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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2013

Ausgabe 09/2013

zum Inhalt dieser Ausgabe

Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln



Verantwortungsvoller Umgang mit dem Aut-idem-Kreuz

Beim Thema „Aut-idem-Substitution“ befinden sich die sächsischen Vertragsärzte stets im Spannungsfeld zwischen ärztlicher Therapiehoheit und Sicherheit der Arzneimitteltherapie einerseits sowie dem Wirtschaftlichkeitsgebot und den Rabattverträgen der Krankenkassen andererseits. Aktuell wird im bundesdeutschen Vergleich in Sachsen das (nec)-aut-idem-Kreuz auffällig häufig bei nicht rabattbegünstigten Arzneimitteln verwendet.

Die Orientierung des Arztes am preis-günstigsten Arzneimittel der Praxissoftware bedeutet nicht gleichzeitig, dass das wirtschaftlichste Arzneimittel verordnet wurde. Die Rabatte, die zwischen Krankenkassen und Hersteller vereinbart wurden, werden nicht in der Praxissoftware abgebildet.

Lässt der Arzt bei der Medikamentenverordnung das Aut-idem-Feld frei, wird dem Apotheker die Substitution erlaubt.* Voraussetzungen hierfür sind jedoch:

– identischer Wirkstoff und -stärke
– gleiche bzw. austauschbare Darreichungsform
– ein gleiches Anwendungsgebiet
– gleiches Packungsgrößenkennzeichen.

Die Wahl des Therapieprinzips, des Wirkstoffes, der Wirkstärke, des Applikationsortes und der verschriebenen Mengen verbleiben uneingeschränkt beim Arzt. Damit bleibt die Therapiehoheit im Wesentlichen unangetastet.

Neben der therapeutischen trägt der Arzt auch eine wirtschaftliche Verantwortung für seine Verordnungen. Ein generelles Setzen des Aut-idem-Kreuzes ist unwirtschaftlich und kann zu Problemen im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung führen.

In medizinisch begründeten Einzelfällen kann der Ausschluss der Aut-idem-Substitution jedoch geboten sein, um eine verlässliche Arzneimitteltherapie abzusichern. Das betrifft insbesondere folgende Konstellationen, bei denen das Setzen des Aut-idem-Kreuzes gerechtfertigt sein kann:

– Es werden Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite (z. B. Antiepileptika, Schilddrüsenhormone) bzw. bei besonders gefährdeten Risikogruppen (z. B. Transplantatträger) eingesetzt.
– Die Teilbarkeit, Applikationsart oder eine bestimmte Freigaberate kann nicht sichergestellt werden.
– Die Sondengängigkeit eines Medikamentes muss gesichert werden.
– Es bestehen nachgewiesene Allergien oder Unverträglichkeiten gegenüber Hilfs- und Zusatzstoffen.

Wenn Sie sich für einen Substitutionsausschluss in medizinisch begründeten Einzelfällen entscheiden, sollte die Begründung immer in der Patientenakte dokumentiert werden, um im Fall eines Wirtschaftlichkeitsprüfungsverfahrens argumentieren zu können.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der GKV-Spitzenverband arbeiten momentan gemeinsam an einer "Substitutionsausschlussliste", um die Entscheidung für oder gegen ein Aut-idem-Kreuz zu erleichtern. Nach Veröffentlichung erfolgt dazu eine Information in den KVS-Mitteilungen.

Für Versicherte, die sich bewusst für ein preisintensives Arzneimittel („Wunscharzneimittel“) entscheiden, besteht im Rahmen der Mehrkostenregelung des Fünften Sozialgesetzbuches (§ 129 Abs. 1 Satz 5) seit dem 1. Januar 2011 eine Wahlmöglichkeit. Sie können nach Vorlage eines Kassenrezeptes in der Apotheke statt des Rabattarzneimittels oder eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel ein anderes Arzneimittel erhalten, sofern die oben genannten Substitutionsvoraussetzungen erfüllt sind. Der Versicherte muss sein Wunschmedikament zunächst selbst bezahlen und kann sich anschließend einen Teil der entstandenen Kosten (nach Abzug von Pauschalen für gesetzliche Zuzahlungen, entgangene Rabatte aus Rabattverträgen und Verwaltungskosten) von seiner Krankenkasse zurückerstatten lassen.

Wir haben diese Informationen ebenfalls für Ihre Patienten zusammengefasst. Sie finden als Beilage zu diesen KVS-Mitteilungen und auf der Homepage der KV Sachsen eine entsprechende Patienteninformation.

(Information des Verbandes der Ersatzkassen in Zusammenarbeit mit der KV Sachsen, der Knappschaft und der IKK classic)


* Weitere Informationen zur Arzneimittelsubstitution in der Apotheke finden Sie in den KVS-Mitteilungen Heft 5/2012 „Original, Generikum oder rabattbegünstigtes Arzneimittel? – Die Regeln der Substitution in der Apotheke“.