Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2019 » 10/2019 » Qualitätssicherung

Prävention postoperativer Wundinfektionen

Im Fokus folgender Ausführungen steht die aktuelle KRINKO-Empfehlung „Prävention postoperativer Wundinfektionen“, welche 2018 erschienen ist und die bisherigen KRINKO-Empfehlungen ablöst, welche noch zwischen ambulantem und stationären Sektor unterschieden.

KRINKO-Empfehlungen als Stand der medizinischen Wissenschaft

Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) stellen die Basis des Hygienemanagements in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen Deutschlands dar. Entscheidend für die Festlegung von Hygienemaßnahmen ist der Umfang der therapeutischen, diagnostischen oder pflegerischen Tätigkeiten – in Abhängigkeit vom Infektionsrisiko.

Einteilung der Operationen und Eingriffe

In der aktuellen KRINKO-Empfehlung werden allgemein Operationen mit hohem Infektionsrisiko für postoperative Wundinfektionen (SSI = engl. Surgical Site Infections) und Operationen mit geringem Risiko für SSI unterschieden. Die Eingruppierung der einzelnen operativen Maßnahmen soll individuell anhand von Surveillancedaten, der Bedeutung möglicher SSI sowie einer Risikobewertung durch chirurgische Fachvertreter und dem beratender Hygieniker erfolgen.

Bauliche Gestaltung / Räumliche Bedingungen gemäß KRINKO

Bei der Raumplanung ist eine sinnvolle Ablauforganisation, ausreichend Platz für hygienisch einwandfreies Arbeiten sowie für medizintechnische Ausrüstung / Geräte und die Anzahl der vor Ort arbeitenden Personen zu berücksichtigen. Der OP-Bereich soll vom übrigen Klinik- bzw. Praxisbereich separiert werden. Reine und unreine Bereiche und Tätigkeiten sind baulich, mindestens organisatorisch-funktionell voneinander zu trennen. Die Größe der Operationsräume richtet sich nach dem Umfang der Leistungen. Mindestens 20 m2 für kleinere Eingriffe, bis 40 m2 bei vollem chirurgischem Programm und mehr als 40 m2 für Operationen mit besonders hohem Infektionsrisiko sind erforderlich (DGUV, 2011). Die lichte Raumhöhe sollte das Maß von 3,00 m nicht unterschreiten (ARGEBAU, 2013).

Baustoffe und Ausstattung

Baustoffe und Ausstattungsmaterialien müssen in erster Linie nach hygienischen und nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Ziel ist, die Effektivität von Desinfektions- und Reinigungsmaßnahmen zu optimieren. Alle Oberflächen, Einrichtungsgegenstände, Geräte oder Lagermöglichkeiten von Materialien sowie Wäsche müssen leicht feucht zu reinigen und wischdesinfizierbar sein. Schränke sollten deckenhoch bündig abschließen. Heizkörper ohne Konvektoren sind Heizkörpern mit Konvektoren vorzuziehen. Hohlräume sind gegenüber den zugehörigen Räumen allseitig abzudichten. Rohre und Leitungen sind unter Putz zu verlegen oder mindestens zu verkleiden. Fugen und Absätze sind grundsätzlich zu vermeiden. Handwaschbecken sind gemäß den Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250 auszuführen. Im gesamten OP-Bereich sind Spender für die Händedesinfektion in angemessener Anzahl, bedarfsgerecht verteilt, bereitzustellen.

Operationen mit hohem Infektionsrisiko für postoperative Wundinfektionen – Raumbedarf

  • Operationsraum / -räume mit je einem Operationstisch
  • Fläche oder Raum für Narkoseeinleitung und Patientenvorbereitung
  • Fläche oder Raum für Narkoseausleitung und unmittelbare Patientennachsorge
  • Fläche oder Raum für Händedesinfektion
  • Fläche oder Raum zur Händewaschung
  • Lagerräume für saubere Geräte, für Sterilgut und andere Vorräte
  • Mitarbeiteraufenthaltsraum
  • Raum für die Aufbereitung unreiner / benutzter Geräte (unreiner Arbeitsraum)
  • Raum zur Lagerung von Reinigungsutensilien
  • Schleusensysteme
    • Personalschleuse
    • Patientenübergaberaum bzw. -übergabefläche mit Bettenabstellplatz
    • Übergaberaum für reine Güter
    • Übergaberaum für unreine Güter
  • Aufwachraum / -bereich
  • Abstellplatz für OP-Tische
  • Raum für Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben
  • ggf. Vorbereitungsraum für Instrumentiertische
  • ggf. Patientenumkleideraum

Raumlufttechnik im OP

OP-Räume sollen mit Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) betrieben werden. Das heißt, dass dreifach gefilterte Zuluft in den OP-Saal eingeleitet wird (Raumklasse I). Im ambulanten OP sind i. d. R. kleinere Gewebedecken oder einzelne Zuluftauslässe mit einer turbulenten Verdünnungsströmung (TVS) ausreichend. Bei der Planung, Wartung und dem Betrieb sind die Normen DIN 1946-4 (Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens) und VDI 6022 (Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüftungsregeln)) zu berücksichtigen. RLT-Anlagen sind gemäß o. g. Normen einer Installations-, Betriebs- und Abnahmequalifikation sowie regelmäßigen hygienischen und technischen Prüfungen zu unterziehen.

Operationen mit geringem Infektionsrisiko für postoperative Wundinfektionen – Raumbedarf

  • beispielsweise kleine Eingriffe an der Haut; am Auge; Mund-, Kiefer-, Stirnhöhle; Endoskopien von Körperhöhlen; Abszesseröffnungen; interventionelle radiologische und kardiologische Eingriffe
  • Raumanforderungen entsprechen den Anforderungen des „früheren Eingriffsraumes“
  • Umkleidemöglichkeit für das Personal (einschließlich der Möglichkeit zur Händehygiene und zur Entsorgung), getrennt vom Eingriffsraum
  • Fläche für die Lagerung, Entsorgung und Aufbereitung von Geräten bzw. Verbrauchsmaterial
  • ggf. Ruheraum, Umkleidebereich für Patienten

Operationen mit geringem Infektionsrisiko für postoperative Wundinfektionen – Besonderheiten
In OP-Bereichen mit geringem SSI-Risiko sind modifizierte räumliche Bedingungen möglich. OP-Nebenräume bzw. deren Funktionen können zusammengefasst werden. Eine vereinfachte Umlagerung von mobilen Patienten ist zulässig. Bei der desinfizierenden Zwischenreinigung kann sich auf patientennahe Flächen und alle sichtbar kontaminierten Flächen beschränkt werden. Eine RLT-Anlage ist aus infektionshygienischer Sicht nicht notwendig. Wenn, dann ist die Einleitung zweifach gefilterter Luft in den „Eingriffsraum“ ausreichend. Erfolgt eine Fensterlüftung, ist die Installation dichtsitzender Insektenschutzgitter obligat.

Schlüsselfunktion der Gesundheitsämter

Einrichtungen für ambulantes Operieren unterliegen der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt (§ 23 IfSG). In Einrichtungen, in denen das infektionshygienische Risiko höher zu bewerten ist (wie in Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren), erfolgt in der Regel eine jährliche Hygienebegehung durch das Gesundheitsamt.

Durch konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und dem zuständigem Gesundheitsamt sollen die Hygienebedingungen vor Ort abgestimmt und optimiert werden. Das erfordert oft viel Fingerspitzengefühl, denn das Wirtschaftlichkeitsgebot (gemäß § 12 SGB V) kann hier mit den hygienischen Anforderungen kollidieren.

Gesundheitsämter sind durch beratende Krankenhaushygieniker ambulant operierender Einrichtungen rechtzeitig in Bauplanungen einzubeziehen (SächsMedHygVO). Ziel ist, bauliche Veränderungen oder Neubauten schon in der Planung so zu gestalten, dass bauliche Mängel bei der Abnahme bzw. im Nutzungsverlauf verhindert werden. Das spart Zeit und Kosten für alle beteiligten Akteure. Bei bestehenden Einrichtungen ist mit dem zuständigen Gesundheitsamt zu klären, ob Kompromisslösungen weiterhin Bestand haben oder ob kurz- / mittel- / langfristig baulich-funktionelle bzw. betrieblich-organisatorische Anpassungen erforderlich sind. Insbesondere bei Inhaberwechsel stehen Abweichungen von der Norm wieder auf dem Prüfstand.

Literaturverzeichnis

  • Bauministerkonferenz (ARGEBAU) FACHKOMMISSION BAU- UND KOSTENPLANUNG, Netzwerk Krankenhausbau, Planungshilfe Funktionsstelle Operation – Baulich-funktionelle Anforderungen, Stand Dezember 2013.
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Broschüre. BGI / GUV-I 8681-1 Neu- und Umbauplanung im Krankenhaus unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes, Stand September 2011.

Dieser Artikel stellt eine Kurzfassung des Originalartikels dar. Den ganzen Artikel finden Sie als Download im Internet.


– Anja-Susann Schinzel, Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen / Qualitätssicherung / schm –