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Nachwuchsförderung mit Weitblick

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es war ein besonderer Moment für mich, als im ungarischen Pécs am 29. Juni dieses Jahres die ersten Absolventen des Studiums der Humanmedizin ihr Staatsexamen erhielten. Vor sechs Jahren hatten sie mit ihrem Studium begonnen, haben Durchhaltevermögen und Leistungsfähigkeit bewiesen und sind nun auf dem besten Weg, nach ihrer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen zu praktizieren. Die KV Sachsen hatte das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ 2013 initiiert, denn schon damals zeichnete sich eine Versorgungslücke im hausärztlichen Bereich ab, die durch die vorhandenen Ausbildungskapazitäten für Medizinstudenten nicht zu schließen war.

Medizinstudium nur mit einem Abi von 1,0? Nicht jeder, der diesen Notendurchschnitt erreicht, wird auch automatisch ein guter Arzt. Aus meiner Sicht sind soziales Engagement, ein starker Wille, hohe Leistungsbereitschaft und ggf. eine fachbezogene Berufserfahrung ebenfalls wichtige Kriterien für ein Medizinstudium. Diese Eigenschaften und die persönlichen Beweggründe der Bewerber ergründen und bewerten wir in einem fairen Auswahlverfahren in Kooperation mit der Universität Pécs. An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an alle meine Kollegen richten, die diesen Auswahlprozess seit vielen Jahren begleiten. Ebenso danken möchte ich allen, die sich immer wieder aufs Neue für die Nachwuchsgewinnung engagieren, sei es auf Veranstaltungen, mit dem Angebot einer Famulatur- oder Weiterbildungsstelle oder durch ihre Akkreditierung als akademische Lehrpraxis.

Denn die jungen Mediziner werden dringend gebraucht. Darum freue ich mich, dass ab 2020 vom Freistaat Sachsen 20 zusätzliche Studienplätze gefördert werden. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am 28. Juni 2019 in Pécs zwischen dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, der KV Sachsen und der Universität Pécs unterzeichnet.

Dieses Angebot wird durch bereits laufende Maßnahmen und Förderprogramme ergänzt, wie zum Beispiel das Hausarztstipendium, die hausärztliche und fachärztliche Famulatur sowie das Wahltertial Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr.

Doch es gibt noch weitere Pläne, um zukünftige Studierende auf ihrem Weg zum Allgemeinmediziner zu begleiten. Die Technische Universität Dresden plant einen neuen Modellstudiengang Medizin mit stärkerem Praxisbezug. Die Medizinische Fakultät will einen solchen Studiengang für einen Zweitstandort am Klinikum Chemnitz entwickeln. Dort sollen zusätzliche Medizinstudenten die Ausbildung absolvieren können, um später vor allem im ländlichen Raum zu arbeiten. Auch eine Landarztquote hat unsere Landesregierung im Blick, um Allgemeinmediziner an den ländlichen Raum zu binden.

Ein Forscherteam der Universität Leipzig erarbeitet in Kooperation mit Kollegen der Universität Halle-Wittenberg ein neues Lehrkonzept. Es nennt sich „MiLaMed“ – Mitteldeutsches Konzept zur longitudinalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte und Erfahrungen in das Medizinstudium – und wird voraussichtlich im April 2020 starten.

Damit sich zukünftig mehr Medizinstudierende für eine spätere Tätigkeit auf dem Land entscheiden, soll allgemeinmedizinischen Themen und Praxiserfahrungen im Studium eine größere Bedeutung zugemessen werden. Dabei sollen neue ambulante Versorgungskonzepte, beispielsweise die Delegation ärztlicher Leistungen, Telemedizin und E-Health, die Zusammenarbeit zwischen ambulantem und klinischem Sektor sowie zwischen verschiedenen Fachärzten und Gesundheitsberufen thematisiert werden. Und mit dem sogenannten LeiKA-Projekt – Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin – existiert bereits ein praxisorientiertes Studienangebot über das gesamte Studium hinweg für diejenigen, die sich speziell für die Allgemeinmedizin interessieren.

Ich denke, mit dem Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ haben wir Weitsicht bewiesen und dürfen nun auch ein wenig stolz sein, dass die ersten elf Absolventen des Programms ihre Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin bei uns in Sachsen beginnen werden. Wünschen wir den jungen Medizinern alles Gute auf ihrem weiteren Weg. Bitte lesen Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 6.

Es grüßt Sie herzlich


Ihre Sylvia Krug


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Richtigstellung zum Editorial KVSM 06/2019

Die Äußerung zur Dienstbelastung und dem Stadt-Land-Ausgleich bezog sich selbstverständlich nicht auf die Bereitschaftsdienstumlage, sondern auf das neu eingeführte Garantiehonorar. Der Abschnitt muss wie folgt heißen:

Der Evaluationsbericht zeigt:

Das neu eingeführte Garantiehonorar führt zu einer nachhaltigen Erhöhung der Honorarzahlungen je Stunde und damit zur Verbesserung der Honorarsituation im Bereitschaftsdienst. Dies erfolgt proportional zur Dienstbelastung und beinhaltet darin auch einen fairen Stadt-Land-Ausgleich. Die damals kalkulierte Umlage für die Bereitschaftsdienstreform in Höhe von 0,3 Prozent (honorarbezogen) und 300 Euro pro Kopf und Quartal wird frühestens gegen Ende des Jahres 2020 und auch dann eher in geringerem Umfang erforderlich.

Im Zuge der redaktionellen Bearbeitung war die Satzfolge irrtümlicherweise verändert worden.
Wir bitten, das Missverständnis zu entschuldigen.

                                                                                                          – Redaktion / pfl –
 

Aktuelle URL: https://www.kvs-sachsen.de/mitglieder/kvs-mitteilungen/2019/07-082019/editorial/?drucken=1
Datum: 15.08.2020