenden und gesamten Gesundheitszustand ihrer Patientinnen und Patienten. Die Durchführung einer Impfung ist nicht ohne Grund eine originär ärztliche Aufgabe. Die Impfung beinhaltet nicht nur die Injektion an sich, sondern umfasst zusätzlich unter anderem die Impfanamnese, die Aufklärung zur Impfung, den Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung durchgeführt werden kann. All dies setzt eine entsprechende ärztliche Aus- und Weiterbildung voraus, über die Apotheker jedoch nicht verfügen. Darüber hinaus sind die hierdurch erforderlich werdenden Infrastrukturmaßnahmen unwirtschaftlich. So müssen in den Apotheken zusätzliche Räume für eine Impfung bereitgehalten und die Haftpflichtversicherungen der Apotheker zur Absicherung etwaiger Impfschäden erweitert werden“, so der KBV-Chef.

Informationen
www.kvsachsen.de > Mitglieder > Impfen
www.kbv.de/html/42639.php

                                                                                           – Information der KBV –

Abschaffung des Antrags- und Gutachterverfahrens vorgesehen

Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung hat der Deutsche Bundestag am 26. September 2019 eine grundlegende Reform der Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie beschlossen.

„Wir wurden von diesen Regelungen überrascht“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). „Die Abschaffung des Antrags- und Gutachterverfahrens und der Wegfall der Vorab-Wirtschaftlichkeitsprüfung für Psychotherapeuten sind ein substanzieller Eingriff in die psychotherapeutische Versorgung. Es wäre angemessen gewesen, die neuen Regelungen mit uns zu beraten, bevor politische Entscheidungen getroffen werden.“

Erweiterung des Auftrags an den G-BA

Mit dem Gesetz erhält der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Auftrag, bis zum 31. Dezember 2022 eine neue Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie zu entwickeln. Der G-BA soll dazu auch Mindestvorgaben für eine Standarddokumentation festlegen, die es ermöglichen soll, den Therapieverlauf inklusive Prozess- und Ergebnisqualität darzustellen. „Dieses neue Qualitätssicherungssystem muss bürokratiearm funktionieren. Psychotherapeuten müssen es als Unterstützung und nicht als überflüssigen Ballast erleben“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. „Damit eine solche Reform der Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie die notwendige Akzeptanz findet, muss sie aber vor allem der Komplexität der psychotherapeutischen Versorgung gerecht werden“, betont Munz.

Mittelfristige Abschaffung des Antrags- und Gutachterverfahrens

Mit Einführung des neuen Qualitätssicherungsverfahrens bis Ende 2022 soll das bisherige Antrags- und Gutachterverfahren abgeschafft werden. Dadurch entfällt die bisherige Vorab-Wirtschaftlichkeitsprüfung der Richtlinienpsychotherapie. Psychotherapeuten unterliegen dann auch für diese Leistungen der üblichen Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen nach § 106a SGB V. Die rechtlichen Grundlagen für diese Prüfungen wurden zuletzt mit dem Terminservicegesetz, das am 11. Mai 2019 in Kraft getreten ist, grundlegend überarbeitet. Danach kann die Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen nur noch auf begründeten Antrag erfolgen. Zufällige Prüfungen bei mindestens zwei Prozent der Leistungserbringer sind nicht mehr vorgeschrieben. Die Details für die anlassbezogene Prüfung sollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen bis zum 30. November 2019 in Rahmenempfehlungen festlegen. „Für uns steht fest, dass die Qualitätsstandards der Psychotherapie-Richtlinie damit nicht zur Disposition stehen dürfen“, betont Dr. Dietrich Munz. „Entscheidend wird darüber hinaus sein, dass bei Prüfungen die Individualität der Patienten mit ihren Erkrankungen und den darauf abgestimmten Behandlungen ausreichend berücksichtigt wird.“

Das bisherige Antrags- und Gutachterverfahren wird auch in der Profession seit Langem kontrovers diskutiert. Es kommt bei Langzeittherapien zum Tragen, die weniger als ein Drittel aller psychotherapeutischen Behandlungen ausmachen. Bei Langzeitpsychotherapien schreiben Psychotherapeuten einen ausführlichen Antrag, der von psychotherapeutischen Gutachtern bewertet wird und auf dessen Grundlage dann eine Therapie von den Krankenkassen bewilligt wird.

                                            – Nach Information der Bundespsychotherapeutenkammer –

Pommes für die Grippeschutzimpfung? Neuer Influenza-Saisonbericht erschienen

In der Grippewelle 2017 / 18 sind geschätzt 25.100 Menschen in Deutschland durch Influenza gestorben. „Das ist die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren“, betont Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. So viele Todesfälle bei einer Grippewelle sind sehr selten, es gibt auch Saisons mit wenigen hundert Todesfällen. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist trotz der von Saison zu Saison unterschiedlichen Wirksamkeit die Impfung. „Es gibt keine andere Impfung in Deutschland, mit der sich mehr Leben retten lässt“, unterstreicht RKI-Präsident Wieler. Neben der Impfung werden gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten empfohlen.

Die Mortalitätsschätzung ist im neuen Influenza-Saisonbericht enthalten. Der Saisonbericht beleuchtet detailliert den Verlauf der vorangegangenen – moderaten – Grippesaison 2018 / 19. Die Schätzung der bundesweiten Zahl der Influenza-assoziierten Todesfälle ist generell um ein Jahr verzögert, da die Daten nicht früher zur Verfügung stehen. Eine zentrale Größe bei der Beurteilung der Krankheitslast ist auch die Zahl der Arztbesuche, die der Influenza zugeschrieben werden. Für die Saison 2018 / 19 sind das rund 3,8 Millionen Arztbesuche. Die geringste Zahl gab es mit rund 800.000 in der Saison 2013 / 14, den höchsten Wert in der ungewöhnlich starken Grippewelle 2017 / 18 mit neun Millionen.

Influenzaviren können bereits übertragen werden, bevor Symptome auftreten. Eine Influenza ist oft durch einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen gekennzeichnet. Häufig kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu. Allerdings erkranken längst nicht alle Infizierten so typisch. Insbesondere ältere Erkrankte bekommen häufig kein Fieber. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippe-Impfung für alle Personen ab 60 Jahren, für chronisch Kranke aller Altersstufen, für Schwangere und für Medizin- und Pflegepersonal. Infomaterialien für die verschiedenen Zielgruppen der gemeinsam von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem RKI durchgeführten Grippe-Kampagne sind bei der BZgA abrufbar. Weitere Informationen zur Grippe-Impfung finden sich auf den Internetseiten des RKI.

Die Impfung des medizinischen Personals dient dem individuellen Schutz vor einer Erkrankung, reduziert aber auch die Weiterverbreitung des Influenza-Virus im Krankenhaus. Bisherige Daten weisen auf den immer noch zu geringen Impfschutz des Gesundheitspersonals hin. Im Rahmen der OKaPII-Studie (Onlinebefragung von Krankenhaus-Personal zur Influenza-Impfung) erhebt das RKI jährlich die Influenza-Impfquoten von Klinikpersonal sowie Gründe für die Impfung oder für die nicht erfolgte Inanspruchnahme. Ziel ist es, das Influenza-Impfverhalten besser zu verstehen und zeitliche Entwicklungen abzubilden. Kliniken erhalten nach Abschluss jeder Erhebung einen individuellen Ergebnisbericht, der helfen kann, eigene Maßnahmen zur Impfquotensteigerung zu planen oder zu evaluieren. Eine Ideensammlung erfolgreicher klinikinterner Aktivitäten wird in den nächsten Wochen auf der OKaPII-Seite veröffentlicht.

Etwas Besonderes hatte sich auch das (nicht bei OKaPII registrierte) St. Franziskus-Hospital in Münster einfallen lassen. Wer sich gegen Influenza impfen ließ, erhielt einen Gutschein für eine Portion Pommes in der Cafeteria. Jedes Team mit einer Impfquote von 100 Prozent bekam einen Gutschein für ein gemeinsames Frühstück. Der Erfolg: die Impfquote verdoppelte sich, in der Ärzteschaft lag sie nach der Aktion bei über 90 Prozent. Die hohe Steigerungsrate führt die Klinik aber auch zurück auf das intensive „aufsuchende Impfen“ in allen Arbeitsbereichen des Hospitals und die Erinnerung an den schweren Verlauf der vorangegangenen Grippesaison 2017 / 2018 mit vielen Influenza-Patientinnen und -Patienten und einem hohen Krankenstand unter den Mitarbeitenden.

Informationen
www.kvsachsen.de > Mitglieder > Impfen > Influenza
www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Influenza
www.rki.de > Infektionsschutz > Impfen > Impfungen A – Z > Schutzimpfung gegen Influenza (Grippe)
www.rki.de > Infektionsschutz > Impfen

Informaterialien der BZgA
www.impfen-info.de

                                                                 – Information des Robert Koch-Instituts –

Zi-Leitungsgremien nach Satzungsänderung neu besetzt

Dr. Annette Rommel ist neue stellvertretende Zi-Kuratoriumsvorsitzende, Dr. Dominik von Stillfried und Thomas Czihal bilden den hauptamtlichen Vorstand.

Dr. med. Annette Rommel ist Ende Oktober zur neuen stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) gewählt worden. Rommel ist seit 2012 Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Nach einer Satzungsänderung erfolgte die Wahl auf einer Sitzung des Zi-Kuratoriums in Berlin. Vorsitzender des höchsten ehrenamtlichen Leitungsgremiums des Zi bleibt Dr. med. Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.

Kern der Satzungsänderung ist die Einführung eines hauptamtlichen Vorstands. Dieser löst den vormals ehrenamtlich besetzten Zi-Vorstand ab. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde der bisherige Geschäftsführer des Zentralinstituts, Dr. rer. pol. Dominik von Stillfried, bestellt. Thomas Czihal, der von Stillfried in der Geschäftsführung bislang vertreten hatte, wurde zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Der Vorstand berichtet an das Zi-Kuratorium, das über den Haushalt entscheidet und grundlegende Richtungsentscheidungen trifft. Dort sind alle Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit Sitz und Stimme vertreten. „Mit den Satzungsänderungen und den personellen Anpassungen in Ehren- und Hauptamt soll das Zi modernisiert und im Hinblick auf künftige Herausforderungen noch schlagkräftiger aufgestellt werden“, so der Zi-Kuratoriumsvorsitzende Hermann nach der Wahl von Rommel, von Stillfried und Czihal.

                                                                                          – Nach Information des Zi –

Erste durch Mücken übertragene West-Nil-Virus-Erkrankung beim Menschen in Deutschland

Erstmals ist eine in Deutschland durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung mit dem West-Nil-Virus (WNV) bekannt geworden: Die Person aus Sachsen war an einer Gehirnentzündung erkrankt, wurde im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt und ist inzwischen wieder genesen.

Das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wies eine Infektion mit WNV nach. „Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht. In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild.“

West-Nil-Viren stammen ursprünglich aus Afrika. Die Erreger werden von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen, aber auch Säugetiere (vor allem Pferde) und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden. Übertragungen sind auch durch Bluttransfusionen möglich. Infektionen beim Menschen verlaufen zu ca. 80 Prozent ohne Symptome, bei knapp 20 Prozent mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Nur bei unter einem Prozent aller Betroffenen – in der Regel bei Älteren mit Vorerkrankungen – kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder seltener zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die tödlich enden kann. Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen lassen sich durch persönlichen Mückenschutz vorbeugen.

Durch Zugvögel und Stechmücken ist das Virus in nördlichere Regionen gelangt und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ausbrüche in Süd- und Zentraleuropa sowie Schwarzmeer-Anrainerstaaten. 2018 und 2019 haben Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des BNITM mehr als 70 an WNV-Infektionen verendete Wild- und Zoo-Vögel in Deutschland festgestellt (Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg), besonders betroffen ist Ostdeutschland. „In diesem Jahr sind vermehrt auch Pferde betroffen, weshalb die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am FLI Pferdebesitzern in betroffenen Gebieten empfiehlt, ihre Tiere impfen zu lassen“, erläutert Martin Groschup, Leiter des Instituts für Neue und Neuartige Tierseuchenerreger am FLI. WNV wird von heimischen Stechmücken der Gattung Culex übertragen. „Offenbar haben die durch den Klimawandel bedingten ungewöhnlich warmen Sommer der letzten beiden Jahre dazu beigetragen, dass sich WNV nördlich der Alpen etabliert hat“, sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am BNITM.

Das Robert Koch-Institut erforscht zusammen mit dem BNITM die Infektionshäufigkeit von WNV und Risikofaktoren in der Bevölkerung. Seit Juli 2019 beispielsweise werden in Regionen, in denen Tiere mit WNV gefunden wurden, systematisch Blutspenden auf die Viren untersucht. Bislang waren die mehr als 2.000 getesteten Spenden negativ. An der Studie sind auch mehrere überregionale Blutspendedienste beteiligt.

Infektionen mit dem West-Nil-Virus sind meldepflichtig. Seit 2018 empfiehlt das RKI Ärzten in den betroffenen Regionen, Patienten mit Enzephalitiden unklarer Herkunft auf West-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei vermehrtem Auftreten von Fiebererkrankungen mit und ohne Hautausschläge muss das Virus als Auslöser in Betracht gezogen werden. Die Labordiagnostik sollte möglichst ein Speziallabor übernehmen.

Informationen
www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > West-Nil-Fieber
www.bnitm.de > Labordiagnostik > Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
 
– Gemeinsame Information des Robert Koch-Instituts, des Bernhard-Nocht-Instituts und des Friedrich-Loeffler-Instituts –

Aktuelle URL: https://www.kvs-sachsen.de/mitglieder/kvs-mitteilungen/2019/112019/nachrichten/?drucken=1
Datum: 15.08.2020