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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 11/2008

Ausgabe 11/2008

zum Inhalt dieser Ausgabe

Informationen der Berufsverbände



Mit einer Stimme sprechen

In etwas anderer Form und an einem anderen Ort trafen sich die Vertreter der fachärztlichen Berufsverbände zu ihrer diesjährigen Herbsttagung. Das Landesvorstandstreffen der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände (GFB) und des Deutschen Fachärzteverbandes (DFV) fand am 1. Oktober in den Räumen der Bezirksgeschäftsstelle Leipzig der KV Sachsen statt. Der Sächsische GFB/DFV-Vorsitzende, Dr. Frank Rohrwacher, begrüßte 22 fachärztliche Kollegen aus 14 Berufsverbänden sowie als Gastredner den DFV-Bundes-Vorsitzenden Dr. Thomas Scharmann aus München.

Zunächst berichtete der Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV Sachsen, Dr. Stefan Windau von den Honorarverhandlungen Ende August in Berlin. Er hatte als Mitglied des Arbeitskreises Vergütung im Erweiterten Bewertungsausschuss daran teilgenommen. Dr. Windau stellte die Architektur der Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung vor und ging auf die Konsequenzen der Berechnung des morbiditätsabhängigen RLV ein. Im Hinblick auf zukünftige Honorarsteigerungen ist der Nachweis erhöhter Morbidität erforderlich. Es wird Verschiebungen zwischen den Fachgruppen geben. Dr. Windau bewertete das neue System „als eine Chance, aber keinen Automatismus. Es muss alles jedes Jahr neu verhandelt werden.“ Als Erfolg kann der Anstieg der Vergütung für die ostdeutschen Ärzte auf 94 % des durchschnittlichen „West-Niveaus“ gesehen werden, da er gegen starke Widerstände errungen wurde.

Herr Dr. Rohrwacher dankte ihm nicht zuletzt für den enormen Zeitaufwand, den Dr. Windau für die Berufspolitik erbringt. Die Anwesenden würdigten nachdrücklich seine erfolgreiche Arbeit in verschiedenen Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung auf Landes- und Bundesebene. Anschließend stellte Dr. Rohrwacher Herrn Dr. Thomas Scharmann vor, der den DFV in den letzten Jahren zusammen mit einigen Berufsverbands- vorsitzenden zur einflussreichsten Kraft für die Fachärzte auf der bundespolitischen Ebene geführt hat.

Er versucht, das Credo „die Fachärzte müssen mit einer Stimme sprechen“ mit Leben zu erfüllen.

Der Münchner Augenarzt machte zunächst die vielfach gegenläufigen Interessen für die Zersplitterung der Fachärzteschaft verantwortlich. So kam die im Frühjahr geplante Vereinigung des GFB mit dem DFV zur Deutschen Fachärzte-Allianz auf Grund von zu vielen Einzelinteressen nicht zustande. Der Verbändeverband GFB funktioniert auf regionaler Ebene überwiegend sehr gut, aber es muss eine fachärztliche Führung auf der Bundesebene geben, die gemeinsam mit dem DFV, mit einer Stimme spricht. Dr. Scharmann will die GFB und den DFV deshalb bundesweit zusammenführen, wie es in 3 Bundesländern bereits der Fall ist. Sachsen hat hier nach Aussage des Bundesvorsitzenden eine Vorreiterrolle, da hier unter Dr. Rohrwacher bereits 2006 die Vereinigung der beiden Facharztverbände vollzogen wurde.

Sollte eine deutschlandweite Vereinigung von GFB und DFV – evtl. auch aus formalrechtlichen Gründen – nicht erfolgreich sein, so könnte in Zukunft die Bundes-GFB als Clearing-Stelle wirken, die Außenvertretung durch den DFV erfolgen, auch weil der Name unkomplizierter und selbsterklärend ist. Wie auch immer, es muss ein Zusammenschluss her. Insbesondere die führenden Gesundheitspolitiker auf Landes- und Bundesebene wollen einen Ansprechpartner für die fachärztlichen Belange.

Dr. Scharmann ging auf die Ursachen der gesundheitspolitischen Misere ein. Diese sieht er in der Budgetierung, den floatenden Punktwerten, der Grundlohnsummenanbindung und der Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich, ohne dass diesen das Geld gefolgt ist. Der DFV-Vorsitzende sagt die nächsten Gesundheitsreformen für 2010 und 2014 voraus. Dabei zitiert er Prof. Bert Rürup, der die Gesundheitspolitik als „ein suchendes System“ bezeichnet haben soll.

Der Referent sieht in der „unkritischen Wettbewerbsgläubigkeit in Politik und Ministerialebene“ einen Grund für die aktuellen Fehlentwicklungen. So ist das von Ulla Schmidt hochgelobte „Berliner Polikum“ als größtes MVZ im Land inzwischen selbst zu einem Problemfall geworden .

„Dem SGB V entkommt keiner, auch nicht mit Direktabrechnung“, ist seine Ansage an jene Teile der Ärzteschaft, die glauben, die Finanzierung im Gesundheitswesen auf diese Art lösen zu können. „Wir Fachärzte müssen in diesem SGB vorkommen“, bisher werden dort nur die Hausärzte erwähnt. Gelingt dies nicht, kommt in 5 Jahren wieder die Diskussion zur „überflüssigen doppelten Facharztschiene“. Auch fordert er, dass MVZ nur mit Vertragsärzten betrieben werden dürfen.

Seinen sächsischen Kolleginnen und Kollegen gibt der Gast abschließend mit auf den Weg, dass „Kampagnen- und Politikfähigkeit für das Überleben und die Gestaltungskraft der Fachärzteschaft entscheidend sind“.

Dr. Rohrwacher dankte dem Referenten für seinen Besuch in Leipzig und lobte die immer kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit. Die Einladung für den nächsten Besuch in Sachsen wurde von Herrn Dr. Scharmann sehr gern angenommen. Nochmals bat Dr. Rohrwacher die Vorsitzenden der Berufsverbände, die monatlich an sie gesandten berufspolitischen Informationen (z.B. Facharzt-Brief der GFB, Pressemitteilungen des DFV) über die Berufsverbände allen Kolleginnen und Kollegen zugänglich zu machen, um eine höhere Sensibilisierung für berufspolitische Themen zu erreichen und alle Fachärzte auf dem Laufenden zu halten. Er warb abschließend für die Mitgliedschaft im DFV, da dies der Verband ist, welcher sich am nachhaltigsten und mittlerweile auf Bundesebene am erfolgreichsten für die Interessen der Fachärzte einsetzt.

Die Frühjahrstagung wurde für den 25. März 2009 nach Dresden einberufen.

– Öffentlichkeitsarbeit/im –