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Sächsischer Krankenhaustag widmet sich komplexer Versorgungsverantwortung

Am 20. September fand in Dresden der Sächsische Krankenhaustag 2018 statt. Unter der Überschrift „Sächsische Krankenhäuser in komplexer Versorgungsverantwortung“ hatte die Sächsische Krankenhausgesellschaft zum diesjährigen Treffen geladen. Die KV Sachsen teilte sich mit dem Elblandklinikum Meißen einen Ausstellungsstand zum Thema „Notfall-Triage-Praxis – der Weg zur modernen Portalpraxis.“

Als Schirmherr des Krankenhaustages eröffnete Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Veranstaltung mit einem Rundgang durch die Fachausstellung. Hier präsentierten sich zahlreiche Kliniken gemeinsam mit Organisationen und Netzwerken aus dem Gesundheitssektor. Am Stand der KV Sachsen informierte sich der Ministerpräsident gemeinsam mit Gesundheitsministerin Barbara Klepsch über die Reform des Bereitschaftsdienstes und die Startphase in den drei Pilotregionen Annaberg/Zschopau, Delitzsch/Eilenburg und Görlitz/Niesky.

Umfangreiches Vortragsprogramm

Ein erster Schwerpunkt des Krankenhaustages lag auf dem Thema E-Health mit den Facetten Telemedizin, Versorgung im ländlichen Raum sowie Telematikunterstützung für die Impulsregion Vogtland 2020. „Telemedizin ist ein weiterer wichtiger Baustein bei unserem Ziel, allen Menschen im Freistaat den Zugang zu guter medizinischer Versorgung zu ermöglichen, und zwar unabhängig davon, wo sie leben. Ich bin davon überzeugt, dass sich mit Hilfe der Digitalisierung die Möglichkeiten für die Patienten verbessern werden.“, sagte Barbara Klepsch.

Neben den Eröffnungsbeiträgen standen über 20 Vorträge zu den Themenbereichen Strukturentwicklung, Patientenorientierung und -sicherheit, Pflege und Personal sowie Digitalisierung auf dem Programm. Anlässlich des Krankenhaustages zeigte sich die Gesundheitsministerin sehr zufrieden darüber, dass die sächsische Krankenhauslandschaft eine gut abgestimmte und gestufte Versorgung aufweist, effizient sowie wirtschaftlich arbeitet. Um auch künftig die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu stärken, bedürfe es einer stärkeren Verzahnung von stationären und ambulanten Angeboten, betonte sie und verwies auf die beiden Modellregionen des Gemeinsamen Landesgremiums Marienberg und Weißwasser, in denen die sektorenübergreifende Versorgung vorangebracht werden soll.

Modellprojekte mit Zukunftscharakter

Auf der Grundlage eines Gutachtens des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zum vertragsärztlichen Versorgungs- und Arztbedarf in Sachsen im Jahr 2030 sowie weiterer Kriterien hatten sich Marienberg und Weißwasser als Regionen mit besonderem Entwicklungsbedarf in der ambulanten medizinischen Versorgung herauskristallisiert. Dr. Gunnar Dittrich, Hauptabteilungsleiter in der Landesgeschäftsstelle der KV Sachsen, stellte die Vorgehensweise bei der Auswahl der Modellregionen anhand der Auswahlkriterien vor. Außerdem erläuterte er, wie das Gemeinsame Landesgremium zur Entscheidung über die Modellregionen gelangt ist, welche Projekte dort zu bearbeiten sind und welche Ziele damit verfolgt werden. In den vom Landesgremium eingesetzten Arbeitsgruppen sind Vertreter des Gesundheitsministeriums, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesärztekammer, der Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft, Patientenvertreter sowie ein Koordinator je Region tätig. Sie arbeiten an der Zukunftsfähigkeit der medizinischen Versorgung in den Regionen unter besonderer Beachtung des ambulanten und stationären Sektors.

Unterschiedliche Vergütungssysteme setzen Grenzen

Die engere Zusammenarbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten mahnte Silke Heinke, Leiterin der Landesvertretung Sachsen des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), an. „Trotz zahlreicher gesetzlicher Neuregelungen und Erweiterungen der Möglichkeiten stoßen wir hier an Grenzen. Dazu zählen beispielsweise unterschiedliche Vergütungs- und Planungssysteme.“, sagte sie. Ärzte seien nicht unbegrenzt verfügbar und im niedergelassenen Bereich zeichneten sich Lücken ab, betonte Heinke. In Sachsen sei circa die Hälfte aller hausärztlichen Planungsbereiche drohend unterversorgt. Diese Bereiche fänden sich überwiegend im ländlichen Raum. Inzwischen habe die Problematik auch die Fachärzte erreicht. Deshalb müssten die Ressourcen von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten stärker abgestimmt und gemeinsam genutzt werden.


Informationen
www.kvsachsen.de

Krankenhausgesellschaft:
www.kgs-online.de 

                                                                                  – Öffentlichkeitsarbeit/pfl –

Sachsen will Entwicklung der Telemedizin vorantreiben

Am 17. September 2018 trafen sich rund 400 Teilnehmer aus Gesundheitswirtschaft, Politik und Wissenschaft zum „Sächsischen Tag der Telemedizin“ in Leipzig. Auch Vertreter der KV Sachsen nahmen daran teil – mit dem Hintergrund des aktiven Einstiegs in ein Modellprojekt zur Fernbehandlung, das nur wenige Tage zuvor auf der Sonder-Vertreterversammlung beschlossen wurde.

Diskutiert wurde über den aktuellen Stand der Telemedizin in Sachsen und die gegenwärtigen Entwicklungen auf Bundesebene. Über 25 Projekte aus dem Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen und der Telemedizin präsentierten sich im Rahmen dieser Veranstaltung.
„Telemedizin kann einen wichtigen Beitrag leisten, dass überall im Land gute medizinische Versorgung auf hohem Niveau sichergestellt wird. Der Freistaat unterstützt medizinische Forschung und innovative Versorgungsangebote. Es geht darum, telemedizinische Angebote auszubauen. Der Freistaat fördert deswegen ganz gezielt auch den Breitbandausbau als eine Grundlage für neue und leistungsstarke Anwendungen“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zur Eröffnung.

Dem schloss sich Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch an: „Telemedizin ist für mich ein bedeutender Baustein bei der flächendeckenden Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Mit der Entwicklung stehen wir erst am Anfang. Nach der Lockerung des Fernbehandlungsverbotes können wir mehr für die Patienten erreichen. Dazu müssen wir gemeinsam mit den Partnern aus dem Gesundheitswesen entsprechende Projekte entwickeln, die den Alltag vieler Patienten erleichtern wird“, sagte sie. Damit die Telemedizin einen echten Nutzen bringt, sei die Akzeptanz bei Ärzten und Patienten erforderlich, ergänzte sie weiter. Sachsen habe bisher innovative E-Health-Maßnahmen und Projekte im Bereich Ambient Assisted Living in Höhe von fast 17 Millionen Euro gefördert und damit Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 21 Millionen Euro angeschoben.

Deutlicher Technologiezuwachs in den letzten Jahren

In zahlreichen Fachvorträgen widmeten sich die Referenten den Themen elektronische Gesundheitskarte, IT-Sicherheit, Alltagsfähigkeit der Telemedizin, Fördermöglichkeiten oder auch der Entwicklung innovativer E-Health-Dienste. Dr. Thomas Lipp, Facharzt für Allgemeinmedizin in Leipzig, Vorstandsvorsitzender des Sächsischen Hartmannbundes und Mitglied der Vertreterversammlung der KV Sachsen, stellte seine Erfahrungen mit interdisziplinären Telekonsultationen vor. Sie beruhen auf einem vor etwa acht Jahren ins Leben gerufenen Pilotprojekt, als die Telemedizin praktisch noch in den Kinderschuhen steckte. Das Ziel der 18 Monate dauernden Erprobung bestand damals darin, eine sinnvolle Anwendung eines Telekonsils zwischen HNO- und Allgemeinärzten zu realisieren – mit Erfolg. „Seit damals ist ein deutlicher Technologiezuwachs zu verzeichnen und die

Telemedizin lässt sich immer mehr in den Praxisalltag integrieren.“, ist er überzeugt. Vorstellbar sei für ihn, Alten- und Pflegeheime auch fachärztlich mitzuversorgen, Hausärzte durch wegfallende Besuche zu entlasten oder Außenposten von Praxen mit Hilfe von Praxisassistenten oder Nichtärztlichen Praxisassistenten und durch einen Arzt – zumindest routinemäßig – zu versorgen. „Telemedizinisch lässt sich alles, was oberflächendarstellbar und visualisierbar, also übertragbar ist, andenken. Grundvoraussetzung für eine flächendeckende und mentale Umsetzung sind aber – denn wir leben nun mal in einer Marktwirtschaft – Abrechnungsmöglichkeiten, die dieses neue Gebiet wirtschaftlich interessant darstellen lassen.“, sagte Dr. Lipp weiter. Nun sei es die Aufgabe der KVen und Kassen, hier einem neuen Entwicklungsfeld der Versorgung auch entsprechend „Düngung“ zu geben.

Ärzte und Patienten profitieren

Dabei stellen telemedizinische Verfahren keinen Ersatz für übliche diagnostische oder therapeutische Verfahren dar. Sie können die qualitativ hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung unterstützen und besonders im ländlichen Raum verbessern. Digitale und telemedizinische Dienste können im Alltag eine Hilfe sein, um Arzt und Patient zusammenzubringen. Angehörige und Pflegepersonal, aber auch Arztpraxen, Notaufnahmen und Krankenhäuser würden entlastet, und die elektronische Patientenakte könnte die sektorenübergreifende Kommunikation schneller und einfacher machen.

Informationen  
www.vital.digital.sachsen.de

                              – Nach Informationen des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales/pfl–

Fernbehandlung als Modellprojekt der KV Sachsen

Der Kabinettsbeschluss der Bundesregierung zum Terminservice- und Versorgungsgesetz beinhaltet unter anderem, dass ab dem 1. April 2019 die bundesweite Rufnummer 116117 rund um die Uhr geschaltet werden soll. Vom Sächsischen Ärztetag war im Mai entschieden worden, das Fernbehandlungsverbot für Ärzte aufzuheben. Am 12. September 2018 beschloss die Vertreterversammlung der KV Sachsen einstimmig, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für ein sachsenweites Modellprojekt zur Verbesserung der Patientenversorgung zu nutzen.

Es soll ein sachsenweites Modell umgesetzt werden, welches den Patienten einen zusätzlichen und koordinierten Zugang zu ärztlichen Leistungen bei Bedarf ermöglicht. Dazu zählt insbesondere das Angebot, einen Telefonkontakt mit einem Arzt für die Beratung von Patientenanliegen zu organisieren. Perspektivisch ist auch angedacht, das telefonische Angebot durch einen telemedizinischen (Video-)Kontakt zu ergänzen. Sollte sich während des Telefonates die Notwendigkeit eines persönlichen Arzt-Patienten-Kontaktes ergeben, ist auch dessen Organisation Teil des Modellprojektes. Mit der seit November 2014 existierenden Terminservicestelle der KV Sachsen gibt es hierfür bereits nutzbare Ressourcen, die ermöglichen, die benötigte Infrastruktur schnell aufzubauen.

„Hier können wir mit etwas Neuem vorangehen, um es nach unseren Vorstellungen zu gestalten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. Klaus Heckemann. Die Möglichkeit der Lockerung des Fernbehandlungsverbotes solle genutzt werden, um selbstständig zu gestalten – und nicht alles dem Gesetzgeber zu überlassen.

Die KV Sachsen wird jetzt auf die Krankenkassen zugehen. Sollte eine schnelle Einigung zur konkreten Ausgestaltung und Finanzierung gelingen, könnte das Modellprojekt schon zum 1. April 2019 starten.

Nach einer kurzen Pilotphase in einzelnen Regionen soll das Angebot schnellstmöglich sachsenweit zur Verfügung stehen. Sachsen würde mit dem Modellprojekt eine bundesweite Vorreiterrolle übernehmen, wenn es diese neuen, zeitgemäßen ärztlichen Leistungen zur Patientenversorgung flächendeckend seinen gesetzlich versicherten Bürgern anbietet. Die KV Sachsen setzt sich weiter dafür ein, dass die Leistung „Fernbehandlung“ ausnahmslos extrabudgetär vergütet wird.

                                                                       – Öffentlichkeitsarbeit/pfl –