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Aktualisierung der Verwaltungsvorschrift für Schutzimpfungen

Die Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) über öffentlich empfohlene und zur unentgeltlichen Durchführung bestimmte Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe wurde im September 2017 neu gefasst.

Gemäß § 20 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz sollen durch die obersten Landesgesundheitsbehörden öffentliche Empfehlungen für Schutzimpfungen oder andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe auf der Grundlage der jeweiligen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ausgesprochen werden.

In Sachsen formuliert die Sächsische Impfkommission (SIKO), als Beirat des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, eigene sächsische Impfempfehlungen auf der Grundlage der jeweiligen Empfehlungen der STIKO und unter Berücksichtigung der epidemiologischen Lage und Besonderheiten in Sachsen und berät dazu das SMS. Auf dieser Basis werden durch das SMS für den Bereich des Freistaates Sachsen aktive Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe im Rahmen der aktuell gültigen Fassung der E 1-Empfehlungen der SIKO oder der sächsischen Herdbekämpfungsprogramme (Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten) öffentlich empfohlen.

Achtung: Nicht alle Kosten für Schutzimpfungen werden von allen Kassen automatisch übernommen.

Zum wiederholten Male verweist die SIKO ausdrücklich auf den Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, dass „zur Begrenzung der Regelungsvielfalt alle Krankenkassen ihren sächsischen Versicherten die SIKO-Empfehlungen zugestehen sollten“.

Die Sächsische Impfkommission weist in diesem Zusammenhang auch auf die von der SLÄK und der SIKO veranstalteten Impfkurse Teil 1 und 2 zur Erlangung des „Zertifikates Schutzimpfungen“ der Sächsischen Landesärztekammer hin.

 

Informationen

www.slaek.de > Ärzte > Fortbildung > Fort- und Weiterbildungsangebote > Impfkurse

www.kvsachsen.de > Mitglieder > Impfen > Gesamtübersicht Schutzimpfungen

www.kvsachsen.de > Aktuelles > Veranstaltungen > Kategorie Verordnung

                                           – Dr. Dietmar Beier, Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission –

Empfehlungen der SIKO zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen

Auf der Grundlage von Beschlüssen der Sächsischen Impfkommission SIKO werden ab 1. Januar 2018 die nachfolgenden Empfehlungen neu gefasst: Aktualisierungen bei Meningokokken und Pneumokokken sowie Ergänzungen bei Hepatitis A, Hepatitis B und Influenza.

Die SIKO beschloss auf ihren Sitzungen im Mai und Oktober 2017 folgende Aktualisierungen:

1. Die Empfehlung zur Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen C / ACWY lautet: bevorzugt werden sollten tetravalente Konjugatimpfstoffe.

Seit dem Jahr 2000 sind monovalente (Serogruppe C) Konjugat-Impfstoffe gegen Meningokokken-Erkrankungen in Europa zugelassen. Eine Impfempfehlung zur Standardimpfung besteht in Sachsen seit Juli 2003 für alle Kinder und Jugendlichen vom vollendeten 2. Lebensmonat bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Hier wird bei Impfung im Säuglingsalter eine Boosterung ab 2. Lebensjahr empfohlen. Die deutschlandweite Impfempfehlung besteht seit 2006 für alle Kinder im 2. Lebensjahr. Eine fehlende Impfung soll bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

In den Jahren 2010 (Menveo®) und 2012 (Nimenrix®) ließ die EMA die ersten tetravalenten (Serogruppen A, C, W und Y) Konjugat-Impfstoffe gegen Meningokokken-Erkrankungen zu. Für die Anwendung dieser Impfstoffe existieren bereits seit einigen Jahren zu Indikationsimpfungen Empfehlungen sowohl der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut als auch der SIKO (hier auch zur Standardimpfung bei Kindern und Jugendlichen).

Menveo® ist derzeit (Stand: 22. November 2017) ab vollendetem 2. Lebensjahr zugelassen, eine Erweiterung ist geplant, Nimenrix® ab einem Alter von sechs Wochen. Die sächsische Empfehlung zur Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppen C bzw. ACWY wird durch folgende Formulierung konkretisiert: Aufgrund der epidemiologischen Lage sollten die Impfungen bevorzugt mit einem tetravalenten Konjugatimpfstoff (Serogruppen A, C, W, Y) entsprechend der Alterszulassung erfolgen (bitte Fachinformation beachten).

Die Empfehlung betrifft sowohl die Impfungen im 1. Lebensjahr (zwei Dosen) als auch die Impfung im (oder ab) 2. Lebensjahr, unabhängig davon, ob es sich hierbei um eine Erstimpfung (Grundimmunisierung) handelt (eine Dosis), oder um die empfohlene Boosterung (eine Dosis) nach Grundimmunisierung im 1. Lebensjahr. Falls für die betreffende Altersgruppe zugelassen, sind tetravalente Konjugatimpfstoffe zu bevorzugen. Ist bereits eine Impfung mit konjugiertem monovalentem MenC-Impfstoff erfolgt, wird eine weitere Impfung mit tetravalentem Konjugatimpfstoff empfohlen. Bei früher bereits mit Meningokokken-Polysaccharid-Impfstoff geimpften Personen sollte bei der nächsten fälligen Auffrischung mit tetravalentem Konjugatimpfstoff geimpft werden. Die Nebenwirkungsprofile der tetravalenten Meningokokken-Konjugatimpfstoffe sind vergleichbar mit denen anderer Meningokokken- und Routineimpfstoffe.

Begründung: Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Meningokokken-C (MenC)-Anteil in den tetravalenten Konjugatimpfstoffen vergleichbar immunogen ist wie in den monovalenten MenC-Impfstoffen. Durch Impfung mit einem tetravalenten Konjugatimpfstoff, der die MenC-Komponente enthält, kann somit auch eine Standardimpfempfehlung zur MenC-Impfung realisiert werden.

Welche Relevanz haben die drei weiteren Komponenten?

Unbestritten ist, dass die Serogruppen (SG) A, W und Y gegenwärtig (noch?) in Deutschland und Mitteleuropa eine vergleichsweise zu B und C geringe Bedeutung haben. Etwa zwei Drittel der invasiven Meningokokkenerkrankungen werden in Deutschland durch die Serogruppe B verursacht, 20 Prozent durch die SG C ( Abb. 1). In der Zielgruppe der Kinder, die seit 2006 nach STIKO-Empfehlung im Alter von einem Jahr gegen MenC hätten geimpft werden sollen, also die Ein- bis Neunjährigen, sind die SG C-Fälle bis 2016 um 90 Prozent zurückgegangen, deutlich stärker als bei SG B. Dies spricht für eine hohe Wirksamkeit der Impfung.

Relativ geringe Bedeutung der SG A, W und Y bedeutet nicht, dass sie bedeutungslos wären. Seit Anfang der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts trat die SG Y vermehrt in Nordamerika auf. Dies ist wichtig u. a. bei der reisemedizinischen Beratung USA-Reisender insbesondere mit Langzeitaufenthalt. Von Jugendlichen, die ein High-School-Jahr oder ein Studium in den USA absolvieren wollen, wird zunehmend vor Einreise die Impfung mit einem tetravalenten Meningokokkenimpfstoff verlangt.

Tetravalenter Impfstoff für Schüler und Studenten

Auch in verschiedenen europäischen Ländern wurde in den vergangenen Jahren eine Zunahme der SG Y beobachtet, besonders in der Schweiz, Finnland, Norwegen und Schweden, aber auch in England und den baltischen Staaten. Während beispielsweise die SG Y im Jahr 2010 in Deutschland und Österreich einen Anteil an allen Serogruppen von sieben und fünf Prozent aufwies, waren es in Italien, der Schweiz, Norwegen, Finnland und Schweden bereits zehn, 21, 31, 38 und 39 Prozent. In der Altersgruppe der über 19-Jährigen verzeichneten Großbritannien, Norwegen, Schweden und Finnland SG Y-Anteile von 17, 50, 39 und 50 Prozent. In Schweden entwickelte sich die SG Y zeitweise sogar zur am häufigsten vorkommenden Serogruppe. Deutschland verzeichnete bis zum Jahr 2016 einen Anstieg der SG Y auf 11,5 Prozent, der SG W auf 9,7 Prozent ( Abb. 2 und 3). Großbritannien meldete im September 2015 eine Zunahme von Meningokokken W (MenW) in England und Wales um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. MenW verursachte nun 15 Prozent der Fälle in UK gegenüber ein bis zwei Prozent bis 2009. Dementsprechend wurde die Impfstrategie angepasst und der tetravalente Impfstoff für Schüler und Studenten eingeführt.

Die Entwicklung unterstreicht, dass die Serogruppenverteilung nicht statisch ist. Zunehmender internationaler Austausch trägt dazu bei, dass Erreger mitgebracht und in Deutschland auf Kontaktpersonen übertragen werden.

Zu beachten ist: Die Empfehlung der Meningokokken-B-Impfung als Standard- und Indikationsimpfung (in Sachsen seit 2014) bleibt von den Empfehlungen zur Meningokokken-ACWY-Impfung unberührt.

2. Anpassung der Abstände bei Pneumokokken-Impfungen

Die Abstandsempfehlungen wurden z. B. an Österreich, USA und zum Teil STIKO angepasst ( Abb. 4). Explizit lauten die Abstandsempfehlungen wie folgt: Im Rahmen der sequenziellen Impfung, d. h. Impfung mit 13-valentem Konjugat-Impfstoff (= Pneumokokken-Konjugat-Vakzine = PCV), gefolgt von 23-valentem Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (= Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine = PPSV) beträgt der Abstand mindestens ein Jahr, bei erhöhtem Risiko mindestens acht Wochen (d. h. PPSV ab ein Jahr, ggf. ab acht Wochen nach PCV). Bereits früher mit PPSV geimpfte Erwachsene erhalten eine Nachimpfung mit PCV im Mindestabstand von einem Jahr (PCV ab einem Jahr nach letzter Impfung mit PPSV). Wiederholungsimpfungen mit PPSV sind ab einem Regelabstand von fünf Jahren nach der letzten Impfung mit PPSV möglich.

Begründung: Der Vorteil eines kürzeren Abstandes von einem Jahr oder mindestens acht Wochen – gegenüber vormals vier Jahren – zwischen den Impfungen des sequenziellen Schemas besteht in einem kurzfristigeren Schutz vor den Pneumokokken-Kapseltypen, die im 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff, nicht aber im 13-valenten Konjugat-Impfstoff enthalten sind. Das ist besonders für Risikopersonen wichtig. Allerdings ist ein längerer Abstand immunologisch effektiver.

Ein kürzerer Abstand der (nachgeholten) Impfung mit Konjugat-Impfstoff nach einer Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff – ein Jahr gegenüber vormals fünf Jahren – hat den Vorteil eines frühzeitigeren Primings des Immunsystems durch PCV.

Zu beachten ist: Sachlich bleiben die SIKO-Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung gegenüber den Vorjahren unverändert. Das heißt, die sequenzielle Impfung wird, im Unterschied zu den STIKO-Empfehlungen(!), weiterhin generell empfohlen: Sequenzielle Impfung (PCV gefolgt von PPSV) für alle Personen über 60 Jahre auch ohne besondere Indikation und alle Indikationen ab dem Alter von zwei Jahren.

3. Ergänzungen bei den Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B
Die STIKO nahm in ihre aktuellen Empfehlungen zur Indikationsimpfung gegen Hepatitis A und B auch Personen auf, die im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit vergleichbaren Expositionsrisiken ausgesetzt sind wie beruflich Tätige. Diese Personengruppe ist in Sachsen schon seit vielen Jahren in den Impfempfehlungen berücksichtigt, so dass für die SIKO kein Ergänzungsbedarf besteht.

In den SIKO-Empfehlungen bisher nicht explizit genannt waren bei der Impfung gegen Hepatitis A Auszubildende, Praktikanten und Studenten sowie bei Hepatitis B Praktikanten. Hier fügte die SIKO entsprechende Ergänzungen ein. Die Standardimpfempfehlung in Sachsen für alle Personen, auch ohne besondere Indikation, gegen Hepatitis A und B bleibt davon unberührt.

4. Influenza-Impfung – Ergänzung beim nasal zu applizierenden Lebendimpfstoff
Die SIKO schließt sich der STIKO zur Aussetzung der bevorzugten Anwendung von Influenza-Lebendimpfstoffen (LAIV) bei Kindern an. Somit können in der Altersgruppe von zwei bis einschließlich 17 Jahren sowohl die inaktivierten Impfstoffe als auch der Lebendimpfstoff verwendet werden.

Aufgrund der aktuellen Datenlage sehen STIKO und SIKO zurzeit keine Rechtfertigung für eine bevorzugte Empfehlung von LAIV, außer in Situationen, in denen eine Injektion problematisch ist. Bei Hindernissen für eine Injektion wie zum Beispiel durch eine Spritzenphobie oder Gerinnungsstörungen sollte präferenziell LAIV verwendet werden.

Bei Vorliegen neuer Daten kann die Empfehlung wieder modifiziert werden.

 

Vollständiger Artikel

www.slaek.de > Ärzteblatt 01 / 2018

Informationen

www.slaek.de > Ärzte > Informationen / Leitlinien > Impfen


Literatur- und Quellenangaben beim Autor
Dr. med. Dietmar Beier
Elisabeth-Reichelt-Weg 35
09116 Chemnitz

siko.beier@t-online.de

dietmar.beier@lua.sms.sachsen.de

                             – Dr. Dietmar Beier, Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission –