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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2008

Ausgabe 07-08/2008

zum Inhalt dieser Ausgabe

Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln



Neufassung des Abgrenzungskataloges zur Hilfsmittelversorgung in Pflegeheimen mit Gültigkeit zum 07. Mai 2007

Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben im letzten Jahr eine Neufassung des Abgrenzungskataloges zur Hilfsmittelversorgung in Pflegeheimen beschlossen. Der bisherige Katalog vom 14. März 2003 wurde mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der GKV (GKV-WSG) am 7. Mai 2007 abgelöst.

Hintergrund der Überarbeitung bildet der § 33 Abs. 1 SGB V. Er konkretisiert (im neu eingefügten Satz 2) den Versorgungsanspruch schwerstbehinderter Versicherter dahingehend, dass dieser nicht vom Grad der Rehabilitationsfähigkeit abhängt. Versicherte können bei stationärer Pflege auch dann Anspruch auf die individuelle Versorgung mit Hilfsmitteln zu Lasten der GKV haben, wenn eine Teilhabe am Leben der Gemeinschaft beispielsweise nur passiv oder sehr eingeschränkt möglich ist.

Zur Zuständigkeit der GKV wird im Abgrenzungskatalog folgendes angegeben:

  • Die Leistungspflicht der GKV gemäß § 33 SGB V ist nicht bereits deshalb ausgeschlossen, weil sich der Versicherte in einem Pflegeheim befindet und dort stationär gepflegt wird. Die Leistung umfasst nicht alle Gegenstände, die dem Ausgleich der Behinderung dienen. Besteht der Verwendungszweck eines Gegenstandes ganz oder überwiegend darin, die Durchführung der Grundpflege zu ermöglichen oder zu erleichtern, so begründet der damit evtl. auch erreichbare Behinderungsausgleich nicht die Leistungspflicht der GKV.
  • Die Leistungspflicht der GKV besteht grundsätzlich, wenn das Hilfsmittel der Behandlung einer akuten Erkrankung bzw. dem Ausgleich einer Behinderung dient. Dies gilt auch dann, wenn eine verantwortungsbewusste Selbstbestimmung oder eine Rehabilitation des Versicherten nicht mehr möglich ist oder der Ist-Zustand der Behinderung nicht mehr verbessert werden kann. 
  • Darüber hinaus ist die Leistungspflicht – zeitlich begrenzt für die notwendige Dauer gemäß dem ärztlichen Behandlungskonzept – auch dann gegeben, wenn nach ärztlicher Einschätzung die Entstehung einer Erkrankung oder Behinderung ohne den Einsatz eines speziellen Hilfsmittels konkret und unmittelbar droht. 
  • Hilfsmittel die der Befriedigung eines allgemeinen Grundbedürfnisses dienen und ausschließlich von einem Versicherten genutzt werden, fallen in die Zuständigkeit der GKV, sofern diese nicht zum typischen Inventar gemäß dem jeweiligen Versorgungsauftrag der Einrichtung zählen. 
  • Jeweils für den einzelnen Versicherten bestimmte, individuell genutzte Hilfsmittel (z. B. Hörgeräte, Kommpressionsstrümpfe, Prothesen) fallen bei medizinischer Notwendigkeit (Behinderungsausgleich oder Krankenbehandlung) in die Zuständigkeit der GKV. 
  • Hilfsmittel, die zur Durchführung der Behandlungspflege dienen, fallen grundsätzlich in die Leistungspflicht der GKV. Dies gilt zeitlich begrenzt auch für die unmittelbare Nachsorge. 
  • Die in den Produktgruppen 50 bis 54 des Pflegehilfsmittelverzeichnisses gelisteten Produkte decken im Regelfall die Grundpflege ab. Sie fallen daher grundsätzlich nicht in den Zuständigkeitsbereich der GKV.

Weitere Grundsätze zur Hilfsmittelversorgung

Die Pflicht der Heimträger zur Vorhaltung von Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln in stationären Pflegeeinrichtungen im Sinne des § 71 Abs. 2 SGB XI (Pflegeheime), die für den üblichen Pflegebetrieb notwendig sind und/oder der Erfüllung des Versorgungsauftrags entsprechend der konzeptionellen Ausrichtung eines Pflegeheimes und der dafür erforderlichen Sachausstattung dienen, bleibt hiervon unberührt.

Die Abgrenzung der Leistungspflicht kann aufgrund von spezialisierten Einrichtungen (z. B. Apalliker/ Wachkoma-Patienten, Suchtkranke, Beatmungspatienten, MS-Erkrankte) nicht allgemeinverbindlich und rein produktspezifisch vorgenommen werden. In der Praxis ist jeder einzelne Versorgungsfall insbesondere auch unter Berücksichtigung der Einrichtungsstruktur individuell zu prüfen. Im Zweifelsfall sollten Versorgungsverträge bzw. Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen herangezogen werden.

In der ambulant-häuslichen Versorgung, d. h. im allgemeinen Lebensbereich des Versicherten ergeben sich durch das GKV-WSG keine Änderungen.

Die aktuelle Fassung des Abgrenzungskataloges und eine synoptische Darstellung der alten und der neuen Rechtslage ist auf der Internetseite der KBV zu finden unter:

http://www.kbv.de/themen/6031.html

Weitere Informationen erteilen Ihnen die Mitarbeiter der Bezirksgeschäftsstellen gern.

Fazit:

Der Leistungsanspruch nach § 33 SGB V wird grundsätzlich auf alle pflegebedürftigen Versicherten in stationären Einrichtungen erweitert, unabhängig davon, ob eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme am Leben der Gemeinschaft möglich ist.

Die Spitzenverbände der Krankenkassen und Pflegekassen haben den Abgrenzungskatalog zur Hilfsmittelversorgung in Pflegeheimen aufgrund der Gesetzesänderung überarbeitet.

– Verordnungs- und Prüfwesen/mau –

Information der gemeinsamen AG der KVS und der LVSK: Umgang mit Off-Label-Use

Mit dem 19. März 2002 und einem Urteil des Bundessozialgerichtes zum Off-Label-Use wurde ein Thema aktuell, das bis dahin weitestgehend durch die ärztliche Therapiefreiheit abgedeckt war. Nach diesem Urteil – und weiteren in den Folgejahren – gehören zum regelhaften Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen die Verordnungen von Arzneimitteln,

  • für die durch das BfArM bzw. das PEI eine deutsche oder durch die EMEA eine europaweite Zulassung erteilt worden ist
  • und die im Rahmen der gemäß Wortlaut der Fachinformation zugelassenen Indikation angewendet werden.

Zunehmende Bedeutung gewinnt das Thema Off-Label-Use (OLU) auch dadurch, dass ehemalig mit einer einzigen Diagnose umschriebene Krankheitsbilder heute in eine Vielzahl von sehr konkreten Diagnosen zerfallen. Infolgedessen werden für neue Arzneimittel seitens der pharmazeutischen Unternehmer häufig nur noch begrenzte Indikationen zur Zulassung beantragt.

1. Was ist ein Off-Label-Use?

  • Anwendung des Arzneimittels außerhalb der von der deutschen und europäischen Zulassungsbehörde genehmigten Anwendungsgebiete
  • Einsatz des Arzneimittels in anderen Altersbereichen als es der arzneimittelrechtlichen Zulassung entspricht oder in anderer als der geschlechtsspezifischen Zulassung
  • Einsatz des Arzneimittels in anderen Applikationsformen als es der arzneimittelrechtlichen Zulassung entspricht

2. Geregelter Off-Label-Use/Anlage 9 der Arzneimittel-Richtlinie (AMR)

Die vom BMG eingerichteten Expertengruppen „Off-Label“ werden vom G-BA mit der Bewertung des Wissensstandes zum Off-Label-Use einzelner Wirkstoffe/ Arzneimittel beauftragt. Die entsprechenden Empfehlungen finden nach Beschluss des G-BA und mit Zustimmung des pharmazeutischen Unternehmers Eingang in die Arzneimittel-Richtlinie, Anlage 9 (Teil A oder B). Gegenwärtig sind Expertengruppen auf dem Gebiet der Onkologie, Infektiologie (Schwerpunkt HIV/ AIDS) und Neurologie/Psychiatrie tätig. Für den Bereich der Kinderheilkunde wurde ein gesondertes Gremium berufen.

AMR Anlage 9 Teil A: „verordnungsfähig zu Lasten der GKV“

AMR Anlage 9 Teil B: „nicht verordnungsfähig zu Lasten der GKV “

(s. www.g-ba.de/Informationsarchiv/Richtlinien/Arzneimittel-Richtlinie/Anlage9)

Für alle hier nicht geregelten Fälle gilt die BSG–Rechtsprechung.

3. Rechtsprechung zum Off-Label-Use

Mit dem Urteil des Bundessozialgerichtes vom 19.03.2002 (B 1 KR 37/00 R) erkennt das Gericht die Notwendigkeit eines eingeschränkten Off-Label-Use unter engen Voraussetzungen an. Es definiert folgende Bedingungen, die kumulativ zutreffen müssen, um eine Leistungspflicht der GKV zu begründen:

  • Schwerwiegende (lebensbedrohliche oder die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigende) Erkrankung und 
  • keine andere Therapie verfügbar und 
  • begründete Aussicht (Datenlage), dass mit dem betreffenden Präparat ein Behandlungserfolg zu erzielen ist, wie
    • Erweiterung der Zulassung bereits beantragt
    • veröffentlichte Ergebnisse Phase III-Studie (gegenüber Standard oder Placebo) mit nachgewiesener klinisch relevanter Wirksamkeit/ klinischem Nutzen bei vertretbaren Risiken
    • oder andere zuverlässige, wissenschaftlich nachprüfbare Aussagen, die in Fachkreisen Konsens über einen voraussichtlichen Nutzen bestehen lassen.

Es obliegt dabei dem behandelnden Arzt, zu überprüfen, ob alle drei Kriterien kumulativ erfüllt sind. Bei Bejahung aller drei Kriterien handelt es sich letztlich um einen zulässigen Off-Label-Use und eine Verordnung auf Muster 16 ist somit möglich. Diese ärztliche Prüfung kann nicht durch Kostenübernahmeanträge an die zuständige Krankenkasse übertragen werden. Dies um so mehr, da die Bundesmantelverträge der Primärkrankenkassen wie Ersatzkassen unmissverständlich die Genehmigung von AM-Therapien mit an sich zugelassenen AM (unabhängig von ihrem konkreten Einsatz) untersagen. In diesem Sinne können schriftliche oder mündliche Anträge der Versicherten/des Arztes auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse nicht zur Klärung beitragen. Auch die von Ärzten beantragte Freistellung von der Verfolgung eines wirtschaftlichen Schadens läuft ins Leere, weil die Prüfgremien selbstständig agierende Organe sind, welche die Wirtschaftlichkeit der Verordnungen überprüfen werden.

4. Weiterführende Rechtsprechung

Mit dem sogenannten Nikolausurteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 06.12.2005 (1 BvR 347/98) setzt sich dieses mit der Auffassung des BSG zur gesetzlichen Versorgungslücke auseinander. Nachfolgend hat das Bundessozialgericht seine Rechtsprechung weiter präzisiert (u. a. Urteil vom 04.04.2006), sofern eine lebensbedrohliche Krankheit vorliegt.

Die verfassungskonforme Auslegung zur Bejahung einer Versorgungslücke setzt dabei voraus, dass

  • keine allgemein anerkannten, medizinischem Standard entsprechenden Behandlungen zur Verfügung stehen, 
  • eine lebensbedrohliche oder regelmäßig tödlich verlaufende oder eine zumindest wertungsmäßig damit vergleichbare Erkrankung vorliegt und 
  • sich der voraussichtlich tödliche Krankheitsverlauf innerhalb eines kürzeren überschaubaren Zeitraumes zu verwirklichen droht, es muss also eine notstandsähnliche Extremsituation vorliegen. 
  • Des Weiteren muss nach gewissenhafter fachlicher Einschätzung des Arztes eine auf Indizien gestützte nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes bestehen

5. Was kann, soll oder muss der Vertragsarzt tun,

wenn im ausgewiesenen Einzelfall von einer medikamentösen Therapie im Rahmen der zugelassenen Indikationen abgewichen werden soll?

Im Beschluss des BSG vom 31.05.2006 (Az B 6 KA 53/05 B) äußert sich der 6. Senat (Vertragsarztrecht) zu der Frage, wie sich der Vertragsarzt in der Off-Label-Problematik zu verhalten hat, ob derartige Verordnungen auf einem Privat- oder Kassenrezept auszustellen sind und wer bei Off-Label-Verordnungen zu Lasten der GKV das finanzielle Risiko trägt.

Das BSG trifft dazu folgende grundsätzliche Feststellungen:

  • Vor der Verordnung eines entsprechenden Arzneimittels ist durch den Arzt zu prüfen, ob die drei Voraussetzungen des BSG-Urteils vom 19.03.2002 erfüllt sind. Ist die kumulative Erfüllung der Bedingungen eindeutig zu verneinen, ist davon auszugehen, dass die Verordnung nicht von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen erfasst ist. Eine Verordnung auf Muster 16 scheidet damit von vornherein aus. Nach Aufklärung des Patienten und seiner Zustimmung ist die Verordnung eines Privatrezeptes möglich. 
  • „Im besonderen Fall eines medizinisch-fachlich umstrittenen Off-Label-Use kann er auch zunächst selbst bei der Krankenkasse deren Auffassung als Kostenträger einholen. 
  • Ermöglicht der Vertragsarzt indessen nicht auf diese Weise eine Vorab-Prüfung durch die Krankenkasse, sondern stellt er ohne vorherige Rücksprache bei dieser eine vertragsärztliche Verordnung aus und löst der Patient diese in der Apotheke ein, so sind damit die Arzneikosten angefallen und die Krankenkasse kann nur noch im Regresswege geltend machen, ihre Leistungspflicht habe nach den maßgeblichen rechtlichen Vorschriften nicht bestanden. 
  • Verhindert ein Vertragsarzt durch diesen Weg der vertragsärztlichen Verordnung bei einem medizinisch umstrittenen Off-Label-Use eine Vorabprüfung durch die Krankenkasse und übernimmt er damit das Risiko, dass später die Leistungspflicht verneint wird, so kann ein entsprechender Regress nicht beanstandet werden.“

Auf Wunsch des Behandlers kann im Falle eines umstrittenen AM-Einsatzes (die drei BSG-Kriterien sind NICHT erfüllt) über die Krankenkasse der Medizinische Dienst der Krankenversicherung zur Begutachtung eingeschaltet werden. Dafür sind allerdings aussagekräftige Unterlagen erforderlich, die im Einzelnen auf die Vortherapien mit Art, Dosis und Applikationsintervall der verabreichten AM eingehen, Befunde übermitteln, Aussagen zum aktuellen Allgemeinzustand des Patienten erkennen lassen und auch mögliche Therapiealternativen oder deren Fehlen beschreiben. Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn für die vorgesehene – noch nicht in dem angestrebten Behandlungsgebiet/Indikation/ Diagnose – zugelassene Wirksubstanz Literaturangaben beigebracht werden, aus denen auf den Grad der Verbreitung, Anerkennung in den Fachkreisen und Stand der Zulassungsbearbeitung/ Zulassungserweiterung in Deutschland/EU/ EWR eingegangen wird.

Die Zulassung eines Arzneimittels – bei der europäischen Arzneimittel-Agentur oder der deutschen Zulassungsbehörde – ist das einzige Instrument, das Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit im zugelassenen Anwendungsgebiet gewährleistet. Das macht eine Arzneimitteltherapie nicht nur pharmakologisch, sondern auch haftungsrechtlich sicher. Die Versorgung der Versicherten ist entsprechend auf die Anwendung der zugelassenen Arzneimittel in zugelassener Indikation zu konzentrieren.

Zusammenfassend weisen wir alle Vertragsärzte darauf hin, dass sie trotz diverser Gerichtsurteile und gesetzlich verankerter Wirtschaftlichkeitsprüfungen auch zukünftig die Verantwortung für die von ihnen veranlassten Arzneimittelverordnungen zu tragen haben (§ 29 Abs. 1 Bundesmantelvertrag Ärzte;

§ 15 Arzt-/Ersatzkassenvertrag). Denkbare notstandsähnliche Situationen stellen Einzelfälle dar und können auch nur als solche geprüft und bewertet werden.

Zu Auskünften und Stellungnahmen sind die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen – ggf. unter Einbeziehung des MDK – im Einzelfall bereit.

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro –

Übernahme der Regelungen zu Festbeträgen für verschreibungspflichtige AM und zu zuzahlungsbefreiten AM in den Tarif der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB)

Wie uns die Kassenärztliche Bundesvereinigung mitteilte, wird die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten mit Gültigkeit ab 1. September 2008 für ihre Versicherten bezüglich der Versorgung mit Arzneimitteln folgende Änderungen hinsichtlich der Erstattung vornehmen:

  • für verschreibungspflichtige Festbetragsarzneimittel bildet der Festbetrag die Erstattungsobergrenze 
  • gesetzlich geregelte Zuzahlungsbefreiungen gelten nun auch für Versicherte der KVB

Damit gelten ab 1. September 2008 für Bundesbahnbeamte bei der Verordnung von Festbetrags. Das heißt, im Falle eines den Festbetrag übersteigenden Apothekenabgabepreises wird künftig auch für Bundesbahnbeamte, unabhängig von ihrem Zuzahlungsstatus, die Festbetragsaufzahlung in der Apotheke abverlangt werden.

Gleichzeitig wird auch die Regelung der gesetzlich vorgegebenen Zuzahlungsbefreiung in den Tarif KVB übernommen.

Von der Zuzahlung befreit sind Festbetragsarzneimittel, deren Apothekenabgabepreis mindestens 30 % unter Festbetrag liegt. (Als Hintergrundinformation, falls Sie beim Nachrechnen ein anderes Ergebnis erhalten haben: Als Bezugsgröße zur Berechnung wird der Apothekeneinkaufspreis ins Verhältnis gesetzt zum Festbetrag abzüglich der per Preisspannenverordnung festgelegten Aufschläge. Diese Besonderheit ist im Festaufschlag von 8,10 Euro je Packung gemäß der Preisspannenverordnung begründet.)

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro –

Verordnungseinschränkung für Clopidogrel als Monotherapie

Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vom 21. Februar 2008 über eine Ergänzung der Arzneimittel-Richtlinie in Anlage 10 um Clopidogrel ist nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 4. Juni 2008 in Kraft getreten. Der Beschluss basiert auf einer Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Demnach ist Clopidogrel als Monotherapie zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Patienten mit Herzinfarkt, mit ischämischem Schlaganfall oder mit nachgewiesener peripherer arterieller Verschlusskrankheit nicht verordnungsfähig.

Das gilt nicht für Patienten mit

  • pAVK-bedingter Amputation oder Gefäßintervention oder 
  • diagnostisch eindeutig gesicherter typischer Claudicatio intermittens mit Schmerzrückbildung in < 10 min bei Ruhe oder 
  • Acetylsalicylsäure (ASS)-Unverträglichkeit, soweit wirtschaftliche Alternativen nicht eingesetzt werden können.

In den Erläuterungen zum G-BA Beschluss wird darauf hingewiesen, dass keine Nachweise dafür vorliegen, dass bei Patienten, die unter einer Behandlung mit ASS eine Blutungskomplikation oder ein vaskuläres Ereignis erlitten haben, eine Umstellung der Behandlung von ASS auf Clopidogrel zu einem patientenrelevanten Zusatznutzen führt. Die Auswertung aus dem Stellungnahmeverfahren ergab keine andere Beurteilung.

Die Nutzenbewertung von Clopidogrel durch das IQWiG erbrachte Hinweise dafür, dass bei Patienten mit vorausgegangener gastrointestinaler Blutung unter ASS die Behandlung mit niedrig dosierter ASS bei zusätzlicher Gabe eines Protonenpumpenhemmers einen höheren patientenrelevanten Nutzen hat als die Umstellung der Behandlung von ASS auf Clopidogrel.

– nach Redaktionsschluss –

Mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger vom 29.07.2008 wurde die Anlage 10 der Arzneimittel-Richtlinien wie folgt geändert:

Der Nummer 3 wird folgender Satz angefügt:

„Satz 1 gilt nicht für folgende Anwendungsgebiete:

  • Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Patienten mit akutem Koranarsyndrom, bei dem Clopidigrel als Kombinationstherapie mit Acetylsalicylsäure angewendet wird, 
  • akutes Koronarsyndrom ohne ST-Strecken-Hebung (instabile Angina pectoris oder Non-Q-Wave Myokardinfarkt) einschließlich Patienten, denen bei einer perkutanen Konorarintervention ein Stent implantiert wurde, 
  • Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung bei medizinisch behandelten Patienten, für die eine thrombolytische Therapie in Frage kommt.“

Die Arzneimittel-Richtlinien einschließlich Anlagen finden Sie stets aktuell auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses unter: www.g-ba.de unter Informations-Archiv Menüpunkt Richtlinien Unterpunkt Arzneimittel-Richtlinien

Bei Anfragen wenden Sie sich bitte an die Abteilung Verordnungs- und Prüfwesen Ihrer Bezirksgeschäftsstelle.

KVS-Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz: 0371/27 89-458

KVS-Bezirksgeschäftsstelle Dresden: 0351/88 28-287

KVS-Bezirksgeschäftsstelle Leipzig: 0341/24 32-138

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro –

Versorgung im Bereich saugende Inkontinenzhilfen zur Home-Care-Versorgung für Barmer-Versicherte ab dem 1. Juli 2008

Die Barmer Ersatzkasse vereinbarte gemäß § 127 Abs. 1, 2 und 3 SGB V einen Vertrag zur Hilfsmittelversorgung im Bereich der saugenden Inkontinenzhilfen zur Home-Care-Versorgung ab dem 1. Juli 2008. Für den Bereich der KV Sachsen übernimmt die Versorgung der Barmer Versicherten mit saugenden Inkontinenzhilfen ab dem 1. Juli 2008 die

Mommsen Handels Gesellschaft GmbH

Maltestraße 139

12277 Berlin

Servicetelefon 030/755110

Servicefax 030/75511100

info@mohage.de

Die Verträge über die Versorgung im Bereich der saugenden Inkontinenzhilfen haben eine Laufzeit von mindestens 2 Jahren, mit Option auf Verlängerung. Ab Beginn des Vertrages ist die Versorgung durch andere Anbieter als dem Ausschreibungsgewinner ausgeschlossen.

Für Patienten mit Dauerversorgung ist für den Beginn des Vertrages eine neue ärztliche Verordnung erforderlich. Die Barmer Ersatzkasse hat ihre Versicherten darüber informiert. Sollten Sie kürzlich eine Verordnung mit einer Lauf-zeit über den 30. Juni 2008 hinaus ausgestellt haben, wurde die entsprechende Genehmigung von der Barmer Ersatzkasse aufgrund des Leistungserbringerwechsels bis Ende Juni 2008 begrenzt.

Versicherte der Barmer Ersatzkasse werden daher in diesen Tagen verstärkt auf Sie zukommen, um Verordnungen für ihre Inkontinenzversorgung ab dem 1. Juli 2008 zu erhalten. Bei medizinischer Notwendigkeit werden Verordnungen mit einer Laufzeit von mehreren Monaten bis zu einem Jahr akzeptiert.

Sollten in Ihrer Praxis Fragen zur Versorgung durch den Vertragspartner auftreten (Bestellung, Lieferung, etc.), sind die Patienten für Auskünfte an die Krankenkasse zu verweisen.

– Verordnungs- und Prüfwesen/mau –