Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2008 » 02/2008 » Verschiedenes

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 02/2008

Stand der Pandemieplanung in der KV Sachsen

Im Dezember 2007 trat nach einer längeren Pause die Pandemie-Arbeitsgruppe der KBV und der KVen zu einer Beratung zusammen. Dies nehmen wir zum Anlass, um über den aktuellen Stand der vorbereitenden Planung im Vorgriff auf eine mögliche Pandemie der aviären Influenza zu informieren.

Maßnahmepläne

Sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene sind Maßnahmenpläne erarbeitet worden, die sich im Wesentlichen an den Empfehlungen der WHO orientieren. Es steht außer Frage, dass im Falle einer Influenzapandemie die Behandlung eines erheblichen Anteils der Erkrankten primär durch die niedergelassenen Vertragsärzte erbracht werden muss, da deren Praxen mit Sicherheit den ersten Anlaufpunkt darstellen. Hier wird es notwendig sein, den Praxisablauf kurzfristig dahingehend umzuorganisieren, dass Neuansteckungen im Wartezimmer weitestgehend vermieden werden können. Je nach individuellen örtlichen Gegebenheiten könnte man die akuten Verdachtsfälle von den übrigen Patienten durch ein spezielles Wartezimmer bzw. auch durch eine zeitliche Abgrenzung, Stichwort Grippesprechstunde, separieren.

Die KV Sachsen hält zu Ihrer Unterstützung bereits jetzt Merkblätter bereit, die jedoch erst zur Verteilung gelangen, wenn deutliche Anzeichen für das unmittelbare Bevorstehen einer Pandemie sichtbar werden. Diese Merkblätter enthalten zum einen entsprechende Hinweise und Empfehlungen für Ihre Praxisorganisation, zum anderen gibt es auch ein Patientenmerkblatt zur Auslage.

Finanzierung

Ein wiederholt in den Beratungen diskutiertes Thema sind natürlich die mit einer solchen Pandemie einhergehenden erhöhten finanziellen Aufwendungen. Hierbei muss man mehrere Positionen eindeutig voneinander trennen. Die bei einer Pandemie anfallenden Diagnose- und Behandlungskosten für erkrankte Patienten sind zweifelsfrei durch die GKV zu tragen. Hierin besteht Übereinstimmung zwischen dem BMG, den Landes-

gesundheitsbehörden, den Spitzenverbänden der Krankenkassen sowie den KVen und der KBV.

Ein weiterer Aspekt sind die in den Praxen zu treffenden Vorkehrungen zur Ansteckungsvermeidung. Schutzmaßnahmen für die in den Praxen beschäftigten Mitarbeiter(-innen) hat gemäß § 3 Arbeitsschutzgesetz verpflichtend der Arbeitgeber, hier also der Praxisinhaber zu treffen. Hierunter fallen beispielsweise geeignete Schutzkittel, Atemmasken und ggf. die prophylaktische Gabe antiviraler Arzneimittel. Die Kostenübernahme für die Vorhaltung von viralen Schnelltests durch eine Regelung im EBM wird nach wie vor von den Krankenkassen grundsätzlich abgelehnt und ist im Einzelfall nur nach vorheriger Genehmigung der zuständigen Krankenkasse möglich. Solche Tests werden für die Anfangsphase einer Pandemie empfohlen, jedoch sind sie recht unspezifisch und nur von begrenzter Sensitivität.

Vorhaltekosten

Darüber hinaus wurde auf Bundesebene mit den Kassenvertretern über die Vorhaltekosten von Schutzmaßnahmen für Patienten verhandelt, die im Vergleich zu den arbeitsschutz- rechtlich notwendigen Kosten eher gering eingeschätzt werden. Hierunter fallen einfache Mundschutze sowie Mittel zur Händedesinfektion. Auch hier sind die Kassen nicht bereit, Vorhaltekosten der Praxen zu finanzieren, da sie den Pandemiefall insgesamt für hypothetisch halten. Natürlich kann niemand mit Sicherheit voraussagen, wann der Pandemiefall eintreten wird und auch nicht, welche konkreten Konsequenzen sich daraus im Einzelnen ergeben. Sicherlich kann man die zunächst vorgenommene Priorisierung auf die Neuraminidasehemmer und die damit einhergehende millionenteure Einlagerung von Oseltamivir durch die Länder kritisch hinterfragen. Allerdings sollte man die Augen vor der Möglichkeit für das Auftreten einer Pandemie nicht völlig verschließen.

Pandemieplan der KVS

Wie bereits erwähnt, hat auch die KV Sachsen einen Pandemieplan erarbeitet, der gegenwärtig noch in einigen Positionen präzisiert wird. Inhaltlich soll dieser Plan einerseits den Vertragsärzten Hinweise zur Praxisführung unter diesen Ausnahmebedingungen geben. Zum anderen bestimmt er die vorübergehend anzupassende interne Organisation der KV. Es ist damit zu rechnen, dass eine Influenzapandemie in mindestens zwei Wellen über einen Zeitraum von jeweils mehreren Wochen in Erscheinung tritt. Auch unter diesen außergewöhnlichen Rahmenbedingungen – krankheitsbedingt ist in allen Bereichen mit erhöhtem Personalausfall zu rechnen – müssen bestimmte Kernbereiche, wie beispielsweise die Notdienstorganisation durch die Praxen und die Abrechnung durch die KV, aufrecht erhalten werden.

Impfschutz

Die idealste Prophylaxe gegen den Pandemievirus wäre selbstverständlich ein spezifischer Impfschutz. Leider kann ein entsprechender Impfstoff erst nach Isolierung des Erregers synthetisiert werden, Fachleute gehen von einer Entwicklungszeit von mindestens 3 Monaten aus. Eine Vollversorgung der Bevölkerung kann zu diesem Zeitpunkt nicht garantiert werden, woraus sich die Notwendigkeit für eine Priorisierung auf speziell gefährdete Personen- bzw. Berufsgruppen ergibt. Nahezu alle Beteiligten, insbesondere die Ärzteschaft, vertreten die Auffassung, dass die Rationierung des nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden Impfstoffes aus ethischen und berufsrechtlichen Gründen weder in den Arztpraxen noch durch die Apotheken realisiert werden kann. Favorisiert wird eine Impfstoffverteilung für priorisierte Berufsgruppen, in diesem Falle auf Bezugsschein, über die Gesundheitsämter.

Im Übrigen gehören Ärzte sowie ihr Praxispersonal zu den definierten priorisierten Gruppen. Der Impfstoff wird in Gebinden zu je 10 Einzeldosen vom Hersteller geliefert werden. Im Rahmen der Beratungen zur Pandemieplanung auf Landesebene ist für Sachsen ein Verteilungsschlüssel beschlossen worden, wonach jede Praxis pro Arzt eine Packung Impfstoff erhält. Das heißt konkret, dass beispielsweise eine Gemeinschaftspraxis mit 2 Ärzten auch 2 Packungen erhalten wird. Dieser Verteilungsschlüssel wird damit begründet, dass die Anzahl der in einer Praxis tätigen Ärzte vermutlich stark mit der Gesamtanzahl des Praxispersonals korreliert.

Bis zur Verfügbarkeit des Pandemieimpfstoffes in ausreichender Menge liegt das Hauptaugenmerk auf zusätzlichen hygienischen Maßnahmen sowie Kontaktvermeidung. Aufgrund der Annahme, dass ein möglicher Pandemievirus im Rahmen einer Mutation aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Virenstämme mit menschlichen Influenzaviren in einem gemeinsamen Wirt resultieren kann, erscheint es sinnvoll, prophylaktisch eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung gegen die saisonale Grippe anzustreben. Im akuten Krankheitsfall kann die zulassungskonforme Verordnung von antiviralen Medikamenten hinzugezogen werden. Bitte beachten Sie in Ihrem eigenen Interesse zur Regressvermeidung die detaillierte Dokumentation (Nachweis über infizierte Kontaktpersonen) bei der prophylaktischen Verordnung dieser Arzneimittel.

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro –