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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 11/2015

Dr. med. Klaus Heckemann: Lassen Sie sich gegen Grippe impfen!


„Auch aus den Erfahrungen in meiner eigenen Hausarztpraxis kann ich nur jedem raten, sich in den nächsten Wochen gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen“, so Dr. med. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen. „Die Impfung ist das wirksamste und einfachste Mittel gegen diese Krankheit. Nicht zu verwechseln ist die Influenza mit grippalen Infekten, aber auch hierfür wird die körpereigene Abwehr gestärkt.“

Die in den vergangenen Jahren häufig diskutierten Lieferengpässe bei Grippeimpfstoffen sind in diesem Jahr nicht zu befürchten.

Die Hersteller der Grippeimpfstoffe für 2015/16 haben planmäßig produziert und ihre Impfstoffe bereits auf den deutschen Markt gebracht. Insgesamt hat das Paul-Ehrlich-Institut für die kommende Grippesaison bisher schon über 18 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff freigegeben.

Gefährlich ist die Grippe insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge ihres Grundleidens. Zudem sollten sich Schwangere aber auch all jene impfen lassen, die aus beruflichen Gründen viel Kontakt zu anderen Menschen haben wie beispielsweise medizinisches Personal. Für diese Risikogruppen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kosten. Einige Kassen bezahlen die Impfung auch für weitere Versicherte.

Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) suchten in der Saison 2014/2015 aufgrund grippaler Symptome bundesweit 6,2 Millionen Menschen einen Arzt auf. Etwa 31.000 Patienten kamen ins Krankenhaus. Die Altersgruppe ab 60 Jahren war besonders von schweren Krankheitsverläufen betroffen.

Infomaterialien für Patienten stehen unter www.kbv.de/html/4195.php bereit. Ärzte können das Plakat zur Grippeschutzimpfung bei der KBV unter versand@kbv.de kostenfrei bestellen.

                                           – Presseinformation der KV Sachsen vom 13. Oktober 2015 –

Sachsens Ärzte und Apotheker sehen keine Vorteile einer industriellen Zweit- und Neuverblisterung für die Arzneimittelversorgung


Immer wieder wird bundesweit die Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln bei der Heimversorgung, aber auch zur Versorgung chronisch kranker Patienten, als Lösungsansatz propagiert. Die sächsischen Ärzte und Apotheker haben diese Versorgungsform insbesondere vor dem Hintergrund der gegenwärtig laufenden Arzneimittelinitiative Sachsen – Thüringen (ARMIN) einer Bewertung unterzogen und die Ergebnisse in einem gemeinsamen Positionspapier verankert.

Valide und objektive Daten, ob und inwieweit die Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln die Arzneimitteltherapiesicherheit tatsächlich verbessert oder die Gesamtkosten der Arzneimitteltherapie reduziert, liegen für den Freistaat Sachsen nicht, aber auch bundesweit kaum vor. Studien aus Deutschland beschränken sich auf die Heimversorgung und postulieren ausschließlich pauschale Einspareffekte durch Verblisterung in den Bereichen Arzneimittelausgaben und Personaleinsatz.

Auch wenn in der novellierten Apothekenbetriebsordnung und im Arzneimittelgesetz rechtliche Rahmenbedingungen für eine ordnungsgemäße Durchführung der Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln definiert wurden, kann diese Versorgungsform nach dem Positionspapier höchstens in Einzelfällen sinnvoll sein. Eine zielgerichtete Arzneimittelversorgung muss sich immer am einzelnen Patienten und der individuellen Therapie des Arztes orientieren, standardisierte Arzneimittelanwendungen sind weder ärztlich gewollt noch pharmazeutisch sinnvoll.

„Für den gesamten Behandlungsprozess eines Patienten ist es von großer Bedeutung, dass der behandelnde Arzt die Therapiehoheit und die Therapiefolge jederzeit in der Hand hat. Die Möglichkeit einer notwendigen und kurzfristigen Therapieumstellung ist bei einer Verblis­terung jedoch nicht gegeben. Es käme zu einer Therapieverzögerung, welche bei einigen Erkrankungen schwerwiegende Folgen für den Patienten nach sich ziehen könnte. Eine Verbesserung der Compliance wird ebenfalls nicht erreicht. Zur Sicherung der medizinischen Versorgungsqualität und zum Schutz des Patienten muss die Verantwortung für die Arzneimitteltherapie in den Händen des Arztes bleiben, da er die Letztverantwortung für den gesamten Behandlungsprozess trägt“, sagt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

„Viele Arzneiformen wie Säfte und Zäpfchen, aber auch Salben oder Schmerzpflaster, eignen sich überhaupt nicht für eine Verblisterung. Es besteht die Gefahr, dass solche Darreichungsformen zugunsten verblisterter Arzneimittel ersetzt werden und damit für die Versorgung von Heimpatienten und älteren Patienten nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen“, so Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes e.V. „Aber selbst, wenn eine Therapie ausschließlich über feste Arzneiformen möglich wäre, müssten dafür immer die therapeutisch passenden Wirkstärken verfügbar sein. Häufig werden jedoch vom Arzt auch halbe Tabletten verordnet. Weil es aber keine gesicherten Informationen über die Stabilität geteilter Arzneiformen in einem Blister gibt, dürfen Tabletten erst kurz vor der Anwendung geteilt werden. Der Rest muss entsorgt werden, das wird teuer“, warnt der Apotheker.

Auch hinsichtlich der Identifizierung von Arzneimitteln warnen vor allem die Apotheker vor Sicherheitslücken. „Insbesondere, wenn die Blister industriell hergestellt werden, kann die abgebende Apotheke wichtige Sicherheitsmerkmale auf den Originalpackungen nicht mehr wirklich kontrollieren“, gibt Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, zu bedenken. „Patienten oder Heimpersonal haben keine Möglichkeit, die Herkunft der Medikation über die Originalverpackungen der Arzneimittel nachzuvollziehen, Fehler können kaum erkannt werden.“ Aus der Sicht von Schmidt schafft die Zweit- und Neuverblisterung auch noch andere Qualitätsprobleme: „Uns liegen derzeit kaum sichere Informationen dazu vor, wie stabil die Blistermaterialien sind und wie sich gemeinsam verblisterte Arzneimittel gegenseitig beeinflussen.“

Es ist unbestritten, dass die Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln in der Heimversorgung das Heimpersonal entlastet und damit einen Einspareffekt erbringt, allerdings werden dadurch Patienten und Heimpersonal hinsichtlich der Arzneimittelanwendung quasi entmündigt. „Die Zweit- und Neuverblisterung birgt – wie alle Tätigkeitsverlagerungen im Sinne eines Outsourcings – die Gefahr in sich, dass das Know-how des Umgangs mit Arzneimitteln bei den bislang Verantwortlichen verloren geht. Gerade bei Heimpatienten, die naturgemäß alters- bzw. krankheitsbedingt in einem gesteigerten Maße von der Kompetenz der sie unmittelbar versorgenden Personen, also dem Heimpersonal, abhängig sind, ist die Schaffung einer Mittelbarkeit durch Zweit- und Neuverblisterung kontraproduktiv. “, erklärt Dr. Klaus Heckemann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Kritisch hinterfragt werden muss auch, ob der isolierte Einspareffekt im Heim durch die zusätzlich notwendigen ärztlichen und pharmazeutischen Aufwendungen aufgewogen werden kann.

Vor diesem Hintergrund können die Ärzte und Apotheker des Freistaates Sachsen die Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln gegenwärtig weder aus ärztlicher und pharmazeutischer noch aus wirtschaftlicher Sicht empfehlen. Es existieren keine Instrumente, mit denen durch die Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln die Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker verbessert oder befördert wird. Die Zweit- und Neuverblis­terung von Arzneimitteln erbringt insgesamt keine Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Dagegen kann das Medikationsmanagement, zentrales Element von ARMIN, uneingeschränkt und patientenindividuell auch ohne Verblisterung in der gemeinsamen Verantwortung von Arzt und Apotheker umgesetzt werden.

– Gemeinsame Pressemitteilung der Sächsischen Landesärztekammer, der Sächsischen Landesapothekerkammer, der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen und des Sächsischen Apothekerverbandes e. V. vom 5. Oktober 2015 –
 

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" - Dr. med. Johannes Baumann


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

schon oft habe ich mich geärgert, wenn „die da oben“ wieder etwas Realitätsfremdes beschlossen haben. Manchmal kann man da nichts machen, in einigen Fällen schon. So bleiben für mich die Ereignisse vor 25 Jahren immer noch prägend: Nach langem Resignieren kam plötzlich Bewegung in das verkrustete System und wir hatten die Chance für einen Neuanfang. Ich habe nach dem ­obigen Motto von Erich Kästner begeis­tert zugegriffen und die ärztliche Selbstverwaltung mit aufgebaut. Es ging sehr schnell, da vor allem Altniedergelassene sofort bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.

Das bleibt auch aus heutiger Sicht die beste Möglichkeit, Einfluss auf die Dinge zu nehmen, soweit es geht. Hinter der Gardine zu stehen und zu meckern, wenn es Andere vermeintlich oder tatsächlich falsch machen, ist nicht nur schoflig sondern schadet auch der Demokratie. Die Stimmen bei Wahlen mit einem Faktor für gesellschaftliches Engagement zu wichten ist zwar unrealistisch, aber ein wunderbarer Gedanke.

Was kann man aber selbst tun? Unser ärztliches Berufsethos beinhaltet auch Verantwortung im System, die über die unmittelbare ärztliche Tätigkeit hinausgeht. Bringen Sie sich deshalb ein! Ich habe es nie bereut und kann es den jungen und werdenden Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen. Zum einen kann jeder seinen Sachverstand einbringen und guten Gedankenaustausch mit den Kollegen pflegen. Zum anderen gewinnt man Einsichten und erfährt Hintergründe, die „hinter der Gardine“ nicht zu erkennen wären. Die Gelegenheiten, auch Dinge „ganz oben“ anzubringen, ergeben sich so deutlich eher als ohne Engagement.

Ich kann an dieser Stelle gar nicht alle Kommissionen des Vorstandes und der Vertreterversammlung sowie die zahlreichen Ausschüsse nennen, die auch in der Kassenärztlichen Vereinigung oft still, aber immer engagiert und fachkundig ihre Arbeit für die Kolleginnen und Kollegen leisten. In diesen Gremien wird Selbstverwaltung gelebt.

Ich erlebe den Generationswechsel in meiner eigenen Praxis, die mein Großvater gegründet hat und die jetzt meine Tochter führt. Ich freue mich in den Dienststellen der KV bei den Mitarbeitern und in den Gremien über einen allmählichen Übergang in die nächste Generation. Hier Starthilfe zu geben und dann die eigene Aufbauarbeit in gute Hände zu geben, das ist beglückend. Die erste Generation unter Führung von Kollegen Dr. Hommel hat engagiert und um der Sache willen den Weg bereitet.

Viele haben sich seither für die Kolleginnen und Kollegen engagiert. So testeten sie die ersten elektronischen Abrechnungen und berieten die Verwaltung fachlich. Sie engagierten sich in den Berufsverbänden und besprachen die drängenden Fragen mit den Körperschaften und untereinander. Oder sie waren vorübergehend als Arzt über die normale Tätigkeit hinaus gefragt, weil Not am Mann oder der Frau war. So haben wir Grabenkämpfe wie anderswo üblich in Sachsen vermeiden können. Diese Kultur der sachlichen Auseinandersetzung und Kompromissfindung möchten wir gern beibehalten.

Es würde mich freuen, wenn Sie sich angesprochen fühlen. Sie können mich auch gern persönlich ansprechen, ebenso meine Kolleginnen und Kollegen in den Bezirksgeschäftsstellen Chemnitz und Leipzig.

Ihr Johannes Baumann
Bezirksgeschäftsstellenleiter Dresden

 

 

Stärkung der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Sachsen – AOK PLUS und KV Sachsen vereinbaren Vergütungsverbesserung


Kinder- und Jugendpsychiater werden wie jede Facharztgruppe in Sachsen aus einem gedeckelten Honorartopf vergütet. Dabei sind die Kinder- und Jugendpsychiater in Sachsen die einzige Facharztgruppe, für die es in weiten Teilen des Bundeslandes Sachsen noch eine Unterversorgung gibt.

Jeder neue Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der sich niederlässt, muss aus dem gedeckelten Honorartopf vergütet werden, der den bereits niedergelassenen Fachärzten zur Vergütung zur Verfügung steht. In der Folge bekommen die Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie von ihren erbrachten Leistungen einen immer geringeren Anteil bezahlt. „Die Gerichte haben uns einen Riegel vorgeschoben, das Honorarvolumen durch Umverteilung anzupassen, wenn sich die Anzahl der niedergelassenen Ärzte in einem Fachgebiet ändert“, so der KV-Vorsitzende Dr. Klaus Heckemann.

Die AOK PLUS hat darauf positiv reagiert, indem sie den Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie ab dem 1. Oktober 2015 für ihre Versicherten einen Zuschlag für Gesprächsleistungen zahlt. „Die AOK PLUS ist sich als größte Krankenkasse in Sachsen ihrer Verantwortung gegenüber ihren Versicherten bewusst. Dazu gehört es auch, die Versorgung der jüngsten Versicherten mit seelischen Erkrankungen und Belastungen sicherzustellen. Wir wissen, dass die Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Sachsen eine sehr gute Arbeit leisten. Daher müssen wir dort stabilisierend eingreifen, wo Behandlungsangebote wegzubrechen drohen,“ erläutert der Vorstandsvorsitzende der AOK PLUS, Rainer Striebel.

Die Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie hoffen nun, dass sich im kommenden Jahr auch andere Krankenkassen einer solchen Vereinbarung anschließen werden.

„Wir werden dann mit der neuen Regelung bei jungen fachärztlichen Kollegen für die Niederlassung werben können“, so Vertreter des Berufsverbandes der Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Sachsen. "Arbeit gibt es genug.“

– Gemeinsame Presseinformation der KV Sachsen und der AOK PLUS vom 6. Oktober 2015 –