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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 05/2011

Dr. med. Volker Jährig, FA für Kinder- und Jugendmedizin in Limbach-Oberfrohna:

 

Lust auf die kommende Generation

Ein guter Arzt muss sich u. a. einer vorbildlichen ärztlichen Ethik verpflichtet fühlen und den Patienten führen können. Ein guter Kinderarzt sollte darüber hinaus vor allem „Lust auf die kommende Generation“ haben. Diese Ansicht vertritt Dr. Volker Jährig aus Limbach-Oberfrohna. Er feierte im April seinen 75. Geburtstag und ist damit der derzeit älteste noch praktizierende Kinderarzt in Sachsen.

Medizin sollte es schon sein

Zur „Klientel“ von Dr. Jährig, der als Kinderarzt in der Großen Kreisstadt im westsächsischen Landkreis Zwickau eine „Institution“ ist, gehören seit über vier Jahrzehnten Patienten vom Säuglingsalter bis hin zu 18-jährigen Jugendlichen. 1966 erwarb der gebürtige Oberfrohnaer seinen Facharzt. „Mein fester Studienwunsch war die Veterinär- oder die Humanmedizin. Und wenn Humanmedizin, dann Kinderheilkunde.“ Versuche, den jungen Mann für die Armee zu begeistern, hatten keine Chance. Nach dem Studium in Leipzig und Dresden delegierte ihn der damals zuständige Kreisarzt nach Burgstädt „weil ich dort gebraucht wurde“. Im Anschluss daran arbeitete Dr. Volker Jährig als auszubildender Arzt bzw. Stationsarzt 10 Jahre in einer Karl-Marx-Städter Klinik.

Den Sprung in die ambulante Betreuung von Kindern wagte er 1973. „In Limbach war die Stelle eines leitenden Kinderarztes frei geworden und das Praxisgebäude gerade gebaut“, erinnert er sich. „Meine Frau (eine HNO-Ärztin) war schon vor Ort und dann haben wir uns reingearbeitet.“ Er beschreibt diese Jahre als „harte aber schöne Zeit“ – mit einem Maximalprogramm von oft 12 Stunden, vielen Nachtdiensten und Hausbesuchen.

Als die Wende kam, „wurde alles anders, vielleicht nicht immer besser“, sagt der erfahrene Mediziner mit dem Abstand von über 20 Jahren: „Wir mussten ja das ganze System vom Westen übernehmen.“ Dabei lernte Dr. Jährig viele liebenswerte, hilfsbereite Kollegen aus den alten Bundesländern kennen. „Ihr seid mindestens soweit wie wir, euch hat nur die Technik gefehlt“, hörte er damals oft. Beim Stichwort Technik denkt er an seinen ersten Ultraschall. Den konnte Dr. Jährig nur in der Kinderchirurgie Halle machen lassen.

Eingespieltes Praxisteam

In der eigenen Praxis konnte und kann sich der Chef auf eine eingespielte leistungsfähige Truppe verlassen. Seine heutige Mannschaft, eine Kinderärztin, die auch in der Gemeinschaftspraxis niedergelassen ist, und vier Arzthelferinnen, bestand im Kern schon zu DDR-Zeiten und wurde überwiegend von ihm ausgebildet.

Wenn Dr. Jährig heute Patienten und Erkrankungen mit der Zeit vor 20 oder 30 Jahren vergleicht, stellt er erhebliche Veränderungen fest. So kommen heute die Kinder der Kinder und Mütter sagen ihm: „Bei Ihnen war ich auch schon in Behandlung.“ Als die heutigen Mütter noch Kinder waren, gab es die „große Zeit der Impfungen, z. B. gegen Kinderlähmung. Heute existieren diese Infektionskrankheiten praktisch nicht mehr, dafür spielen andere Viruserkrankungen eine große Rolle“, bilanziert der Kinderarzt. Außerdem „haben wir jetzt mehr mit psychopathologischen Problemen der Kinder zu tun“, was nach Ansicht von Dr. Jährig mit dem Leistungsdruck in der Gesellschaft zusammen hängt.

Titel verzichtbar

Dr. Volker Jährig ärgert sich, dass die Politik viele Warnungen auch der Kinderärzte vor drohendem Ärztemangel ignorierte. Bis zu seinem 70. Lebensjahr war er im Berufs erband der Kinder- und Jugendärzte, Region Sachsen, als stellv. Vorsitzender selbst aktiv. Viel Anerkennung erwarb sich der Mediziner auch durch seine Arbeit in der Behindertenhilfe Limbach-Oberfrohna e.V., die er einst mit gründete.

Im fortgeschrittenen Seniorenalter tritt der 75-Jährige nun verständlicherweise etwas kürzer, hat auch seine Praxiszeiten reduziert. Seit seinem 68. Lebensjahr bemüht er sich vergeblich um eine Nachfolge für seine Praxis. Es ist Dr. Jährig zu wünschen, dass es doch noch klappt. Auf seinen Titel „ältester praktizierender Kinderarzt in Sachsen“ verzichtet er gern, um z. B. noch mehr Zeit zu haben für die Familie und seine Lieblingsbeschäftigungen, das Wandern und das Lesen am Kamin.

Was als Konstante im Arbeitsleben von Volker Jährig die Jahrzehnte bis heute überdauert hat, ist seine Grundüberzeugung: „Es ist etwas Schönes, mit Kindern zu arbeiten“. Er empfiehlt Medizinstudenten nachdrücklich, sein Fach zu wählen.

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –

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