Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2008 » 12/2008 » Berufs- und Gesundheitspolitik

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 12/2008

Ausgabe 12/2008

zum Inhalt dieser Ausgabe

Berufs- und Gesundheitspolitik



Reaktion der KV Sachsen auf Briefe der BKK Salzgitter

Überprüfung von Diagnosen

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus dem Kreise unserer Vertragsärzte haben wir erfahren, dass Sie Ärzte um Überprüfung der Diagnosen ersuchen (Muster siehe S. 11 – die Redaktion). Als Begründung führen Sie den Risikostrukturausgleich an, der ab 2009 auf der Basis von Morbiditätsdaten erfolgt. Ihren Schreiben legten Sie eine Liste der Diagnosen bei, die künftig im Gesundheitsfonds von Bedeutung sind und eine Liste der vom konkret angeschriebenen Arzt behandelten Versicherten, für die keine gesicherte Diagnosen dokumentiert sein sollen.

Gestatten Sie uns den Hinweis, dass Ihr Ansinnen aus folgenden Gründen keine positive Resonanz ausgelöst hat, sondern sich vielmehr der vehementen ärztlichen Kritik ausgesetzt sieht:

Zunächst ist zu sagen, dass die generalisierende Vermutung einer unzureichenden Diagnostizierung respektive deren Dokumentation seitens der Vertragsärzte zwangsläufig zu Unmut führen muss, wird mit ihr ärztliches Handeln und letztlich auch die gesamte Therapie in Frage gestellt.

Darüber hinaus könnte Ihr Aufruf nach Ansicht einiger Vertragsärzte als Beeinflussung der Diagnosedokumentation aufgefasst werden, bei der es offensichtlich weniger um deren Korrektheit als um Finanzzuweisungen zu Ihren Gunsten geht.

Nicht zuletzt erscheint das Unterfangen auch datenschutzrechtlich unzureichend abgesichert, da die hierzu erfolgte Datenerhebung und –nutzung nur bei fragwürdig wohlwollender Auslegung der „Durchführung des Risikostrukturausgleichs“ im Sinne des § 284 Abs. 1 S. 1 Nr. 14 Alt. 1 SGB V dient.

Angesichts des Vorgenannten und der Reaktionen unter der sächsischen Vertragsärzteschaft empfehlen wir, von einem weiteren Einwirken dieser Art auf die Ärzte Abstand zu nehmen. Wir erlauben uns, Ihr Schreiben und unsere Antwort in unserem Publikationsorgan, den KVS-Mitteilungen, zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Klaus Heckemann

Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen

--------------------

Brief der BKK Salzgitter

Sehr geehrte Frau Dr. med. *

ab 2009 wird der sogenannte Morbi-RSA eingeführt; die Krankenkassen erhalten dann die Finanzzuweisungen aus dem Gesundheitsfonds auf der Grundlage von Morbiditätsdaten, die ab 2008 erstmals erhoben werden. Diese Morbiditätsdaten

basieren größtenteils auf den Abrechnungsinformationen der niedergelassenen Ärzte. Nach unseren Analysen sind die übermittelten Diagnosen allgemein nicht präzise oder unzutreffend dokumentiert. Häufig bleiben z. B. Verdachtsdiagnosen in den

Datenbeständen, obwohl eine gesicherte Diagnose feststellbar ist.

Wir bitten Sie daher, für Ihre bei der BKK versicherten Patienten noch für das 3. Quartal 2008 eine Überprüfung der Diagnosen vorzunehmen und fachlich begründete Korrekturen in Ihrem Praxiscomputer zu erfassen.

Zu Ihrer Unterstützung erhalten Sie von uns eine Liste der Diagnosen, die künftig im Gesundheitsfonds von Bedeutung sind und eine Liste der Versicherten, die bei Ihnen in Behandlung waren und für die keine gesicherte Diagnose dokumentiert ist. Telefonische Unterstützung gibt unser BKK MedPlus Center (05341/4 05-502 – Herr Dietrich).

Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns in dieser Sache unterstützen würden. Obwohl Ihre Mitwirkung wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für uns wünschenswert ist, weisen wir ausdrücklich auf deren Freiwilligkeit hin.

Mit freundlichen Grüßen

Vorstand

* Name der Ärztin ist der Redaktion bekannt.

--------------------