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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 03/2007

Vom Schanzentisch zum Operationstisch - Dr. med. Holger Freitag

„Der Mensch ist nicht zum Fliegen gebaut“, sagt Dr. Holger Freitag. Medizinisch kann der in Auerbach niedergelassene Facharzt für Orthopädie dies exakt begründen. Rein sportlich gesehen widerstand der ehemalige Skispringer schon als Jugendlicher der Versuchung nicht, der menschlichen Natur ein Schnippchen zu schlagen. Holger Freitag stammt aus Breitenbrunn, direkt am Fuße der erzgebirgischen Wintersportmetropole Johanngeorgenstadt gelegen, zwischen Auersberg und Fichtelberg.

Von über 60 m auf 171 m

Angespornt durch sportbegeisterte Eltern, gewann er als „Alpiner“ schon in früher Jugendzeit seine ersten Medaillen. Als die DDR-Sportführung Ende der 60iger Jahre dann die Förderung für Sportarten wie Eishockey und alpinen Skisport einstellte, entdeckte der talentierte Nachwuchsathlet immer mehr seine Liebe zum Skispringen. Gern erinnert sich Holger Freitag an seinen ersten Trainer Manfred Queck (Olympiavierter 1968 in Grenoble) und an seine ersten Sprünge in Johanngeorgenstadt: „Auf der Erzgebirgsschanze kam ich 1975 über 60 m.“ Für einen 12-jährigen damals eine beachtliche Weite, die sich gegenüber seinem persönlichen Rekord natürlich bescheiden ausnimmt. 1983 schraubte er als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft beim Skifliegen in Harrachov seinen Hausrekord auf stolze 171 m. Das lag nur 9 m unter dem damaligen Weltrekord von Klaus Ostwald, mit dem er viele Jahre beim SC Dynamo Klingenthal zusammen trainierte.

Die großen Bakken im böhmischen Harrachov gehörten zu den Lieblingsschanzen des Weitenjägers. Dort erzielte er mit dem Weltcupsieg 1984 seinen größten sportlichen Erfolg. Als emotional schönstes Erlebnis bezeichnet er jedoch die Teilnahme an der Olympiade 1984 in Sarajevo: „Da erfüllte ich mir einen besonderen Traum, auch wenn ich mit Rang 33 nicht zufrieden war.“ Bereits frühzeitig mit 23 Jahren beendete Freitag 1986 auf Anraten der Ärzte seine sportliche Laufbahn. Vorausgegangen waren ein schwerer Sturz bei der Vierschanzentournee 1984/1985 und daraus resultierend mehrere Operationen.

Von Holger Freitag zu Dr. med. Holger Freitag

Dank zielstrebiger Arbeit wurde aus dem Skispringer Freitag der Orthopäde Dr. Freitag, der in seinem neuen Metier auch von seiner „Vergangenheit“ profitierte: „Man hat als Hochleistungssportler einen anderen Bezug zum Körper und weiß, dass die Gesundheit extrem wichtig ist.“ Nach dem Studium in Berlin und Dresden, arbeitete der Mediziner mehrere Jahre an der großen Landkreisklinik im erzgebirgischen Erlabrunn, u.a. zwei Jahre als leitender Oberarzt. Im Oktober 2004 stieg Dr. Freitag dann in eine Gemeinschaftspraxis mehrerer Orthopäden im vogtländischen Auerbach ein, nur wenige Kilometer von seinen alten Trainingsstätten in Klingenthal entfernt. „Als Belegarzt habe ich hier gute Möglichkeiten zum Operieren“, nennt er einen Beweggrund für den Neustart.

Von der organisatorischen Einheit zur medizinischen Trennung

Während Dr. Freitag und seine Kollegen vom Wirtschaftlichen her den „Medizinbetrieb“ in der Breitscheidstraße 13 als Einheit möglichst optimal organisieren („wir nutzen z.B. gemeinsam ein Röntgengerät“), wird medizinisch relativ straff getrennt: „Man kann nicht überall Spitze sein. Jeder hat seine zwei, drei Fachbereiche, wo er aber dann die Patienten optimal betreut. Die Angebote ergänzen sich “, erläutert der niedergelassene Arzt die Philosophie des Teams. Ein Spezialgebiet von Dr. Holger Freitag ist die Wirbelsäulenchirurgie. Hier findet er in Auerbach ein ebenso großes Betätigungsfeld vor, wie bei der Prothetik. Ein echter Trend ist momentan der Einbau von Bandscheibenprothesen. Hüft- und Knieprothesen sind ebenso gefragt. Der Orthopäde berichtet über „unheimlich viele arthrosekranke Patienten im Vogtland.“

Um seine Patienten kümmert sich der Doktor umfassend: „Die Patienten mögen es immer mehr, wenn sie ins Krankenhaus kommen und sie werden von ihrem Doktor operiert, der sie auch vor und nach der OP behandelt“, lautet seine Erfahrung. Derzeit reicht der angestammte OP-Tag Mittwoch kaum noch aus. Dr. Freitag hat als Operateur einen guten Namen, wie die Wartelisten beweisen. Und dass er mal ein Klasse Skispringer war, wissen die Leute heute noch. Immer wieder mal wird er von Patienten auf seine „alten Schanzentage“ angesprochen.

Vom Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt

Seine alten „Schanzenkumpel“ – wie Deckert, Ostwald, Buse oder Weißflog – trifft er auch heute noch öfter, wie beispielsweise kürzlich bei der Eröffnung der neuen Vogtlandarena in Klingenthal. „Ein Traum“, sagt der Altinternationale zu dieser supermodernen Anlage, „sie springt sich herrlich“, sagt sein 15-jähriger Sohn – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Die Sportart bleibt gefährlich (weil ja der Mensch nicht zum Fliegen gebaut ist), aber die Gefahren für den Filius haben abgenommen. Der Experte glaubt, dass Skispringen ähnlich wie die Formel 1 heute weniger riskant ist, weil Flugkurven und Anlaufgeschwindigkeiten viel niedriger sind.

Es gibt ein paar Volkssportler, die mit 60 Jahren noch springen. Aber davon hält der nach wie vor durchtrainiert wirkende Arzt prinzipiell nichts. Kein Wunder: Jetzt betreibt der verheiratete Vater von drei Kindern viel Langlauf und fährt im Sommer häufiger Rad, obwohl ihm nach eigener Aussage Ausdauerdisziplinen früher gar nicht lagen. Für den vielbeschäftigten Mediziner sind sie ein willkommener Ausgleich für den stressigen Job.

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –

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