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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2013

Dr. med. Wolfgang Klemm, FA für Allgemeinmedizin in Glaubitz: Landarzt aus Überzeugung und mit langer Praxistradition

Glaubitz, eine Gemeinde im Landkreis Meißen, zählt ca. 2.000 Einwohner. Dr. Wolfgang Klemm kennen in seinem Heimatort alle. Der Allgemeinmediziner ist in der alteingesessenen Landarztpraxis für seine Patienten da und darüber hinaus auch ehrenamtlich sehr aktiv.

„Mein Vater war ein passionierter, sehr anerkannter Landarzt und ein Vorbild für uns“, sagt Dr. Wolfgang Klemm. Seine Ehefrau (und deren Vater), Tochter und Schwiegersohn, Bruder – alles Mediziner. „Wir sind schon mit dem Arztgen infiziert“, schmunzelt der Facharzt für Allgemeinmedzin. „Ich hatte das Glück, schon mit 17 Medizin studieren zu können, erinnert er sich. „Damals war Not am Mann, weil die Mauer noch nicht da war und viele Ärzte in den Westen gingen.“ 1977 übernahmen seine Frau und er die Landarztpraxis in Glaubitz bei Riesa. Die Chance einer eigenen Niederlassung gab es in Zeiten der Staatsmedizin nur für Wenige. Dass man so „die DDR-Zeiten weitgehend unpolitisch überleben konnte“, betrachtet der 71-Jährige im Nachhinein als Geschenk.

Praxisgründung im Jahr 1900

1990 gründete das Ehepaar Klemm dann eine Gemeinschaftspraxis, zu der 2002 noch Tochter Bettina hinzukam. Die Patienten in Glaubitz kommen im Wesentlichen aus der Gemeinde und den umliegenden Ortschaften. „Aber ich habe heute noch treue Seelen in der Sprechstunde oder beim Hausbesuch, die ich von meiner Facharztausbildung aus Großenhain her kenne“, berichtet der bei den Leuten beliebte Doktor. 2007 haben die „Altchefs“ Wolfgang und Beate das „Praxiszepter“ in die Hände von Tochter und Schwiegersohn gelegt, sind aber als angestellte Ärzte weiter gefragt. Mit der Übergabe an die nächste Generation kann die Tradition einer Landarztpraxis weitergeführt werden, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht. Der damalige Praxisgründer hieß Dr. Hartmann. Aktuell umfasst die auch fotografisch in den Praxisräumen aufbereitete „Ahnengalerie“ bereits acht Ärztinnen bzw. Ärzte.

Dr. Wolfgang Klemm gehört zu den Landärzten aus Überzeugung: „Hier kann man im ärztlichen Beruf den Patienten am nächsten kommen.“ Er verweist auf die gute Praxisausstattung (u. a. EKG, Langzeit-EKG, Ergometrie, Sonografie), die vielfältige Möglichkeiten zur Untersuchung bietet. Im Vergleich zur Landarzttätigkeit früherer Zeit sieht er heute einige Erleichterungen: „Das war eine unglaubliche Knochenarbeit, sechs Tage in der Woche, einschließlich Nachtdienst und Außensprechstunden.“ Der Mediziner kann deshalb – auch angesichts bestehender Fördermaßnahmen – nicht nachvollziehen, dass es relativ wenig Nachwuchsmediziner in ländliche Gegenden zieht. „Ich würde gern mit Studenten darüber reden und ihnen das Dasein eines Landarztes heute schildern“, bietet er an. Bezüglich seiner eigenen Nachfolger lobt der jetzige angestellte Arzt: „Wir ergänzen uns hervorragend.“

Mann der ersten Stunde

Das Ehepaar Klemm hatte die Übergabe an Tochter Bettina und Schwiegersohn Gregor Gauer schon länger geplant. „Man muss sich im Alter auch mal zurücknehmen können.“ Allerdings trifft das mit dem Zurücknehmen für einen vielseitig aktiven Mann wie Wolfgang Klemm wohl nur bedingt zu. So steht er z.B. in der KV Sachsen als Vorsitzender an der Spitze des Finanzausschusses der Vertreterversammlung (VV). Als „Mann der ­ersten Stunde“ war er bei allen bisherigen 58 VV seit 1990 mit dabei. Seine in den Beratungen mit einem hohen Maß an Sachverstand vorgetragenen Finanzanalysen finden durchweg den Beifall seiner Amtskollegen, was bei einem Haushälter schon viel über die Qualität des Mannes aussagt.

Geworben für die ehrenamtliche KV-Arbeit hat ihn der frühere Hauptgeschäftsführer der KV Bayerns, Erich Ulbrich (damals „Aufbauhelfer“ in der KV Sachsen), der nach einer Infoveranstaltung unvermittelt in Glaubitz auftauchte. „Ich bin schon von Anfang an ein Vertreter der KV-Idee gewesen, da fiel die Zusage nicht schwer“, blickt er zurück. Kollegen, die weniger von der KV halten, hält er heute entgegen: „Derzeit gibt es noch 134 Krankenkassen, es waren einmal über 1.000. Das ist eine Monopolbildung, da kann man als einzelner Arzt kein gleichberechtigter Partner sein.“ Dass er innerhalb der KV seinen Beitrag im Finanzausschuss leistet, bezeichnet Dr. Klemm als Zufall. Als Zahlenfetischist sieht er sich nicht, musste sich als Arzt erst mit viel Fleiß in die Finanzmaterie einarbeiten.

B 98 und Hochwasser

Die ehrenamtliche Tätigkeit bleibt bei Dr. Klemm, wenn es Not tut, keineswegs auf die KV beschränkt. Im Rahmen einer Bürgerinitiative engagiert er sich beispielsweise für eine Ortsumfahrung der B 98, die momentan mit wachsendem LKW- und PKW-Verkehr die Glaubitzer nervt. Auch das Thema Hochwasser kennt Dr. Klemm nur zu gut: „2013 hatten wir im Gegensatz zu anderen Glück. Die Elbe stand am Bahnhof, etwa einen Kilometer von der Praxis entfernt.“ Auch in diesem Jahr haben er und sein Praxisteam wie selbstverständlich beim Befüllen von Sandsäcken zugepackt. „Innerhalb von einer Stunde hatten sich ungefähr 100 Leute eingefunden. Es war ein unglaublich gutes Erlebnis, auch weil vor allem viele junge Leute mit geholfen haben", zeigt er sich von der Solidarität beeindruckt.

Trotz eines großen Pensums nimmt sich Dr. Wolfgang Klemm die Zeit für seine Hobbys. „Ich fahre jedes Jahr zwei Wochen Ski in Südtirol und so oft es geht Fahrrad. Außerdem bin ich ein passionierter Leser politischer Bücher.“ Zu den Favoriten gehören da Egon Bahr, Helmut Schmidt oder Peter Scholl-Latour.

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –