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KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2007

Ausgabe 07-08/2007

zum Inhalt dieser Ausgabe

Qualitätssicherung



Aktueller Stand zur Einführung von Qualitätsmanagement in Vertragsarztpraxen

Bereits seit 1. Januar 2004 schreibt das SGB V vor, dass Vertragsärzte und Psychotherapeuten Qualitätsmanagement betreiben müssen. Nach §135a sind Vertragsärzte, medizinische Versorgungszentren und zugelassene Krankenhäuser verpflichtet, einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement (QM) einzuführen und weiterzuentwickeln (siehe auch unsere Veröffentlichungen zum Thema QM in den KVS Mitteilungen 8/2005, 11/2005, 12/2005).

Zum Thema Qualitätssicherung und QM wurden im Wettbewerbsstärkungsgesetz Änderungen vorgenommen, z. B. in § 137 a zur Bildung einer Institution, welche Verfahren zur Messung und Darstellung der Versorgungsqualität entwickeln soll, z. B. in §137 mit möglichen Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses über Grundsätze für Vergütungsabschläge für Leistungserbringer, die ihre Verpflichtung zur Qualitätssicherung nicht einhalten. §§ 136 a und b werden zum 01. Juli 2008 aufgehoben.

Somit wird durch den Gesetzgeber die Qualitätssicherung in der ärztlichen Versorgung immer mehr in gesetzlichen Regelungen festgehalten und mit der Vergütung ärztlicher Leistungen verknüpft. Derzeit wird im Rahmen eines Forschungsprojektes auf Bundesebene an der Identifikation geeigneter fachgruppenspezifischer QM-Indikatoren gearbeitet. Ergebnisse sollen Mitte 2008 vorliegen.

Natürlich kümmern sich die Ärzte auch heute schon um Qualität. Vorteil des QM-Systems ist aber die Systematisierung der Qualitätsanstrengungen, so dass alle qualitätsrelevanten Bereiche erfasst werden. Es gibt fast immer noch Reserven, wo eingespielte Praxisabläufe verbessert werden können (z.B. Verringerung von Patientenwartezeiten durch optimierte Terminvergabe).

Wichtig ist, das Praxispersonal mit einzubeziehen. Das wird sich für einen effizienten Ablauf in der Praxis und somit auch für den Patienten auszahlen.

Jeder Arzt oder Psychotherapeut hat die Freiheit, mit dem Qualitätsmanagement-System seiner Wahl zu arbeiten. Die Systeme

  • KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen)
  • EPA (Europäisches Praxisassessment)
  • QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen, System der KBV)
  • KPQM (KV Westfalen-Lippe Praxis- QM)
  • qu.no (Qualitätsmanagementsystem der KV Nordrhein, entspricht KPQM)
  • QisA (QM-System der KV Sachsen)
    • berücksichtigen die Ansprüche niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten.

      QM-Systeme wie DIN ISO 9001, EFQM, JCAHO, HPQ, Visitatie und QMK sind nicht speziell auf die Bedürfnisse in der Praxis zugeschnitten.

      Zu den grundsätzlichen Anforderungen an das QM, insbesondere zum Nachweis der Einführung eines internen Qualitätsmanagements, wird der Gemeinsame Bundesausschuss voraussichtlich ab 2011 die Richtlinien anpassen. Gleiches gilt hinsichtlich der Kriterien für die Anerkennung von Systemen und Verfahren. Eine Pflicht zur Zertifizierung nach einem QM-System besteht z. Zt. nicht.

      Die QM-Richtlinie trat am 1.1.2006 in Kraft und ist Grundlage für die Einrichtung und Tätigkeit der QM-Kommissionen.

      Die QM-Kommissionen werden entsprechend §7 der QM-Richtlinie von den Kassenärztlichen Vereinigungen zur Bewertung der Einführung und Weiterentwicklung des praxisinternen QM eingesetzt.

      Sie greifen dabei im Wesentlichen auf die Ergebnisse der gemäß Richtlinie durchzuführenden Stichprobenprüfung zurück.

      Eine Sanktionierung im Falle der Nicht-Einführung von QM ist in der Qualitätsmanage-ment-Richtlinie derzeit nicht vorgesehen. Der Schwerpunkt der Arbeit der QM-Kommissionen liegt in der Begleitung und Motivation zur Einführung von QM und nicht in der Prüfung der Vertragsarztpraxen. Die Mitglieder der Kommission müssen für ihre Tätigkeit eine besondere Qualifikation im QM besitzen.

      Aktuelles aus der KV Sachsen

      Die QM-Kommission der KV Sachsen hat ihre Tätigkeit am 16.3.2007 aufgenommen.

      Die Mitglieder der QM-Kommission der KVS sind:Frau Dr. Kratzsch(Vorsitzende),Herr Dr. Stolz(Stellvertretender Vorsitzender),Frau Dr. Proctor undHerr Dipl.-Psych. Scharrer.

      Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) bietet allen Vertragsärzten kostenlose Beratungen und Seminare zur Einführung des QM in Praxen an. Für die Seminare wurde ein Musterhandbuch zur Einführung eines praxisinternen Qualitätsmanagements erstellt (QisA), welches im Rahmen der Seminare zum Handbuch der konkreten Praxis entwickelt werden kann.

      QisA ist mit dem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entwickelten Modell „QEP“ kompatibel und eignet sich besonders für die Einführung von QM. Die Erfüllung der Vorgaben der QM-Richtlinie ist somit gewährleistet und ermöglicht die Einführung von QM mit geringstmöglichem Zeit- und Kostenaufwand.

      Beide QM-Systeme sind auf ambulante Praxen zugeschnittene Werke. Sie unterstützen Praxen dabei, nach einer Selbstbewertung auf der Grundlage des hier vorliegenden Qualitätszielkatalogs, gemeinsam im Team mit der Umsetzung dieser Qualitätsziele und eines QM-Systems zu beginnen.

      QisA ist ein spezifisches Angebot für sächsische Vertragsärzte und Psychotherapeuten, welches einen mit überschaubarem Aufwand verbundenen Einstieg in das QM ermöglicht. Bei erfolgreicher Teilnahme am QisA wären bereits die Mindestvorgaben der Bundesrichtlinien erfüllt (richtlinienkonforme Einführung von QM).

      Im Laufe der Seminare werden die Teilnehmer befähigt, ihr eigenes auf ihre Praxis zugeschnittenes QM-Handbuch zu erstellen. Bei Bedarf kann das auf Grundlage von QisA eingeführte QM ausgebaut und weiterentwickelt werden.

      Nach unseren Erfahrungen sind handbuchbasierte QM-Systeme für Arzt- bzw. Psychotherapeutenpraxen im Regelfall besonders gut geeignet.

      Das Qualitätsmanagement-Handbuch beschreibt die Arbeitsabläufe zur Sicherung der erbrachten Dienstleistungsqualität und dokumentiert die jeweiligen Zuständigkeiten und Verantwortungen.

      Es steht jedem Mitarbeiter der Praxis jederzeit zur Verfügung. Das Handbuch kann die Einarbeitung neuer Mitarbeiter erheblich unterstützen und auch das Arbeitsklima in der Praxis fördern, wenn durch klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten Rechtssicherheit für Kollegen und Mitarbeiter geschafft wird. Das Handbuch unterliegt einer ständigen Aktualisierung.

      Mögliche Dokumenteninhalte des QM-Handbuches sind: Praxisspezifische Regelungen, Arbeitsanweisungen, Beschreibung von Standardabläufen und -prozessen, Checklisten, Verzeichnissen zu Gerätebestand, Inventar und Verbrauchsgütern, Organigramme, Fragebögen, Leistungsspektrum, erkrankungsspezifische Informationen, Datenerhebung, Terminvergabe, telefonische Patienteninformation, Erreichbarkeit, Wahrung der Intimsphäre in der Praxis, Schweigepflicht und Datenschutz, Einsichtnahme in Patientenakten, Stellenbeschreibungen und Verantwortlichkeiten, Mitarbeiterinformation, Fortbildung und Qualifizierung, Infrastruktur und Praxisausstattung, Instandhaltung und Wartung.

      Die KV Sachsen bietet auch weiterhin allen Interessenten Fortbildungsveranstaltungen zur Einführung eines QM-Systems mittels QisA in der Praxis an. Alle Praxen, die von uns betreut werden, erhalten ein Musterhandbuch. Anhand des Materials kann dann individuell in der Praxis weitergearbeitet werden.

      Die Fortbildungsveranstaltungen sowie die Bereitstellung des Materials für das QM-System QisA sind für alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Sachsen kostenlos. Andere Interessierte zahlen eine Gebühr von 180 Euro (Material inkl.).

      Aktuell hat die KV Sachsen ca. 6400 Mitglieder. Davon hatten 1300 bei einer Umfrage der KVS Interesse an QisA-Seminaren bekundet. Bis zum 30.6.2007 ergibt sich folgender Teilnahmestand:

      Die Resonanz der Kursteilnehmer von QisA-Seminaren und zum QM-Handbuch (Kurse laufen je nach Bezirksgeschäftsstelle seit 2005/2006) war ausgesprochen gut.

      Die Seminare finden in allen Bezirksgeschäftsstellen statt.

      Der zeitliche Rahmen der Weiterbildung beträgt 4 x ca. drei Stunden. Für interessierte Ärzte stehen in jeder Bezirksgeschäftsstelle (BGST) Ansprechpartner bereit.

      BGST Chemnitz:Herr Popp/Frau TrommerTel.: 0371/ 2 78 94 17

      BGST Dresden:Frau Nerger-ScheudeckTel.: 0351/ 8 82 83 20

      BGST Leipzig:Frau LangerTel.: 0341/ 2 43 21 50

      Nach Ablauf von fünf Jahren nach In- Kraft-Treten der QM-Richtlinie überprüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Grad der Einführung und Weiterentwicklung des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements im Sinne der Richtlinie. Für die Ausgestaltung des QM gibt es gegenwärtig genügend Freiräume. Wir hoffen, dass die derzeit beginnenden Stichprobenprüfungen genügend Belege für den G-BA aufzeigen, daran nichts zu ändern.

      Entsprechend der QM-Richtlinie erfolgte die Stichprobenziehung zur Abfrage des Einführungsstandes des QM in Sachsen am 7.6.2007. Vom 3. Quartal 2007 bis zum 1. Quartal 2008 werden die in die Stichprobe fallenden Praxen von den BGST aufgefordert, die erforderlichen Angaben mit der Checkliste in den BGSTen einzureichen.

      In die Stichprobenziehung werden mindestens 2,5 % der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten jedes Fachgebietes (mit eigener Praxis) einbezogen. Ermächtigte Ärzte und Psychotherapeuten an Krankenhäusern sowie Angestellte Ärzte, sofern sie nicht die verantwortlichen Ärzte bzw. Psychotherapeuten ihrer Einrichtung sind, werden separat geprüft. Die Bearbeitung erfolgt in der Reihenfolge der Stichprobenziehung. Grundlage der Ziehung bildet die ANR bzw. die Betriebsstättennummer, da grundsätzlich Praxen und nicht Personen hinsichtlich der Einführung von QM geprüft werden sollen. Die Praxen und Medizinischen Versorgungszentren müssen mindestens 8 Quartale im Rahmen ihrer Zulassung arbeiten. Praxisanfänger werden somit erst ab dem 3. Jahr in die Prüfung einbezogen.

      Zur internen Selbstbewertung in der Praxis wurde in der KVS ein Selbstbewertungs-bogen entwickelt, welcher sowohl die Dokumentation des erreichten Sachstandes, das Erkennen von offenen Handlungsfeldern in der eigenen Praxis aber auch das Ausfüllen der Checkliste erleichtern soll.

      Bei Bedarf kann er in den BGST abgefordert werden. Er ist nur zur Verwendung in der Praxis gedacht und ersetzt nicht die Checkliste, welche ihnen zugeschickt wird, wenn sie im Rahmen der Stichprobenprüfung Angaben zum Einführungsstand von QM in ihrer Praxis machen sollen.

      Zu folgenden Sachverhalten sind wiederholt Anfragen an die KV Sachsen gerichtet worden:

      Die von einigen Anbietern beworbenen, oftmals kostenpflichtigen Wochenendseminare reichen nicht aus, um die Einführung von QM in der Praxis nachweisen zu können. Wichtig ist die eigene Beschäftigung mit dem Thema und die Umsetzung in der Praxis. Vorsicht vor unseriösen Angeboten! Hinterfragen sie immer Preis und Leistung.

      Bei vorhandenen Urkunden oder Nachweisen von weiteren QM-Anbietern erfolgt keine Befreiung von der Stichprobenprüfung. Die Checklisten, die Sie von den Bezirksgeschäftsstellen erhalten, müssen trotzdem an die KVS zurückgesandt werden, da wir die entsprechenden Angaben für bundesweite Auswertungen an die KBV weiterleiten müssen.

      – Sicherstellung/cib –