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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2009

Offener Brief der Plauener Kinderärzte

Herr Dr. med. Rainer Gebhardt, FA für Kinder- und Jugendmedizin in Plauen, bat im Auftrag der in Plauen tätigen Kinderärzte um Veröffentlichung des nachfolgend abgedruckten Briefes:

Wir Plauener Kinderärzte möchten mit diesem Schreiben Dank und Hochachtung für einen nicht alltäglichen Akt der Kollegialität zollen.

Auf der Vertreterversammlung der KV Sachsen am 3. Juni 2009 in Leipzig wurde durch hausärztlich tätige Kollegen aus Dresden der Antrag eingebracht, das entstandene Ungleichgewicht in der Honorierung hausärztlicher Leistungen zwischen allgemeinmedizinischer und kinderärztlicher Schiene durch eigenen Verzicht zu mildern. Es tat gut zu spüren, dass unsere Probleme, ob letztlich existentieller Art oder nicht, von anderen Kollegen wahrgenommen werden.

Leider wurden diesem emphatischen Ansinnen missfällige Wortmeldungen nachgereicht. Die Empfehlung einer Kollegin, vorerst doch abzuwarten und zu beobachten, wie sehr denn betroffene Kollegen mit der geänderten Honorierung finanziell abstürzen werden, wirkt bitter. Auch die Unterstellung „sozialistischer Wünsch-Dir-Was-Phantasien“ der von der Honorarreform bestraften Fachrichtungen liegt wohl unterhalb der Gürtellinie der Kollegialität.

Uns erscheint es vollkommen inakzeptabel, dass mit der Honorareform Grenzen zwischen Siegern, den Gerade-noch-Davongekommenen und den Verlierern gezogen werden – ein politisches Meisterstück zur Zerschlagung jeglichen Wir-Gefühles der Ärzteschaft. Dass diesmal zunächst nur die sogenannten kleinen Fachgebiete Opfer wurden, täusche jedoch niemanden darüber hinweg, dass das große Ziel der Politik in einer Umgestaltung der ambulanten Medizin besteht. Bekannte gesundheitspolitische Institutionen sehen den Segen zukünftiger ambulanter Strukturen in der Schaffung kommerzieller Medizin-Zentren und der Abschaffung der freischaffenden, patientennah tätigen Ärzteschaft.

Wir aber sind es leid, in der Honorierung unserer Arbeit einem nicht nachvollziehberem politischen Ränkespiel zu unterliegen.

Wir sind es leid, unsere Praxen mit einem allgegenwärtigen Gefühl existentieller Bedrohung führen zu müssen.

Wir sind es leid, persönlich wie familiär für Mängel im System einstehen zu müssen, Arznei- und Heilmittelregressen noch nach Jahren hilflos augesetzt.

Wir sind es leid, mit nicht überschaubaren, sich permanent verändernden, unverständlichen Arzneigesetzgebungen arbeiten zu müssen, immer wieder in der Gefahr, unwissentlich auf eigene Rechnung zu rezeptieren.

Wir sind es leid, von Politik und hörigen Medien als raffgieriger, golfspielender Berufsstand diffamiert zu werden, medienwirksam durch zigtausende zusätzlicher Euro gesegnet und doch in Erwartung des spürbarsten Einkommenverlustes seit Beginn des neuen Zeitalters.

Und wir vermissen die glaubhafte Unterstützung in unserem berechtigten Anliegen um Korrektur einer vermurksten Reform durch unsere Berufsvertretungen. Wir möchten deshalb die Kollegen aller Fachrichtungen Sachsens zur Schaffung eines neuen, einheitlichen Forums für unseren geschundenen Berufsstand interessieren und hierfür mit interessierten Kollegen ins Gespräch kommen. Wir denken, es ist höchste Zeit.

Plauen, 21.06.2009

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Für Hausarztzentrierte Versorgung mit „add on“ votieren

Ein sächsischer Hausarzt wendet sich an seine Kolleginnen und Kollegen. Nachstehend veröffentlichen wir einen Brief von Herrn Dr. Matthias Triebe aus Dresden:

Dr. Matthias Triebe, Blumenstraße 75b, 01307 Dresden

02.06.2009

Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen Hausärzte,

seit zwei Jahrzehnten arbeite ich als Hausarzt mit meiner KV zusammen. In dieser Zeit gab es immer wieder Diskussionen und Probleme, wenn es um gerechtere Honorarverteilungen und Honorarverteilungsmaßstäbe ging. Aus meiner Sicht konnten dabei für alle Ärzte Kompromisse gefunden werden.

Was mich jetzt aber als Hausarzt schockiert und zu diesem Brief veranlasst, sind die „Veranstaltungen“ des Deutschen und des Sächsischen Hausärzteverbandes. Tagelang wurden Faxe in die Praxen geschickt, da wird von traumhaften AOK-Pauschalhonoraren in Bayern und Baden-Württemberg berichtet und wir sollen unser Mandat zur Verhandlungsführung durch den SHÄB abgeben.

Was ist in unserer Ärzteschaft los? Will jetzt jeder sein eigenes Honorarsüppchen kochen? Wollen wir Hausärzte uns von den Fachärzten trennen, die wir aus meiner Sicht unabdingbar brauchen und ohne deren Mit- und Zusammenarbeit unsere hausärztliche Betreuung und Versorgung wesentlich schlechter funktionieren dürfte? Wollen wir durch eine eigene Hausarzt-KV noch mehr Zersplitterung und noch mehr Kleinkrämerei und Bürokratie?

Das Pauschalhonorar aus Bayern und Baden-Württemberg ist auch auf anderem Weg erreichbar. Zum Beispiel, wenn ich bei einem multimorbiden Patienten mit einer Basisgrundvergütung von 37,– Euro noch DMP abrechne. Zuzüglich dann noch Prävention (GU, KVU, Hautkrebsscreening), komme ich bei jedem Patienten, nicht nur bei der AOK, auf ein ähnliches Fallhonorar.

„Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf!“ Bei mir nicht. In und durch die KV sind wir ALLE miteinander verbunden. Ich brauche die Fachärzte genauso wie sie mich und meine hausärztliche Kompetenz und Koordination benötigen – ein Geben und Nehmen unter einer einheitlichen Kontrolle.

Ich bin mit dieser Art und Weise der Mandatierungswerbung des Deutschen und Sächsischen Hausärzteverbandes nicht einverstanden!

Wenn wir unsere Honorarforderungen und -verhandlungen mit den Krankenkassen und dem Gesundheitsministerium erfolgreich führen wollen, müssen wir stark sein. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben dabei die längsten, besten und größten Erfahrungen und daraus folgend die stärkste Lobby.

Über „Alleingänge“ reiben sich nicht nur die Politiker sondern auch die Krankenkassen die Hände. Wir zersplittern, werden noch abhängiger und noch machtloser. Mit einigen Beschlüssen der KV gehe ich nicht konform. Das ist aber für mich kein Grund, ihr gegenüber ein Misstrauensvotum auszusprechen.

Nur wenige von uns, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen Hausärzte, sprechen ihren Missmut offen aus. Wenn wir nichts sagen und /oder wagen, wird sich gar nichts ändern.

Ich bin gern Hausarzt. Auch wenn es oft nicht leicht war und ist und sein wird. Ich bedanke mich bei allen meinen Facharztkolleginnen und -kollegen für deren Mit- und Zusammenarbeit. Dadurch gewinnen unsere Patienten an Gesundheit und wir an Sicherheit.

Ich stimme für eine Hausarztzentrierte Versorgung mit „add on“ Struktur.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen!

Dr. Matthias Triebe

Facharzt für Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren

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