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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 01/2017

Bereitschaftspraxis ante Portas

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

gleich in meinem ersten regionalen Editorial ist ein brandaktuelles Thema zu beleuchten.

Am 7. Januar 2017 öffnete die erste neue Bereitschaftspraxis in Niesky am Krankenhaus Emmaus. Das hat unter den Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht nur Begeisterung ausgelöst. In einem Brief war sogar von einem Konfrontationskurs der KV Sachsen gegen die Ärzte die Rede.

Tatsächlich ist diese Eigeneinrichtung der KV Sachsen – nur bzw. hauptsächlich – eine Umsetzung von Gesetzesänderungen durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz und das Krankenhausstrukturgesetz: In zwei neuen Sätzen in § 75 Abs. 1b des SGB V (siehe Kasten) wird angeordnet, dass an allen Krankenhäusern Bereitschaftspraxen (umgangssprachlich oft auch Portalpraxen genannt) eingerichtet werden sollen. Ausgehend von der richtigen Überlegung, Notaufnahmen von Bagatellfällen zu entlasten, würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn man an allen Krankenhäusern Bereitschaftspraxen errichten wollte. Zum einen kann mancher Bagatellfall auch bis zur normalen Praxisöffnung warten, zum anderen müssten in den Großstädten mehrere solche Praxen vorgehalten werden, was keineswegs zur Verbesserung der Versorgung in der Fläche führt.

Unser Vorstand hat eine pragmatische Lösung gesucht und – meine ich – gefunden. Dort, wo tatsächlich ein Bedarf signalisiert wird bzw. zu erwarten ist, wird eine solche Stelle eingerichtet. In Niesky erproben wir das in einem Zeitraum, in dem die Patienten bislang vorrangig das Krankenhaus aufgesucht haben. Die Erfahrungen werden dann auch für weitere Standorte genutzt. Statt einer formalen Umsetzung des Gesetzes werden die gesetzgeberischen Vorgaben Schritt für Schritt dort umgesetzt, wo eine tatsächliche Verbesserung der Versorgung zu erwarten ist. Die KV Sachsen vertritt allerdings weiterhin klar den Ansatz, über eine Notfallgebühr die ambulante Inanspruchnahme der Krankenhäuser zu steuern.

Parallel wird die KV Sachsen 2017 in der Öffentlichkeit verstärkt über den Unterschied von Bereitschaftsdienst und Notarzteinsatz aufklären und für die 116 117 werben. Das können auch Sie in Ihren Praxen mit der Auslage des Informationsmaterials aus unserem Heft 7-8/2016 bzw. durch Nachbestellung bei der KBV unterstützen. Es hilft allen Beteiligten im System, wenn die Patienten nach medizinischer Dringlichkeit durch das jeweils richtige „Portal“ um ärztliche Hilfe bitten.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich Ihre FÄ für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Dresden

Ihre Grit Richter-Huhn

 

SGB V, § 75 Abs. 1b, Sätze 1 und 2:

Der Sicherstellungsauftrag nach Absatz 1 umfasst auch die vertragsärztliche Versorgung zu den sprechstundenfreien Zeiten (Notdienst), nicht jedoch die notärztliche Versorgung im Rahmen des Rettungsdienstes, soweit Landesrecht nichts anderes bestimmt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen den Notdienst auch durch Kooperation und eine organisatorische Verknüpfung mit zugelassenen Krankenhäusern sicherstellen; hierzu sollen sie entweder Notdienstpraxen in oder an Krankenhäusern einrichten oder Notfallambulanzen der Krankenhäuser unmittelbar in den Notdienst einbinden.

Anmerkung:

Bei dem hier benannten Notdienst handelt es sich um den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst KVS-Mitteilungen Heft 1/2017