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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 12/2018

Ausgabe 12/2018

zum Inhalt dieser Ausgabe

Bereitschaftsdienst



Die Pilotpraxis Niesky als Vorreiter für die Modellregionen – ein Prinzip der Zukunft

Vor gut einem Jahr ebnete die 69. Vertreterversammlung der KV Sachsen den Weg für die Bereitschaftsdienstreform. Regelmäßig berichten wir an dieser Stelle von den Aktivitäten und Akteuren. Heute stellen wir Ihnen aus der Modellregion Görlitz/Niesky die Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Emmaus in Niesky, der als Pilotpraxis eine Vorreiterrolle zukommt, näher vor.

Schon seit dem 7. Januar 2017 können sich Patienten aus der Stadt und dem Umland an Wochenenden, Brücken- und Feiertagen in der Bereitschaftspraxis in Niesky behandeln lassen. Sie ist ein gemeinschaftliches Projekt der KV Sachsen, der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden e. V. als Träger des Krankenhauses Niesky sowie der Krankenkassen in Sachsen. Über die Bereitschaftsdienstreform in Sachsen sprachen wir mit dem Ärztlichen Leiter der Bereitschaftspraxis, Dipl.-Med. Volker Höynck.

Wann haben Sie die ärztliche Leitung in Niesky übernommen, und was hat Sie dazu bewogen?

Mit einer Vorlaufzeit von etwa einem halben Jahr sind wir gestartet, ungefähr Mitte 2016. Ich wurde angefragt – und ich war damals der Meinung und bin es heute noch, dass die Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes sinnvoll ist. Dazu kam meine Wohnortnähe zur KV-Praxis. Sie hat sich bewährt, denn manchmal musste jemand kurzfristig einspringen, wenn es nötig war. Diese Nähe hat besonders am Anfang geholfen, um alles in die Spur zu bringen.

Die als Modellprojekt gestartete Praxis in Niesky nimmt praktisch eine Vorreiterrolle für die Bereitschaftsdienstreform ein. Wie wurde sie jetzt in die Bereitschaftsdienstreform eingebunden?

Als Besonderheit bestand ein Bereitschaftsdienst in Niesky aus Sitz- und Fahrdienst, die zeitlich direkt nacheinander abgeleistet wurden. Mit dem Hinzukommen von Görlitz wurden diese Dienste zeitlich getrennt, was sich sehr positiv auf die Dienstorganisation ausgewirkt hat. Es fand auch eine intensive Auswertung der Dienste mit der Klinik statt – danach wurden die Stoßzeiten neu definiert – und diese sowohl in Niesky als auch in Görlitz angepasst und umgesetzt.

Von diesen Erfahrungen mit den Öffnungszeiten, der Klinikzusammenarbeit sowie der Aufteilung des Praxis- und Fahrdienstes konnte Görlitz ganz sicher profitieren. Es gab sowohl Treffen mit KV-Vertretern als auch den direkten Erfahrungsaustausch mit dem Ärztlichen Leiter der Bereitschaftspraxis Görlitz, Herrn Kollegen Großmann.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus entwickelt?

Die meisten Patienten kommen zuerst zur Notaufnahme. Hier werden sie nach dem Triage-System „sortiert“ und zur Bereitschaftspraxis weitervermittelt. Durch den Nebeneingang gelangt man direkt dorthin. Die Aufteilung funktioniert wunderbar. Schon im ersten Monat nach Beginn 2017 gab es sehr viel positive Resonanz, sowohl von Patienten als auch von den Klinikmitarbeitern.

Wenn der Bereitschaftsarzt Patienten zur Notaufnahme überweist, hat er in der Regel schon die Vordiagnostik geleistet, so dass der Patient nicht erneut warten muss – und die Mitarbeiter der Notaufnahme wissen auch sofort, wie sie sich bestmöglich weiter um den Patienten kümmern können. Diese immer wieder beschworene Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Sektor funktioniert in Niesky hervorragend. Obwohl die KV-Ärzte den Klinikmitarbeitern natürlich nicht weisungsberechtigt sind, konnte ich feststellen, dass viel Wert auf fachlichen Meinungsaustausch gelegt wird. Und ich erfahre oft auch, wie es meinem Patienten, den ich an die Klinik überwiesen habe, ergangen ist – und kann damit mein Wissen stärken.

Was hat sich für die Bereitschaftsärzte in und um Niesky mit dem Standort Görlitz und der Modellregion verändert?

Die tiefgreifendste Änderung gab es am Dienstplan, der für rund 160 Ärzte in Sitz- und Fahrdienste aufgeteilt werden musste. Inzwischen empfinden es viele Ärzte als angenehm, nicht mehr selbst fahren zu müssen und eine medizinisch geschulte Kraft an ihrer Seite zu haben. Tatsächlich führte die neue regionale Aufteilung trotz des Einsatzes von zwei Fahrzeugen am Wochenende tagsüber zu einer Reduzierung der Bereitschaftsdienste für jeden Arzt um mehr als die Hälfte, also zu einer erheblichen Senkung der Dienstfrequenz. Durch die Größe der gesamten Modellregion sind die Wege zu vielen Patienten länger geworden.

Die Umstrukturierung verlief nicht ohne Probleme. Wie sind Sie damit umgegangen?

Natürlich gab es Widerstände, die in persönlichen Gesprächen und bei öffentlichen Veranstaltungen spürbar waren. Es gab Kollegen, die sich den Sitzdiensten in der Praxis verweigert haben. Die Fahrdienste wurden zwar weiterhin geleistet, aber für die Praxisdienste sind dann Freiwillige eingesprungen. Das hat die Solidarität unter den Kollegen ganz schön strapaziert. Es gab auch viel Unterstützung seitens der KV Sachsen, durch Gespräche und in Informationsveranstaltungen. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, würde ich einschätzen.

Welche Empfehlungen können Sie für den weiteren Reformverlauf geben? Was erwarten Sie von der KV Sachsen?

Die Bereitschaftsdienstreform sollte sachsenweit konsequent ausgebaut werden. Konstruktive Kritik ist ausdrücklich erwünscht, aber am Sachverhalt der Notwendigkeit der Reform gibt es aufgrund der Gesetzeslage keine Zweifel. Es ist natürlich etwas schwierig, mit Verweigerern umzugehen. Dennoch können wir uns von dem eingeschlagenen Weg nicht abbringen lassen. Ich selbst möchte die Reform noch lange begleiten, es ist definitiv das Prinzip der Zukunft! Und wir Ärzte zahlen nicht drauf, das glaube ich nicht. Es ist wohl ein Nullsummenmodell. Bestimmte Kosten in der eigenen Praxis entfallen, wenn ich in der KV-Praxis Dienst tue oder den Fahrdienst statt des eigenen Autos nutze.

Von der KV wünsche ich mir, dass sie weiter beim nichtärztlichen Personal Unterstützung gibt und die Ärzte nach Möglichkeit noch mehr in die Absprachen einbezieht. Auch Veranstaltungen vor Ort sind wichtig, zum Beispiel Gespräche mit Leitern und Mitarbeitern der BGST Dresden und der Struktureinheit Bereitschaftsdienst. Ein großes Lob möchte ich an dieser Stelle den Dienstplangestaltern in Dresden aussprechen.

                                                                                     – Öffentlichkeitsarbeit/pfl –