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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 05/2014

Prof. Dr. med. Andreas Klement, FA für Allgemeinmedizin in Dresden: Ein Professor und Chirurg, der am liebsten als Hausarzt arbeitet

Der aus Bielefeld stammende Prof. Dr. Andreas Klement studierte in Berlin Medizin, erwarb die Facharzttitel für Allgemeinmedizin und Chirurgie, war als Chirurg im Krankenhaus tätig und leitet eine Abteilung für Allgemeinmedizin an der Universität in Halle. Priorität hat jedoch seine Hausarztpraxis in Dresden.

Prof. Dr. Klement bezeichnet sich scherzhaft als „atypischen“ Vertreter seines Standes, weil er nicht aus einer Arztfamilie stammt. Einen wesentlichen Impuls für die spätere Berufswahl erhielt er jedoch als Jugendlicher von einem Mediziner, einem Landarzt aus seiner westfälischen Heimat: „Der hat mich sehr beeindruckt und gab mir das Gefühl, dass er mich als Mensch ernst nimmt“, erinnert er sich. „Auch heute ist die Wertschätzung gegenüber anderen für mich im Beruf sehr wichtig.“

Wechsel

2001 ging Dr. Klement nach Dresden. Zunächst arbeitete er als Chirurg im Herzzentrum, vollzog aber dann den Wechsel zum Allgemeinmediziner. „Ich erkannte, dass es meinem Arztbild mehr entspricht, wenn ich unmittelbarer und längerfristiger mit Menschen arbeite, als es die Chirurgie im Krankenhaus erlaubt.“

Mit Dr. Frieder Jacobi war es erneut ein erfahrener Allgemeinmediziner, der die Begeisterung für eine „im besten Sinne ganz normale Hausarztpraxis“ weiter befeuerte und den „Chirurgen“ bis zum Facharztabschluss 2004 weiterbildete. Zusammen mit dessen Sohn Christoph Jacobi leitet er seit 2005 eine Gemeinschaftspraxis. Hinter der Adresse Bautzner Straße 21B verbirgt sich ein Familienbetrieb in einem Haus mit Tradition. Hier findet schon seit über 80 Jahren medizinische Therapie statt, in den Ursprüngen als Kur- und Badebetrieb.

Gemeinsam mit einer angestellten Kollegin versorgen die Dres. Klement und Jacobi pro Quartal ca. 2.200 Patienten. Ein Schwerpunkt heißt Seniorenbetreuung. „Wir haben ein großes Seniorenwohnheim direkt nebenan. „Die kurzen Wege sind bei diesen betreuungsintensiven Patienten ideal“, weiß der Arzt zu schätzen. In den gut besuchten Sprechstunden geben sich jedoch oft Jung und Alt „die Klinke in die Hand“.

Die Arztpraxis liegt in der Dresdner Neustadt. Im „Szeneviertel“ der Landeshauptstadt muss sich auch jeder Mediziner auf eine Spezifik einstellen, die der Doktor als „spannungsvolles soziales Geflecht“ bezeichnet. Zu dem besonderen Sprengel gehören arme kranke Ältere sowie relativ arme, teils suchtgefährdete junge Menschen und Obdachlose mit dazu.

Betreuung

Um die medizinische Versorgung zweier Obdachlosenheime kümmert sich der 48-Jährige auch. Wenn es Not tut, fährt er vorbei, überwiegend kommen die Patienten jedoch in die Praxis oder werden gebracht. Dann reserviert der Doktor schon mal die Hälfte einer Vormittagssprechstunde. Über die limitierte Arztsprechstunde hinaus liegt ihm dabei am Herzen, dass diese Menschen eine „aufsuchende Sozial- und Gesundheitsarbeit“ erhalten. Dazu gehört für ihn Betreuungspersonal, das z. B. die Medikamenteneinnahme überwacht oder die Begleitung zum Arzt übernimmt. „Daran mangelt es gelegentlich“, weiß der Allgemeinarzt aus dem Praxisalltag.

Neben dem praktizierenden Hausarzt gibt es noch den „Akademiker“ Klement an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2006 hier aktiv, übernahm er 2009 die Leitung der Sektion Allgemeinmedizin und avancierte drei Jahre später zum Honorarprofessor. Er baute in den letzten Jahren federführend eine Stiftungsprofessur auf. Gemäß seinen Erfahrungen empfinden die Studenten die Allgemeinmedizin häufig als interessante, aber problematische Berufsperspektive. „Sie haben Riesenrespekt vor dem geforderten breiten Wissensspektrum, aber zum Teil unberechtigte Ängste vor zu langen Arbeitszeiten auf dem Lande oder unterdurchschnittlicher Bezahlung.“

Der Professor schätzt ein, dass die Allgemeinmedizin an den Hochschulen immer noch ausgebaut werden muss: „Es ist zu wenig, wenn im gesamten Medizinstudium nur etwa ein Prozent der Stunden im Curriculum auf ein Fach entfallen, in dem jeder vierte berufstätige Arzt arbeitet und das die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellt.“ Derzeit arbeitet Prof. Dr. Klement etwa 20 Stunden pro Woche an der Uni. Aus seiner Sicht reicht das nicht, um einen Lehrstuhl mit Lehre und Forschung dauerhaft zu führen. Andererseits ist ihm wichtig, dass gerade der Hochschullehrer im Fach Allgemeinmedizin eine enge Bindung zur Praxis behält.

Prioritäten

Für sich persönlich setzt der Allgemeinarzt andere Prioritäten: „Ich möchte mich zukünftig noch stärker meiner Kassenarztpraxis zuwenden. Nach Halle fahre ich zukünftig nur noch einen Tag pro Woche, um meinen Nachfolger zu unterstützen.“

Als „bekennender Sachse“ fühlt sich Andreas Klement indes schon längst: „Ich lebe seit vielen Jahren in Dresden und bin hier zu Hause.“ Wohnhaft in Dresden-Laubegast, fühlen sich auch seine vier Kinder und die Ehefrau (eine Staatsanwältin) pudelwohl. Der Hausarzt begeis­tert sich für das Segeln. Das funktioniert sogar in Sachsen, mit einem Nachbarn teilt er sich demnächst ein Boot auf der Leipziger Seenplatte. Als Geheimrezept, beruflichen Stress und Familie unter einen Hut zu bringen, nennt er eine Absprache mit seiner Frau. Der Kern: „Wenn ich auf Arbeit bin, bin ich ganz auf Arbeit und wenn ich zu Hause bin, bin ich ganz zu Hause.“

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –