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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 06/2008

Viererbande: Der 8. Mai - ein Tag der Befreiung????
Aus einem Brief von Prof. Dr. Karl Lauterbach (MdB) an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion vom 21. Mai 2008


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wieder einmal hat man sich (bewusst?) einen symbolträchtigen Tag ausgesucht.

Die Drangsalierer

Ist der neue Hausarztvertrag in Baden-Württemberg nun die Befreiung von allen „Drangsalierungen“ (um einen gern und oft von Herrn Kollegen Baumgärtner, heute MEDI-Chef, verwendeten und sehr zutreffenden Begriff zu zitieren)?

Vielleicht ist es erst einmal sinnvoll, zu differenzieren, wer hier drangsaliert und warum.

Das Selbstverständnis

Auch bei kritischster Betrachtungsweise kann doch wohl konsentiert werden, dass die Kassenärztliche Vereinigung zwei grundsätzliche Ziele verfolgen muss und dies selbstverständlich auch tut, denn welche Motivation sollte sie denn haben, anders zu handeln:

1. die höchstmögliche Gesamtvergütung in Verhandlungen mit den Kassen erzielen

2. die (da politisch so gewollt immer unzureichende) Gesamtvergütung möglichst gerecht sowohl zwischen den als auch innerhalb der Arztgruppen zu verteilen

Dies ist das Selbstverständnis der KV, ebenso wie mein eigenes.

Nun kann das Ergebnis einer Mangelverwaltung niemals zufrieden stellend sein, dies als Drangsalierung zu bezeichnen, ist aber wohl verfehlt.

Das Paradebeispiel der Drangsalierung erleben wir jedoch gerade zurzeit in Sachsen.

Nicht wenige von Ihnen gehören zu den sächsischen Ärztinnen und Ärzten, die jetzt von insgesamt ca. 40 Millionen Euro Richtgrößenüberschreitung für 2006 bedroht sind. Insgesamt betrifft es 272 Kolleginnen und Kollegen.

Die Kontrollettis

Den freundlicherweise von Herrn Hermann (dem stellv. Vorsitzenden der AOK Baden-Württemberg) als „Kontrollettis“ bezeichneten KVen wurde aber auf Betreiben der Krankenkassen der Einfluss auf die Prüfverfahren durch den Gesetzgeber entscheidend beschnitten. Hatte Herr Hermann, der damals beim AOK-Bundesverband war, damit das Ziel verfolgt, die Ärzte weniger zu drangsalieren?

Es sind aus meiner Sicht doch schon ungewöhnliche Bande, die die Großen Vier des Titelblattes miteinander verbinden.

Der Ärztefreund

Gibt es denn wirklich noch einen Arzt in Deutschland, der glaubt, dass das, was der Mann mit der Fliege vehement begrüßt, gut für die Ärzte sein könnte?


Zusammenfassend möchte ich noch einmal auf die eingangs gestellte Frage zurückkommen:

War dieser 8. Mai wirklich ein Tag der Befreiung?


 

 

 

Ihr Vorstandsvorsitzender

Klaus Heckemann

 

 

 

Aus einem Brief von Prof. Dr. Karl Lauterbach (Mitglied des Deutschen Bundestages) an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion vom 21. Mai 2008

Liebe Genossinnen und Genossen,

derzeit findet in Ulm der 111. Deutsche Ärztetag statt. Die zentrale

Forderung insbesondere der niedergelassenen Ärzte ist: „Mehr Geld für

alle Ärzte“. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert 4,5

Milliarden Euro jährlich ab 2009. ...

Gegenwärtig ist die einzig erkennbare Rationierung, dass heute

gesetzlich Versicherte mit schweren Erkrankungen oft keinen direkten

Zugang zu hochklassigen Spezialisten haben, weil diese lieber die

lukrativen Privatpatienten behandeln. ...

Wir brauchen nicht zuerst höhere Honorare, sondern eine bessere Verteilung. ...

Darüber hinaus sollten wir die Facharztanerkennung mit einer Re-Akkreditierung alle fünf Jahre verbinden. ...

Vollständiger Originaltext (inklusive Anlagen) im Internet unter:
www.kvs-sachsen.de (Aktuelles/Aktuelle Themen)