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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2007

EBM 2008 – Konturen sind erkennbar, aber...

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

der 1. Januar 2008 ist nicht mehr weit. Dann soll ein neuer EBM kommen, quasi als Vorläufer der von vielen sehnlichst erwarteten Gebührenordnung in Euro und Cent 2009. Derzeit kursieren jede Menge Berichte und Mutmaßungen über die aktuelle Sachlage möglicher Entwicklungen. Die Schneiderbüste auf unserer Titelseite verdeutlicht es wohl ganz gut: Die Umrisse des EBM zeichnen sich ab, aber jede Menge Fragezeichen bleiben. Beispielsweise klaffen die Vorstellungen von Ärzte- und Kassenseite, insbesondere was die Bewertung der Leistungen betrifft, derzeit noch erheblich auseinander. Erst Ende Oktober wird, das scheint nun doch sicher, der Erweiterte Bewertungsausschuss eine Entscheidung treffen. Den Vorsitz soll übrigens Professor Wasem übernehmen. Immerhin gilt der ehemalige „Gesundheitsweise“ als an der Sache orientierter Pragmatiker.

Erste Informationen zum EBM 2008

Eine Entscheidung (wie auch immer) zu diesem Zeitpunkt heißt jedoch, frühestens im November können wirklich fundierte Sachinformationen im Detail gegeben werden. Das ist für Sie wie für mich höchst unbefriedigend. Trotzdem halte ich es für sinnvoll und notwendig, Sie an dieser Stelle schon im Groben über die langsam erkennbar werdende geplante Struktur des EBM 2008 zu informieren, zugegebenermaßen eine recht trockene Materie. Neben den Anpassungen an das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) ist mit dem EBM 2008 eine noch stärkere Pauschalierung, insbesondere im hausärztlichen Versorgungsbereich, aber auch im fachärztlichen Versorgungsbereich verbunden. Im Einzelnen werden folgende Änderungen angestrebt:

Allgemeine Bestimmungen

Die Umsetzung des VÄndG erforderte zunächst eine komplette Überarbeitung der Allgemeinen Bestimmungen Dies wird insbesondere darin deutlich, dass die aus diesem Gesetz abgeleiteten neuen Fallkonstrukte (Betriebsstättenfall, Arztfall) in die Gebührenordnung übernommen und die bestehenden Fallkonstrukte (Behandlungsfall, Krankheitsfall) präzisiert wurden. Daraus abgeleitet, kommt der Kennzeichnungspflicht eine höhere Bedeutung zu. So müssen versorgungsbereichs- und fachübergreifende Gemeinschaftspraxen, MVZ, Praxen mit angestellten Ärzten und Praxen bzw. Ärzte, die an mehreren Praxissitzen tätig sind, hinter den abgerechneten Gebührenordnungspositionen die neue „so genannte“ lebenslange Arztnummer des Arztes angeben, der die Leistung erbracht hat. Komplexleistungen, an deren Erbringung mehrere Ärzte mitwirken, sind von dem Arzt abzurechnen, von dem die Vollständigkeit des Leistungsinhaltes erreicht worden ist. Daneben muss auch hier der vom Gesetzgeber geforderten weiteren Pauschalierung Rechnung getragen werden.

Hausärztlicher Versorgungsbereich

Kernstück der Änderungen im hausärztlichen Bereich ist die Einführung altersgewichteter Versichertenpauschalen, welche durch Qualitätszuschläge ergänzt werden. Eine Einzelleistungsvergütung erfolgt damit nur noch für besonders förderungswürdige Leistungen. Dabei beinhaltet die Versichertenpauschale die meisten hausärztlichen Betreuungs- und Versorgungsleistungen in Diagnostik und Therapie. Bezüglich der Altersunterscheidung sollen eigentlich vier, jetzt aber wohl doch nur drei Versichertenpauschalen gebildet werden. Sofern die Inanspruchnahme des Hausarztes auf Überweisung durch einen anderen Hausarzt erfolgt, wurde eine gesonderte Versichertenpauschale bei Überweisung vorgesehen. Diese entspricht in der Struktur der Versichertenpauschale, unterscheidet sich aber im Leistungsinhalt.

Neben den altersgewichteten Versichertenpauschalen wurde noch eine Versichertenpauschale bei unvorhergesehener Inanspruchnahme zwischen 19.00 und 7.00 Uhr, an Samstagen, Sonntagen, gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12 und/oder im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst vorgesehen. Diese Versichertenpauschale soll zusätzlich zu den altersgewichteten Versichertenpauschalen abrechnungsfähig sein. Zu den Versichertenpauschalen sind bestimmte Qualitätszuschläge abrechnungsfähig, wie z. B. für Sonographien, prokto-/ rektoskopische Diagnostik, kleine operative Eingriffe, die Aufzeichnung eines Langzeit-EKG bzw. die Langzeit-Blutdruckmessung, für Spirometrien/-graphien, Ergometrien, Tympanometrien, Psychosomatik und Chirotherapien. Die Abrechnung dieser Qualitätszuschläge setzt die Vorhaltung bestimmter technischer und/ oder räumlicher Voraussetzungen, besondere Genehmigungen und bestimmte Abrechnungsfrequenzen ausgewählter Gebührenordnungspositionen voraus.

Unter besonders förderungswürdigen Einzelleistungen und Leistungskomplexen im hausärztlichen Versorgungsbereich sind das hausärztlich-geriatrische Basisassessment und die computergestützte Auswertung eines kontinuierlich aufgezeichneten Langzeit-EKG zu verstehen. Für Kinderärzte wäre dabei natürlich das hausärztlichgeriatrische Basisassessment nicht berechnungsfähig, dafür aber die Funktionelle Entwicklungstherapie. Neben den neu gestalteten Fachkapiteln im hausärztlichen Versorgungsbereich bleiben weiterhin Leistungen aus den arztgruppenübergreifenden allgemeinen und speziellen Leistungen für den Hausarzt abrechnungsfähig, soweit diese in den Prämbeln der Fachkapitel genannt sind und die betreffenden Ärzte über entsprechende Genehmigungen verfügen.

Fachärztlicher Versorgungsbereich

Wie vom Gesetzgeber vorgegeben, wird auch im fachärztlichen Versorgungsbereich einer erweiterten Pauschalierung Rechnung getragen. Dieser Vorgabe wird insbesondere durch die Einführung von so genannten Grundpauschalen umgesetzt. Daneben sind in Anlehnung an die bisherige Struktur des EBM weitere arztgruppenspezifische Zusatzpauschalen abrechnungsfähig.

Die Grundpauschalen in den einzelnen Facharztkapiteln umfassen neben dem Ordinations- und Konsultationskomplex die im jeweiligen Facharztkapitel enthaltene Beratungsleistung. Dabei gelten Ausnahmeregelungen für so genannte „sprechende“ Facharztgruppen (z.B. Psychiater) für die weiterhin gesonderte Beratungsleistungen vorgesehen sind. Dem unterschiedlichen Behandlungs- und Betreuungsaufwand im Kapitel der fachärztlichen Internisten (Kapitel 13) wurde insofern Rechnung getragen, dass für jede Schwerpunktbezeichnung eine gesonderte Grundpauschale vorgesehen wurde.

Mit den Zusatzpauschalen soll arztgruppenspezifisch dem zusätzlichen Aufwand bezüglich von Leistungs-, Struktur- und Qualitätsmerkmalen Rechnung getragen werden. Daneben sind weiterhin auch Einzelleistungen in den Facharztkapiteln enthalten.

Arztgruppenübergreifende allgemeine und spezielle Leistungen

Während die Allgemeinen Bestimmungen und die Fachgruppenbezogenen Leistungen teilweise komplett überarbeitet wurden, sind die angestrebten Änderungen in den Arztgruppenübergreifenden allgemeinen bzw. speziellen Leistungen weniger groß. Hier wurden neben einigen redaktionellen Anpassungen und Neukalkulationen nur wenige Bereiche geändert. Als Beispiel hierfür sei die Schmerztherapie genannt. In der schmerztherapeutischen Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten soll analog zu den Facharztkapiteln auch hier eine Grund- und eine Zusatzpauschale kommen. Der Bereich der Laboranalytik wurde dahingehend überarbeitet, dass einzelne Leistungen gestrichen, andere neu aufgenommen wurden.

Fazit

Soweit zum Grundgerüst des neuen EBM. Entscheidend wird natürlich sein, wie die finanzielle Ausstattung einer neuen Gebührenordnung letztendlich aussieht. Herr Köhler, der KBV-Vorstandsvorsitzende, sieht gute Chancen für ein höheres Honorar, und auch ich wünsche mir natürlich bessere finanzielle Rahmenbedingungen, die gerade in den neuen Ländern dringlichst erwartet werden.

Noch wehren sich die Kassen z.B. gegen die Übernahme des Morbiditätsrisikos heftig. Die Politik muss ebenfalls mitspielen. Interessant waren die aktuellen Äußerungen des stellv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Zöller in der jüngsten Haushaltdebatte des Bundestages. Zusätzliche finanzielle Mittel sind aus seiner Sicht notwendig, um Vertrags-ärzten wieder eine Zukunftsperspektive zu geben. Er bezeichnete die flächendeckende Versorgung mit Haus- und Fachärzten als ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Ein Signal, oder bloß wieder Lippenbekenntnisse?

Ungeachtet der Tatsache, dass zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Aussagen zur Bewertung der einzelnen Leistungen gemacht werden können, ist davon auszugehen, dass trotz der engen Terminschiene zum 01.01.2008 ein neuer EBM kommt. Um diesen umsetzen zu können, muss er spätestens zum 31. Oktober 2007 verabschiedet werden. Ist dies der Fall, wird die KV Sachsen Sie mit den notwendigen Informationen versorgen. Geplant sind u.a. weitere (und vor allem konkretere) Veröffentlichungen sowie Schulungsangebote (bei Bedarf) sowie Informationsveranstaltungen. Die Vorbereitungen dazu laufen (bitte verfolgen Sie auch die aktuellen Veröffentlichungen im Deutschen Ärzteblatt).

Darüber hinaus wird die KV Sachsen bei der Umsetzung des EBM darauf achten, den bürokratischen Aufwand bei der Abrechnung in Grenzen zu halten, wo immer es möglich sein wird.
 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

 

 

Ihr Vorstandsvorsitzender

Klaus Heckemann