Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2009

Hinweise zur Verordnung von Benzodiazepinen an Suchtkranke

Beigefügt veröffentlichen wir aus aktuellem Anlass eine bereits seit dem Jahr 2004 geltende Handlungsempfehlung – „Richtlinie der Sächsischen Landesärzte- und Landesapothekerkammer zur Verordnung von Benzodiazepinen an Suchtkranke“, welche für die Verordnung und Abgabe von Benzodiazepinen an Betäubungsmittelabhängige unbedingt beachtet werden sollte.

Das hohe Missbrauchspotential von Substanzen wird häufig unterschätzt und die Verordnung findet teilweise unter der Vorstellung statt, dass mit Benzodiazepinen – insbesondere Flunitrazepam (Rohypnol© ) – eine Substitutionsbehandlung analog der Substitution mit Methadon/L-Polamidon durchzuführen ist. Besonders problematisch ist dieses Verordnungsverhalten bei Patienten, die sich bei einem anderen Arzt in einer qualifizierten Substitutionsbehandlung befinden. Daher beachten Sie bitte insbesondere Folgendes:

Die Verordnung von Benzodiazepinen an Suchtkranke gilt generell als kontraindiziert. Ebenfalls sind Benzodiazepine kein Ersatz für eine notwendige psychosoziale Betreuung dieser Patienten.

Die Grundsätze bei der Behandlung von drogenabhängigen Patienten finden Sie unter Punkt 2 der Richtlinie in der Beilage zu diesem Heft.

Bei Fragen zur Substitution wenden Sie sich bitte an die Substitutionskommission der KV Sachsen, Frau Dähne unter Tel.: 0351 / 8290-673.

– Qualitätssicherung/dae –

--------------------

Verordnung häuslicher Krankenpflege (HKP)

Aufgrund fehlerhaft oder unvollständig ausgestellter Verordnungen des Musters 12 „Verordnung Häuslicher Krankenpflege“ kommt es zwangsläufig immer wieder zu Nachfragen in der Arztpraxis und damit zu Verzögerungen bei der Genehmigung der Verordnung durch die Krankenkassen.

Die AOK PLUS trat deshalb mit der Bitte an uns heran, auf die am häufigsten festgestellten Fehler bei der Ausstellung einer Verordnung hinzuweisen.

  • Die Verordnung häuslicher Krankenpflege ist Bestandteil eines ärztlichen Behandlungsplanes. Dem behandelnden Arzt sind der Zustand des Patienten und die Notwendigkeit der HKP aus der laufenden Behandlung bekannt. Die Koordination liegt dabei beim Vertragsarzt.
  • Der Arzt hat auf dem Verordnungsvordruck die– verordnungsrelevanten Diagnosen als medizinische Begründung für die HKP– die zu erbringenden Leistungen sowie– deren Beginn, Häufigkeit und Dauer anzugeben.
  • Die Diagnose muss im eindeutigen Zusammenhang zu der verordneten Behandlungsmaßnahme stehen.

Besonderheiten, wie z.B. Neueinstellung nach einem entgleisten Diabetes mellitus oder Einschränkungen der Sehfähigkeiten bzw. körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit, sind ggf. zusätzlich als medizinische Begründung auf dem Vordruckmuster anzugeben.

Bei der Kennzeichnung der zu erbringenden Leistungen ist auf Folgendes zu achten:

  • Vor der täglichen Medikamentengabe ist abzuklären, ob ein Richten in einer Wochenbox ausreichend ist. Im Haushalt lebende Personen, die diese Leistung übernehmen könnten (ggf. auch teilweise), sind hinzuzuziehen. Es sollte abgewogen werden, ob durch Medikationsanpassung tägliche Einsätze reduziert werden können. Die Präparate sowie ein aktueller Medikamentenplan sind mit aufzuführen.
  • Die intramuskuläre und subkutane Injektion ist ebenfalls nur eine Leistung der HKP, wenn die entsprechenden Präparate auf der Verordnung vermerkt sind. Auch hier ist aufzuführen (mittels Diagnose bzw. medizinischer Begründung), warum der Patient die subkutane Injektion nicht selbst durchführen kann, ggf. ist zu erörtern ob der Patient oder Angehörige nach einer Schulung die Maßnahmen selbst durchführen können.
  • Bei Wundverbänden müssen aus der Verordnung die Lokalisation und der Zustand der Wunde hervorgehen, auch bei Folgeverordnungen. Das Überprüfen von Drainagen sowie Reinigungsbäder und Spülungen sind Bestandteil der Leistung. Die Art der Wundversorgung sollte aufgeführt werden (z. B. feuchte Wundversorgung, hydroaktive Verbände).
  • Die Versorgung eines Dekubitus durch die HKP ist erst ab Grad II verordnungsfähig. Es müssen auch hier immer Lokalisation, Grad und Größe jedes einzelnen Dekubitus hervorgehen sowie die bereits vorhandene technische Ausstattung zur Druckentlastung. Zur Dekubitusbehandlung ist der Verbandswechsel Bestandteil der Leistung und nicht gesondert verordnungsfähig.

Wir bitten Sie, die derzeit geltenden Richtlinien zur HKP und die Vordruckvereinbarung zu beachten, um der Belastung in Ihrer Praxis durch Nachfragen der Krankenkassen entgegenzuwirken und die Leistungsentscheidung für Ihre Patienten über die notwendigen Leistungen zu beschleunigen.

Weitere Auskünfte erteilen Ihnen gern die Mitarbeiter Ihrer Bezirksgeschäftsstelle.

– Verordnungs- und Prüfwesen/mau –

--------------------

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)

Im Heft 7-8/2009 informierten wir Sie über die Einführung des neuen Musters 63 „Verordnung spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV)“. Das Muster kann jetzt nach Beendigung der Übergangsregelung beim Vordruck Leitverlag Freiberg bestellt werden.

In Sachsen sind nach unserem Kenntnisstand bislang noch keine vertraglichen Vereinbarungen mit entsprechenden SAPV-Leistungserbringern abgeschlossen worden. Dennoch wollen die KV Sachsen und die Landesverbände der Krankenkassen/Verband der Ersatzkassen in Sachsen (LVSK) Sie auf Basis des von den LVSK vorbereiteten Mustervertrages nach § 132 d SGB V (Stand: 23.06.2009) schon jetzt über den vorgesehenen Verfahrensablauf informieren:

Verordnung von SAPV durch den Vertragsarzt

  • Die Verordnung von SAPV erfolgt durch den Vertragsarzt (Muster 63, Vorderseite) und soll im Rahmen der sukzessive aufzubauenden Kooperationen grundsätzlich mit dem SAPV-Leistungserbringer vor deren Ausstellung abgestimmt werden. Besteht eine solche Kooperation mit dem verordnenden Arzt nicht, klärt der Palliativarzt im Falle einer Erstverordnung vor der Leistungserbringung mit dem verordnenden Arzt den konkreten Versorgungsbedarf ab.

    Um eine zügige Verordnungsbearbeitung (Genehmigungsverfahren) durch die Krankenkassen zu gewährleisten bitten wir die Vordruckerläuterungen sowie die nach stehenden Ausfüllhinweise zu beachten.

    Die Kostenpauschalen 40806 und 40862 des Kapitels 40.17 des EBM (Palliativversorgung) können hierzu abgerechnet werden; sind jedoch nur von Ärzten berechnungsfähig, die berechtigt sind, Gebührenordnungspositionen der Kapitel 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 13, 14, 15, 16, 18, 21, 25 und/oder 26 abzurechnen.

  • Anschließend beantragt der Versicherte/ Vertretungsberechtigte die vom Arzt verordneten Leistungen mittels Unterschrift (Muster 63, Rückseite). Die Verordnung ist durch den Versicherten/ Vertretungsberechtigten – hilfsweise durch den Arzt – unverzüglich bei der Krankenkasse zur Genehmigung einzureichen. Bis zu ihrer Entscheidung übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die vom spezialisierten Leistungserbringer erbrachten Leistungen, wenn die Verordnung am dritten der Ausstellung folgenden Arbeitstag der Krankenkasse vorliegt.
  • Unmittelbar danach stellt die Krankenkasse die Erstverordnung einem SAPV-Leistungserbringer zur Verfügung, welcher innerhalb von zwei Arbeitstagen den Erstbesuch beim Versicherten durch einen Palliativarzt sicherzustellen hat. Dieser soll der Aufklärung über die aktuelle Versorgungssituation, dem Beziehungsaufbau zum Versicherten und der Erledigung notwendiger Formalitäten dienen.
  • Das Ergebnis dieses Erstbesuchs ist der Krankenkasse vom SAPV-Leistungserbringer innerhalb von 7 Werktagen ab Verordnungsbeginn mitzuteilen. Diese informiert den SAPV-Leistungserbringer und den Versicherten unverzüglich über die getroffene Leistungsentscheidung. Gelangt das Ergebnis des Erstbesuchs nicht rechtzeitig zur Krankenkasse, endet die Kostenübernahme der Krankenkassen mit Ablauf der genannten Frist.
  • Sollte die SAPV über den letzten Bewilligungstag hinaus erforderlich sein, so ist rechtzeitig vor Ablauf des genehmigten Zeitraums eine erneute Verordnung bei der Krankenkasse einzureichen.

Veranlasste Leistungen im Rahmen der SAPV durch den Palliativarzt

Zugelassene SAPV-Leistungserbringer erhalten zur Ausstellung von Verordnungen durch den Palliativarzt auf Antrag von der KBV eine eigenständige Betriebsstättennummer (BSNR), welche im KV-System ansonsten keine Verwendung findet.

Im Rahmen der SAPV sind unter dieser eigenständigen BSNR folgende Verordnungen möglich:

– Physikalische Therapie/ Podologische Therapie (Muster 13)

– Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie (Muster 14)

– Arznei- und Verbandmittel (Muster 16)

– Ergotherapie (Muster 18)

Zusätzlich zur eigenständigen BSNR ist auf diesen Verordnungen ausschließlich die Pseudo-Arztnummer 333333300 anzubringen. Dies gilt auch für Vertragsärzte, soweit sie im Rahmen der SAPV als Palliativarzt tätig werden.

Die Verordnungskosten werden somit gesondert erfasst und von der vertragsärztlichen Versorgung klar getrennt. Es wird damit sichergestellt, dass die Verordnungskosten nicht in die Arznei- und Heilmittel-Ausgabenvolumen (§ 84 SGB V) einfließen.

Über die weitere Umsetzung der Gemeinsamen Empfehlungen zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung durch die LVSK werden wir Sie informieren.

Ausfüllhinweise zu Muster 63:

Aus den Angaben auf dem Muster 63 muss insbesondere hervorgehen, dass:

  • die/der Versicherte an einer nicht heilbaren, fortschreitenden und so weit fortgeschrittenen Erkrankung leidet, dass dadurch ihre/seine Lebenserwartung (auf Tage, Wochen oder wenige Monate) begrenzt ist und
  • ein komplexes Symptomgeschehen vorliegt, dessen Behandlung spezifische palliativmedizinische und/oder palliativpflegerische Kenntnisse und Erfahrungen sowie ein interdisziplinär abgestimmtes Konzept voraussetzt.

Bitte treffen Sie aus diesem Grund auf der Verordnung Aussagen zu/r:

Verordnungsrelevante(n) Diagnose(n)

  • zum krankheitsspezifischen Stadium
  • zu den palliativmedizinisch relevanten Nebendiagnosen

Hinweis: bitte auch unbedingt die Diagnoseverschlüsselung nach ICD 10 angeben

Nähere Beschreibung des komplexen Symptomgeschehens:

  • seit wann liegt dieses vor, mit welcher Symptomatik?
  • welche Therapiemaßnahmen wurden mit welchem Erfolg bisher durchgeführt (Einbindung Schmerztherapeut/ Palliativmediziner, ambulante Hospizversorgung, ambulantes Palliativ-Care-Team, Hilfsmittel, Medikamente)?

Aktuelle Medikation:

  • zur Darreichungsform (oral, intravenös, epidural…)
  • der Bedarfsmedikation

Folgende Maßnahmen sind notwendig (Angaben zur inhaltlichen Ausrichtung):

Zum Beispiel:

  • Beratung bei palliativpflegerischen Maßnahmen wie Port, ZVK, Sauerstoffgabe, Lagerung, Wundbehandlung mit Beschreibung usw.
  • Beratung in der Palliativ-/Schmerzbehandlung
  • erforderliche Maßnahmen zur Koordination der Palliativversorgung
  • Nähere Angaben zu den notwendigen Maßnahmen der SAPV:
  • welche Maßnahmen werden zusätzlich zur bisherigen Versorgung erforderlich (ärztlich, pflegerisch, seelsorgerisch)?
  • eine kurze Schilderung des Krankheitsverlaufes mit Angabe von Erstdiagnose, Verlauf und ggf. Exazerbationen
  • Bitte berücksichtigen Sie bei der Verordnung spezialisierter ambulanter Palliativversorgung die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Verordnung von spezialisierter ambulanter Palliativversorgung.

– Verordnungs- und Prüfwesen/mau –

--------------------

Verbindlichkeit von Therapiehinweisen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)

Der G-BA hat den gesetzlichen Auftrag, Therapiehinweise zur wirtschaftlichen Verordnungsweise von Arzneimitteln zu beschließen. Diese Hinweise sind als Anlage IV Bestandteil der Arzneimittel-Richtlinie. Sie informieren über den Umfang der arzneimittelrechtlichen Zulassung, zu den Risiken, zur Wirksamkeit und den Kosten beim Einsatz neuer, meist hochpreisiger Wirkstoffe. Im Gegensatz zu Leitlinien sind die Therapiehinweise des G-BA für die Vertragsärzte rechtlich bindend. Sie treten erst nach Nichtbeanstandung durch das Bundesgesundheitsministerium und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Wir bitten Sie, die in letzter Zeit veröffentlichten Therapiehinweise zu

  • Exenatide (z.B. Byetta), in Kraft getreten am 28.11.2008,
  • Strontiumralenat (z.B. Protelos, Osseor), in Kraft getreten am 6.12.2008, sowie
  • Vidagliptin (z.B. Galvus), in Kraft getreten am 25.04.2009,
  • zu beachten.

Alle Beschlüsse finden Sie auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses unter: www.g-ba.de > Informations-Archiv > Richtlinien > Arzneimittel-Richtlinie.

Metamizol – Informationen des BfArM

Aufgrund einer zunehmenden Anzahl von Meldungen über teilweise schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen weist das BfArM auf die richtige Indikationsstellung von Metamizol sowie die Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen hin.

„Metamizol ist ausschließlich zur Behandlung von starken Schmerzen zugelassen. Hierzu gehören akute Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Schmerzen bei Koliken und Tumorschmerzen sowie sonstige Schmerzen, falls andere analgetische Maßnahmen nicht geeignet sind. Außerdem ist Metamizol zugelassen bei hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht.“

Eine mögliche Nebenwirkung ist mit steigender Dauer der Anwendung (länger als eine Woche) die Entwicklung einer Agranulozytose, welche einen tödlichen Ausgang haben kann. Das BfArM fordert die behandelnden Ärzte auf, auf Zeichen einer Agranulozytose zu achten und auch die Patienten über das Risiko und mögliche Symptome aufzuklären. Metamizol kann außerdem hypotensive Reaktionen auslösen, die einen tödlichen Ausgang haben können. Das Risiko steigt bei hoher Dosierung, vorbestehender Hypotonie und erhöhtem Risiko dafür (Hypovolämie, Schock, hohem Fieber).

Für Metamizol ist die GKV nur bei zulassungskonformer Verordnung leistungpflichtig, d.h. zur Anwendung bei Erkältungskrankheiten, sofern es sich um geringfügige Gesundheitsstörungen handelt, sind Metamizol-haltige Arzneimittel von der Versorgung ausgeschlossen (Arzneimittel-Richtlinie, § 13 (1)).

– Verordnungs- und Prüfwesen/mae –

--------------------

Verwendung von Formularen/Vordrucken mit altem Personalienfeld

Aufgrund von Hinweisen sächsischer Vertragsärzte (vorrangig aus dem Raum Chemnitz), dass Leistungserbringer im Heilmittelbereich Verordnungen mit dem Personalienfeld vor Einführung des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes nicht mehr akzeptieren, machen wir noch einmal darauf aufmerksam, dass Formulare, die das bis zum 30. Juni 2008 gültige Personalienfeld enthalten, aufgebraucht werden müssen (20. Änderung der Vordruckvereinbarung DÄ Nr. 13 vom 28.03.2008). Damit ist auch der Vordruckleitverlag berechtigt, seine vorhandenen Vordruckmuster aufzubrauchen.

In nicht so stark frequentierten Verordnungsbereichen (z.B. Ergotherapie) sind daher noch häufiger Vordrucke mit altem Personalienfeld im Umlauf. Bisher erfolgte zu diesem Punkt keine weitere Modifikation. Deshalb sind die Vordrucke weiterhin gültig und entsprechend den Vorgaben zu bedrucken. Leistungserbringer sind nicht berechtigt, aus diesem Grund die Verordnungen abzulehnen.

– Verordnungs- und Prüfwesen/mau –

--------------------