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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 07-08/2007

Ist ein geteilter Himmel blauer?

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

beim Stichwort „Der geteilte Himmel“ werden sich viele noch an den Bestseller von Christa Wolf aus den 60er Jahren erinnern, dessen Handlung kurz vor dem Mauerbau 1961 spielte. Zwei in ihrem Wesen grundverschiedene junge Leute werden erst ein Paar und finden dann doch nicht zusammen. Der Mauerbau führt zur endgültigen schmerzhaften Trennung. Auch wenn Vergleiche hinken: Die Gefahr eines „geteilten Himmels“ schwebte gerade in den letzten Wochen auch über der „Beziehung“ zwischen Haus- und Fachärzten, die Gefahr einer schmerzhaften Trennung eingeschlossen.

Sommerloch

Dafür stand die so genannte „KBV-Führungskrise“, die immer mehr Zeitungsspalten füllte. Erstmals in mehr als 50 Jahren KBV-Geschichte trat am 6. Juli 2007 mit dem Hausarzt Ulrich Weigeldt ein Vorstandsmitglied nach einem Misstrauensvotum zurück. Die Presse jubilierte, das Sommerloch schien gut gefüllt. Wenn es stimmt, dass nur eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist, waren die hochverehrten Damen und Herren von der Presse vielleicht am Ende doch nicht ganz zufrieden. Bereits am 11. Juli verfügte die KBV neben Andreas Köhler mit seinem neu gewählten Stellvertreter Carl-Heinz Müller wieder über ein handlungsfähiges Führungsduo. Zudem erhielten beide Herren mit glänzenden Abstimmungs-ergebnissen starken Rückenwind durch die Vertreterversammlung.

Handlungsfähigkeit

Die offene Positionierung des Deutschen Hausärzteverbandes gegen die Beteiligung der KV an Hausarztverträgen und die ambivalente Haltung von Herrn Kollegen Weigelt hierzu hatten die KBV in einer politisch brisanten Zeit in ihrer Handlungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Im Interesse von Haus- und Fachärzten finde ich es geradezu überlebensnotwendig, dass die „KBV-Krise“ schnell keine mehr war. Ich teile die Auffassung, dass dieses „reinigende Gewitter“ unumgänglich war. Mein Amtskollege Achim Hoffmann-Goldmayer, der KV-Vorsitzende aus Baden-Württemberg, trifft mit seiner Einschätzung den Nagel auf den Kopf: „In Zeiten der Neuausrichtung der vertraglichen Vergütung und in Zeiten des Vertragswettbewerbes halte ich es für besonders ratsam, zusammenzustehen und nicht nach dem Sankt-Florians- Prinzip nur nach dem eigenen Vorteil zu schauen.“

Feindbild

Ich rate denjenigen, die nach den Berliner Ereignissen der letzten Wochen immer noch separatistisches Gedankengut hegen, ihr „Feindbild“ endlich neu zu justieren. Sitzen Haus- und Fachärzte (und natürlich auch die Psychotherapeuten) trotz nicht ausbleibender Interessenskonflikte nicht mit dem gemeinsamen Zielin einem Boot, einen guten Kurs für die gesundheitliche Betreuung unserer Patienten zu steuern? Die gefährlichen Wellen, die einen guten Kurs verhindern, verursachen die Hochstimmung doch wohl in erster Linie bei Kassen und Politik.

Drohgebärden

Wenn die Ärzteschaft ständig das Signal aussendet, die Selbstverwaltung taugt nichts und streitet nur, könnte das katastrophale Folgen haben. Querelen wie gerade erlebt sind für die Politik „ein gefundenes Fressen“, um der ungeliebten Selbstverwaltung immer unverhüllter mit ihrem Ende zu drohen. Frau Bundesgesundheitsministerin Schmidt bewertete den „innerärztlichen Streit“ um die Führungsspitze in der KBV öffentlich als „ärgerlich“ und beschwor das Gespenst eines Scheiterns der Honorarreform herauf. Der Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder wurde mit seiner in der Ärzte-Zeitung nachzulesenden Warnung noch deutlicher: „Die Selbstverwaltung wird immer weniger glaubwürdig, wenn sie mangels Einigungsfähigkeit bei der Honorarreform der Ärzte auf eine Ersatzvornahme durch die Politik hinarbeitet“. Lassen Sie sich diesen Satz bitte auf der Zunge zergehen!

Guter Wille und Realitätssinn

Natürlich bin ich nicht so blauäugig zu glauben, dass alle Konflikte mit dem neuen Führungsteam nun vom Tisch sind. Dafür reicht es nicht, dass Herr Dr. Köhler und Herr Dr. Müller nun in einem gemeinsamen Büro sitzen. Der KBV-Chef sieht es, wie ich übrigens auch, durchaus als legitim an, dass Haus- und Fachärzte bei der Honorarentwicklung erst mal unterschiedliche Strategien verfolgen. Ich meine, die Chancen sind durchaus gegeben. Guter Wille ist dafür ebenso eine Grundvorausetzung wie Realitätssinn. Gerade dieser kommt aber in so bewegten Zeiten manchem auch einmal abhanden. Wenn Herr Dr. Hoppenthaller meinte, mit der offenen Drohung eines Wahlboykottes der CSU durch die bayerischen Hausärzte irgendeinem Hausarzt zu nützen, dann ist das einfach absurd. Auch wenn man nun glaubte, dieser Realitätsverlust sei nicht mehr zu toppen, musste man sich eines schlechteren belehren lassen, als er jetzt zum Systemausstieg aufrief. Eine derartige Machtprobe gegen die (in einem solchen Fall garantiert absolut geschlossen auftretende) Politik ist ein interessantes Sandkastenspiel, mehr aber nicht. Was schon in kleinen und sehr homogenen Fachgruppen höchst riskant ist, muß für die Gesamtheit von knapp 10.000 bayerischen Hausarzt-Individualisten zwingend im Fiasko und in der Folge in der politischen Bedeutungslosigkeit enden.

Drangsalierung

Viel Frustration der Kollegen bezüglich der KV entsteht aus den ihr vom Gesetzgeber zugewiesenen Aufgaben, was Herr Kollege Baumgärtner gern mit dem treffenden Begriff „Drangsalierung der Ärzteschaft“ bezeichnet. Auch wenn die KBV nicht immer sehr glücklich in der Abwehr oder zumindest der Abmilderung gesetzgeberischer Eskapaden agierte (siehe zuletzt die Umsetzung der Bonus-Malus-Regelung), sollte man jedoch immer noch so realistisch sein, den Esel und nicht den Sack zu schlagen. Und jeder Verband, der die KV ersetzen will, wird schneller als er es sich denken kann, diese unpopulären Aufgaben „übergeholfen“ bekommen. Auch diese Überlegung gehört übrigens zum Thema „Realitätssinn“.

Fazit

So lange die KV ausgewogen die Interessen von Haus- und Fachärzten vertritt, gilt – trotz mancher persönlicher Animositäten – für eine gemeinsame KV das (etwas abgewandelte) Wort von Winston Churchill: „Die gemeinsame KV ist die schlechteste Form der Vertretung der Ärzte – ausgenommen alle anderen“. Sie können versichert sein, dass ich als Hausarzt mich ebenso wie Herr Dr. Müller für eine deutliche Verbesserung der hausärztlichen Honorarsituation einsetzen werde, allerdings niemals dann, wenn dies nur zu Lasten der fachärztlichen Vergütung möglich sein sollte.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend noch eine „regionale“ Information. Wie Sie wissen, streiten wir uns mit der AOK vor dem Landesschiedsamt um die Gesamtvergütung 2007. Die erste Runde fand am 18. Juli statt und endete mit einer Vertagung auf den 23. August.

Sobald konkrete Ergebnisse vorliegen, informieren wir Sie selbstverständlich zeitnah. Ich wünsche Ihnen für den Rest des Sommers aus einem ungeteilt blauen Himmel möglichst viele wärmende Sonnenstrahlen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

 

 

Ihr Vorstandsvorsitzender

Klaus Heckemann