Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2007 » 10/2007 » Wir stellen vor

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2007

Wenn der Niedergelassene aufspringt: Dr. Eckart Ziegler – Mannschaftsarzt beim Deutschen Meister u.v.a.m.

Ein guter Trainer schätzt eine gute Bank. Da sind in erster Linie die Ersatzspieler(innen) gemeint, aber auch die „schnelle Eingreiftruppe“ von Arzt und Physiotherapeut. Auf der Bank des aktuellen Deutschen Meisters im Damen-Volleyball sitzt als Mannschaftsarzt der 1942 geborene Dr. Eckart Ziegler.

Seine Mutter hatte in Halle ein Fotogeschäft „mit staatlicher Beteiligung“. Es hätte ihn durchaus gereizt, in ihre Fußstapfen zu treten. Aber die DDR-Regeln ließen nur die Weiterführung durch die Mutter, nicht die Übernahme durch den Sohn zu. Er „wollte auch nicht abhauen, das hätte der Mutter geschadet.“„Nach einigen Umwegen“ studierte er Medizin und betont, dass „Titel und Stellung“ nicht der Grund waren. “Die das wollten, sind nicht die besten Ärzte geworden.“


Aber nicht nur im politischen Sinne hatte Familie Ziegler zu rudern. Sie war auch im sportlichen Sinn „mit der Ruderei verbunden“. Eckart Ziegler betreibt diesen Sport von Kindesbeinen an. Auch heute rudert er noch aktiv zweimal pro Woche. Dr. Ziegler belässt es nicht beim Privatvergnügen und ist Kassenprüfer im erweiterten Vorstand des Dresdner Ruder-Clubs 1902. Erstmals seit Jahrzehnten gab es 2007 keinen WM-Titel für deutsche Ruderer. Der Fachmann nennt die Ursachen: Die Nachwuchssichtung und -auswahl und die berufliche Förderung im Hochleistungsbereich sind völlig unzureichend. Erfolgreiche DDR-Trainer wenden ihre erfolgreichen Methoden jetzt in anderen Ländern an, die dadurch aufholen. „Sie haben dort die Unterstützung, die hier fehlt.“

Im Dezember 1970 begann Dr. Ziegler in Kreischa mit leistungsdiagnostischen Untersuchungen, wurde später Abteilungsleiter für kardiopulmonale Funktionsdiagnostik.

Er betreute die Leichtathleten der Nationalmannschaft (u.a. Waldemar Cierpinski), war aber kein Reisekader.

Seit 1973 Facharzt für Sportmedizin, wechselte er 1983 nach Dresden zum sportmedizinischen Dienst. Nebenbei betreute er die männlichen Ruderer, als der Club SC Einheit hieß.

Nach der Wende stellte Dr. Ziegler fest, dass Sportmedizin „nicht mehr hauptberuflich ging“. Er ließ sich 1996 als Praktischer Arzt nieder und machte 1999 seinen Facharzt für Allgemeinmedizin.

Der Sport hat ihn nicht losgelassen. 1993 fragte ihn ein Trainer, „ob er mal bei den DSC-Volleyballerinnen aushelfen“ könne. Aus der Aushilfe wurde eine ständige Zusammenarbeit mit bislang je zwei Deutschen Meisterschaften und Pokalsiegen. Einmal pro Woche ist er beim Training dabei und natürlich beim Wettkampf. Da ist er „voll im Stress“ und bekommt von den schönen Spielzügen und dem „drum und dran“ nicht viel mit.

Wenn es im Spiel für seine Mannschaft eng oder ein Rückstand aufgeholt wird oder die Mannschaft über sich hinaus wächst, dann reißt es den Niedergelassenen vom Stuhl.

Die drei ostdeutschen Teams belegten in der 1. Bundesliga der Volleyball-Damen 2007 alle Medaillenplätze. Da stellt sich die Frage, was die Volleyball-Damen den ostdeutschen Fußball-Herren voraus haben? „Beim Fußball werden die Leistungsträger international zusammengekauft, der DSC-Jahresetat ist geringer als die Vergütung eines einzigen Bayern-Profis.“

Beim Volleyball spielt das Geld nicht eine ganz so große Rolle, wohl aber das soziale Umfeld. „In Dresden stimmt die Chemie!“ Sponsoren, Freunde, Familien, hoch engagierte Physiotherapeuten, eine begleitende berufliche Ausbildung durch den Olympia-Stützpunkt und die medizinische Betreuung vermögen auch die Leistungsträger zu halten. „Bricht nur einer dieser Punkte weg, ist das Gesamtsystem infrage gestellt. Zwölf Spielerinnen können nicht zu sechs Ärzten mit sechs Meinungen gehen. Wir haben auch Unterstützung durch die Stadt, besonders Sport-Bürgermeister Winfried Lehmann unterstützt den Verein.“

Er selbst nimmt sich bescheiden zurück. Der jetzige Bundesstützpunkttrainer und Manager Klaus Kaiser, 1999 selbst noch Trainer beim ersten Titel- und Pokalgewinn des DSC, lobt den Mannschaftsarzt in höchsten Tönen. „Er unterstützt uns seit vielen Jahren, ist mit Leib und Seele für den Sport da. Fachlich absolut kompetent steht er immer still im Hintergrund.“

Das sieht man deutlich auf dem Mannschaftsfoto zur Meisterschaft.

– Öffentlichkeitsarbeit/im–