Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2008 » 07-08/2008 » Meinung

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2008

Gemeinsame Presseerklärung

AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen

BKK –Landesverband Ost

Knappschaft,Verwaltungsstelle Chemnitz

IKK Sachsen

Landwirtschaftliche Krankenkasse Mittel-und Ostdeutschland

Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) e.V.

Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Dresden, den 2. Juli 2008
 

Gegen Asthma und andere Lungenkrankheiten
Besser durchatmen mit neuem Behandlungsangebot

Seit 1. Juli 2008 bieten die gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen ihren Versicherten jeweils ein strukturiertes Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm) für Patienten mit Asthma und der Lungenkrankheit COPD an. Durch eine regelmäßige und koordinierte Betreuung wird die Behandlung optimiert. So sollen Komplikationen und Folgeerkrankungen verhindert oder hinausgezögert werden. Bei Kindern und Jugendlichen steht darüber hinaus die altersgerechte Entwicklung und Leistungsfähigkeit trotz Asthma im Vordergrund.

Die Patienten können sich beim behandelnden Arzt einschreiben. Das kann ein am Programm teilnehmender Haus- oder Kinderarzt bzw. ein Pneumologe sein. Arzt und Patient besprechen gemeinsam die Therapie und die Behandlungsziele. Ggf. rät der Arzt zu einer Schulung, bei der ein gesünderer Lebensstil oder neue Alltagsgewohnheiten besprochen werden. Auch für körperliche Warnsymptome werden die Versicherten hierbei sensibilisiert und erhalten Hinweise auf spezielle Atemtechniken, die Anfälle mildern können. Der Arzt koordiniert alle erforderlichen Untersuchungen und Maßnahmen. In regelmäßigen Abständen besprechen Arzt und Patient den Krankheitsverlauf und legen das weitere Vorgehen fest.

Informationen erhalten Interessierte bei ihrer Krankenkasse oder beim behandelnden Arzt.

Hintergrund

5% der Erwachsenen und 10% der Kinder leiden an so genanntem Asthma bronchiale und ca. 4 Mio. Menschen sind in Deutschland an der chronisch atemwegsverengenden Lungenkrankheit („Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, kurz COPD) erkrankt. Die Beschwerden ähneln sich: Starker Husten und Atemnot beeinträchtigen erheblich die Lebensqualität der Betroffenen. Asthma kann bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Je nach Ausprägung wird Asthma von allergischen Reaktionen ausgelöst oder kann als Folge einer Virusinfektion oder nach starker körperlicher oder seelischer Belastung auftreten. COPD entwickelt sich schleichend, meist erst zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr. 90% der Betroffenen sind Raucher. Neben Raucherhusten kommt Atemnot hinzu, zunächst nur bei stärkerer körperlicher Anstrengung, später aber auch bei geringen Belastungen oder sogar im Ruhezustand. Am Ende steht die chronische Atemwegserkrankung.

Schonungsloser Befund

Es gehört zum guten Ton der Mediziner, vorm Ärztetag das Klagelied auf die missliche Lage in OP-Sälen und Sprechzimmern anzustimmen. Allerdings mit überschaubarem Erfolg. Egal wie laut die Ärzte auf Budget-Löcher und Bürokratie-Horror hinweisen – in der beratungsresistenten Trutzburg der ewigen Ulla Schmidt ernten sie meist nur ein Schulterzucken. Oder den Hohn von Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der den deutschen Weißkitteln durchschnittliche Leistung bei überdurchschnittlicher Vergütung vorwirft. Diesmal könnte es allerdings gut sein, dass die Ohren in Berlin nicht auf Durchzug geschaltet sind. Immerhin hat Ärztekammerpräsident Hoppe mit einem Paukenschlag die Gute-Laune-Blase des deutschen Gesundheitssystems platzen lassen.

Bisher hieß es: Alle Patienten bekommen die gleiche, beste Versorgung, alles Gute und rasche Genesung. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute – diese Märchenstunde ist endlich abgesetzt. Die offenkundige Rationierung, die sich wie eine Krake mit immer neuen Zuzahlungen, langen Wartezeiten auf Facharztbesuche und OP-Termine oder der Vorzugsbehandlung von Privatpatienten über das längst überstrapazierte Gesundheitssystem legt, soll nicht länger geheime Verschlusssache sein.

Ein bemerkenswerter Vorgang. Immerhin räumt damit erstmals ein Spitzenvertreter der Ärzteschaft offen ein, was viele Patienten längst spüren: Es gibt de facto eine Zweiklassen-Medizin. So schonungslos eindeutig der Befund, so grundverschieden sind jedoch die Behandlungsstrategien.

Allen Bedenken zum Trotz sucht Ministerin Schmidt unbeirrt ihr Heil in der allumfassenden Staatsmedizin. Das Monster Gesundheitsfonds soll der Herzschrittmacher werden, damit alles einheitlich im Takt funktioniert: Gleicher Versicherungsbeitrag, gleiche Leistung, gleiches Honorar. Effizienz und Qualitätsdenken gehen zwar anders. Aber wenigstens sieht alles schön gerecht aus. Hoppe und seine Kollegen fürchten so zurecht den Kollaps des Systems und wollen den rettenden Eingriff genau entgegengesetzt: Schluss mit der Vorschriftenmedizin. Die wuchert seit Jahren ungebremst wie ein Krebsgeschwür. Wer einst als idealistischer Humanhelfer ins Medizinstudium gestartet ist, der findet sich im Klinik- oder Praxisalltag frustriert als ferngelenkter Agent einer Zuteilungsmedizin wieder.

Kassen und Gesundheitspolitiker haben ein Vorschriftenlabyrinth geschaffen, das vor allem Sackgassen kennt. Wer Auswege im Interesse der Kranken sucht, wird sofort finanziell sanktioniert.

Realer Irrsinn der politisch gesteuerten Sparwut: Während das Arzt-Patient-Verhältnis immer blutleerer wird, erfreuen sich versicherungsfremde Leistungen in den Kassen einer robusten Konstitution. Und eine überflüssige, aber nette Wellnesskur geht im Zweifel immer, wenn damit der freiwillig gesetzlich Versicherte nur in der Kasse gehalten werden kann. Doch wie stellte der regierungsamtliche Besserwisser Lauterbach fest: Ärzte verstehen wenig von Politik und noch weniger von Gesundheitspolitik. Zum Glück. Denn diese Art Gesundheitspolitik ist mit dem gesunden Menschenverstand längst nicht mehr erfassbar.

(Nachdruck aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.05.2008 mit freundlicher Genehmigung des Autors Olaf Majer)