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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2008

Alibilogen

Kennen Sie die Arztgruppe der Alibilogen? Nein? Sie werden sie kennenlernen. Sie gehören weder dem hausärztlichen noch dem fachärztlichen Versorgungsbereich an, sind aber wahrscheinlich endemisch verbreitet. Leider gibt es noch keine genauen Zahlen über die Alibilogen, aber wahrscheinlich gibt es sie in allen Fachgruppen.

Alibilogen werden vornehmlich von Kassenvertretern aufgesucht, die auf der Suche nach ärztlichem Sachverstand die Szene durchkämmen, um Know-how bei der Umsetzung von Selektivverträgen zu bekommen.

Selbstverständlich fühlt sich ein Alibiloge in seinem Helfersyndrom geehrt, sieht seine Wichtigkeit bestätigt und hofft seinen Einfluss auszubauen.

Deshalb finden sich auch besonders viele Alibilogen unter den Vorständen der Berufsverbände. Nach Konsultation von ausreichend vielen Alibilogen haben sich die Kassenvertreter so weit gestärkt, dass sie zur Ausschreibung ihrer Programme schreiten können (der sog. Ausschreibungspirouette).

Und so verursacht der Alibiloge das von der Politik gewünschte kreative Chaos:

Manche schnappen nach dem Wurstzipfel. Andere werden vergessen. Die stillen Genießer freuen sich auf die Pauschalen. Die Verbandsfunktionäre merken auf einmal, dass ihre Mitglieder nicht das wollen, was sie wollen. Kein Alibiloge spricht mit dem anderen – wieso auch, jeder denkt nur an sich, nur ich denke an mich!

Irgendwann werden die Alibilogen klug, sie organisieren sich, sie sprechen sich ab, sie verhandeln gemeinsam, sie vereinbaren Standards. Irgendwann werden sie sich erinnern, das gabs doch schon mal, den Alibilogenverband; und sie werden traurig sein!

Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender der VV der KBV aus KBV Report in Kürze 08/2008

Patienten sind zufrieden mit ihrem Arzt

Berlin, 20. August 2008 –„92 Prozent der Versicherten haben ein sehr gutes oder gutes Verhältnis zu ihrem Arzt.“ Das hat Dr. Andreas Köhler, Vorstands- vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) betont. Die Zahl geht aus einer repräsentativen Versichertenbefragung hervor, die die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV zwischen Mai und Juni durchgeführt hat. Heute stellte die KBV die Ergebnisse in Berlin vor.

2006 hatte die KBV schon einmal eine Versichertenbefragung organisiert. In der diesjährigen Umfrage beantworteten die über 6.000 Teilnehmer erstmals auch Fragen zum Thema Hausarztverträge. „Wir wollten herausfinden, wie bekannt Hausarztmodelle sind, welche Informationsquellen die Versicherten nutzen, wie viele von ihnen bereits teilnehmen und wie deren Erfahrungen mit der Versorgung bisher sind“, erklärte Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV. Immerhin 62 Prozent der Befragten haben schon von Hausarztmodellen gehört, 19 Prozent nehmen an einem teil.

Älteren Versicherten ist es wichtiger, ausschließlich zum Arzt ihres Vertrauens zu gehen. 27 Prozent der Hausarztmodell-Teilnehmer waren 60 Jahre und älter, nur elf Prozent zwischen 18 und 29 Jahre alt.

Die Qualität der ärztlichen Versorgung ist – unabhängig vom Alter – seit der Teilnahme für 75 Prozent der Befragten gleich geblieben. Für 13 Prozent der Teilnehmer an einem Hausarztmodell hat sich die Versorgung verbessert, neun Prozent empfinden sie als schlechter.

Anreiz für die Teilnahme ist für diejenigen, die zwar schon von einem Hausarztmodell gehört haben, aber nicht teilnehmen, vor allem die Aussicht auf eine bessere Kooperation von Haus- und Facharzt. Zufrieden ist ein Großteil der befragten Versicherten auch mit der Entfernung zur Arztpraxis. Drei Viertel aller Befragten erreichen die Praxis ihres Hausarztes innerhalb von zehn Minuten. Die Hälfte ist in dieser Zeit auch beim Facharzt. „Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die flächendeckende Versorgung nach wie vor gewährleistet ist“, so Müller.

Doch bei all den guten Zahlen soll auch die Kritik genannt werden. Zwar haben 90 Prozent aller Befragten überhaupt keine Probleme mit Wartezeiten empfunden. Trotzdem sind Unterschiede bei der Terminvergabe festzustellen. Bekommen 30 Prozent aller gesetzlich Versicherten sofort einen Termin, sind es bei den privat Versicherten 39 Prozent. Fast doppelt so viele gesetzlich wie privat Versicherte warten über drei Wochen auf einen Termin. „Diese Zeiten sind zu lang. Hier müssen wir genau betrachten, woran das liegt“, erklärte KBV-Chef Köhler.

„Mit Sicherheit sind hierbei auch die Folgen der jahrelangen Budgetierung und Unterfinanzierung zu spüren. Ein Drittel seiner Leistungen erbringt ein niedergelassener Arzt umsonst. Und das schon seit Jahren. Ich appelliere deshalb an die Verlässlichkeit der Politik, zu ihren Einsichten und Zusagen zu stehen“, so Köhler weiter. Erst jüngst hatte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in einem Brief an die CDU-Mitglieder geschrieben, dass „wir die Ärzte mit 2,5 Milliarden Euro zusätzlich unterstützen.“ Denn, so heißt es in dem Schreiben weiter: „Zu den guten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen zählt aber auch, dass die Ärzte angemessen entlohnt werden.“

(Pressemitteilung der KBV vom 20.08.2008)

Behandlungsfehler

Alle Zweige der Gesellschaft befinden sich in der Qualitätsoffensive. Qualität wird zum Markenzeichen. ISO-zertifizierte Unternehmen haben Statistiken zufolge bessere Chancen bei der Vergabe von Aufträgen. Das ist gut so.

Selbstverständlich hat der Qualitätsbegriff auch Einzug in die vertragsärztliche Versorgung gehalten. Der Zugang zur Erbringung Richtlinien-gebundener ärztlicher Leistungen ist an umfängliche Nachweise und Kolloquien vor ärztlichen Kommissionen gebunden. Aufwändige Qualitätszirkelarbeit soll helfen, Punktekonten anzuhäufen, um den Anforderungen des Gesetzgebers ab Mitte 2009 zu entsprechen. Selbstverständlich können Qualitätsmanagementinstrumente in der Praxis eingesetzt werden und wenn man Vorreiter auf diesem Gebiet sein will, kann man seine Praxis sogar zertifizieren lassen. Man ist dabei, sektorübergreifende Qualitätssicherung in Gang zu bringen. Man bestimmt Qualitätsindikatoren, macht Prozesse und Ergebnisse transparent.

Warum das alles? Die Antwort ist schnell und pauschal gegeben, damit dem Patienten, dem Ziel aller ärztlichen Qualitätssicherungsbemühungen, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Behandlung inklusive aller notwendigen Verordnungen und weiterreichenden Veranlassungen gegeben werden kann.

Wer heilt, hat Recht, so lautet jede Überschrift zum Thema „Ergebnisqualität in der ärztlichen Behandlung“.

Ärzte bekennen sich in zunehmendem Maße öffentlich zu ihren Fehlern. Man geht offensiv mit Behandlungsfehlern um. Damit Fehler andere Kollegen nicht in gleicher Form wiederholen, weil die Konsequenz aus einem Behandlungsfehler weit folgenschwerer sein kann, als ein eben frisch gekaufter, aber zu Hause dann doch nicht funktionierender Staubsauger.

In einer Regionalausgabe einer sächsischen Tageszeitung wurde vor kurzem von einer Gerichtsverhandlung berichtet, wo ein sächsischer Kollege im Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst falsch diagnostizierte und die Patientin noch während der Beschaffung von offensichtlich auch unnötigen Medikamenten durch den Ehemann an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb. Der Arzt wurde verurteilt.

Wenn man den Prozess vom Anruf in der Rettungsleitstelle bis zum Tod der Patientin verfolgen würde, wären vermutlich mehrere Fehler lokalisierbar. Die entscheidenden hat aber offensichtlich der Arzt gemacht. Von überforderten Ärzten im Bereitschaftsdienst war im Gerichtssaal zu hören. Dem ist nicht zu widersprechen.

Wer fühlte sich nicht schon mal am Sonntag gegen 2.00 Uhr morgens nach einem Patientenanruf überfordert? Wer fühlte sich nicht das nächste Mal überfordert, wenn man 20 Minuten später am Krankenbett eine diffuse Beschwerdesymptomatik zu hören bekommt? An diese Art Überforderung war im Gerichtssaal vermutlich nicht gedacht worden.

Ärztlicher Notfalldienst unterscheidet sich wesentlich vom geregelten Praxisbetrieb, eine Erfahrung, die Sie womöglich alle schon gemacht haben. In der Berufsordnung der Sächsischen Landesärztekammer steht im Absatz 4 des § 26 – Ärztlicher Notfalldienst:

„… Der Arzt hat sich auch für den Notfalldienst fortzubilden, wenn er … nicht auf Dauer von der Teilnahme am Notfalldienst befreit ist …“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein nicht entsprechend fortgebildeter Arzt ist fachlich überfordert. Damit wir recht verstanden werden, Behandlungsfehler wird es so lange geben wie ärztliche Behandlung. Aber Weiterbildung als entscheidende Größe der Qualitätssicherung ärztlicher Tätigkeit war und ist gerade auch für den ärztlichen Notfalldienst unabdingbar.

– Der Vorstand der KV Sachsen –