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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 09/2008

Ein entscheidender Schritt für die ambulante medizinische Versorgung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die öffentlichen Reaktionen auf das Ergebnis der GKV-Vergütungsverhandlungen auf Bundesebene am 29. August waren unterschiedlich, hatten aber durchaus einen Trend: „Honorarplus für Ärzte verärgert alle“, wie es die Sächsische Zeitung am 29.08. formulierte. Unser besonderer Freund Prof. Lauterbach sprach parallel von „spektakulären Zugewinnen der Ärzte“. Als besonderes Schmankerl der öffentlichen Neiddiskussion sei nachfolgend auf einen Kommentar der Bild-Zeitung verwiesen.

Die Ausgangssituation

Die Kassen boten 1,4 Mrd. Euro. Die KBV errechnete, dass zur Erfüllung aller Versprechungen 4,5 Mrd. notwendig seien und hatte diese gefordert. Solche Zahlen klingen gewaltig und bildeten die Basis für das flankierende Medienfeuer, welche Belastungen bei diesen Forderungen denn so auf die Versicherten zukommen. Die Separatverträge in Baden-Württemberg stärkten dabei auch nicht gerade die Verhandlungsposition der Ärztevertreter.

Das Ergebnis

Wie bei allen Verhandlungen trifft man sich an einer Stelle, mit der alle Seiten leben müssen. Ich sehe die erzielten 2,7 Mrd. Euro als wichtigen Schritt für die Sicherung der ambulanten medizinischen Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland. Dabei werden die Honorare in Sachsen und den anderen neuen Bundesländern ab 2009 voraussichtlich auf etwa 94 bis 95 Prozent „West“ angehoben. So ist das erzielte Ergebnis ein Mut machendes Signal an junge Ärzte, Praxen im und besonderes auf dem Lande zu übernehmen. Wie dieses Ergebnis zu bewerten ist, werden Sie verstehen, wenn Sie wissen, dass am 22.08. eine Vertreterin des BMG in Anwesenheit von Herrn Staatssekretär Schröder vor Vertretern der Ost-KVen erklärt hat, dass die Ärzte im Osten heute schon mehr verdienen würden als die Ärzte im Westen. Dabei hatte sie die enorme Mehrarbeit in unseren Praxen einfach unter den Tisch fallen lassen und Äpfel mit Birnen verglichen. Unser Hinweis, dass selbst in Sachsen, mit weniger als 5% Privatversicherten, erste Fachärzte ihre Zulassung zurückgeben und nur noch privat behandeln, schockierte sogar Herrn Schröder. Vielleicht sind mehr Menschen bereit und in der Lage, etwas für ihre Gesundheit aus der eigenen Tasche beizusteuern, ohne gleich der kompletten Privatliquidation das Wort reden zu wollen. Da sind dann die vielzitierten 0,27 Prozentpunkte eher eine polemische Größe auf dem verbalen Schlachtfeld wider die geldgierige Ärzteschaft.

Die Ost-West-Angleichung

Bei aller Freude über das Plus von ca. 17% gegenüber 2007: Die vollständige Angleichung konnte unter dem Aspekt einer vertretbaren Beitragserhöhung in dieser Etappe noch nicht erreicht werden. Sie bleibt aber weiterhin unser Ziel.

Der aktuelle Vertrag schafft die Grundlagen für neue Berechnungen auf Basis der Fallzahlen und für die Messung der Morbidität, damit künftig auch alle für gesetzlich Versicherte erbrachten Leistungen tatsächlich vergütet werden. Ab nächstem Jahr werden sich höhere Fallzahlen allmählich auch auszahlen. Beachten Sie bitte, dass sich die Berechnung immer auf das jeweilige Vorjahresquartal bezieht!

In den kommenden Wochen wird es intensive Verhandlungen mit den Krankenkassen in den einzelnen Bundesländern geben. Erst dann werden wir exakt beurteilen können, wie viel von den zusätzlichen Geldern in den einzelnen Ländern ankommt und wie es verteilt werden kann. Wir halten Sie zeitnah auf dem Laufenden und sind bestrebt, dem jetzigen großen Schritt weitere kleine folgen zu lassen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

 

 

 

Ihr Vorstandsvorsitzender

Klaus Heckemann

 

Bildzeitung vom 29.08.2008

Hanno Kautz, Parlamentskorrespondent der Bild-Zeitung, davor u. a. von 2001-2007 Parlamentskorrespondent der Ärzte Zeitung (!)