Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2007 » 02/2007 » Auch er war Arzt

KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 02/2007

Ausgabe 02/2007

zum Inhalt dieser Ausgabe

Auch er war Arzt



David Livingstone - Bedeutender Afrikaforscher und großer Humanist

Von Manfred P. Bläske

THE TIMES, 20. April 1874:

„Am Sonnabend wurde David Livingstone mit allen Zeichen tiefer Anteilnahme und Verehrung der Nation jener langen Reihe hervorragender Engländer angefügt, die in der Westminster-Abtei ruhen. Alle Bevölkerungsschichten wetteiferten darin, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Eine große Menschenmenge hatte sich in den Straßen angesammelt, um den Trauerzug zu sehen; sie wurde gegen das Ende des Weges immer dichter. Wo der Zug vorüberkam entblößten die Menschen ehrerbietig das Haupt. Danach hatten Tausende Gelegenheit, an dem neuen Grab vorüberzuziehen.“

Geboren wurde David Livingstone am 19. März des europäischen Schicksalsjahres 1813 als Sohn eines Krämers in Blantyre bei Glasgow. Die Familie war arm, so dass David die Dorfschule bereits mit zehn Jahren verlassen und in einer Baumwollspinnerei arbeiten musste. Unter größten Entbehrungen eignete er sich die erforderlichen Kenntnisse an, um theologische, botanische und medizinische Studien betreiben zu können. Mit 25Jahren beendete er sein Medizinstudium und wurde Mitglied der London Missionary Society, die ihn als Arzt und Missionar nach Südafrika schickte. Bei seiner Ankunft lernte er schnell den Hochmut und die Menschenverachtung der weißen Siedler gegenüber den Eingeborenen kennen, was ihn für immer als erbitterten Gegner der Sklaverei prägte.

1841 kam Livingstone in der Station Kuruman im Betschuanaland an. Um vielen Kranken, die ihn oft von weither aufsuchten, besser helfen zu können, baute er weitere Stationen auf, wobei er als erster Europäer 1849 an den Ngamisee*) gelangte.

*) Der See, an dem gewaltige Elefantenherden weideten, ist infolge der fort- schreitenden Austrocknung im südlichen Afrika heute nur noch ein Sumpfgebiet.

Nach Norden vordringend erreichte Livingstone 1851 den oberen Sambesi. Der Missionar wurde zum Forschungs-reisenden, denn schon ein Jahr später folgte er dem Fluss aufwärts bis zur Quelle, ging von dort zum Kassai und kam, erschöpft durch Malaria und Hunger, im Mai 1854 nach Luanda an der Atlantikküste. Aber schon vier Monate später begibt er sich auf die in der Forschungs-geschichte berühmt gewordene Durchquerung des ganzen Erdteils von Luanda nach Osten, entdeckt dabei die gewaltigen Victoriafälle und gelangt im Mai 1856 nach Quelimane am Indischen Ozean.

Nach England zurückgekehrt ordnete Livingstone seine Aufzeichnungen, die 1858 in Leipzig auch in deutscher Sprache erschienen und ein Bestseller wurden!

Auf einer neuen Reise entdeckte er 1859 den Schirwasee und den Njassasee. 1860 bis 1864 zog er den Sambesi aufwärts nach dem Rovuma und in die Landschaften südlich und westlich vom Njassasee. Dann ist er wieder in England, schreibt seinen "Bericht über die Expedition zum Sambesi“. 1866 landete Livingstone in Sansibar, folgte dem Rovuma, drang bis zum Njassasee vor, kam 1867 an das Südende des Tanganjikasees und fand ein Jahr später den Bangweolosee. Die nächsten Jahre durchquerte Livingstone das Manjemaland und entdeckte bei Njangwe den Lualaba, dessen Oberlauf er früher in dem Luapula gefunden hatte.

Völlig erschöpft zog er sich 1871 nach Udschidschi am Tanganjikasee zurück. Wegen seiner jahrelangen Abwesenheit hielt man Livingstone für verschollen, bis der mit einer Suchaktion beauftragte amerikanische Reporter Henry Morton Stanley ihn am 10. November fand. Nach dessen Abreise setzte Livingstone trotz schwerer Krankheit seine Forschungen fort. Er gelangte noch erneut bis an den Bangweolosee, wo er am 1. Mai 1873 starb. Afrikaner trugen den präparierten Leichnam des von ihnen hochverehrten Arztes in wochenlangen Märschen nach Sansibar.

Mut, Bescheidenheit, wissenschaftliche Gründlichkeit, Beharrlichkeit und eiserner Wille kennzeichnen diesen großen Forscher und Menschenfreund, den durch einen Löwenbiss in den linken Oberarm bereits seit dem Jahre 1843 ein steifes Schultergelenk behinderte!

--------------------