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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2012

Dr. med. Joachim Uhl, FA für Pathologie in Leipzig: Hobbywinzer in der „Toskana des Nordens“

Die Region an Saale und Unstrut mit dem nördlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands nennen Kenner liebevoll die „Toskana des Nordens“. Zwischen Freyburg und Naumburg, direkt am Zusammenfluss von Unstrut und Saale, hat der Weinbaubetrieb Blütengrund sein Domizil. Der Chef ist kein alteingesessener Winzer, sondern ein Pathologe aus Leipzig.

Dr. Joachim Uhl, der mit drei Gesellschaftern eine pathologische Gemeinschaftspraxis in der Leipziger Elsastraße führt, denkt zehn Jahre zurück: „Ich suchte einen Ausgleich für die tägliche Belastung von zehn oder mehr Stunden am Schreibtisch oder Mikroskop, hatte auch Gewichtsprobleme.“ Der Doktor wollte sich in die Pflicht nehmen lassen, gleichzeitig Spaß haben – und kam auf die Idee eines eigenen Weinberges. Weil viele Altwinzer vergeblich einen Nachfolger suchten, wurde er schnell fündig. Bei Naumburg erwarb er im „Großjenaer Blütengrund“ 4.000 qm Land. Die 20.000 qm in Freyburg an den Schweigenbergen nennt der gebürtige Suhler den „großen Ertrags- und Arbeitsberg“, mit einer jährlichen Produktion, von mittlerweile fast 20.000 Flaschen.

Auf den Uhlschen Weinlagen reifen 12 Sorten, die jedes Jahr ein bisschen anders schmecken können. Auch bezogen auf diese (in der Region traditionelle) Vielfalt bemerkt er: „Mit der Arbeit als Winzer hat meine Freude am Trinken umgekehrt proportional nachgelassen. Man ist eher interessiert am Schmecken.“ Im Weinberg, wo er die Verantwortung trägt, wo zur Lese in der Spitzenzeit 30 bis 40 Mann vor Ort sind, braucht er einen klaren Kopf und trinkt hier lieber Wasser. Der Mediziner plädiert für einen dosierten Weingenuss. „Dann ist er Medizin“. Bester Beweis für eine gesunde Lebensweise sind für ihn die Altwinzer: „Ich kenne viele über 80-Jährige, die trinken in Maßen, sind viel in der Natur und topfit.“

Die Altwinzer trugen auch maßgeblich mit dazu bei, dass aus dem Leipziger Arzt nach und nach ein erfolgreicher Winzer wurde.

„Als wir vor zehn Jahren das Laufen lernten, haben wir sie mit eingebunden und dann später von der Mitgliedschaft in der Winzergenossenschaft Freyburg fachlich viel profitiert“, erinnert sich der 60-Jährige. Gute Qualität verlangt harte Arbeit: „Wir haben Steillagen, das ist richtig schwere Handarbeit, mit der Butte und 40 kg auf dem Rücken. Aber da wächst der beste Wein.“ Als sein wesentliches Erfolgsrezept bezeichnet Dr. Uhl Ausdauer und Durchhaltevermögen. „Das trifft für Praxis und Weinberg gleichermaßen zu. Man kann nichts erzwingen.“

Besonders dankbar ist der Arzt für die große Unterstützung der Familie, ohne die es den Hobbywinzer so nicht geben würde. Seine Partnerin, die Kinder, die Schwiegereltern; sie alle helfen mit. Die Tochter seiner Freundin betreut z.B. die gut besuchte Straußwirtschaft im Blütengrund, während ihre Mutter sich maßgeblich um das Management inzwischen zahlreicher Veranstaltungen kümmert – von der Weinverkostung,  über die Teilnahme an vor allem regionalen Festen bis hin zu Hochzeiten. Die Zeit für die 61 km von der Praxis zum Weinberg bleibt Dr. Uhl vorrangig am Wochenende. Bei saisonalen Arbeiten, wie Schneiden des Weines im Frühjahr oder die Lese im Herbst, bringt sich der Chef intensiver ein, wenn die Arbeit das zulässt. Ansonsten kann er auf seine Mitstreiter bauen. Das ist für den Arzt sehr wichtig, denn für ihn bleibt die Medizin die Nr. 1: „Wenn ich dienstlich nicht fort kann, dann geht es eben nicht.“

Dr. Uhl „liebäugelte“ einst mit der Chirurgie, wechselte über die Gerichtsmedizin schließlich in die Pathologie. Er arbeitete in der Universitäts-Hautklinik Leipzig, wobei für ihn „das Hautgebiet die breiteste Palette der Pathologie bietet.“ 1991 gründete der doppelte FA für Pathologie und Dermatologie eine pathologische Praxis. Daraus entwickelte sich das heutige mittelständische Unternehmen mit
ca. 50 Beschäftigten. Es beschäftigt sich vorwiegend mit der Tumor- und Krebsausschlussdiagnostik. „Wir wollen alle Diagnosen innerhalb eines Tages erstellen“, formuliert der Praxischef den hohen Anspruch. Deshalb beginnen Mitarbeiter schon gegen halb sechs am Morgen mit der Aufbereitung der Gewebeschnitte und Biopsiematerialien. Ab acht Uhr fangen dann die Ärzte an und sitzen oft bis in die Abendstunden vor dem Mikroskop.

Jenseits vom Praxisstress und Tumorkonferenzen freut sich der Hobbywinzer dann auf seine Winzerei und seine Weingegend. Anfangs wurde der Leipziger durchaus kritisch beäugt, „aber dann haben die Leute gemerkt, dass wir die Region lieben. Heute kommen viele Leipziger hierher. Auf der anderen Seite habe ich auch Arbeitskräfte aus der Region für die Praxis gewonnen. Das ist eine schöne Symbiose geworden“, schwärmt Dr. Uhl. Jetzt hofft er auf eine gute Ernte 2012.

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –