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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2012

Ausgabe 09/2012

zum Inhalt dieser Ausgabe

Aktuelles - Initiativen gegen den Ärztemangel



Bienvenido in Sachsen

Die KV Sachsen startet im August die erste Phase eines neuen Modellprojekts zur Vermittlung von Praxisnachfolgern

In einigen sächsischen Orten kann es Ihnen in den nächsten Wochen spanisch vorkommen. Deutsch lernende Ärzte und ihre Familien kommen in ihrer neuen Heimat an. Der Grund: Viele sächsische Vertragsärzte suchen altersbedingt Nachfolger für ihre Praxen. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat jetzt über ihre Pflichtaufgaben hinaus eine weitere Initiative gestartet, ihre Mitglieder zu unterstützen. Im KV-Auftrag suchte der Personaldienstleister TeamWork4ce im EU-Ausland nach Ärzten, die nach deutschem Zulassungs- und Berufsrecht zulassungsfähig sind. Es handelt sich um gestandenen Mediziner mit ambulanter Erfahrung, die mit ihren Familien nach Deutschland übersiedeln und hier dauerhaft sesshaft werden wollen.

Sachsen konkurriert bei der Arztsuche mit anderen europäischen Ländern, insbesondere Norwegen und Schweden. Aus diesem Grund kam es nach anfänglichem Interesse mehrmals zum Ausscheiden von Kandidaten, die sich für ein Auswandern in diese Regionen entschieden. 

Bei den gefundenen Kandidaten handelt sich um Mediziner mit sehr guter Ausbildung die aus ungekündigter Stellung mit langjähriger ambulanter Erfahrung nach Deutschland übersiedeln. Die neuen Vertragsärzte sind verpflichtet, mindestens vier Jahre am Standort niedergelassen zu sein.

Im Rahmen dieses neuen Modellprojektes wurden zunächst acht Praxen ausgewählt, deren Inhaber seit langem einen Praxisnachfolger suchen und eine große Anzahl von Patienten versorgen. Lage und Umgebung müssen zukunftssicher und familienfreundlich sein. Die ersten drei Praxisinhaber im Vogtlandkreis, Landkreis Zwickau und Mittelsachsen unterschrieben mit drei spanischen Ärzten am 29. Juli 2012 ihre Verträge zur Praxisübergabe. Weitere Verträge stehen kurz vor dem Abschluss. Für diese drei spanischen Ärzte beginnt am 2. August 2012 in Chemnitz ein Deutsch-Intensivkurs. In einem Rhythmus von jeweils drei Wochen Sprachkurs und einer Woche Praktikum beim Praxisabgeber werden die Kandidaten auf ihre Tätigkeit in Deutschland vorbereitet. 

Diese Verträge beinhalten die Praxisübernahme zum Jahreswechsel, wenn die Sprachkunde bis dahin nachgewiesen wird. Die meisten Kandidaten werden bereits jetzt in den Orten wohnen, wo sie später arbeiten. Die Integration der Familien und der frühe und kontinuierliche Kontakt zu den potentiellen Patienten stehen dabei im Mittelpunkt. Wir bitten vorerst von Interviewanfragen abzusehen, um den Integrationsprozess nicht zu stören.

Ihre Fragen richten Sie bitte bis dahin an die Kassenärztliche Vereinigung: presse@kvs-lgst.de. Nach einer Einarbeitungszeit werden die Vertreter der Medien im Frühjahr 2013 Gelegenheit erhalten, sich vom Erfolg der ersten Praxisnachfolgen nach diesem neuen Modell zu überzeugen.

Für die sächsischen Vertragsärzte ist dieses Konzept kostenneutral, die Auslagen des Personaldienstleisters werden nach Vorleis­tung durch die KV Sachsen von den „neuen Mitgliedern“ getragen.

(Presseinformation der KV Sachsen vom 2. August 2012)

Traumberuf Arzt: Studieren in Europa – Arbeiten in Sachsen

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat eine weitere Initiative gestartet, um den Mangel an Hausärzten auch mittel- und langfristig zu bekämpfen.

Mit dem Studienjahr 2012/13 strebt die KV Sachsen ein neues Modellprojekt für sächsische Abiturienten an, die sich verpflichten, nach erfolgreichem Studien- und Weiterbildungsabschluss für mindestens fünf Jahre in Sachsen hausärztlich tätig zu werden. Die KV Sachsen möchte für zunächst bis zu 20 Studenten an zwei vertraglich zu bindenden ungarischen Universitäten die Studiengebühren übernehmen. Die Wahl fiel zunächst auf Ungarn, da dort deutschsprachige Studiengänge angeboten werden und die Ausbildung anerkanntermaßen besonders gut und praxisbezogen ist.

Dieses zusätzliche Angebot ergänzt bereits laufende Maßnahmen und Förderprogramme, wie das vom Freistaat Sachsen, der KV Sachsen und den Krankenkassen gemeinsam finanzierte Stipendium, das seit 2008 gewährt wird. Dieses neue Programm wurde möglich, da die ärztliche Ausbildung EU-weit anerkannt wird und die Voraussetzungen dafür auf europäischer Ebene harmonisiert wurden.

Bei der Auswahl der Studenten wird darauf geachtet, dass neben der persönlichen und fachlichen Eignung eine enge Bindung an Sachsen besteht und dadurch die Chancen, dass sich die Bewerber in Sachsen niederlassen werden, deutlich erhöht sind. Sollte eine Niederlassung in Sachsen nicht erfolgen, sind die verauslagten Kosten grundsätzlich zurückzuerstatten. Erste Interessenten für das Studienjahr 2012/13 haben sich bereits bei der KV Sachsen gemeldet. 

Parallel zur Vorbereitung der Vertragsverhandlungen informiert die KV Sachsen bereits an sächsischen Gymnasien zu den Möglichkeiten, die das Projekt für das Studienjahr 2013/14 bietet.

„Mit diesem neuen Modellprojekt investieren wir sowohl in unsere sächsische Jugend als auch in die Versorgung der Alten und Kranken“, hebt der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, selbst Facharzt für Allgemeinmedizin in eigener Niederlassung, hervor. „Wir freuen uns auf die künftigen Kolleginnen und Kollegen, die zukünftig ihren Traumberuf Arzt in Sachsen ausüben werden.“ Die sächsische Gesundheitsministerin Christine Clauß begrüßt das Projekt „als Ergänzung der bereits zur Verfügung stehenden Maßnahmen“.

(Presseinformation der KV Sachsen vom 15. August 2012)