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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2013

Wegepauschalen und die Ignoranz der Krankenkassen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Verhandlungen mit den Krankenkassen gehören zum Kerngeschäft der KV. Folgerichtig nutzen wir auch das Editorial regelmäßig, um Sie über entsprechende Ergebnisse zu informieren. Wenn sich KV- und Kassenseite konstruktiv in den Gesprächen bewegen, ist ein Kompromiss möglich, den dann meist die eine Seite mehr und die andere Seite weniger beklatscht. Dass sich eine Seite überhaupt nicht bewegt, geht eigentlich gar nicht, denn dann kann das Ergebnis nur Frust und Unverständnis auf der Gegenseite produzieren.

 

Beim Thema Wegepauschalen verfällt die Kassenseite hier in Sachsen schon seit geraumer Zeit in diese destruktive Be-wegungsstarre. Die KV Sachsen fordert einen Inflationsausgleich der vor fünf Jahren kalkulierten Wegepauschalen in Höhe von 15 Prozent. Jeder Autofahrer kennt die Preisentwicklung an den Zapfsäulen. Um nur eine Zahl zu nennen: Nach Angaben des ADAC betrug der jährliche durchschnittliche Kraftstoffpreis pro Liter bei Diesel im Jahr 2007 noch 1,16 Euro, 2012 lag er bei 1,48 Euro (eine Steigerung um ca. 27 Prozent).

 

Um solche Fakten zu ignorieren, muss man schon mit einem gehörigen Maß an Ignoranz an die Sache herangehen. Nun ist es nicht so, dass die KV Sachsen auf einer Maximalforderung beharrt. Wir haben uns in den Verhandlungen z. B. dafür offen gezeigt, über unterschiedliche Modelle zu sprechen. Bis heute sind die Krankenkassen jedoch nicht bereit, auch nur einen müden Cent mehr für die Wege-pauschalen zu investieren.

 

Im Gegenteil: Die Gelder sollten anfangs sogar um über drei Millionen Euro mit der fadenscheinigen Begründung gekürzt werden, man habe 2008 bei den Pauschalen zu hoch verhandelt. Darüber hinaus vergessen die Krankenkassen bei dieser merkwürdigen Betrachtungsweise auch noch, dass es damals um einen von allen Seiten als sinnvoll angesehenen Kompromiss ging, die Wegepauschalen über alle Kassen zu vereinheitlichen.

 

Alles in allem hat sich beim Thema Wegegeld in den letzten fünf Jahren nichts getan, weil die Krankenkassen nichts zugelassen haben. Man stelle sich nur vor, wir würden uns auch nicht mehr bewegen und die Fahrten einstellen, weil sie rein rechnerisch ein Minusgeschäft darstellen. Zum Glück steht für meine Kolleginnen und Kollegen immer noch die Betreuung der Patienten an oberster Stelle.

 

Fakt ist: die ignorante Blockadepolitik der Kassenseite ist für unsere Ärzte nicht länger akzeptabel. Deshalb hat die KV Sachsen das Schiedsamt angerufen. Der Weg zum Patienten kann im Honorar nicht abgebildet sein; schon deshalb, weil die Hausbesuchsziffern nicht nach Wegezeit modifiziert sind. Das ist klar, aber die aufgewendete Zeit für die unterschiedlich langen Wege muss bezahlt werden!

 

Die Verhandlung vor dem Landesschiedsamt zum Thema Wegegeld fand am 6. September 2013 (nach Redaktionsschluss dieses Heftes) statt. Wir werden Sie in der nächsten Ausgabe der KVS-Mitteilungen über das Ergebnis informieren, vorher zeitnah in unserem Internetauftritt.

 

 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr Vorstandsvorsitzender Klaus Heckemann

 

 

 

 

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