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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2018

Ausgabe 10/2018

zum Inhalt dieser Ausgabe

Nachwuchsförderung



10. Netzwerktreffen Ärzte für Sachsen in Weißwasser

Unter dem Motto „Vom Piloten in die Regelversorgung“ lud das Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ seine Netzwerkpartner und alle am Thema „Ärztliche Versorgung in Sachsen“ Interessierten zum nunmehr zehnten Mal zur Jahrestagung ein.

Im Zentrum der Veranstaltung am 12. September 2018 stand die Region Weißwasser. Hier werden zurzeit unter Federführung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz durch eine Expertengruppe Entwicklungsbedarfe analysiert und Modellprojekte zur Sicherung der medizinischen Versorgung entwickelt. Außerdem ging es um weitere alternative Versorgungsformen, um aktuelle Entwicklungen bei der ärztlichen Nachwuchsgewinnung und um gelungene Beispiele bei der Förderung für Ärzte gerade im ländlichen Raum.

Das Grußwort zur Veranstaltung im Tagungssaal des E-Werkes Weißwasser hielt der Stadtrat des Gastgeberortes, Hartmut Schirrock. Dabei wurde schnell deutlich, welche Brisanz die Thematik der ärztlichen Versorgung in dieser Region hat. Denn besonders Weißwasser hat nicht zum ersten Mal mit einem Strukturwandel zu kämpfen. Nachdem bereits Anfang der Neunzigerjahre viele der Glas- und Industriebetriebe schließen mussten, steht man nun vor dem Ausstieg aus der Kohle in der Lausitz. Ein solcher wirtschaftlicher Wandel hat einen Einfluss auf die Bevölkerung der Region. Nicht zuletzt fehlt es daher an Ärzten. Darum – so Schirrock – müssten alle Beteiligten jetzt und nicht irgendwann handeln.

Auch der ärztliche Direktor des örtlichen Kreiskrankenhauses, Dr. med. Karsten Brußig, sprach in seinem Grußwort von ärztlicher Seite in erster Linie von einem Nachwuchsproblem bei Ärzten und im Pflegebereich. Sein Appell richtete sich an eine engere Vernetzung und bessere Kommunikation zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Mehr Ärzte in Festanstellung

Im Anschluss hatte Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, das Wort. In seiner einleitenden Präsentation erläuterte er, wofür das Netzwerk steht. Bereits 2009 gründeten Akteure des sächsischen Gesundheitswesens das Netzwerk mit dem Ziel, sich und die Maßnahmen gegen den drohenden Ärztemangel besser zu koordinieren und zu verknüpfen.

Weiterhin ging er auf den Wandel ein, der auch bei der ärztlichen Tätigkeit zu beobachten ist. So ist nach einer ersten Analyse der Sächsischen Landesärztekammer die Anzahl der in Sachsen angestellten, ambulant tätigen Ärzte in den vergangenen zehn Jahren von 477 auf 1.570 angestiegen, wobei es jedoch starke regionale Unterschiede gibt. Zudem wächst der Wunsch zur Arbeit in Teilzeit unter dem immer wichtiger werdenden Gesichtspunkt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Neben mehr Flexibilität in der ärztlichen Arbeitswelt gilt es, die jungen Ärzte auch an die ländlichen Regionen zu binden. Dabei sind Standortvorteile zu vermitteln und Beratungsangebote bereit zu stellen. Nur so können langfristig neue Ärzte für Sachsen gewonnen werden. In diesem Sinne bildet das Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ ein Dach für alle neuen Konzepte zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung.
Für Bodendieck ist der Dialog zwischen den Beteiligten der Schlüssel für den Erfolg des Netzwerkes, denn „das Netzwerk ist nur so gut wie seine Mitglieder“.

Marienberg und Weißwasser sind Modellregionen

Die Bedeutung von Netzwerken und ihrer Mitglieder unterstrich auch die Staatssekretärin des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Regina Kraushaar, während ihrer Vorstellung der Vorhaben in den Modellregionen. Sie informierte dabei auch über den Werdegang des Lenkungsgremiums und den Beschluss zur Auswahl von Marienberg und Weißwasser. Zudem wurden die beiden regionalen Koordinatoren der Projekte vorgestellt: Ina Winterstein für die Modellregion Marienberg und Markus Cording für die Modellregion Weißwasser.

Ihr Appell zur aktiven Mitarbeit bei sämtlichen Versorgungsfragen richtete sich sowohl an die Kommunen und die Selbstverwaltung als auch an die Politik selbst. Die Aufgabe ist, junge Ärztinnen und Ärzte für eine Tätigkeit im ländlichen Raum zu begeistern. Erste Initiativen in dieser Richtung seien bereits erfolgreich, so haben inzwischen einige geförderte Stipendiaten ihre Weiterbildung abgeschlossen und wollen eine hausärztliche Tätigkeit aufnehmen.

Telemedizin im Kommen

Ein anderes Thema, das seit dem letzten Ärztetag wieder besonders an Präsenz gewonnen hat, ist die Telemedizin. Von solch einem Projekt berichteten anknüpfend Professorin Dr. sc. hum. Anke Häber von der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Lysann Kasprick von der Firma GeriNet aus Leipzig. Gemeinsam mit weiteren Partnern haben sie ein Konzept zu delegierbaren telemedizinischen Leistungen, speziell im Vogtlandkreis, entwickelt. So soll künftig das Care- und Case-Management von einem Servicecenter übernommen werden, um so neben dem Angebot von Videosprechstunden arztentlastend und ergänzend zu wirken. Die sogenannte TeleNurse bildet dabei die Schnittstelle zwischen Arzt und Patient, wobei sie viele der klassischen Tätigkeiten des nicht-ärztlichen Personals in einer Praxis übernehmen kann. Das erste Servicecenter soll schon Anfang nächsten Jahres eröffnet werden.

Eigenpraxen gegen Unterversorgung

Als ein bereits erfolgreiches Beispiel früherer Projekte zur Ärztegewinnung in versorgungskritischen Regionen berichtete im Anschluss Anja Roth, Abteilungsleiterin Sicherstellung in der Landesgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, über die Eigenpraxen der KV Sachsen – von der Anstellung bis in die Selbstständigkeit. Dieses Projekt ist nicht nur ein positives Beispiel für die Gewinnung von Ärzten in einer Region mit drohender Unterversorgung. Es ist auch ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedener Akteure mit dem gleichen Ziel. Denn im Rahmen des Netzwerkes „Ärzte für Sachsen“ wurde bereits 2012 eine Arbeitsgruppe „Neue Versorgungsformen“ unter Beteiligung der KV Sachsen, der Sächsischen Landesärztekammer und der LVSK sowie der Ersatzkassen gegründet.

Anja Roth zeigte dabei die zahlreichen Problemstellungen des Projektes von der Idee bis zur Lösung, einschließlich des schwierigen Weges dorthin, auf. Viele Ansätze führten in eine Sackgasse. Schließlich konnte aber am 4. Januar 2016 eine hausärztliche Eigenpraxis der KV Sachsen in Mügeln mit Thomas Kracht eröffnet werden, wodurch eine Stabilisierung der Versorgungslage in der Region erreicht wurde.

Bekanntheitsgrad der Netzwerke erhöhen

Anschließend stellten sich die ersten vier Referenten unter der Moderation von Erik Bodendieck den kritischen Fragen des Publikums. Dabei wurden einige Punkte heiß diskutiert, die nach Ansicht der Teilnehmer eine wesentliche Rolle bei der Gewinnung von Ärzten für Sachsen spielen. So ging es unter anderem um Vergütungsfragen sowie Inhalte der Fachsprachenprüfung bei der Einstellung von ausländischen Fachärzten. Aber auch infrastrukturelle Probleme wurden thematisiert.

Volker Höynck, Hausarzt in Niesky, stellte Aufgaben und Aktivitäten sowohl des Ärzte-Netzes Ostsachsen, dessen Vorsitz er innehat, als auch des Weiterbildungsverbundes Ostsachsen vor. Er betonte dabei, wenn es darum geht, Nachwuchs zu gewinnen und damit junge Ärzte vor Ort zu binden, sei das aktive Engagement der ansässigen Ärzte von größter Bedeutung. Ein Weiterbildungsverbund biete dazu die ideale Plattform. Er gewährleistet dem ärztlichen Nachwuchs auf der einen Seite eine Verbundausbildung im Rotationssystem sowie feste Ansprechpartner bei Fragen rund um die Weiterbildung und bietet andererseits den weiterbildenden Ärzten die Möglichkeit, freie und geplante Stellen zu koordinieren sowie mögliche Nachfolger zu qualifizieren und ein Stück weit an die Region zu binden.

Der Nachwuchsmangel ist bekannterweise nicht auf Ostsachsen beschränkt. Deshalb hat die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) eine Fachkräftekampagne initiiert mit dem Motto: „Chemnitz zieht an!“. Nach der Auffassung von Laura Thieme, die dieses Projekt vorstellte, ist Fachkräftemarketing gleichzusetzen mit Stadtmarketing. Das bedeutet, der Fokus wird auf die Standortvorteile der Stadt gesetzt, um so auch den Bekanntheitsgrad von Chemnitz als vielfältigen und lebenswerten Ort zu erhöhen.

Fördermöglichkeiten nutzen

Die letzte Präsentation des diesjährigen Netzwerktreffens oblag Heiko Vogt vom Referat Ländliche Entwicklung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Er stellte erfolgreiche, exemplarische Projekte des LEADER-Förderprogramms vor mit dem Titel „LEADER-Förderung für Ärzte auf dem Land: vom Denkmal zur Arztpraxis“ warb er für die breiten Fördermöglichkeiten, die auch Ärzten zur Verfügung stehen. So konnten bereits zahlreiche Projekte unterstützt werden: von der Sanierung eines Mehrgenerationenhauses mit integrierter Hausarztpraxis in Oederan über den Umbau in einem Rathaus von Räumlichkeiten für ein Ärztepaar in Augustusburg bis hin zur Ausstattung einer internistischen Hausarztpraxis in Rackwitz.

Am Ende der Veranstaltung nutzten zahlreiche Teilnehmer die Chance zur Diskussion und knüpften Kontakte. In der Veranstaltung wurden viele Themen rund um aktuelle und künftige Herausforderungen beleuchtet. Es wurden aber auch viele erfolgreiche Beispiele präsentiert, die deutlich machen, dass die gemeinsamen Bestrebungen – Ärzte für Sachsen zu gewinnen – nicht umsonst sind. So will sich auch im kommenden Jahr das Netzwerk zu seinem 10-jährigen Jubiläum wieder treffen und sowohl die aktuelle Situation als auch laufende und vergangene Maßnahmen besprechen und analysieren.

                                                                                            – Sicherstellung/koh –

Informationsveranstaltungen zum Modellprojekt Studieren in Europa

Mit dem Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ finanziert die KV Sachsen gemeinsam mit den Sächsischen Krankenkassen jedes Jahr 20 Abiturienten das deutschsprachige Medizinstudium an der ungarischen Universität Pécs.

Die Studierenden verpflichten sich im Gegenzug, nach erfolgreichem Studienabschluss die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen zu absolvieren sowie im Anschluss für mindestens fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen außerhalb des Großstadtbereichs zu arbeiten.
Die Projektteilnehmer werden in einem mehrstufigen Auswahlverfahren durch die KV Sachsen und die Universität Pécs ausgewählt. Voraussetzungen für die Teilnahme am Auswahlverfahren sind ein (voraussichtlicher) Abiturdurchschnitt von mindestens 2,6 sowie die Belegung von wenigstens zwei naturwissenschaftlichen Fächern (Biologie, Chemie oder Physik) in der Sekundarstufe II.

Das Modellprojekt wird auch im nächsten Studienjahr 2019 / 20 fortgeführt. Es werden erneut 20 Studienplätze an der Universität Pécs zur Förderung ausgeschrieben. Interessenten können sich an folgenden Terminen über die Förderbedingungen, das Auswahlverfahren und die Bewerbungsmodalitäten informieren:

 

 
Informationen
www.kvsachsen.de > Ärztlicher Nachwuchs > Abiturienten und Medizinstudenten > Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“

                                                                                          – Sicherstellung/fr –