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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2008

Ausgabe 07-08/2008

zum Inhalt dieser Ausgabe

Schutzimpfungen



Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen und der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) über die Durchführung und Abrechnung von Schutzimpfungen auf Grund von Auslandsreisen (vom 10. August 2008)

Mit Schreiben vom 30. Mai 2008 kündigte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) die oben bezeichnete Vereinbarung fristgemäß zum 31.12.2008.

Damit fallen die Kosten für diese persönlichen Gesundheitsvorsorgeleistungen mit Wirkung ab dem 01.01.2009 wieder in die Eigenverantwortung eines jedes Einzelnen.

Mit Wirkung ab dem 01.01.2009 sind die in der Anlage 1 zu dieser Vereinbarung aufgeführten Impf- und Beratungsleistungen für Versicherte der DAK nicht mehr berechnungsfähig.

Für Rückfragen:

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz, Tel. 0371 2789-451

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Dresden, Tel. 0351 8828-410

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Leipzig, Tel. 0341 2432-135

– Vertragswesen/mey –

Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen nach den Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission

Geltendes Recht im Freistaat Sachsen ist die Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales über öffentlich empfohlene und zur unentgeltlichen Durchführung bestimmte Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe (VwV Schutzimpfungen) vom 7. Dezember 2007 (Sächsisches Amtsblatt Nr. 1/2008 vom 3. Januar 2008, S. 9 – 10). Nach dieser Verwaltungsvorschrift werden für den Bereich des Freistaates Sachsen aktive Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe im Rahmen der Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission (SIKO) oder der sächsischen Herdbekämpfungsprogramme (Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten) öffentlich empfohlen.

Die SIKO trifft ihre Empfehlungen auf der Grundlage der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut entsprechend § 20 Abs. 3 des Infektionsschutzgesetzes entsprechend dem Stand der medizinischen Wissenschaft unter Berücksichtigung der epidemiologischen und historischen Besonderheiten im Freistaat Sachsen (siehe Impfempfehlung E 1 der SIKO, Stand 01.01.2008, Beilage zum Ärzteblatt Sachsen 12/2007).

Im Impfkalender für Kinder im Freistaat Sachsen gemäß Impfempfehlung E 1 sind die Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen wie folgt eingeordnet:

  • Erstimpfung: Ab 13. Lebensmonat (im 2. Lebensjahr).
  • Zweitimpfung: Ab 6. Lebensjahr.

Diese Empfehlung gilt unabhängig davon, ob die Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln und Varizellen getrennt (MMR-Impfstoff und Varizellen-Impfstoff) oder mittels MMRV-Vierfachimpfstoff kombiniert verabreicht werden.

Dr. med. D. Beier

Sächsische Impfkommission

Nachholimpfung gegen Meningokokken C wird noch zu wenig genutzt – Nur 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind geschützt –

Weltweit sind Meningokokken für schwere, invasive Erkrankungen wie Meningitis und Sepsis verantwortlich, nicht selten mit Residualschäden oder Todesfolge einhergehend. In den meisten Ländern, in denen Meningokokken endemisch sind, zeigt sich die typische zweigipflige Altersverteilung: bei sehr jungen Kindern und bei Jugendlichen. Mindestens 13 verschiedene Serogruppen der Meningokokken sind bekannt. Weltweit werden mehr als 90 Prozent der Meningokokken-Infektionen durch die Typen A, B, C, W-135 und Y hervorgerufen. Vorherrschend in Europa sind die Serogruppen B und C, in Deutsch-land sind etwa 70 Prozent der Erkrankungsfälle durch den Serotyp B verursacht und – je nach Region – etwa 25 bis 30 Pro-zent durch den impfpräventablen Typ C.

Während ein wirksamer und sicherer Impfstoff gegen Typ B voraussichtlich erst in drei bis vier Jahren verfügbar sein wird – ermutigende Ergebnisse wurden im Mai dieses Jahres auf der ESPID (European Society for Pediatric Infectious Diseases) in Graz vorgestellt – werden Meningokokken-C- Konjugatimpfstoffe seit einigen Jahren in erfolgreichen Impfprogrammen eingesetzt, allen voran in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Irland und Island. Dort sind die Erkrankungszahlen aufgrund hoher Impfraten drastisch gesunken. Dies ist Folge des individuellen Impfschutzes, aber zusätzlich trägt auch der Aufbau einer Herdenimmunität zum Impferfolg bei. Meningokokken- Konjugatimpfstoff vermag die Rate gesunder Meningokokken-Keimträger um etwa 65 Prozent zu senken. Die vor der Entwicklung von Konjugatimpfstoffen alleinig zur Verfügung stehenden Polysaccharidimpfstoffe vermögen dies nicht.

In Deutschland wurde die Meningokokken-Impfung im Sommer 2006 von der Ständigen Impfkommission STIKO im Standardimpfkalender für Kinder ab dem 2. Lebensjahr implementiert.

Geimpft werden sollen die Kinder möglichst unmittelbar zu Beginn des zweiten Lebensjahres; bei älteren Kindern und Jugendlichen soll die Meningokokken-C-Impfung baldmöglichst vor Kindergarten- oder Schuleintritt und spätestens bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Nachholimpfungen bei älteren Kindern und Jugendlichen tragen entscheidend zum Erfolg eines Impfprogrammes bei, wie die Erfahrungen in den bereits genannten westeuropäischen Ländern zeigen: 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen konnten dort geimpft werden. Von so effektiven Impfraten ist man hierzulande allerdings noch weit entfernt. Professor Sieghart Dittmann stellte dazu auf der ESPID aktuelle Daten vor: Demnach sind im Durchschnitt schätzungsweise nur etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre gegen Meningokokken vom Typ C geimpft. In der Altersgruppe der 1- bis 5-Jährigen liegt die Impfrate bei 33 Prozent, davon im 2. Lebensjahr bei etwa 50 Prozent. Nur 22 Prozent der jüngeren und 15 Prozent der älteren Schulkinder sind gegen C-Meningokokken geimpft, die Impfrate bei Jugendlichen, beträgt lediglich 7 Prozent.

Nach Professor Dittmann müssten, um die Impfziele zu erreichen, 80 Prozent der Kinder im 2. Lebensjahr geimpft sein. Zudem ist es sinnvoll, jeden Arztbesuch zu nutzen, um bei älteren Kin-dern und gerade bei der am zweithäufigsten betroffenen Altersgruppe der Jugendlichen den fehlenden Impfschutz zu ergänzen. Dazu sollten auch der Öffentliche Gesundheitsdienst und die niedergelassen Ärztegruppen verstärkt zusammenarbeiten. Weiterhin wäre eine Aufklärung der Bevölkerung über eine intensivierte Medienarbeit wünschenswert, fasst Professor Dittmann zusammen.

Nachholimpfungen sind kein Catch-up

Bisher war es üblich, dass die Kostenübernahme für Impfleistungen in Art und Umfang von den gesetzlichen Krankenkassen selbst festgelegt wurde.

Seitdem die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GB-A) 2007 wirksam wurde, ist der Leistungsanspruch gesetzlich Versicherter für Schutzimpfungen verbindlich geregelt. Im Wesentlichen basiert diese Richtlinie für die einzelnen Impfungen auf den Empfehlungen der STIKO. Definiert ist im § 11 Abs. 2 der GB-A-Richtlinie außerdem, dass der Leistungsanspruch auch das Nachholen von Impfungen beinhaltet. Dies umfasst Leistungen bei Jugendlichen bis 17 Jahre, also bis maximal einen Tag vor dem 18. Geburtstag.

Zu Unklarheiten führte eine Formulierung zur Meningokokken-Impfung in der Richtlinie: „Nachholimpfungen aller Jahrgänge bis zum vollendeten 18. Lebensjahr im Sinne einer Catch-up-Strategie wird von der STIKO nicht empfohlen.“ Die STIKO hat zwar Catch-up- Strategien (Definition s. Kasten S. XV) tatsächlich nicht in Erwägung gezogen, sehr wohl aber für Nachholimpfungen als erprobte und bewährte Routinemaßnahmen plädiert. Und dies gilt ebenso für Impfungen mit Meningokokken-C -Konjugatimpfstoffen. Dies ist mittlerweile in fast allen Bundesländern bzw. KV-Bezirken auch geregelt, Ausnahmen bilden Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo die Meningokokken- Nachholimpfungen derzeit noch nicht bezahlt wurden. Aktuelle Änderungen sind zu erwarten.

Links zum Thema:

www.agmk.de

www.meningococcus.de

www.episcangis.org

www.rki.de

www.neisseria.org

Autorin: Dr. Ute Arndt

E-Mail: ute.arndt@kilian.de

Immunologin beim Deutschen Grünen Kreuz e.V. und Mitarbeiterin in der AG Meningokokken

(Veröffentlichung mit freundlicher

Genehmigung der Autorin – die Redaktion)

Eine Nachholimpfung ist eine Impfung, die zum im Impfkalender empfohlenen Zeitpunkt nicht verabreicht wurde und deshalb bei späterer Arztvorstellung und Kontrolle des Impfausweises vor der Aufnahme in eine Kindereinrichtung oder Schule oder spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachgeholt wird. Es handelt sich bei Nachholimpfungen um eine seit Jahren geübte und notwendige Routinemaßnahme.

Die Catch-up-Strategie wurde ursprünglich eingeführt im Rahmen der WHO-Programme zur Ausrottung der Poliomyelitis oder der Masern in Ländern mit unterentwickelter Infrastruktur. In zeitlich begrenzten Kampagnen werden Massenimpfungen aller Vorschulkinder, teilweise durch von Haus zu Haus operierende Impfteams, durchgeführt. Einige westeuropäische Länder (u. a. England, Niederlande) haben ähnliche kampagnenartige Strategien erfolgreich bei der Einführung der Meningokokken-C-Impfung angewendet. Große Teile der Kinder und Jugendlichen Amsterdams wurden beispielsweise zu Impfkampagnen ins Ajax-Fußballstadion eingeladen.

Quelle:

Professor Dr. med. Sieghart Dittmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken (AGMK), ehemaliger Stellvertretender Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, vormals Chef der Abteilung Infektionskrankheiten und Impfungen im WHO-Regionalbüro Europa, Berlin.