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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2008

Ausgabe 10/2008

zum Inhalt dieser Ausgabe

Berufs- und Gesundheitspolitik



Ergebnis der KBV-Versichertenbefragung 2008 – mündige Versicherte und Patienten und ihre Erwartungen an die gesundheitliche Versorgung

Zum zweiten Mal nach dem Jahr 2006 hat die KBV in der Zeit vom 13. Mai bis 9. Juni 2008 eine Versichertenbefragung durch die Mannheimer Forschungsgruppe „Wahlen Telefon-Feld GmbH“ durchführen lassen. Befragt worden sind 6.114 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger, im Alter von 18 bis 79 Jahren. Die Auswahl der befragten Personen war dabei so gehalten, dass auch Rückschlüsse auf die regionalen Besonderheiten in den einzelnen KV-Bereichen möglich waren bzw. sind.

Die Ergebnisse der Versichertenbefragung sind am 20. August 2008 in einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt worden (Die KVS-Mitteilungen 9/2008 berichteten darüber). Wie nicht anders zu erwarten, waren die Ergebnisse sowohl bundesweit als auch auf die Ebene des Landes Sachsen im Ganzen positiv, bezogen auf Fragen wie: Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, zur Akzeptanz bzw. das Vorhandensein eines Hausarztes oder auch zur Frage der Zufriedenheit mit der ärztlichen Behandlung und Beratung. Ziel der Versichertenbefragung war es jedoch, nicht nur die vorstehenden Aspekte zu hinterfragen, sondern auch Hinweise darauf zu erlangen, wie es mit Themen wie Wartezeiten, Auswahlkriterien des Patienten für eine Arztpraxis oder auch die Frage der Akzeptanz von Wahltarifen und Hausarztmodellen steht.

In den nachfolgenden Ausführungen soll ein kurzer Überblick über wesentliche Aussagen aus der Versichertenbefragung, zum Teil auch im Vergleich zu den Befragungsergebnissen im Jahr 2006 gegeben werden, ergänzt um einzelne kritische Hinweise zu der Frage, wo letztlich bei Versicherten und Patienten Grenzen im Hinblick auf die Akzeptanz von Veränderungen liegen.

Themenbereiche der Versichertenbefragung

Die von der Forschungsgruppe Wahlen Telefon-Feld GmbH im Rahmen der Versichertenbefragung gestellten Fragen lassen sich in insgesamt vier Themenbereiche gliedern:

  • Arztbesuche und Versorgungslage
  • Gesundheitspolitik und Wahltarife
  • Medikamentenverordnung und IGEL-Leistungen
  • Unzufriedenheit mit Ärzten und individuelle Situation

Wie bei allen Umfragen spiegeln die zu den vorstehenden Themenbereichen gestellten Fragen und die dabei erzielten Ergebnisse die aktuelle Situation und bei Vergleich mit dem Ergebnis der Befragung im Jahr 2006 zum Teil auch Entwicklungen wider, die sowohl in der Vergangenheit als auch in Zukunft gewissen Schwankungen unterliegen werden. Trotzdem geben die Ergebnisse Hinweise, wie in der Bevölkerung über den einen oder anderen Sachverhalt konkret gedacht wird.

Die fünf wesentlichen Ergebnisse der Versichertenbefragung

1) Unter der Berücksichtigung der Ergebnisse aus der Befragung des Jahres 2006 lässt sich zunächst einmal ableiten, dass der Trend hin zu einer etwas stärkeren Frequentierung der Arztpraxen besteht. Überdurchschnittliche Arzt-Patienten-Kontakte lassen sich insbesondere bei Teilnehmern von Hausarztmodellen und hier speziell bei älteren Patienten feststellen.

Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird sowohl im Hinblick auf das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient als auch im Hinblick auf die Fachkompetenz des Arztes von den Befragten nachhaltig positiv bewertet.

2) Die Befragung hat des Weiteren gezeigt, dass bundesweit 92% der Befragten einen Hausarzt haben; in Sachsen sind es sogar 98% der Befragten. Einen signifikanten Unterschied gibt es zwischen den bundesweiten Ergebnissen und der Situation in Sachsen, wenn man sich die Ergebnisse zur Frage der Gründe für einen Arztbesuch ansieht. Hier wird ein chronisches Krankheitsproblem fast genau so häufig genannt, wie ein akutes gesundheitliches Problem, das zu einem Arztbesuch führt. Speziell die chronischen Krankheiten als Anlass für einen Arztbesuch liegen im bundesweiten Vergleich signifikant höher, was – mit aller Vorsicht – zumindest Hinweise auf eine andere Morbiditätslage in Sachsen (im Vergleich zur bundesweiten Situation) gibt.

3) Große Unterschiede finden sich auch in den Antworten bundesweit im Vergleich zu den Antworten aus Sachsen, wenn es um die Frage der Wartezeiten und deren Akzeptanz bei der Terminvergabe geht. Während bundesweit erst bei Wartezeiten von Tagen oder gar Wochen bei der Terminvergabe nachhaltige Unzufriedenheit bei den Patienten entsteht, ist das Unzufriedenheitspotential in Sachsen auch schon bei kleineren Verzögerungen relativ hoch. Wartezeiten von einem Tag und mehr für einen Termin werden nachhaltig kritisch beurteilt.

4) Im Rahmen der Problematik Gesundheitspolitik sind die Versicherten mit verschiedenen Fragen zur Kostenentwicklung und zu besonderen Versorgungsmodellen befragt worden. Die Ergebnisse lassen eindeutig den Schluss zu, dass die finanziellen Auswirkungen der Gesundheitsreform in der Wahrnehmung des Versicherten angekommen sind, insbesondere bei GKV-Versicherten und ab einem mittleren Alter. So schätzen 45% der sächsischen Versicherten die Ausgaben für die medizinische Versorgung als gestiegen ein; der bundesweite Durchschnitt liegt bei 41%. Mehr noch von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass 17% der Befragten auch eine Verschlechterung bei der Qualität der Gesundheitsversorgung empfinden.

5) Ein Schwerpunkt der Beratung bildete der Bereich der Wahltarife (einschließlich der neuen Vertragsstrukturen). Die Fragen zu diesem Komplex zeigen im Ergebnis deutlich, dass finanzielle Gesichtspunkte, z.B. Erlass der Praxisgebühr, eine wesentliche Rolle bei einer Entscheidung für einen Wahltarif spielen. Die Bereitschaft im Rahmen eines Wahltarifs einen von der Krankenkasse ausgewählten Arzt aufzusuchen, liegt in Sachsen sogar signifikant unter dem Bundesdurchschnitt. Auch ist die Bereitschaft den eigenen Hausarzt zu wechseln, nur um an einem Hausarztmodell teilnehmen zu können, bei fast zwei Drittel der Befragten nicht vorhanden.

In einem abschließenden Fragenkomplex wurden die Befragten dann noch um eine Einschätzung zu ihrer persönlichen Situation gebeten. Hier beurteilten ca. 31% der Befragten in Sachsen die Zukunft pessimistisch (Bundesweit lag hier der Wert bei 26%.). Dieses Ergebnis bestätigt die auch aus anderen Umfragen zur wirtschaftlichen Entwicklungen bekannten Einschätzungen.

Fazit

Insgesamt ist festzustellen, dass die Wartezeitproblematik bei der Terminvergabe einerseits und in der Praxis andererseits von den Versicherten sehr genau registriert und auch differenziert bewertet wird. Gerade die Wartezeit in der Praxis führt schnell zu einer negativen Einschätzung. Mit einem konsequenten Einsatz eines Qualitätsmanagement-

systems dürfte in diesem Punkt sicherlich noch einiges in der Zukunft zum Besseren zu bewegen sein. Es gilt, die Arzt-/ Patientenbeziehung weiter zu stärken.

Die Erkenntnis zu der Frage Qualität und Kosten im Gesundheitswesen zeigen, dass dieses Thema noch wesentlich transparenter gegenüber den Versicherten und Patienten dargestellt werden muss. Insbesondere ist das nötig, wenn es wie aktuell der Fall um die Frage einer leistungsgerechten Honorierung geht und die Politik die aktuellen Entscheidungen des Erweiterten Bewertungsausschusses als wesentlichen Grund für Beitragssatzerhöhungen in der GKV zu verkaufen sucht.

– Strategie/DG –