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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 04/2019

Perfekt vernetzt - sektorenübergreifende Konzepte zur Verbesserung der Versorgung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass sehr viele unterschiedliche Protagonisten an einem Strang ziehen, ist, wie ich finde, durchaus nicht immer selbstverständlich.

Während auf bundespolitischer Ebene palavert und provoziert wird und gerade im Gesundheitsbereich auch Interessenvertretungen gegeneinander ausgespielt werden, sieht es auf Landes- und Kommunalebene oft ganz anders aus. In Sachsen arbeiten seit vielen Jahren unterschiedliche Akteure des Gesundheitswesens und der Kommunen Hand in Hand an innovativen und zukunftsträchtigen medizinischen Versorgungskonzepten – vereint im Gemeinsamen Landesgremium des Freistaates Sachsen. Es setzt sich aus 13 Mitgliedern zusammen, zu denen unter Vorsitz des Sächsischen Sozialministeriums die KV Sachsen, die Sächsische Landesärztekammer, die Krankenhausgesellschaft Sachsen sowie die Landesverbände der Krankenkassen und Ersatzkassen gehören und zwei Patientenvertreter.

Sie alle widmen sich konsequent einem gemeinsamen Ziel: der Sicherung der ärztlichen Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, an der Schnittstelle zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Auf der Grundlage eines Gutachtens zum vertragsärztlichen Versorgungs- und Arztbedarf in Sachsen im Jahr 2030, erstellt vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung Zi, wurde von einer Expertengruppe des Gemeinsamen Landesgremiums für einige ausgewählte Regionen in Sachsen der Entwicklungs- und Handlungsbedarf konkretisiert. Daraus sind Konzepte und Maßnahmen zur Sicherstellung und Strukturentwicklung entstanden, die sich derzeit in der Umsetzung befinden. Diese sollen Beispielcharakter entfalten.

Modellregionen Marienberg und Weißwasser

Unter zusätzlicher Einbindung regionaler Akteure wollen wir gemeinsam die gesundheitliche Versorgung zunächst in den beiden Regionen Marienberg und Weißwasser voranbringen. Um dies dauerhaft und patientenorientiert sicherzustellen, müssen neue Finanzierungs- und Versorgungsmodelle entwickelt werden. Hier sind Ideen gefragt!

Um das große Aufgabenspektrum in den beiden unterschiedlichen Regionen bewältigen zu können, wurden über ein vom Sozialministerium geführtes Lenkungsgremium sieben Arbeitsgruppen gebildet, wobei die KV Sachsen in allen Gruppen mitarbeitet und in den Gruppen fünf und sechs federführend ist:

  1. Ländliches Gesundheitszentrum / Krankenhaus
  2. Kooperation / Verbund in der Weiterbildung
  3. Aktive Mitwirkung kommunaler Partner
  4. Patientenmobilität unterstützen
  5. Einrichtung von Satellitenpraxen
  6. Medizinische Versorgung von Heimbewohnern
  7. Unterstützung durch Delegation, Care- und Case-Managementlösungen sowie telemedizinische Anwendungen

Vernetzung von ambulanten und stationären Strukturen

Die sektorenübergreifende Versorgung sei der Schlüssel zu höherer Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens, sagte kürzlich Sachsens Gesundheitsministerin Frau Barbara Klepsch.

In der Modellregion Marienberg wird derzeit geprüft, ob die medizinische Versorgung durch ein ländliches Gesundheitszentrum am Klinikum Mittleres Erzgebirge nachhaltig verbessert werden kann. Dabei sollen einerseits die stationäre Grundversorgung sowie die Notfallversorgung in der Region gesichert werden. Andererseits können die ärztlichen Kapazitäten des Klinikums auch für die ambulante Versorgung genutzt werden.

In Pflegeheimen in Marienberg und Weißwasser wurden Projekte für Videokonsultationen zur haus- und fachärztlichen Betreuung Pflegebedürftiger installiert. In Marienberg sind Weiterbildungsverbünde mit der Fokussierung auf fachärztliche Gebiete sowie Allgemeinmedizin angedacht. In Weißwasser stehen die Fachgebiete Kinder- und Jugendmedizin sowie Allgemeinmedizin im Vordergrund. In beiden Regionen sollen weitere Ärzte – sowohl ambulant als auch stationär tätige – für die Weiterbildungsbefugnis gewonnen werden – mit Unterstützung der regional tätigen Kolleginnen und Kollegen. Zur Sicherstellung der augenärztlichen Versorgung in Zschopau soll ein Modellprojekt für ambulante teleopthalmologische Sprechstunden etabliert werden, wodurch die regionale Versorgungslücke bei konservativen augenärztlichen Behandlungen gemildert werden soll.

Einsatz von Regionalkoordinatoren

Bundesweit einzigartig ist der Einsatz von Regionalkoordinatoren in diesen Modellregionen. Als Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort halten sie enge Verbindung zu den Akteuren des Gesundheitsbereichs wie Krankenkassen und Ärzteschaft, aber auch im Landkreis. Auch wenn es z. B. bei der Finanzierung unterschiedliche Meinungen gibt, so arbeiten doch alle Partner aktiv an der Umsetzung der Projekte, wenn es um das gemeinsame Ziel – die Verbesserung der medizinischen Versorgung – geht.

Es grüßt Sie herzlich

 


Ihre Sylvia Krug