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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2012

Die Erfolge eines unwürdigen Umgangs mit der Ärzteschaft

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie ist es Ihnen in den letzten Wochen gegangen, wenn Sie in den Medien von den „Raffkes in Weiß“ gelesen haben? Mit dem Ansinnen, die Ärztehonorare mal eben um Milliarden zu senken, haben die Krankenkassen das Fass im Honorarstreit zum Überlaufen gebracht. Ein solch „unmoralisches Angebot“ ist eine Unverschämtheit – die harschen Proteste auf Ärzteseite sind einfach zwangsläufig. Das konnten wir nicht mit uns machen lassen! Aber nicht allein die 0,9 % erbitterten die Ärzte. Ich glaube, die Verletzungen durch den Umgang mit unserem Berufsstand waren noch gewichtiger.

Viele sind auch deshalb so empört, weil die Kassenseite speziell auf Bundesebene schon seit längerer Zeit versucht, die Ärzteschaft in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, so nach dem Motto, den Großverdienern schadet es nicht, wenn man ihnen den Geldhahn etwas zudreht. Ich nenne nur ein paar Stichworte: Diskussion um „Milliarden-Honorare“, angeblich massiver Betrug von Kassenärzten, die Fangprämiendiskussion, die IGeL-Diskussion pünktlich zum Ärztetag usw.

Die Spitzen der Kassen waren wohl selbst über diese Resonanz erschrocken. Wer kontinuierlich Misstrauen zwischen Ärzte und Patienten sät und dem Sensationsjournalismus Vorlagen für Überschriften und Kernaussagen liefert, die den Tatbestand der Beleidigung erfüllen, muss sich am Ende nicht wundern, wenn die eigene Weste nicht weiß bleibt. Je weniger ein verunsicherter Patient dem Arzt vertraut, desto teurer wird das System. Die kurz nach dem desaströsen Schiedsspruch einberufene Sondervertreterversammlung der KBV durfte ich miterleben. Rund 700 Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Fachrichtungen und berufspolitischer Ausrichtung verfolgten die Diskussion in der KBV. Alle waren sich in einem Punkt einig: So lassen wir nicht mit uns umspringen! Ich selbst habe dort u.a. formuliert:

Auch wir sind nur Menschen, auch wir brauchen Halt, auch wir haben eine Würde, wir sind eben nicht nur „die Leistungserbringer“, sondern wir sind Ärzte und Menschen, die auch so behandelt werden wollen. Wir wollen es nicht mehr hinnehmen, dass mit strategischer Demontage und mit Beliebigkeitsgutachten, die mal vor- und dann wieder zurückgezogen werden, diffamiert wird.

Die Politik muss wissen, dass das Tun der Krankenkassen zum Unterhöhlen des Vertrauens in gewachsene funktionierende Strukturen führt. Was erwarten eigentlich die Krankenkassen, was erwartet die Politik, wenn ständig allerorten das Vertrauen in unseren Berufsstand unterminiert wird? Ich fordere die Regierungskoalition auf, hier einzugreifen, damit wir uns nicht den Nachwuchs und diejenigen verprellen, die im System weiterarbeiten wollen.

Wir vertreten weiter die Hoffnung, dass bundesweit zur Zusammenarbeit zurückgekehrt wird. Die Situation wird sich nicht entschärfen, wenn die Politiknicht gegensteuert. Sie hat auch die Einhaltung des Grundgesetzes zu wahren. Dazu gehört ein seriöser Umgang miteinander – auch bei unterschiedlichen Interessenlagen. Ein Vorschlag dazu:

Die Kassen geben übergreifend Informationen an die Patienten heraus mit der Botschaft. „Es gibt finanzielle und personelle Grenzen!“ Diese werden dann benannt. Das gibt Ärzten, Patienten und Kassen Sicherheit. Diese Grenzen müssen wir vorher gemeinsam formulieren und dann auch nach außen vertreten. Das schafft Sicherheit und wir kehren zu einer Kultur des Streits zurück, welche einen würdevollen Umgang miteinander ermöglicht.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr VV-Vorsitzender

Stefan Windau

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