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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2007

Ausgabe 10/2007

zum Inhalt dieser Ausgabe

Berufs- und Gesundheitspolitik



Die Zukunft gehört dem, der sie gestaltet: Infoveranstaltung zu Niederlassungsmöglichkeiten nach dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz

„Die Zukunft gehört dem, der sie gestaltet“ – mit diesem Satz begrüßte die Stellv. Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. med. Ulrike Schwäblein-Sprafke am 5.September die Gäste und Teilnehmer dieser Veranstaltung. Die KV Sachsen hatte über 600 Ärztinnen und Ärzte, die insbesondere wegen der Betreuung von Kindern zurzeit nicht aktiv berufstätig sind, nach Dresden eingeladen, s.a. KVS-Mitteilungen 7-8/2007, S.17. Es wurden Berufsperspektiven gezeigt, aber auch die Probleme nicht verschwiegen, die bei einem Einstieg in die ambulante Versorgung gemeistert werden müssen. Im Mittelpunkt stand das neue Vertragsarztrechtsänderungs- gesetz (VÄndG). Es lässt Teilzulassung und Anstellungsoptionen zu. Neue Wege zu gehen, moderne Versorgungsformen zu entwickeln, Bewährtes an die neuen Herausforderungen anzupassen – diese Aufgaben erfüllen die KVen im Interesse ihrer Mitglieder und im Interesse der Patienten.

Wilma Jessen, Abteilungsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, überbrachte die Grüße von Staatsministerin Helma Orosz, die an diesem Thema sehr interessiert ist. Sie appellierte an das Auditorium: „Unser Land sucht händeringend Ärzte, besonders im niedergelassenen Bereich.“ Sie dankte der KV für diese Veranstaltung und fragte, „warum sind so viele aus dem Arztberuf raus? Wie ist diese Tätigkeit mit der Familie vereinbar?“ Frau Jessen wandte sich direkt an die jungen Frauen: „Es ist nicht unanstrengend. Wir und die KV unterstützen sie, aber sie müssen sich trauen! Haben sie Mut, es zu wagen.“

Die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. med. Astrid Bühren, betonte, dass die Ärzte dieses Gesetz gewollt haben. Sie verwies im gleichen Atemzug auf den Entscheidungsbaum des Ärztinnenbundes und der KV Bayerns zur Teilnahme als Ärztin an der vertragsärztlichen Versorgung. (siehe Abb. /1/). Frau Dr. Bühren stellte die innere Balance in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Nur so können Familie und Beruf vereinbart werden. Den Nutzen hat der Patient. Sie zitiert dazu David L. Sackett, den „Vorkämpfer der evidenzbasierten Medizin“: „Das wichtigste in der Medizin ist die eigene Persönlichkeit.“ Um diese einbringen zu können, sind z. B. Wiedereingliederungsregelungen, erheblicher Bürokratieabbau und Kitas notwendig. Mit dem Hinweis „Ein Kind in der Praxis ist möglich, in der Klinik nicht“, warb sie ausdrücklich für Ärztinnen in Niederlassung.

„Existenzgründung mit Airbag“

Karin Thein, Kundenberaterin von der Apo-Bank, verwies eingangs ihres Statements darauf, dass ständige Gesetzesänderungen Verunsicherungen bringen, aber auch Chancen bieten. Da es keine typische Niederlassung bzw. Praxis gibt, ist individuelle Beratung gefragt. Frau Thein besucht alle beratenen Neustarter nach einem Jahr erneut, „bislang wollte noch keiner zurück in die Klinik.“ Damit die ärztliche Tätigkeit lange gut ausgeübt werden kann, muss die Wirtschaftlichkeit der Praxis gewährt bleiben, private Wünsche müssen gleich in die Planung mit einbezogen werden. Die Kundenberaterin zeigte ein Investitions- und Kostenberechnungsprogramm für die Einrichtung einer Praxis. Als spezielles Angebot ihres Hauses stellte sie ein „Existenzgründungsprogramm mit Airbag“ vor. Kernpunkt ist ein Forderungsverzicht bei Insolvenz in den ersten drei Jahren. Sie rät den Interessenten, sich bei der Standortanalyse beraten zu lassen. „SMS, Bank, KV und Steuerberater sind für sie da!“
 
„Familie und ärztliche Berufsausübung – müssen Frauen besser sein?“ 

Das fragte Dr. med. Ellen Lundershausen, niedergelassene HNO-Ärztin aus Erfurt. Sie hat selbst vier Kinder, wovon eine Tochter Medizin studiert. Mit sehr persönlichen Worten stellte sie ihre Biographie vor und gab einen geschichtlichen Abriss der Zulassung von Frauen zum Medizinstudium. Die Referentin verwies auf eine Statistik der Bundesärztekammer aus den Jahren 2000 und 2001 zum Frauenanteil in der Medizin. Er sinkt von guten 61,2 % bei Studienanfängern über 37,9 % bei berufstätigen Ärzten bzw. 33,8 % bei niedergelassenen Ärzten auf 6,2 % bei Professoren. Frau Dr. Lundershausen nahm das Bild des Balanceakts von Frau Dr. Bühren auf. „Meine Damen, haben sie Mut und entscheiden sie sich für eine freiberufliche Tätigkeit!“ Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht nur ein Thema für Frauen.

„Das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz – Chance und Risiko“

war das Thema von Andreas Fritschi, Hauptabteilungsleiter in der KV Sachsen. Er beschrieb ausführlich den Komplex der untergesetzlichen Normen aus Sicht der Verwaltung. Dazu stellte er die Möglichkeiten der Anstellung in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis an einigen praktischen Beispielen vor, erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen der überörtlichen Praxistätigkeit, Berufsausübungsgemeinschaften und fachübergreifender Tätigkeiten. Herr Fritschi zeigte die Vorteile einer Teilzulassung ebenso auf wie die Schwierigkeit später wieder zu einer Vollzulassung zu kommen. Er stellte Regelungen zur Qualitätssicherung vor und schloss mit einem Ausblick auf den neuen EBM ab 1.1.2008.

Zahlreiche Fragen zu Details der Niederlassung aus der Elternzeit heraus wurden in der Diskussion gestellt. Frau Dr. Schwäblein-Sprafke ermutigte die Interessenten, sich nicht nur von der Bank, sondern auch von der KV beraten zu lassen. „Jeder Fall ist anders! Lassen sie sich vor Ort in Ihrer Bezirksgeschäftsstelle)* beraten!“

– Öffentlichkeitarbeit/im –
 

)* Anfragen zur individuellen Beratung an die Sekretariate der Abteilungen Sicherstellung:
 

Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz
Telefon: 0371/2 78 94 03
E-mail: si@kvs-chemnitz.de 

Bezirksgeschäftsstelle Dresden
Telefon: 0351 8828 310
E-mail: si@kvs-dresden.de 

Bezirksgeschäftsstelle Leipzig
Telefon: 0341 2432 148
E-mail: hase@kvs-leipzig.de

Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände beriet mit KV Vorstand

Am 26. September traf sich die Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände (GFB) in Sachsen zu ihrem „Halbjahrestreffen“ in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung in Dresden. Zu dieser Herbsttagung hatten die Berufsverbände den Vorstandsvorsitzenden der KVS und seine Stellvertreterin mit an den Tisch gebeten. Der Einladung waren Dr. Klaus Heckemann und Frau Dr. Ulrike Schwäblein-Sprafke sehr gern gefolgt.

Votum der Berufsverbände Dr. Frank Rohrwacher, Landesvorsitzender der GFB und des DFV (Deutscher Facharztverband) und praktizierender Augenarzt in Leipzig, informierte zu Beginn der Veranstaltung über die Arbeit der GFB und des DFV in den letzten sechs Monaten. Sachsen spielt dabei in den letzten Jahren auf Bundesebene eine immer stärkere Rolle. Er bekräftigte noch einmal das Votum der Berufsverbände pro KV: „Auch wenn wir in einigen Punkten unterschiedlicher Meinung sind, ergibt sich in absehbarer Zeit zur KV keine realistische Alternative. Es muss eine gemeinsame einheitliche Linie geben.“ Dr. Rohrwacher äußerte vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse (z.B. Abwahl des KBV-Vize Weigeldt, Wahl von Herrn Hoppenthaller und Rolle des BDA) seine mehr als begründete Sorge über das extrem belastete Verhältnis von Haus- und Fachärzten auf Bundesebene.

Keine bayerischen Verhältnisse

Bestes Beispiel für die Probleme ist aus seiner Sicht das egoistische Streben des bayerischen Hausarztverbandes nach einem gesonderten „Hausarztstärkungsgesetz“. Die GFB und der KV-Vorstand konstatierten, dass in Sachsen Streitereien zwischen Haus- und Fachärzten bei weitem nicht in dieser Intensität geführt wurden und werden. „Glücklicherweise herrschen in Sachsen nicht bayerische Verhältnisse. So etwas geht zu Lasten von Patienten und Hausärzten selbst“, brachte es Frau Dr. Schwäblein- Sprafke auf den Punkt.

Es wurde aber festgestellt, dass man von einer Einigkeit, insbesondere gegenüber der Politik weit entfernt ist, insbesondere wenn es um die Durchsetzung der berechtigten Interessen geht.

Die Mär von zu vielen Ärzten

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung griff Dr. Rohrwacher die Politik und Prof. Lauterbach im Besonderen scharf an, der immer wieder die These von angeblich zu vielen Fachärzten in der Öffentlichkeit postuliere. Insbesondere das im Sommer vom DFV veröffentlichte IGES-Gutachten von Prof. Rürup widerlegt das endgültig.

Diesen Punkt aufgreifend, verurteilte Dr. Heckemann die Demagogie mancher Statistik und Statistiker im Umgang mit den Arztzahlen. Er begründete, warum deren Diagnose vom Ärzteüberschuss schlichtweg falsch ist. Der Vorstandsvorsitzende der KVS informierte die Vertreter der Berufsverbände, ergänzt von seiner Stellvertreterin über aktuelle Entwicklungen. Die Ärzte erfuhren z.B. Hintergründe über die von der KV geforderte Einführung eines demographischen Faktors in die Bedarfsplanung sowie zum Stand des Schiedsamtsverfahrens mit der AOK, das nunmehr in die 3. Runde geht und bei dem die Kasse mit allen Mitteln versucht, höhere Honorarzahlungen zu verhindern.

EBM und andere Themen … reger Gedankenaustausch

Breiten Raum in der Diskussion nahm erwartungsgemäß das Thema EBM ein. Im Hinblick auf die neue Gebührenordnung warnte der KV-Vorsitzende vor übergroßem Optimismus und dämpfte die Hoffnungen auf einen übermäßigen Geldsegen. „Ob die Politik bereit ist, Geld und dann wie viel für den Ost-West-Angleich fließen zu lassen, bleibt erst mal offen.“ Er versprach auch weiter Druck auf die KBV auszuüben, wo es im Interesse vernünftiger Lösungen notwendig und möglich sei.

Intensiv wurden eine Reihe von Einzelfragen zum EBM andiskutiert. Beispielsweise: Was wird mit den Orientierungspunktwerten? Wie wird Morbidität abgebildet? Wie wird die Deckelung zukünftig erfolgen? Erschöpfende Antworten zu diesen und anderen Fragen konnte an diesem Septemberabend natürlich niemand geben.

Der sarkastische Kommentar von Dr. Rohrwacher zum EBM: „Wenn jetzt nichts Entscheidendes passiert, werden wir wohl 2009 nach 6 – 7 Wochen eines Quartals feststellen, dass nicht mehr unsere Punkte, sondern die Euro aufgebraucht sind! Dies kann so nicht sein. Wir brauchen mehr Geld in das System. Der DFV fordert eine Aufstockung des Honorars allein für die Fachärzte von 9,3 Milliarden Euro.“

Eine Einsparung von Geldern durch angeblich unnötige Leistungen, wie sie jahrelang immer wieder von Frau Schmidt angemahnt wurde, wird selbst von ihr mittlerweile als unmöglich angesehen.

Außerhalb des EBM gab es weitere Themen für den berufspolitischen Gedankenaustausch. Die Palette reichte von MVZ über „Schwester Agnes“ bis zum Prüfgeschehen.

Nächste Beratung im März 2008 

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Dr. Rohrwacher bei den KV-Vorstandsmitgliedern für die ausführlichen Informationen und lobte die Diskussionsfreude seiner Kollegen. Er sprach die Einladung für das nächste GFB-Treffen im März 2008 aus. Sollte es notwendig sein, so Dr. Rohrwacher abschließend, „werden wir die ärztlichen Interessen auch wieder mit Aktionen in der Öffentlichkeit vertreten.“

P.S.

Während an diesem Abend die Kollegen in Dresden zusamman saßen, trafen sich in Berlin in kleiner Runde die Führungsgremien der Bundes-GFB und des DFV, um die Zusammenlegung ihrer Verbände zu einem starken Deutschen Facharztbund zu beraten. „Endlich wird unsere seit drei Jahren immer wieder gestellte Forderung, die wir für Sachsen schon seit langem verwirklicht haben, auf Bundesebene umgesetzt“, äußerte sich Dr. Rohrwacher in einem ersten Kommentar.
 

– Öffentlichkeitsarbeit/KS –

Ärztliche Berufsverbände versus Kassenärztliche Vereinigung – Kooperation oder Konfrontation?

In den vergangenen Wochen und Monaten ist es erstmals auch offen zur Konfrontation einzelner Berufsverbände mit den KVen bzw. der KBV gekommen. Was Insider teilweise schon seit Jahren beobachten konnten, das Bestreben einzelner Berufsverbände und Gruppen innerhalb der Ärzteschaft, ihre GKV-Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, hat durch die Gesetzgebung (konkret das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz), nunmehr nochmals einen neuen Schub bekommen. In den folgenden Ausführungen soll nicht nur versucht werden, etwas Licht in diese Entwicklung zu bringen, sondern darüber hinaus auch auf mögliche Gefahren eingegangen werden, die gern von den Protagonisten dieser neuen Eigenständigkeitsbestrebungen bagatellisiert werden.

Die KV als solidarische Interessenvertretung gegenüber den Krankenkassen – Aktivitäten des Gesetzgebers

Die Solidarität der Ärzte untereinander war der Ausgangspunkt für die Bildung des ersten ärztlichen Zusammenschlusses namens „Hartmannbund“ zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Diese Solidarität, gestärkt durch die Gründung der KVen in den Jahren 1931/32, ist für viele Jahrzehnte tragender Eckpfeiler der KVen gewesen. Die KV hat als Institution mit Zwangsmitgliedschaft über lange Zeiträume versucht, die Interessen aller ihrer Mitglieder zu vertreten, wobei diese Interessenvertretung gerade in den letzten zwei Jahrzehnten des ausgehenden 20. Jahrhunderts zunehmend durch die Aktivitäten des Gesetzgebers erschwert worden ist. Die Aktivitäten des Gesetzgebers führten zu innerärztlichen Verteilungsdiskussionen, verbunden mit der wechselseitigen Suche nach Schuldigen für die sukzessive entstehenden bzw. entstandenen Honorarprobleme. Der Gesetzgeber hat sich diese zunehmende Zerstrittenheit der Ärzteschaft oftmals zu Nutze gemacht und seine Überlegungen für ein Gesundheitssystem sukzessive vorangetrieben bis hin zu dem aktuellen, im GKV-WSG geregelten Sachverhalt, wonach auch Berufsverbände als Gemeinschaften von Leistungserbringern zukünftig berechtigt sind, eigenständig vertragliche Regelungen mit den Krankenkassen zu vereinbaren. Wie steht es nun um die Struktur der Berufsverbände?

Ärztliche Berufsverbände und ihre Aktivitäten

Bei ärztlichen Berufsverbänden ist es heute wie mit Parteien. Die Attraktivität eines Verbandes steht in direktem Zusammenhang mit dem Programm und dessen erfolgreicher Umsetzung. Die aktuelle Zielsetzung ist bei vielen, wenn nicht gar allen Berufsverbänden, nicht mehr nur die berufsständische Vertretung der jeweiligen Arzt- bzw. Fachgruppe zu sein, sondern mehr denn je honorarpolitisch zu agieren. Die gesetzlichen Regelungen der §§ 73 b und 73 c in der Fassung des GKV-Wett- bewerbsstärkungsgesetzes haben den ärztlichen Berufsverbänden oder den ihnen nahe stehenden Wirtschaftsorganisationen nunmehr auch die entsprechenden gesetzlichen Möglichkeiten eröffnet, Verträge an der KV vorbei mit den Krankenkassen abzuschließen. Dies hat dazu geführt, dass einzelne Verbände fast schon einen Alleinvertretungsanspruch für eine gesamte Fachgruppe für sich reklamieren, obwohl ihre Mitgliederzahlen keinesfalls immer einen solchen repräsentativen Ansatz unterstützen.

Es soll an dieser Stelle nicht gegen Aktivitäten der ärztlichen Berufsverbände „gewettert“ werden.

Der alte Spruch „Konkurrenz belebt das Geschäft“ hat sicherlich auch bei einem solchen Vertragswettbewerb seine Bedeutung. Die Frage ist jedoch, ob mittel- und langfristig die Gesamtentwicklung zum Nutzen der niedergelassenen Ärzteschaft oder zu deren Nachteil sein wird. Zum anderen müssen im Rahmen einer GKV zwingend Patienten – und damit Gemeinwohlinteressen im Fokus bleiben.

Solange ärztliche Berufsverbände berechtigte Forderungen der KVen mit begleitenden Maßnahmen, z.B. Protesten, Praxisschließungen, unterstützt haben, haben sich KVen und ärztliche Berufsverbände unter Berücksichtigung ihres rechtlichen Status zum Teil mit nachhaltigem Erfolg ergänzt und gestützt. Ob allerdings die jüngste Entwicklung, die zum Teil auf eine Konfrontation zwischen KV und einzelnen Berufsverbänden hinausläuft – was auf Grund der wirtschaftlichen Interessenlagen zum Teil auch nachvollziehbar ist –, mittel- und langfristig zu positiven Ergebnissen führen wird, muss eher bezweifelt werden.

Den Krankenkassen und letztlich auch dem Gesetzgeber kommt diese Entwicklung mit offen ausgetragener Konfrontation sicherlich gerade recht. Die Vertreter der Krankenkassen wittern bereits den Abschluss kostengünstiger Verträge durch das Ausspielen der einzelnen Vertragspartner untereinander, was ihnen wiederum (finanzielle) Möglichkeiten in anderen Bereichen ihres Aufgabengebietes, u. a. für zum Teil publikumswirksame Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung, verschafft.

Dabei erscheint die Vorgehensweise der Krankenkassen zunächst kaum beanstandungswürdig. Sie bieten gute Verträge, auf Wunsch auch in pauschalierter Form, bei jedoch zum Teil nachhaltig wirkenden zusätzlichen Rahmenbedingungen betreffend Dokumentation, Fortbildung und Qualifikationsnachweisen. Hat sich erst einmal ein Arzt oder eine Gruppe von Ärzten auf die einzelvertragliche Schiene oder in einen Gruppenvertrag begeben, so besteht die große Gefahr der zunehmenden finanziellen Abhängigkeit in der Praxistätigkeit von solchen einzelvertraglichen Regelungen außerhalb der KV. Ärztliche Berufsverbände müssen in dieser Entwicklung – zumindest zu Teilen – Funktionen der oftmals als Behörde gescholtenen KV übernehmen. Ein Berufsverband ist jedoch nicht zwangsläufig, anders als eine KV, allen Mitgliedern verpflichtet. Es wird möglicherweise nur eine Frage der Zeit sein, bis das einzelne Mitglied eines Berufsverbandes erkennt, dass er von der einen nicht mehr gewollten Abhängigkeit in eine neue Abhängigkeit geraten ist. Die neue Abhängigkeit könnte jedoch wesentlich nachhaltiger im Hinblick auf die finanzielle Seite sein als im Vergleich die Abhängigkeit von der KV in Verbindung mit dem derzeitigen Kollektivvertragssystem.

So ganz am Rande ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass es ärztlichen Berufsverbänden, so wie es sich derzeit darstellt, kaum gelingen wird, mit allen Krankenkassen- verbänden einheitliche Verträge zu vereinbaren, was zu einer Vertragsvielfalt und auch Unterschiedlichkeit führt. Und dies mit allen Konsequenzen für die Arbeit in der ärztlichen oder auch psychotherapeutischen Praxis, ganz unabhängig von der möglicherweise großen Zahl von unterschiedlichen Abrechnungspartnern.

Zu bedenken ist auch, dass die absehbare Konsolidierung bei der Zahl der Krankenkassen die Verhandlungsposition auf Kassenseite in nächster Zeit noch nachhaltig stärken wird.

Mittel- und langfristige Entwicklung

Ob die sich jetzt abzeichnende bzw. bereits in Ansätzen begonnene Entwicklung mittel- und langfristig zum Vorteil für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, insbesondere unter finanzieller Sicht auswirken wird, kann heute natürlich noch nicht prognostiziert bzw. beurteilt werden. Blickt man in die allgemeine Wirtschaft, so muss jedoch befürchtet werden, dass durch abnehmenden Zusammenhalt der Ärzteschaft der vom Gesetzgeber für die Leistungserbringung geforderte Wettbewerb durch Verträge zwar gefördert wird, doch dürfte es sich hier um einen „negativen Wettbewerb“ im Hinblick auf die in der Praxisfinanzierung zunehmend auftretenden finanziellen Probleme handeln.

Die Folgen solcher Entwicklungen sind bereits heute klar im Krankenhaussektor erkennbar. Finanzkräftige Unternehmen übernehmen und sanieren diese mit allen Konsequenzen für das medizinische Angebot und auch für den Verwaltungsbereich eines Krankenhauses. Finanzkräftige Institutionen dürften dann sicherlich auch bald bereit stehen, um wirtschaftlich in Not geratene Praxen zu übernehmen, die sie anschließend in neuen Strukturen zusammenfassen – mit entsprechenden Abhängigkeiten für die dann dort tätigen niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Ob dann jedoch noch ein ärztlicher Berufsverband nachhaltigen Einfluss auf die Honorarentwicklung wird nehmen können, ist mehr als offen. Insoweit könnte deshalb dem jetzigen eigenständigen Agieren ärztlicher Berufsverbände im Honorarbereich nur ein kurzfristiger Erfolg beschieden sein, ganz abgesehen davon, dass dieses Agieren auch zu massiver Konfrontation zwischen den Berufsverbänden, speziell zwischen fachärztlicher und hausärztlicher Versorgungsebene, führen könnte. Auf der Strecke bleibt im Ergebnis jedoch auf jeden Fall der früher von vielen Ärzten als wesentlich empfundene und auch propagierte innerärztliche Zusammenhalt.

Wofür steht die KV Sachsen?

Die KV Sachsen fühlt sich trotz aller gesetzlichen Neuregelungen und der Einführung wettbewerblicher Strukturen weiterhin nachhaltig der solidarischen Interessenvertretung für alle ihre Mitglieder verpflichtet. Sie wird deshalb die notwendigen Verhandlungen, auch bezogen auf die Bereiche der §§ 73 b und 73 c SGB V führen und dabei versuchen, bestmögliche Verhandlungsergebnisse zu erreichen. Gerade bezogen auf den Vertragsabschluss gemäß § 73 b hat eine große Mehrheit der sächsischen Hausärzte erst jüngst in einer Umfrage dem Vorstand der KV Sachsen ein Verhandlungsmandat erteilt.

Aber selbst wenn es einmal nicht möglich sein sollte, zu einem Vertragsabschluss auf Basis der neuen gesetzlichen Regelungen mit den Krankenkassen zu kommen, steht die KV Sachsen auf jeden Fall für die Umsetzung von Verträgen, die von Gemeinschaften von Ärzten direkt mit den Krankenkassen vereinbart worden sind, gern zur Verfügung. Insoweit sieht sie sich – auch bezogen auf diesen Bereich – als Service- und Dienstleistungsunternehmen der Ärzte und Psychotherapeuten Sachsens.

– Strategie und Grundatzfragen/DG –

Finanztransfers im Rahmen der DMPs

Immer wieder liest man, dass die Krankenkassen für einen eingeschriebenen DMP-Patienten horrende Summen kassieren, die sie nur teilweise an die Ärzte weitergeben. Das ist im Prinzip richtig, nichtdestotrotz sind hier einige Denkfehler enthalten, die erläuterungsbedürftig sind.

Die Zahlungen über den Risikostrukturausgleich bei DMPs sind letztlich Verrechnungsgrößen zwischen den Kassen. Formal stimmen die hohen Summen von 4.000 bis 5.000 Euro pro Jahr und DMP-Versicherten. Das hängt allerdings davon ab, ob der Patient in einem oder mehreren DMPs eingeschrieben ist. Die Zahlungen addieren sich nicht. Und die Zahlungen erfolgen aus einem Topf, den die Krankenkassen nach Proporz füllen müssen und entsprechend den DMP-Patienten aufteilen. Diese Zahlungen von bis zu 5.000 Euro sind kein „Cashflow“, sondern Verrechnungseinheiten, die davon abhängen, wie viele Patienten akquiriert wurden. Im Extremfall und sehr vereinfacht heißt das: Drei Krankenkassen, die alle drei die gleiche Anzahl von DMP-Patienten einschreiben, erhalten keine Mittel. Daraus folgt, dass von den 4.000 bis 5.000 theoretisch möglichen Euro pro DMP-Patienten die AOK Sachsen etwa 1.200 Euro erhält, wovon sie etwa 400 Euro im weitesten Sinne als Honorarzahlungen an die Ärzte weitergibt.

Der Risikostrukturausgleich (RSA) setzt sich also aus Ein- und Auszahlungen aller Krankenkassen zusammen. Es erhält quasi jede Krankenkasse im Rechtskreis Ost für einen Versicherten mit vergleichbaren Morbiditätsmerkmalen die selbe Zahlung (Auszahlung). Da die Zahlungsströme von vielfältigen Faktoren abhängig sind, kann die genaue Höhe allerdings nur ex post ermittelt werden. Eine pauschalisierte Aussage zum Umfang der erhaltenen Beträge über den RSA je Versicherten ist also nur begrenzt möglich.

Seit 2003 werden DM-Programme als weiteres Morbiditätskriterium im RSA berücksichtigt. Die DMP sind also ein gestaltendes Element des RSA. Da die Ausgaben der teilnehmenden Versicherten separat ausgeglichen werden, sinken im Gegenzug die Zuweisungen für den nicht eingeschriebenen Patienten. Deshalb stehen die Kassen untereinander im Wettbewerb um die DMP-Mengenzahl. Denn bei gleichbleibendem Ausgabenniveau würden sich bei Nichtdurchführung von DMP gravierende Wettbewerbsnachteile für die Kasse mit wenig DMP-Patienten ergeben. Diese müssten letztendlich von den Mitgliedern der Krankenkassen getragen werden. Das Finanzvolumen und damit auch die Höhe der Kopfpauschalen wären betroffen.

Zwischen den einzelnen DMP Programmen variiert zudem die durchschnittliche Zuweisung. Während für Diabetes mellitus Typ 2 wie oben dargestellt etwa 4.000 bis 5.000 Euro verteilt werden, erwarten die Krankenkassen für Asthma lediglich 2.300 Euro (Quelle: Bekanntmachung BVA). Die Gründe hierfür liegen vor allem im höheren Alter der Diabetes mellitus Typ 2- Patienten, der gestiegenen Wahrscheinlichkeit weiterer Erkrankungen und den damit korrelierenden höheren Leistungsausgaben. Nimmt ein Versicherter an mehreren Programmen teil, so steht der Krankenkasse nur ein Betrag zur Verfügung. Mehrfacheinschreibungen werden im RSA folglich nicht doppelt vergütet.

Die den Kassen zugewiesenen Einnahmen dienen der Deckung aller durch die betreffenden Patienten verursachten Kosten, also der Vergütung der Ärzte, Arzneimittel, Krankenhausaufenthalte sowie alle weiteren in Anspruch genommenen Leistungen.

Nachdruck aus der Septemberausgabe des „Mitteldeutschen Rundschreibens des Hartmannbundes“ mit freundlicher Genehmigung des Autors und Vorsitzenden des Hartmannbundes Sachsen, Dr. Thomas Lipp.

Anmerkung der Redaktion:

Auch wir teilen die Auffassung des Autors bezüglich der „Denkfehler“ und hätten diese nicht besser als Herr Dr. Lipp erläutern können