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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2007

Ausgabe 07-08/2007

zum Inhalt dieser Ausgabe

Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln



Information zur Thematik Häusliche Krankenpflege

Die Ausgaben für die häusliche Krankenpflege, insbesondere bei der Medikamentengabe und den subcutanen Injektionen, steigen stetig (siehe Diagramm). In Sachsen entfallen 80 Prozent der Ausgaben im Rahmen der häuslichen Krankenpflege auf diese Leistungen.

Allein bei der AOK Sachsen gehen jährlich ca. 200.000 Verordnungen häuslicher Krankenpflege ein. Um diese sach- und fachgerecht bearbeiten zu können, benötigen die Mitarbeiter der AOK Sachsen sowie auch alle anderen Krankenkassen die Unterstützung und Mithilfe der verordnenden Vertragsärzte.

Um unnötige Rückfragen und zusätzlichen Schriftverkehr mit Ihrer Praxis zu vermeiden, bedarf es vollständig ausgefüllter Verordnungen. Dazu gehören:

  • die Angaben auf dem Verordnungsvordruck (Muster 12) wie: die verordnungsrelevanten Diagnosen als medizinische Begründung, die zu erbringenden Leistungen sowie deren Beginn, Häufigkeit und Dauer
  • Bei der Verordnung von „Blutzuckermessungen“, „subcutanen Injektionen, Medikamentengaben“,„An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen“ sind die dafür im Verzeichnis verordnungsfähiger Maßnahmen aufgeführten Besonderheiten (z. B. hochgradige Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, erhebliche Einschränkung der Grob- und Feinmotorik, starke Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit etc.) erforderlich und im Feld „Besonderheiten lt. Verzeichnis“ anzuführen.
  • Bei „Medikamentengabe“, „Richten von ärztlich verordneten Medikamenten“ sind bitte die Präparate und die Intervalle mit anzugeben.
  • Wird „Dekubitusbehandlung“ oder „Anlegen und Wechseln von Wundverbänden“ notwendig, sind die Lokalisation, Grad und Größe sowie der Wundbefund erforderlich.

Änderungen oder Ergänzungen der Verordnung sind mit Unterschrift, Stempel und Datumsangabe zu bestätigen.

Noch folgende Hinweise:

Maßnahmen, wie z. B. „venöse Blutentnahme“, „intravenöse Injektionen“, „subcutane Infusionen“ sind keine Leistungen der häuslichen Krankenpflege. Sie dienen der Diagnostik bzw. Therapie und sind nicht delegationsfähig. Das Ausstellen einer Verordnung zur Durchführung solcher Maßnahmen ist grundsätzlich nicht zulässig. Delegieren Sie solche Leistungen an Pflegekräfte, tragen Sie die Verantwortung für die Durchführung und Vergütung.

Für den Fall längerer Abwesenheit, wie z. B. Urlaub, empfehlen wir Ihnen, Folge- und Quartalsverordnungen für Ihre Patienten vorfristig, ggf. mit einer Begründung, z. B. „Praxisurlaub“, auszustellen. Es ist auch möglich, Mitte des Monats Dezember bis ins nächste Jahr eine Dauerverordnung auszustellen, z. B. für Insulininjektionen.

Die AOK Sachsen hat als Patienteninformation Faltblätter zum Umgang mit einer Medikamentenbox, zur s. c. Injektion Thrombose-prophylaxe, s. c. Insulininjektion und zum Kompressionsverband, Kompressionsstrümpfen/-strumpfhosen entwickelt. In diesen werden Tipps zur Handhabung, zur Selbstapplikation u. v. m. vermittelt. Diese können die Versicherten über die AOK beziehen.

Insbesondere verweisen wir auf die Maßnahme zur Behandlungspflege des Patienten durch Angehörige oder Dritte im häuslichen Umfeld. Diese Maßnahme wurde als qualitativ sehr hochwertige Leistung der häuslichen Krankenpflege ins Verzeichnis der verordnungsfähigen Maßnahmen der Richtlinien der häuslichen Krankenpflege aufgenommen. Insoweit besteht für die Krankenkassen die Verpflichtung, die Versicherten und ihre Angehörigen über diese Maßnahme zu informieren.

Zu diesem Thema wurde von der AOK Sachsen ebenfalls ein Faltblatt „Anleitung“ zur Information entwickelt. Patienten, deren Angehörige oder andere pflegende Dritte werden von professionellen Kräften in der eigenständigen Übernahme der Pflege/ Behandlungspflege geschult. Sie werden in der Durchführung einer Maßnahme angeleitet bzw. unterstützt und im Hinblick auf das Beherrschen einer Maßnahme kontrolliert, um die Maßnahme dauerhaft selbst durchführen oder als Angehöriger oder Dritter dauerhaft Hilfestellung bei der eigenständigen Durchführung der Maßnahme geben zu können.

– Verordnungs- und Prüfwesen/dae –

Gemeinsame Information der LV der Krankenkassen und Verbände der Ersatzkassen in Sachsen und der KV Sachsen (AG Arzneimittel)

Polypragmasie bei älteren Patienten

Polypragmasie, dem Wortsinn nach Vielfalt des Handelns, dem Sinne nach eine meist medikamentöse Mehrfachtherapie, war immer schon und wird heute zunehmend zum Problem. Im gleichen Sinne, aber inhaltlich treffender werden die Begriffe Polypharmakotherapie und Polypharmazie verwandt.

In den letzten beiden Jahrzehnten konnte beispielsweise bei zahlreichen kardiovaskulären Krankheitsbildern in kontrollierten multizentrischen Studien der Nutzen einer solchen Polypharmakotherapie nachgewiesen werden, so für Beta-Rezeptoren-blocker, ACE-Inhibitoren, AT1-Rezeptorblocker und CSE-Hemmer. Durch die nachgewiesenen Vorteile einer solchen Therapie gerät der behandelnde Arzt allerdings in ein Dilemma: Muss er sämtliche Medikamente, deren Nutzen eindeutig – evidenzbasiert – nachgewiesen wurde, einsetzen oder bringt diese Polypharmakotherapie – abgesehen von den Kosten – auch Risiken für den Patienten mit sich?

Ältere Menschen sind zwar vielfach multimorbide und oft werden mehrere Krankheiten gleichzeitig diagnostiziert. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Verordnung von mehr als 5 verschiedenen Präparaten über kurz oder lang bei den meisten Patienten zu einer Verschlechterung der Compliance führt – sie verändern selbständig die Dosis und/oder setzen Medikamente ab. Darüber hinaus wird durch die wissenschaftliche Literatur belegt, dass die Nebenwirkungsquote mit wachsender Wirkstoffzahl exponentiell ansteigt. Dieses Interaktionspotenzial ist schon für den einzelnen Arzt nur schwer überschaubar, oftmals sind jedoch auch mehrere Ärzte, an den Verordnungen beteiligt. In diesen Fällen ist dann zu beobachten, dass häufig die Medikation des Kollegen nicht bekannt ist.

Welche Handlungsoptionen gibt es nun, das gesundheitliche Risiko multimorbider Patienten möglichst gering zu halten?

  • Befragen Sie Ihre Patienten immer, ob sie sich gleichzeitig bei weiteren Ärzten in Behandlung befinden und lassen Sie sich Informationen über aktuell verordnete Medikamente geben. Fragen Sie auch nach darüber hinausgehender Selbstmedikation.
  • Legen Sie therapeutische Prioritäten fest. Prüfen Sie umso kritischer die Notwendigkeit der Verordnung eines zusätzlichen Wirkstoffes, vor allem auch hinsichtlich der Interaktionen, je mehr Medikamente der Patient bereits erhält.
  • Prüfen Sie, ob die Verordnung eines Kombinationspräparates möglich und sinnvoll ist. Auf jeden Fall sollten langsam freisetzende Formulierungen bevorzugt werden, um die tägliche Mehrfachgabe des gleichen Wirkstoffes zugunsten der Compliance zu reduzieren.
  • Bei mehreren Tabletteneinnahmen pro Tag ist die Mitgabe eines Verordnungszettels über alle Medikamente sinnvoll. Dieser dient sowohl dem verordnenden Arzt als Gesamtübersicht als auch dem Patienten als tägliche Einnahmevorschrift und kann zudem durch den Patienten zum parallel behandelnden Facharzt zur Vorlage mitgenommen werden.
  • Sehr wichtig ist ebenfalls, dass Sie sowohl Patienten als auch Betreuer jederzeit über Sinn und Notwendigkeit der von Ihnen favorisierten Therapie aufklären.

Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V

Eine Informationsflut im Zusammenhang mit Rabattverträgen zwischen verschiedenen Krankenkassen und Arzneimittel-herstellern führte zur Verunsicherung bei der Verordnung von Arzneimitteln in den Arztpraxen. Die folgenden Erläuterungen sollen den Umgang damit erleichtern.

Warum werden Rabattverträge abgeschlossen?

Rabattverträge sind ein weiteres vom Gesetzgeber eingeführtes Instrument zur Senkung der Arzneimittelkosten. Schließt eine Krankenkasse einen Rabattvertrag für bestimmte Arzneimittel ab, verpflichtet sich die beteiligte Hersteller- oder Vertriebsfirma zur Zahlung eines Rabattes für jede zu Lasten dieser Krankenkasse abgerechnete Arzneimittelpackung. Dieser Rabatt reduziert die tatsächlichen Ausgaben der Krankenkasse (Nettokosten) für das Arzneimittel.

Auch für die Patienten ergeben sich Vorteile, weil der Gesetzgeber die Möglichkeit des Erlasses oder der Reduzierung der sonst anfallenden Patientenzuzahlung vorgesehen hat. Zahlreiche bestehende Rabattverträge sehen einen Zuzahlungserlass bereits vor.

Was ist bei der Verordnung zu beachten?

Bei der Verordnung von Arzneimitteln müssen die geltenden Rabattverträge nicht berücksichtigt werden. Durch eine Anpassung der aut idem-Regelung ist die Apotheke seit 01.04.2007 verpflichtet, ein Medikament des Herstellers abzugeben, mit dem die jeweilige Krankenkasse einen Rabattvertrag hat. Gibt es keinen Rabattvertrag für das verordnete Mittel (Wirkstoff), wird entweder das verordnete oder eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel abgegeben. Die Apotheken verfügen über alle notwendigen Informationen zur Umsetzung dieser Regelung.

Bei der Verordnung sollte deshalb der Grundsatz gelten: preisgünstiges Arzneimittel oder Wirkstoff verordnen, aut idem zulassen (kein Kreuz auf dem Rezept).

Ist die Verordnung eines bestimmten Arzneimittels aus medizinischen Gründen erforderlich, kann die Substitution durch Ankreuzen des aut idem-Feldes ausgeschlossen werden. In diesem Fall muss die Apotheke das verordnete Arzneimittel abgeben.

Was passiert, wenn die rabattierten Arzneimittel nicht lieferbar sind?

In dem Fall wird ebenfalls das verordnete oder eines der preisgünstigsten Arzneimittel abgegeben. Der Nachweis der Nichtverfügbarkeit erfolgt durch schriftliche Bekanntgabe des Großhändlers, dass er nicht liefern kann, weil der Hersteller seine Nichtlieferfähigkeit mitgeteilt hat. Der Nachweis ist in der Apotheke aufzubewahren. Nur dann ist die Apotheke zur genannten Abgabepraxis berechtigt.

Wo kann man sich über aktuelle Rabattverträge informieren?

Einige Krankenkassen informieren auf ihren Internetseiten über eigene Verträge. Anbieter von Praxissoftware sind ebenfalls bemüht, Informationen über Rabattverträge in ihre Systeme zu integrieren, die auf Wunsch schon bei der Verordnung berücksichtigt werden können. Eine Übersicht der Rabattverträge, sortiert nach Krankenkassen, finden Sie z. B. unter: www.deutschesarztportal.de

Ansprechpartner

Für weitergehende Fragen stehen Ihnen die Pharmakotherapieberater der KV Sachsen und für Anfragen der Versicherten die Beratungsdienste der Krankenkassen gern zur Verfügung.

– AG Arzneimittel–

Neue Sprechstundenbedarfsvereinbarung

In den KVS-Mitteilungen 6/2007 und im Rahmen der Auslage zur Scheinabgabe informierten wir bereits vorab über neue Regelungen der sächsischen Sprechstundenbedarfsvereinbarung, die rückwirkend zum 01. Juli 2007 in Kraft treten wird.

Leider können wir nicht – wie vorgesehen – die unterzeichnete Fassung der Sprechstundenbedarfsvereinbarung 2007 als Beilage in diesen KVS-Mitteilungen veröffentlichen. Das Unterschriftsverfahren dazu wurde zwar Anfang Juni 2007 von uns eingeleitet, das Ende ist aber zum Redaktionsschluss dieses Heftes bei den Krankenkassen noch nicht genau absehbar.

Aufgrund des langen Zeitlaufes haben wir eine Fassung der neuen Sprechstundenbedarfsvereinbarungen – unter Vorbehalt der Unterschrift durch alle Vertragspartner – auf der Homepage der KVS (www.kvs-sachsen.de) unter der Rubrik Verträge nach Fachgebieten) in das Internet gestellt.

Nachfolgend sind deshalb die wesentlichen Änderungen im Vergleich zur bisherigen Fassung der Sprechstundenbedarfsvereinbarung noch einmal tabellarisch dargestellt.

In diesem Zusammenhang ist auch anzuführen, dass die Bagatellgrenze für Prüfanträge wegen sachlich/ rechnerischer Richtigstellung aufgrund unzulässiger Sprechstundenbedarfsverordnungen von DM 30,– (EUR 15,34) auf nunmehr EUR 25,60 angehoben wurde.

Zum 1. Juli 2007 ist auch die Gebührenordnung der KVS in Kraft getreten. Danach werden auch für Widersprüche (sofern diese in keiner Weise Erfolg haben) in Rückforderungsverfahren wegen unzulässiger Verordnung von Sprechstundenbedarf, die der KVS ab dem 1. Juli 2007 zugegangen sind, Gebühren in Höhe von 80,- EUR nach Eintritt der Bestands- bzw. Rechtskraft fällig. Insoweit wird auf die Gebührenordnung der KVS verwiesen.

Telefonische Rückfragen zur neuen Sprechstundenbedarfsvereinbarung beantworten die Mitarbeiter der Abteilung Verordnungs- und Prüfwesen Ihrer Bezirksgeschäftsstelle.

Unzulässiger Sprechstundenbedarf ab 01.07.2007

  • explizite Festlegung, dass Hydrogele, Meeresschlickverbände und Anaphylaxiebestecke kein verordnungsfähiger SSB sind
  • Verbandzellstoff ist nicht mehr in der Anlage zur SSB-Vereinbarung enthalten
  • keine Gehsohlen mehr als Ergänzungsmaterial für Steifverbände (nur noch Gehrollen, Gehstollen und Gummiabsätze zulässig)

Verordnungseinschränkungen ab 01.07.2007

  • genaue Auflistung zulässiger Binden und Verbände unter Pkt. 1.1 der Anlage 1
  • Dauerkatheter zur Erstversorgung oder zur Notfallversorgung
  • Nasentropfen, -sprays und -gele, nur noch antibiotika-haltige, cortisonhaltige und schleimhautabschwellende Mittel, zur Sofortanwendung, im unmittelbaren ursächlichen Zusammenhang mit einem ärztlichen Eingriff.
  • Salben, salbenförmige und flüssige Mittel, soweit sie als apothekenpflichtige Arzneimittel zugelassen sind und je nach Fachgebiet bei mehreren Patienten in der Sprechstunde unmittelbar Anwendung finden: keine Heparin-, NSAR- und antihistaminikahaltigen Mittel, keine Hautpflegemittel (mit Ausnahme von Basissalben)
  • Antihypertonika nur zur Behandlung der hypertensiven Krise

Neuaufnahmen ab 01.07.2007

  • Wundauflagen, zur Sofortanwendung in der Praxis auch mit Salben und Wirkstoffen sowie Mittel zur feuchten Wundversorgung, soweit diese fest mit dem Trägermaterial verbunden sind (incl. PU-Schaumkissen).
  • Aderlassbestecke (bestehend aus Venenpunktionskanüle, Verbindungsleitung, Anschlusskanüle, Vakuumflasche)
  • Neben Augentropfen auch Augensalben, -gele, Augen-spüllösungen zur Diagnostik (auch Fluorescein als Papier) und Sofortanwendung sowie im unmittelbaren ursächlichen Zusammenhang mit einem ärztlichen Eingriff.
  • Dreiwegehähne, LS-Verbinder, Heidelberger Verlängerungen, Infusomatleitungen, Perfusorleitungen (ohne Gerät)
  • Einmalpunktionsbestecke zur Pleura-, Leber- und Aszitespunktion
  • Gleitmittel: auch Gleitgele, mit anästhesierenden und/oder antibiotischen Zusätzen, zum Einbringen von Kathetern oder für Untersuchungen (keine Einschränkungen mehr auf urologische und gynäkologische Indikationen)
  • Katheter zum Einleiten von Kontrastmitteln in spezielle Körperregionen (z. B. Galaktographiekatheter)
  • exlizit benannt nun Portkanülen/-nadeln nur für Portträger
  • Vitamin K im Zusammenhang mit den Vorsorgeuntersuchungen U 1 – 3
  • Neuroleptika, auch Depotpräparate (keine Arztgruppenbeschränkung auf Neurologen mehr)
  • Alle Glukokortikoide (parenteral, rektal), in wirtschaftlichen Packungsgrößen, z. B. auch zur Schmerztherapie
  • Neuraltherapeutika (parenteral)
  • Heparine (auch niedermolekulare)
  • Glukose (parenteral) zur Anwendung bei Hypoglykämie
  • Neben wehenerregenden auch Antiabortiva/ wehenhemmende Hormonpräparate (in parenteraler Form)
  • Prostaglandine für medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch oder missed abortion
  • Antihistaminika (parenteral, für Kinder auch als Lösung)
  • Protonenpumpen-hemmer (nur parenteral)
  • Dobutamin zur Stress-Echokardiographie, wenn eine körperliche Belastung nicht durchführbar oder nicht aussagefähig ist.

Die Anlage 2 zur Sprechstundenbedarfsvereinbarung, welche den Bezug von Röntgenkontrastmitteln neu regeln soll, tritt erst im Jahr 2008 in Kraft.

– Verordnungs- und Prüfwesen/ka–

Therapiehinweise

Keine Verordnungsmöglichkeit von Factor AF2 zu Lasten der GKV

Die KBV hat darauf hingewiesen, dass die Firma biosyn Arzneimittel eine Anwendungsbeobachtung zum Einsatz des Präparates Factor AF2 während der Chemo-/Radiotherapie und in der Tumornachsorge durchführt. Factor AF2 ist ein apothekenpflichtiges, nicht verschreibungspflichtiges Arzneimittel, welches nach

§ 34 Abs. 1 in Verbindung mit § 31 SGB V für Erwachsene nicht verordnungsfähig ist. Eine Verordnungsfähigkeit für Kinder liegt nach der Arzneimittelrichtlinie Nr. 20.1.m) in Verbindung mit Nr. 20.2.f) ebenfalls nicht vor.

Die Spitzenverbände der Krankenkassen empfehlen ihren Mitgliedskassen, bei Verordnungen des Leber-Milz-Extraktfactors AF2 zu Lasten der GKV entsprechende Anträge im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung zu stellen.

Keine Verordnung von LeukoNorm CytoChemia® zu Lasten der GKV

Das Paul-Ehrlich-Institut hat mit Bescheid vom 22.12.2006 die Nachzulassung für das Arzneimittel versagt. Gegen diesen Bescheid hat der Hersteller am 03.01.2007 Klage beim Verwaltungsgericht Darmstadt erhoben. Die Klage des Herstellers hat aufschiebende Wirkung, so dass LeukoNorm bis zu einer Gerichtsentscheidung weiterhin am Markt verfügbar ist.

Zur Verordnungsfähigkeit des Arzneimittels LeukoNorm CytoChemia vertreten die Spitzenverbände der Krankenkassen folgenden Standpunkt:

  • Ein durch Klage bedingtes Fortwirken der Alt-Arzneimittel-zulassung führt nicht zur Leistungspflicht in der GKV.
  • Die Anerkennung der Leistungspflicht für im Nachzulassungsverfahren befindliche, aber dort bereits negativ beurteilte Arzneimittel würde darauf hinauslaufen, dass die gesetzlichen Krankenkassen systematisch gegen Sinn und Zweck der Regelungen über die Wirtschaftlichkeit (i. S. von § 2 Abs. 1 und § 12 SGB V) und zum Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 2 Abs. 1 Satz 3 SGB V) verstoßen. Zur Begründung wird auf das Urteil des Bundessozialgerichts vom 27.09.2005 (B1 KR 6/04 R) zu Wobe-Mugos E verwiesen.

Auch hier gibt es die Empfehlung an die Mitgliedskassen, bei Verordnungen von LeukoNorm zu Lasten der GKV entsprechende Anträge im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung zu stellen.

Teriparatid

Nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 23.03.2007 wird die Anlage 4 der Arzneimittel-Richtlinie um den Therapiehinweis zu Teriparatid ergänzt. Der Therapiehinweis des Gemeinsamen Bundesausschusses informiert über Indikation und Kosten des Arzneimittels und gibt Empfehlungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise.

Teriparatid ist zur Behandlung der manifesten Osteoporose bei postmenopausalen Frauen nur ein Mittel der zweiten Wahl. Hinsichtlich der Frakturrate hat Teriparatid gegenüber anderen Osteoporosemitteln keine nachgewiesene Überlegenheit.

Wegen der im Vergleich mit Bisphosphonaten bis zu 35-fach höheren Tagestherapiekosten ist Teriparatid in der Regel unwirtschaftlich.

Unter folgenden kumulativen Bedingungen ist eine Verordnung möglich:

  • Manifeste Osteoporose mit mindestens zwei neuen Frakturen in den letzten 18 Monaten und
  • kein ausreichendes Ansprechen auf eine direkte und adäquate Vorbehandlung über mindestens ein Jahr oder
  • nach Absetzen der Bisphosphonatbehandlung aufgrund von Unverträglichkeiten (z. B. ösophageale Ulcera, Erosionen oder Strikturen oder entsprechende schwere gastrointestinale Symptome) oder
  • bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten gegen Raloxifen

Die maximal zugelassene Behandlungsdauer von 18 Monaten darf nicht überschritten werden (siehe Fachinformation).

Die parallele Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Osteoporose-therapie ist unwirtschaftlich (vollständiger Wortlaut des Therapiehinweises im Deutschen Ärzteblatt, Heft 15/2007).

Keine Kostenübernahme für Marinol und Dronabinol

Das Bundessozialgericht entschied in einer Sitzung am 27.03.2007, dass sowohl cannabinoidhaltige Fertig- als auch Rezepturarzneimittel grundsätzlich keine Kassenleistung sind.

Weder in Deutschland noch EU-weit gibt es zurzeit eine arzneimittel-

rechtliche Zulassung für cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel. Importe aus anderen Staaten, wie z. B. das Präparat Marinol aus den USA, sind bereits seit den BSG-Urteilen vom 18.05.2004 sowie 19.10.2004 von der GKV-Versorgung ausgeschlossen, sofern es sich nicht im Einzelfall um eine singuläre Erkrankung handelt.

Das Bundessozialgericht kam ferner zu dem Ergebnis, dass auch für Rezepturen auf Cannabinoidbasis (Dronabinolrezepturen) keine Leistungspflicht der GKV besteht.

Für Wirkstoffe, die nur als Rezeptursubstanz erhältlich sind, existiert kein amtlich bestätigter Wirksamkeits- bzw. Unbedenklichkeitsnachweis in Form einer arzneimittelrechtlichen Zulassung. Deshalb bedarf es für die Verordnung auf einem Kassenrezept der positiven Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gem. §135 Abs. 1 SGB V. Für Dronabinol liegt eine derartige Bewertung jedoch nicht vor.

– Verordnungs- und Prüfwesen/ka–

Verordnung von Blutzuckerteststreifen im Rahmen DMP Diabetes mellitus Typ 1

Im Zusammenhang mit dem Inkrafttreten des GKV Wettbewerbsstärkungsgesetzes am 1. April dieses Jahres gab es vereinzelt Unsicherheiten, in welchen Mengen fortan Blutzuckerteststreifen für Typ-1-Diabetiker verordnet werden dürfen. Der Vertrag der KV Sachsen und der Landesverbände der Krankenkassen in Sachsen zur Durchführung des Disease-Management- Programms (DMP) Diabetes mellitus Typ 1 beinhaltet diesbezüglich unter § 10 Absatz (2) folgende Regelung:

„Die an dieser Vereinbarung teilnehmenden Vertragsärzte können für die in das Disease-Management- Programm eingeschriebenen Diabetiker mit

GOP 99343K

ICT-Insulinierung für

Kinder und Jugendliche bis zu 700

GOP 99343Z

ICT-Insulinierung für

Erwachsene bis zu 550

Blutzuckerteststreifen pro Quartal als Praxisbesonderheit geltend machen.

Diese zusätzlichen Verordnungen werden, analog zum Vertrag zur Durchführung des DMP Diabetes mellitus Typ 2, bis zur Höhe der jährlich zu vereinbarenden Preisobergrenze im Rahmen der Richtgrößenprüfung von der Summe der Arzneimittelausgaben der Praxis abgesetzt.“

Die genannte Vereinbarung zu DMP Typ 1, aus welcher obiges Zitat stammt, ist zum 1. Januar 2007 in Kraft getreten.

Nach Auffassung der KV Sachsen hätte es rein formell in der Folge auch einer Anpassung der Liste über Praxisbesonderheiten als Bestandteil der Prüfungsvereinbarung bedurft. Eine entsprechende Anfrage bei den LVSK ist jedoch abschlägig beschieden worden mit der Begründung, dass die Einführung des

GKV-WSG ohnehin eine umfangreiche Änderung der Prüfungsvereinbarung nach sich ziehe und man die Anpassung in diesem Zuge erledigen könnte.

Auch wenn uns die Antwort der LVSK nicht befriedigte, sind wir nach hausinterner Prüfung zu der Überzeugung gelangt, dass auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt die klaren Formulierungen in der Vereinbarung zu DMP Typ 1 den Vertragsärzten ausreichende Rechtssicherheit für die Anerkennung der genannten Höchstmengen an Blutzuckerteststreifen als Praxisbesonderheiten bieten.

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro–

Frühförderung hörgeschädigter Kinder

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales bat um folgende Information:

Im Förderzentrum für Hörgeschädigte, Johann- Friedrich-Jencke-Schule in Dresden, wurden bislang Leistungen zur Früherkennung und Frühförderung sowie zur Beratung der Eltern von den dortigen Lehrern erbracht und vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus finanziert. Da dies aber nicht den rechtlichen Vorgaben entspricht, wird es künftig nicht mehr möglich sein.

Soweit es sich bei diesen Leistungen um Leistungen nach § 1, 2 der Verordnung zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder (FrühV) handelt, sind diese in den gesetzlich zuständigen Einrichtungen – hier: interdisziplinäre Frühförderstellen (IFF) – zu erbringen und von den Rehabilitationsträgern zu finanzieren. Von der FrühV erfasst sind Kin-der im Alter von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr bzw. bis zum Schuleintritt.

Ab sofort sind Eltern betroffener Kinder an die zuständigen örtlichen Sozialhilfeträger (Sozialamt) zu verweisen, wo über das weitere Verfahren informiert und beraten wird. Die Kontaktdaten der zuständigen Sozialämter können bei Ihrer Bezirksgeschäftsstelle erfragt werden.

– Verordnungs- und Prüfwesen/dae–

Verordnung orthopädischer Schuhzurichtungen an offenen Schuhen

Die Krankenkassen in Sachsen bitten bei der Verordnung orthopädischer Schuhzurichtungen zu Lasten der GKV folgendes zu beachten:

Mit ihren Entscheidungen vom 26.01.2006 bzw. 15.05.2006 haben das Sozialgericht Düsseldorf (Az.: S 34 KR 198/03) und das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Az.: L 16 B 19/06 KR NZB) festgestellt, dass eine Verordnung für orthopädische Schuhzurichtungen an offenen Schuhen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen ausscheidet, wenn aus medizinischen Gründen die Versorgung mit losen Schuheinlagen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist.

Das Argument, es sei nicht zumutbar auch im Sommer geschlossene Schuhe zu tragen, die als einzige mit losen Einlagen versehen werden könnten, begründet keinen Anspruch auf eine orthopädische Schuhzurichtung an offenen Schuhen.

Auch für die Sommermonate gibt es geschlossene Schuhe, die mit losen Einlagen getragen werden können. Das Tragen von geschlossenen. sommerlichen Verhältnissen entsprechenden Schuhen ist zumutbar. Daneben gibt es aber auch offene Schuhe in Form von Konfektionssandalen, die speziell zur Verwendung loser Einlagen konzipiert sind.

Orthopädische Zurichtungen am Konfektionsschuh dienen dazu, den vorhandenen Schuh des Versicherten so zu gestalten, dass durch einzeln oder in Kombination vorgenommene Arbeiten am Absatz, zur Schuherhöhung, an der Sohle, zur Entlastung, Stützung, Polsterung und Schaftveränderung Fußbeschwerden, die die Gehfähigkeit und Gehdauer einschränken, beseitigt oder gemindert werden.

Bei der Erstversorgung ist eine Mehrfachausstattung für maximal drei Paar Konfektionsschuhe möglich.

Als Nachversorgung kommen maximal zwei Versorgungen jährlich in Betracht. Geeignete Konfektionsschuhe dürfen eine Absatzhöhe von drei cm nicht überschreiten.

– Verordnungs- und Prüfwesen/tro–