Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2013 » 09/2013 » Berufs- und Gesundheitspolitik

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2013

Ausgabe 09/2013

zum Inhalt dieser Ausgabe

Berufs- und Gesundheitspolitik



KV-Vorstand beim Ministerpräsidenten

Ministerpräsident Stanislaw Tillich empfing am 14. August 2013 Dr. Klaus Heckemann und Prof. Dr. Heiner Porst zu einem Gespräch. Der Vorstand der KV Sachsen hatte um diesen Termin gebeten, um die Suche nach Lösungen bei der Nachbesetzung von Arztstellen in Sachsen auch an dieser Stelle zu thematisieren. Der sächsische Ministerpräsident nutzte den Gedankenaustausch, um Detailinformationen zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen zu erhalten.

Interessiert nahm Stanislaw Tillich die Ausführungen des KV-Vorsitzenden Dr. Klaus Heckemann zu den Problemen der ärztlichen Versorgung aufgrund der demografischen Entwicklung in Sachsen auf. In Sachsen lebt die älteste Bevölkerung Deutschlands und die Kassen bekommen die entsprechenden Mittel aus dem Risikostrukturausgleich zugewiesen. Dr. Heckemann verwies auf den Widerspruch, dass im Gegensatz dazu die Finanzierung der ambulanten Medizin in Sachsen unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Anschließend sprach der KV-Vorstand die Versorgungsprobleme an, die von der Finanzierungsproblematik überlagert wird. Besondere Aufmerksamkeit legten die Gesprächsteilnehmer auf die fehlenden Allgemeinmediziner und Kinderärzte. Es wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Dr. Heckemann regte u. a. an, die Universitäten finanziell an einem höheren Anteil späterer Allgemeinmediziner zu interessieren.

Dr. Heckemann erläutert die Probleme der ärztlichen Versorgung

Prof. Heiner Porst stellte das Förderprogramm „Studieren in Ungarn – arbeiten in Sachsen“ vor. Er verwies zunächst auf den unmittelbaren Nutzen, dass zusätzliche Ärzte ausgebildet werden, die zielgenau in Sachsen wohnortnah hausärztlich tätig werden und die Nachfolge gestandener Kollegen übernehmen. Inzwischen versuchen auch andere Bundesländer, die sächsischen Ideen aufzugreifen. Erste Reaktionen aus bundespolitischen Kreisen zeigen, dass über Gesetzesänderungen nachgedacht wird, um künftig zusätzliche Studienplätze auch in Deutschland zu ermöglichen. Diese sollten an die Zielvereinbarung geknüpft werden, anschließend in schlecht versorgten Regionen Deutschlands hausärztlich tätig zu werden.

Die ebenfalls anwesende Staatssekretärin im Sozialministerium, Andrea Fischer, bestätigte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Sozialministerium und der KV Sachsen insbesondere bei den verschiedenen Förderprogrammen. Übereinstimmend stellten die Anwesenden fest, dass die demografische Entwicklung in den ländlichen Regionen an alle Verantwortlichen neue Herausforderungen stellt. Zunehmend gilt das nicht nur für große Teile Ostdeutschlands, sondern auch für strukturschwache Gebiete der alten Bundesländer. Dieser Fakt bietet Gelegenheit zu gemeinsamen Abstimmungen auch auf der Ebene der Ministerpräsidenten. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer, dass die Koordination und Zusammenarbeit zwischen den ärztlichen Interessenvertretern und den politischen Entscheidungsträgern bei der Lösung dieser Herausforderungen unabdingbar ist. Dazu konnte dieses Gespräch auch beitragen.

– Öffentlichkeitsarbeit/im –

Medienandrang in Hohenstein-Ernstthal

Volle Arztpraxen sind an sich nicht ungewöhnlich in Sachsen. Wenn die Besucher statt einer Chipkarte Mikrofon, Kamera und sehr viele Blumen in den Händen halten, muss es sich um einen besonderen Tag handeln. Die Öffentlichkeit hatte am 25. Juli 2013 Gelegenheit, eine am 1. Juli erfolgte Praxisübergabe zu begleiten. Das große Medienecho war dem Umstand geschuldet, dass mit Mohd Salibi Salibi erstmals ein Spanier eine sächsische Praxis übernimmt.

Vorausgegangen ist ein Modellprojekt der KV Sachsen, mit dem zusätzlich zu anderen Sicherstellungs- und Fördermaßnahmen für besonders versorgungswichtige Praxen berufserfahrene Praxisnachfolger gefunden werden. In überversorgten spanischen Regionen fündig geworden, erwarben die übersiedlungswilligen Kollegen mit intensiver KV-Unterstützung entsprechende Deutschkenntnisse und das Know-how der vertragsärztlichen Arbeit.

Der Internist Dr. Klaus Stiegler (71) in Hohenstein-Ernstthal hatte im vergangenen Jahr die Hoffnung aufgegeben, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden, als die KV Sachsen ihm das Projekt vorstellte. Einer Radioreporterin sagt er: „Seit dem 65. Lebensjahr hatte ich einen Antrag bei der KV auf Übernahme gestellt. Meine persönlichen Bemühungen sind leider alle fehlgeschlagen. Da kam dann dieses Projekt. Ich habe das ganz aktiv begleitet. Der erste Kontakt war im April vergangenen Jahres. Die ganze Familie ist uns von Anfang an bekannt."

Neun Monate lang begleitete Mohd Salibi Salibi seinen Praxisvorgänger bei der täglichen Arbeit bis er selbst Inhaber wurde. Die gemeinsame Arbeit, das Kennenlernen der Patienten und der deutschen Sprache im Arzt-Patienen-Gespräch stellt einen wichtigen Teil des Projekts dar. Die Arzthelferinnen werden übernommen und sind wie auch bei anderen Praxisübergaben ein „wichtiges Pfund“. Da kann Frau Ute Stiegler, die ihrem Mann viele Jahre auch in der Praxis zur Seite stand, beruhigt mit in den Ruhestand gehen.

Die Dankbarkeit und Offenheit der anwesenden Patienten gegenüber dem neuen Arzt sind neben der guten Vorbereitung beste Voraussetzungen um in den nächsten Jahren eine stabile Praxis führen und viele Patienten versorgen zu können.

Die Vertreter der Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz um Geschäftsführerin Carmen Baumgart konnten nach großen Mühen im letzten Jahr in dankbare Gesichter sehen.

Der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen Prof. Dr. Heiner Porst lobte, dass sie „auf unerprobtem Neuland mit viel Engagement und Improvisationstalent im Sinne unserer Ärzte und Patienten Lösungen gefunden haben, die durch reines Abarbeiten von Vorschriften nicht möglich gewesen wären“.

– Öffentlichkeitsarbeit/im –

Ungarn-Projekt geht in die heiße Phase

Es geht los: Das Projekt „Studieren in Europa - arbeiten in Sachsen“ geht mit Studienjahresbeginn 2013/2014 in die heiße Phase. Prof. Dr. Heiner Porst, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen, begrüßte am 15. August 2013 in den Räumen der KV Sachsen die sächsischen Studenten, die das Pilotprojekt mit ihrer Immatrikulation an der Universität Pécs starten.

Das Modellprojekt ist eine der Initiativen der KV Sachsen zur mittel- und langfristigen Bekämpfung des Hausärztemangels in Sachsen (siehe auch www.kvsachsen.de > Fördermaßnahmen).

Die KV Sachsen übernimmt gemeinsam mit den Kassen die Studiengebühren für 20 Studenten an der Universität Pécs in Ungarn. Finanziert wird das Studium aus dem Strukturfond zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Möglich ist dieses Projekt auch, da die ärztliche Ausbildung europaweit anerkannt wird und die Voraussetzungen auf europäischer Ebene harmonisiert wurden.

Insgesamt 85 Abiturienten bewarben sich um diese Möglichkeit ihren Traumberuf zu erlernen und auszuüben. 63 wurden zum Auswahltest eingeladen, 40 davon zu den anschließenden Auswahlgesprächen. Aus den 30 von der KV Sachsen vorgeschlagenen Kandidaten erteilte die Universität Pécs für 20 sächsische, höchst motivierte Studentinnen und Studenten die Zulassung im Rahmen des Modellprojektes. Diese belegen ab dem beginnenden Studienjahr den deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin. Die Übernahme der Studiengebühren erfolgt für die Dauer der Regelstudienzeit von 12 Semestern. Während des Studiums absolvieren die geförderten Studenten in den Sommersemesterferien jeweils 12 Praxistage in anerkannten deutschen Patenpraxen.

Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums praktizieren sie mindestens fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen außerhalb der Städte Dresden, Radebeul, Leipzig und Chemnitz. Die Möglichkeiten der Berufsausübung in einer hausärztlichen Praxis bzw. Praxisgründung oder die Aufnahme einer angestellten hausärztlichen Tätigkeit stehen den Absolventen dann offen.

Der anwesende Medizinstudent Maximilian Braun, der an der Universität Pécs außerhalb dieses Projekts im zweiten Semester studiert, informierte seine künftigen Kommilitonen über seine persönlichen positiven Erfahrungen und zu Details des Studiums in Pécs. Als Mitglied des Studierendenbüros der Universität, steht er diesen auch vor Ort für Fragen zur Verfügung.

Professor Porst stellte die Ansprechpartner in der KV Sachsen vor und sicherte den zukünftigen Studenten die Unterstützung der KV Sachsen zu. Er gab diesen mit auf den Weg: „Sie sind die ersten, die diese Chance haben, nutzen sie diese, konzentrieren sie sich zuerst auf das Physikum und freuen sie sich auf ihre spätere Arbeit in Sachsen.“

- Öffentlichkeitsarbeit -