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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2012

Ausgabe 10/2012

zum Inhalt dieser Ausgabe

Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln



1. Welche Wirkstoffe fallen unter diese Zielvereinbarung?

Dieses Ziel erfasst sowohl Mono- als auch Kombinationspräparate von Metformin, Sulfonylharnstoffen, Gliniden (Repaglinid, Nateglinid), Pioglitazon*, Alpha-Glucosidase-Hemmern (Acarbose, Miglitol), DPP-4-Hemmern (Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin, Linagliptin) und GLP-1-Analoga (Exenatide, Liraglutid).



2. Warum wurden diese Zielsubstanzen ausgewählt?

Nach erfolglosem Therapieversuch mit nicht-medikamentösen Maßnahmen ist Metformin als Mittel erster Wahl zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus anzuwenden. Entscheidend hierfür sind die zahlreichen Studien zur Wirksamkeit von Metformin und das günstige Nebenwirkungsprofil (z.B. keine Hypoglykämien, keine Gewichtszunahme).

Für die ausgewählten Zielsubstanzen Metformin, Glibenclamid und Glimepirid ist die Wirksamkeit nicht nur anhand der Senkung des Blutzuckers und des HbA1c-Wertes, sondern auch anhand klinischer Endpunkte, wie Reduktion diabetischer Komplikationen, kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität, belegt. Für diese bewährten Arzneistoffe stehen zudem kostengünstige generische Präparate zur Verfügung.

Hingegen liegen zu den Gliniden, Glitazonen*, Alpha-Glucosidase-Hemmern, DPP-4-Hemmern und GLP-1-Analoga nur Studien zur günstigen Beeinflussung der Surrogatparameter (Blutzucker, HbA1c) vor. Für Glitazone gilt seit 01.04.2011 ein Verordnungsausschluss durch die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA.

Bei Versagen der oralen Antidiabetika wird weiterhin die Insulintherapie bzw. die Kombination mit Insulin empfohlen. Die Therapie mit GLP-1-Analoga ist mit etwa 3 bis 4 mal höheren Kosten verbunden als eine vergleichbar wirksame Insulintherapie. Überdies liegen keine wesentlichen Vorteile gegenüber Insulin vor.1 Ein klinischer Nutzen in Bezug auf Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus sowie die Langzeitsicherheit sind nicht geprüft. Vielmehr gibt es noch keine Entwarnung hinsichtlich der nicht abschätzbaren Risiken für Karzinome (v.a. Pankreas- und Schilddrüsenkarzinom).

Ein Wechsel auf Wirkstoffe, die nicht zu den Zielsubstanzen zählen, ist grundsätzlich erst bei Kontraindikationen, Unverträglichkeiten oder nicht adäquater Blutzuckereinstellung in Erwägung zu ziehen.

Bitte beachten Sie, dass die Verordnung von Kombinationspräparaten in der Regel unwirtschaftlich ist.


3. Weitere Informationen für Sie

Arzneimittel-Richtlinie des G-BA, Anlage III - Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse
- Antidiabetika, orale (11.)
- Glitazone zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 (49.)*

Arzneimittel-Richtlinie des G-BA, Anlage IV - Therapiehinweise
- Repaglinid (Stand: 01.04.2001)
- Sitagliptin (Stand: 30.06.2008)
- Vildagliptin (Stand: 25.04.2009)

Therapieempfehlungen der AkdÄ: Empfehlungen zur Therapie zur antihyperglykämischen Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 (2. Auflage, März 2009)

Neue Wirkstoffe
- Vildagliptin/Metforminhydrochlorid (Icandra® und Zomarist®)
- Vildagliptin (Jalra® und Xiliarx®)
- Sitagliptinphosphat-Monohydrat/Metforminhydrochlorid (Janumet®, Velmetia®)
- Sitagliptinphosphat-Monohydrat (Januvia®, Xelevia®)
- Saxagliptinhydrochlorid (Onglyza®)
- Liraglutid (Victoza®)

KBV Wirkstoff AKTUELL
- Liraglutid (Victoza®, 01/2011)
- Sitagliptin (Januvia®, 10/2007)

Mitteilungen der AkdÄ – Pankreaskarzinome im Zusammenhang mit Exenatid (Byetta®)




1 U. Schwabe, D. Paffrath; Arzneiverordnungs-Report 2011
* Für Glitazone gilt seit 01.04.2011 ein Verordnungsausschluss durch die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA.