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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2008

Großer Umbau für bessere Vergütung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 27./28. August 2008 einen Beschluss zur Umsetzung der Vergütungsreform 2009 gefasst, welcher für die ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeuten in den neuen Bundesländern zumindest in einem Punkt sehr erfreulich ist. Endlich wird – untersetzt durch konkrete Entscheidungen – ein finanzieller Nachholbedarf bei der Vergütung unserer Leistungen anerkannt und mit messbaren finanziellen Konsequenzen versehen.

In den nächsten drei Monaten stehen nun einige sehr wichtige Aufgaben vor dem Vorstand, damit dieser Beschluss in Sachsen mit Leben, also mit frischem Geld für die ambulante Versorgung der uns anvertrauten Patienten, erfüllt wird.

Steht der Solidarbeitrag Ost-West auf der Tagesordnung?

Zuerst einmal müssen wir allen Bestrebungen auf der Bundesebene schärfstens entgegentreten, diesen Erfolg politischen Agierens und geschickten Verhandelns teilweise rückgängig zu machen. Der Vorstand verfolgt sehr wachsam die sich abzeichnenden Bestrebungen, einen Teil dieser finanziellen Zuwächse in KVen der alten Bundesländer umzulenken. Für ein Notopfer zugunsten der alten Bundesländer bzw. einen entsprechenden Solidarbeitrag von Ost in Richtung West sind die Zeiten sicherlich noch lange nicht gekommen! Dafür, dass der KBV-Vorsitzende Dr. Köhler diesbezüglichen Ansinnen eine klare Absage erteilt hat, sind wir ihm sehr dankbar.

Verhandlungsmarathon in den Bundesländern steht bevor

Bis zum Jahresende steht nun ein harter Verhandlungsmarathon mit den sächsischen Krankenkassen an. Wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, den Honorarverteilungsmaßstab (HVM) und die darauf fußenden Regelleistungsvolumen (RLV) bis zum Jahresende an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, bekannt geben zu können, werden jede Woche entsprechende Verhandlungen stattfinden müssen. Die ersten Gespräche waren Anfang Oktober, weitere Terminvorschläge sind den Krankenkassen bereits unterbreitet worden. Auch das Scheitern der Verhandlungen kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, so dass wir bereits vorsorglich für Ende November/Anfang Dezember 2008 eine Verständigung über Schiedsamttermine angeboten haben. Wir werden Sie mit weiteren Veröffentlichungen auf dem Laufenden halten.

Der HVM in einer Formel

Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses ist lang, muss viele verschiedene Detailvorgaben des Gesetzgebers regeln und strotzt vor Gleichungen, Formeln, Parametern und Zahlen. Auch Sie müssen sich in diesem Dickicht zurechtfinden und die grundsätzlichen Wirkungen der neuen Euro-RLV verinnerlichen, um Ihre Honoraransprüche für die Zukunft zu sichern und auch realisieren zu können. Der Gesetzgeber gibt vor, alle Berechnungsschritte und Faktoren in eine Formel zu gießen. Leider wird diese wohl sehr lang und komplex sein, so dass auch der neue HVM viele Seiten Lesestoff bieten wird: Ermittlung der Gesamtvergütung – Orientierungswert – Aufteilung der Gesamtvergütung auf die Versorgungsbereiche – Geld für Rückstellungen und Härtefälle – Finanzmittel für Leistungen außerhalb der RLV – Finanzierung der Fachgruppen ohne RLV – Berechnung der RLV-Regelungen für Jungärzte, Gemeinschaftspraxen – Anpassung von RLV – quartalsweise Neuermittlung. Viele Begriffe und Regelungsinhalte werden Sie wiedererkennen.

Systematik mit Chancen und Grenzen

Wir versprechen Ihnen, die Grundsystematik so einfach und verständlich wie nur irgend möglich zu erläutern. Schließlich hängt doch davon auch ab, wie sich unser Honorarbudget und die praxisbezogenen RLV zukünftig weiterentwickeln werden. Ja, diese Erkenntnis kann ich Ihnen leider nicht ersparen: Auch in Zukunft wird es ein begrenztes Honorarvolumen – also ein Budget geben. Dieses hängt aber nicht mehr von solchen Zufällen wie Mitgliederentwicklungen, Ausgangskopfpauschalen oder Grundlohnsummen, sondern von der Entwicklung der nachweisbaren Morbidität und der zu ihrer Behandlung notwendigen Leistungen ab. Lassen Sie uns diese Chance nutzen!

Die regionale Gebührenordnung kommt

Welche Leistungen sind es nun aber, die wir ab 2009 abrechnen können? Wie füllen wir die Euro-RLV mit Behandlungsbedarf? Das wird zurzeit im Bewertungsausschuss verhandelt. Ab Mitte Dezember soll dann der EBM 2009 stehen. Dieser ist als Leistungsverzeichnis Grundlage für die Festsetzung der sächsischen Euro-Gebührenordnung. Der Bewertungsausschuss wird diesen EBM voraussichtlich erst in der 2. Dezemberhälfte auf CD im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichen können. Sobald wir den Beschluss in den Händen halten, werden wir umgehend auf Basis der Ergebnisse der HVM-Verhandlungen das sächsische Gebührenverzeichnis erstellen, im Internetauftritt der KV Sachsen öffentlich bekannt machen und die Erstellung einer Papierversion in Auftrag geben. Auch die Mitteilung der RLV Ihrer Praxen kann erst erfolgen, wenn die HVM-Verhandlungen abgeschlossen sind. Dies ist objektiv leider ebenfalls kaum vor Weihnachten möglich, so dass ich Sie bereits heute um Ihr kollegiales Verständnis bitte. Da die RLV jeweils auf den Fallzahlen Ihrer Praxis im Vorjahresquartal aufsetzen, bitte ich Sie ebenfalls zu beachten, dass Ihnen quartalsweise neue RLV mitgeteilt werden müssen.

Das Ziel bleibt

Zum Schluss noch einmal zurück zum heiß diskutierten und umkämpften Thema der Ost-West-Angleichung. 94% sind gemessen am Ausgangsniveau von ca. 80% ein gewaltiger Sprung. Unser politisches Ziel ist damit jedoch noch nicht erreicht. Wir wollen schnellstmöglich die 100% erreichen. Dazu ist allerdings auch Ihr Mitwirken erforderlich. Sorgen Sie bitte dafür, dass durch die Absicherung aller notwendigen Patientenbehandlungen weder Morbidität noch Leistungen im ambulanten Bereich verloren gehen. Nur dann werden wir auch die vollständige Honorarangleichung im nächsten Schritt unserer politischen Auseinandersetzungen und Verhandlungen erreichen können.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

 

 

 

 

Ihre Stellv. Vorstandsvorsitzende
Ulrike Schwäblein-Sprafke