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Fragen und Antworten zum Corona-Virus - Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Umgang mit Patienten/Praxisorganisation

Welche Vorkehrungen sind zu treffen, wenn ein Verdachtsfall die Arztpraxis aufsucht oder sich telefonisch in der Praxis meldet? Gibt es dazu Handlungsvorgaben?

Auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen stehen unter den aktuellen Informationen Handlungsempfehlungen für Arztpraxen, Bereitschaftsdienst und Corona-Hotline-Dienst, welche die verschiedenen Fallsituationen darstellen.

Wohin kann sich der Patient wenden, wenn seine Arztpraxis nicht besetzt ist?

Hier empfehlen wir Ihnen, sich entweder an die Praxisvertretung des Hausarztes oder außerhalb der Sprechzeiten unter der Telefonnummer 116 117 an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu wenden. Auch im Bereitschaftsdienst werden die Patienten umfassend informiert und an einen ärztlichen Kollegen vermittelt, der den Patienten telefonisch berät.

Gelten symptomlose Quarantäne-Patienten als arbeitsunfähig?

Bei symptomlosen Patienten kann die Quarantäne nur durch das Gesundheitsamt angeordnet werden.

Wie ist mit Patienten und deren Krankschreibung zu verfahren, die sich freiwillig/präventiv in häusliche Quarantäne begeben?

Laut Vorgaben des Robert-Koch-Instituts müssen für einen Verdachtsfall Symptome wie Husten, Fieber sowie Atemnot vorliegen. Liegt keine Symptomatik und demnach kein Erkrankungsverdacht vor, ist eine prophylaktische Krankschreibung und Testung nicht zulässig. 

Muss der Arzt sich darum kümmern, dass der Patient mit Verdacht auf Corona-Virus bei medizinischer Notwendigkeit ins Krankenhaus eingeliefert wird? In welche Krankenhäuser können Ärzte diese Verdachtsfälle einweisen?

Der Arzt soll koordinierend die Krankenhauseinweisung vornehmen und das nächstgelegene geeignete Krankenhaus auswählen (in Abhängigkeit der Symptome und Klinikausstattung). Zurzeit wird geprüft, ob Krankenhäuser als „Corona-Kliniken“ umgewidmet werden sollen. Eine stationäre Aufnahme soll nur dann erfolgen, wenn medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Stehen für die Krankenhauseinweisung genügend Krankentransporte mit Infektionsschutz zur Verfügung?

Ja.

Wie kommt ein Patient mit Verdacht auf Infektion mit dem Corona-Virus ohne Notwendigkeit der Hospitalisierung von der Praxis wieder nach Hause?

Die Rückkehr in die Wohnung sollte nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen, sondern bevorzugt mit dem Privat-PKW.

Wie erfolgt das weitere Vorgehen bei positivem Testergebnis?

Bei positivem Testergebnis gibt das Gesundheitsamt die weiteren Maßnahmen vor. Weitere Hinweise finden Sie unter den Handlungsempfehlungen.

Wie sollen bei einem Hausbesuch eventuelle erforderliche Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen oder Rezepte dem Patienten übergeben werden?

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Rezepte sollten per Post zugestellt werden.

Wie erhält der Patient Medikamente, wenn dieser unter Quarantäne steht?

Der Patient soll telefonisch Kontakt mit seiner Apotheke aufnehmen. Die Lieferung der Medikamente sollte über den Apothekenlieferdienst erfolgen.

Was kann ich tun, wenn ich aufgrund von Quarantäneanordnung meine Praxis schließen muss?

Der Vertragsarzt hat - wie bei anderen Abwesenheiten von seiner Praxis - selbst eine geeignete Vertretung zu organisieren (§ 32 Ärzte-ZV). Es reicht nicht aus, auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu verweisen. Dauert die Abwesenheit von der Praxis länger als eine Woche, so ist dies der KV Sachsen zu melden. Darüber hinaus soll der Vertragsarzt - auch bei Verhinderung von weniger als einer Woche - dies in geeigneter Weise (z. B. durch Aushang) den Patienten bekanntgeben. Die Vertretung ist jeweils mit dem vertretenden Arzt abzusprechen. Die Pflicht zur Mitteilung besteht unabhängig davon, ob ein anderer Vertragsarzt die Vertretung übernimmt oder ein Vertreter in der Praxis tätig wird. Nähere Informationen finden Sie unter:
www.kvs-sachsen.de > Mitglieder > Arbeiten als Arzt > Vertretung

In welchem Umfang soll die Reinigung eines Behandlungsraumes/separaten Raumes in einer Arztpraxis erfolgen, wenn sich darin ein Patient mit bestätigter Corona-Virus-Infektion aufgehalten hat? Wer führt diese Reinigung durch und trägt die Kosten?

Bei einem positiven getesteten Patienten sollte der „Isolierraum“ anschließend in Schutzausrüstung mit Flächendesinfektionsmittel gereinigt werden. Weiterhin ist ein ausreichendes Lüften zu empfehlen. Die Kosten sind durch den Praxisinhaber zu tragen.

Besteht Anspruch auf Entschädigung, wenn die Praxis geschlossen werden muss?

Wird der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt oder Quarantäne angeordnet, besteht grundsätzlich Anspruch auf Entschädigung (Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz). Dies gilt für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Die Abläufe, zum Beispiel bei der Antragstellung, bestimmt die zuständige Behörde, sodass diese als erstes kontaktiert werden sollte.

Inwieweit muss davon ausgegangen werden, dass nach einem Hausbesuch bei einem Patient mit Verdacht auf Infektion mit dem Corona-Virus die Kleidung des behandelnden Arztes kontaminiert ist, sofern keine Schutzkleidung getragen wurde?

Schutzkittel werden aus unserer Sicht für den Rachenabstrich nicht zwingend benötigt, sollten aber bei Vorhandensein sicherheitshalber getragen werden. Eine Übertragung über die Kleidung ist bisher nicht nachgewiesen. Zur Vorsorge kann nach Kontakt mit einem Verdachtsfall die Kleidung gewechselt und gereinigt werden.

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Labordiagnostik

Welche Laborleistungen sollen im Hausbesuch angefordert werden? Oder sollten weitere Labortests erst nach Ausschluss des Corona-Virus erfolgen?

Es liegt im Ermessen des Arztes parallel einen Abstrich auf Influenza vorzunehmen. Regelhaft ist dieses nicht erforderlich.

Welche Labore nehmen den Abstrich entgegen?

Den Abstrich nimmt grundsätzlich jedes Labor entgegen. Es sollte vorab mit dem Labor geklärt werden, nach welcher Zeit das Ergebnis vorliegt. Mehr als zwei Tage sind hierbei nicht akzeptabel.

Kann die Labordiagnostik auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden (IGeL)?

Der Test kann entsprechend den RKI-Vorgaben über die Kassen abgerechnet werden bei

  1. Erkältungssymptome und einem Kontakt mit einer mit Corona-Virus infizierten Person 14 Tage vor Erkrankungsbeginn,
  2. Hinweisen auf eine virale Pneumonie und einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtungen,
  3. Hinweisen auf eine virale Pneumonie ohne Alternativdiagnose auch ohne Kontakt mit einer Corona-Virus-infizierten Person,
  4. Erkältungssymptomen auch ohne Corona-Virus Kontakte, vorrangig wenn der Patient einer Risikogruppe angehört, in einer Arztpraxis, einer Klinik oder einer Pflegeeinrichtung arbeitet, aber auch ohne bekannte Risikofaktoren.

Wenn die Symptome nach den Punkten 1) bis 4) vorliegen, erfolgt die Ansetzung eines ICD-Codes mit GOP und eine Abrechnung über die Kassen. Sollten die genannten Szenarien nicht zutreffen, dann muss der Corona-Virus-Test privat (IGeL) abgerechnet werden. Sollte sich der Patient nicht abweisen lassen, dann kann eine IGeL-Leistung erfolgen.

Wie erfolgt die Abklärung von Verdachtsfällen in der Breitenversorgung? Das offenbar hohe Infektionsrisiko würde bei Durchführung der Abstriche durch die Hausärzte hochwahrscheinlich zum Massenausfall der Praxen durch angeordnete Kontaktisolierungen und/oder Erkrankungen des Personals und der Ärzte führen.

Bitte beachten Sie die Handlungsempfehlungen. Dabei sollte unbedingt sichergestellt werden, dass die Verdachtsfälle im Hausbesuch oder zu spezielle Sprechzeiten behandelt werden. Gleiches gilt für den Bereitschaftsdienst. Damit ist eine minimale Kontaktaufnahme zwischen Verdachtsfällen und Dritten gewährleistet. Es ist der Aufbau spezieller Diagnostikeinrichtungen an ausgewählten Standorten in Sachsen zeitnah vorgesehen.

Wenn der Patient in einem Risikogebiet war und aktuell keine Symptome hat, ist der Patient dann erkrankt, kann krankgeschrieben und getestet werden?

Laut RKI-Empfehlung sind beschwerdefreie Patienten weder diesbezüglich zu diagnostizieren (kein Abstrich) noch unter Quarantäne zu setzen. Es ist lediglich darauf hinzuweisen, dass der Patient alle Außenkontakte einschränken soll. Eine Krankschreibung ist nicht zulässig.

Wie soll der Abstrich erfolgen?

Naso-/Oropharynx-Abstrich sowie, falls möglich, Sputum sind ausreichend. Bei Abstrichen ist zu beachten, dass für den Virusnachweis geeignete Tupfer verwendet werden. Es ist anzuraten, den Abstrich möglichst im Hausbesuch durchzuführen, um den direkten Kontakt zwischen mehreren Personen (anderen Patienten, Praxismitarbeitern) zu vermeiden. Vor Betreten der Wohnung sollte der Arzt die Atemschutzmaske (FFP-Maske), Schutzbrille, Handschuhe und eventuell Schutzkittel anlegen.

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Praxisausstattung

Wie wird die Ausstattung der Praxen mit Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und Mundschutz sichergestellt? Welche Atemmasken sind von Ärzten/Praxispersonal sowie Patienten zu verwenden?

Nachdem es zu Beginn der Corona-Pandemie erhebliche Engpässe bei der Beschaffung an Schutzausrüstung gab, konnte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen durch schnelles Handeln, große Umfänge an Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und Abstrich-Röhrchen akquirieren.Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat mehrere Bestellungen zur Schutzausrüstung, Desinfektionsmitteln und Abstrich-Röhrchen zentral (Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundesministerium für Gesundheit, Beschaffungsstelle des Bundesministeriums des Inneren) sowie selbstständig ausgelöst. Die logistische Verteilung erfolgte abgestimmt über die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen.Grundsätzlich stellen aktuell mangelnde Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und Abstrich-Röhrchen kein Problem mehr dar.

Wer trägt die zusätzlichen Kosten für Infektionsschutz von Ärzten und Patienten?

Die Kosten sind durch die Arztpraxen selbst zu tragen. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen ist zurzeit im Austausch mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zur Übernahme der Kosten. Zumindest für die Materialien, die zentral geliefert werden sollen, ist die Kostenfreiheit zugesagt.

Ist eine Versorgung durch die Videosprechstunde möglich?

Ja.

Welche Mittel sind geeignet bei Desinfektionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem neuartigen Corona-Virus?

Zur chemischen Desinfektion sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit, mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ anzuwenden. Informationen zur Desinfektion bei Viren sind in der entsprechenden Stellungnahme des Arbeitskreises Viruzidie beim RKI enthalten. Geeignete Mittel enthalten die Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (RKI-Liste) und die Desinfektionsmittel-Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH-Liste). Lösungen mit 75 % Isopropanol oder 80 % Ethylalkohol fallen darunter.

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Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt

Nimmt das Gesundheitsamt nur die Verdachtsmeldung entgegen?

Nein, die Gesundheitsämter organisieren zusätzlich auch die weiteren Maßnahmen.

Wie ist vorzugehen, wenn das Gesundheitsamt nicht erreichbar/überlastet ist?

Die telefonische Kontaktaufnahme erfolgt bei den Gesundheitsämtern. Diese haben ihre Kapazitäten ausgebaut.

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Bereitschaftsdienst

Wird ein flächendeckender Hausbesuchsdienst zur Unterstützung der Arztpraxen im Umgang mit dem Corona-Virus geplant? Wenn ja, wie würde man dies umsetzen?

Aufgrund der derzeitigen Lage ist ein zusätzlicher Fahrdienst nicht notwendig. In jedem Landkreis befindet sich aktuell mindestens eine Abstrich-Ambulanz, welche die notwendigen Tests durchführt.

Was kann ich tun, wenn ich meinen Bereitschaftsdienst aufgrund von einer Corona-Infektion/Quarantäne nicht antreten kann?

In dieser Situation gilt wie in anderen Verhinderungsfällen auch § 9 Absatz 1 und 2 der Bereitschaftsdienstordnung i. d. F. vom 29.11.2019. Darin wird die Pflicht beschrieben, dass der dienstinhabende Arzt bei Verhinderung eigenständig eine Vertretung zu suchen und dies dem Dienstplangestalter bzw. der Bezirksgeschäftsstelle mitzuteilen hat, auch ein eigenständiger Tausch in der Diensttauschbörse in BD-online ist möglich. Auch bei kurzfristiger Verhinderung muss eigenständig eine Vertretung gesucht werden. In diesem Fall ist direkt die ärztliche Vermittlungszentrale über die Vertretung zu informieren. Handelt es sich bei dem dienstinhabenden Arzt um einen angestellten Arzt oder nicht selbst abrechenden Vertreter, so ist der anstellende Arzt/das anstellende MVZ in der Pflicht eine Vertretung zu organisieren.

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Videosprechstunde

Wie kann die Videosprechstunde eingesetzt werden? Was ist zu beachten?

Aufgrund der aktuellen Pandemie mit dem Corona-Virus wird empfohlen, dass Patienten nach Möglichkeit nur in medizinisch dringenden Fällen die Praxen aufsuchen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben daher die Begrenzungsregelungen für die Abrechnung der Videosprechsunde aufgehoben. Persönliche Patienten-Kontakte werden unter anderem durch Patienten-Kontakte im Rahmen einer Videosprechstunde ersetzt (gemäß Anlage 31b zum BMV-Ärzte).Bei der Durchführung von Videosprechstunden und Videofallkonferenzen gelten weiterhin die Regelungen in Anlage 31b zu den BMV-Ärzten.Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können die Videosprechstunde dagegen nur nutzen, wenn es bereits einen persönlichen Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung gab und es aus therapeutischer Sicht kein unmittelbarer persönlicher Kontakt erforderlich ist. Nicht jede psychotherapeutische Leistung darf per Video durchgeführt werden. Die Einzelpsychotherapie (nach §15 Psychotherapie-Richtlinie) und fachgruppenspezifische Einzelgesprächsleistungen sind möglich.Um ihren Mitgliedern die Behandlung von Patienten online über die Videosprechstunde kurzfristig zu erleichtern, hat die KV Sachsen beschlossen, dass alle teilnahmeberechtigten Ärzte und Psychotherapeuten die Leistungen der Videosprechstunde bis zum 30.06.2020 abrechnen können, wenn bis zu diesem Zeitpunkt ein vollständiger Antrag auf Genehmigung zur Durchführung und Abrechnung von Leistungen der Videosprechstunde bei der KV Sachsen eingegangen ist. Ab dem 01.07.2020 gilt wieder das normale Genehmigungsverfahren. Nach dem 30.06.2020 ist wieder eine Antragstellung notwendig, um weiterhin Videosprechstunden durchzuführen.

 

 

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Kurzarbeit, Praxisschließung und Entschädigung

Was ist unter Kurzarbeit zu verstehen?

Die Einführung von Kurzarbeit dient der Vermeidung einer dem Arbeitnehmer sonst drohenden Kündigung. Sie unterliegt klaren Voraussetzungen, die in §§ 95 ff. SGB III normiert sind. Danach muss es im Betrieb zu einem „erheblichen“ Arbeitsausfall mit Entgeltausfall kommen. Es müssen mindestens 1/3 der beschäftigten Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 % ihres Bruttogehalts betroffen sein. Der Arbeitsausfall muss außerdem vorübergehend sein und nicht vermeidbar. Der Arbeitsausfall muss außerdem der Agentur für Arbeit angezeigt werden.

Wie ist mit einer Schließung der Praxis umzugehen? Erhält der Praxisinhaber/Mitarbeiter eine Verdienstausfallentschädigung?

Eine von Behördenseite aus angeordnete Schließung der Praxis aus infektiologischen Gründen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) muss befolgt werden. Betroffene, denen die Erwerbstätigkeit verboten wird, können aber Entschädigungsansprüche aus dem IfSG geltend machen. Von Amts wegen wurden Praxisschließungen ohne Vorliegen eines Verdachts auf ein konkretes Infektionsrisiko zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angeordnet.

Solange kein Kontakt mit einem Corona-Infizierten stattgefunden hat, sind Praxisschließungen von Amts wegen, ohne sonstigen Verdachtsmoment, auszuschließen. Allein die Angst vor einer Ansteckung des Praxispersonals genügt nicht. Für Arbeitnehmer gilt, dass diese der Arbeit nicht allein wegen der Angst vor einer Ansteckung eigenmächtig fernbleiben dürfen.

Eine selbst initiierte Schließung der eigenen Praxis löst keine Entschädigungsansprüche aus dem Infektionsschutzgesetz aus.

Wer dennoch seine Praxis schließt und die eigenen Mitarbeiter nach Hause schickt, muss sich so behandeln lassen wie jemand, der die Praxis wegen Erholungsurlaubs vorübergehend schließt. Dann gelten die in § 32 Ärzte-ZV normierten Grundsätze zur Benennung eines ärztlichen Vertreters.

Wie sollten die Praxen mit der Schließung von Schulen und Kindertagesstätten umgehen?

Wenn ein Elternteil zur Betreuung seiner Kinder, deren Schule oder Kita geschlossen wurde, zuhause bleiben muss, kann der Anspruch auf Arbeitsentgelt bestehen bleiben, vgl. § 616 BGB. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es sich dabei um eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ handelt. Bei länger andauernden Schließungen von Schulen und Kitas müssen betroffene Eltern eigenverantwortlich Vorsorge treffen und Maßnahmen ergreifen, um eine Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Andernfalls entfällt der Vergütungsanspruch, wenn sie wegen der Betreuung nicht arbeiten gehen können. Betroffene Mitarbeiter können in Absprache mit dem Arbeitgeber für den jeweiligen Zeitraum, Erholungsurlaub nehmen oder Überstunden abbauen, um die Zeit zu überbrücken. Theoretisch ist auch denkbar, dass die Kinder einzelner betroffenen Mitarbeiter im Betrieb während der Arbeitszeiten gemeinsam betreut werden.

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Vorgehen nach einem ungeschützten Kontakt zu einem Corona-Virus-Infizierten

Wie lautet das Vorgehen nach einem ungeschützten Kontakt zu einem Corona-Virus-Infizierten?

Das RKI hat mit seiner Veröffentlichung vom 23.03.2020 die Quarantäne-Empfehlungen für medizinisches Personal gelockert. In der Veröffentlichung werden Möglichkeiten für den Umgang mit Personalengpässen in der ambulanten Patientenversorgung aufgeführt, die von den Gesundheitsämtern an die lokale Situation angepasst werden können.

Für Sachsen haben sich die Gesundheitsämter darauf verständigt und der KV Sachsen am 26.03.2020 mitgeteilt, dass nach ungeschütztem Kontakt mit nachweislich coronapositiven Patienten für Arztpraxen keine Quarantäne mehr erfolgt, sondern die nachfolgenden RKI-Festlegungen für den niedergelassenen Arzt gelten:

  • Kategorie 1b: begrenztes Expositionsrisiko, d.h.. medizinisches Personal mit z.B. Kontakt unter 2 m zu Corona-Virus-Fällen ohne Schutzausrüstung, ≥15 Min face-to-face Kontakt
    UND
  • Relevanter Personalmangel
    Dies hat den Hintergrund, dass in Sachsen aufgrund der Corona-Pandemie ein Personalmangel in der Versorgung der Patienten besteht und begründet anzunehmen ist, dass sich dieser weiter verschärft.

Nach einem ungeschütztem Kontakt mit einer infizierten Person gelten deshalb folgende, vom RKI vorgegebene, Regelungen:

  1. bei Symptomfreiheit Arbeiten nur mit Mund-Nasen-Schutz (bis 14 Tage nach Exposition)
  2. wenn möglich kein Einsatz in der Versorgung besonders vulnerabler Patientengruppen
  3. Selbstbeobachtung + Dokumentation (bis 14 Tage nach Exposition)
  4. ggf. Corona-Virus-Testung: Der Punkt 4) ist durch die gemeinsame Festlegung der Gesundheitsämter wie oben für Sachsen modifiziert: Testung am 2. und 5. Tag.
  5. bei Auftreten von Symptomen umgehende Testung auf Corona-Virus; bei positivem Test gilt das nachfolgende Vorgehen.

Nach einem positiven Test des Arztes gilt:

  • Quarantäne des Arztes mit der Folge der Übernahme des Verdienstausfalles.
  • Wiederaufnahme der Arbeit, wenn mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit und 2 negative Tests im Abstand von 24 Stunden vorliegen.
  • Im Falle einer BAG gelten für die anderen Ärzte bzw. das Personal die oben

    aufgeführten Punkte 1) bis 5) inklusive der Modifizierung des Punktes 4).

Nach einem positivem Test des Praxismitarbeiters gilt:

  • Der MA wird unter Quarantäne gesetzt, dessen Verdienstausfall ist abgesichert.
  • Bedingung zur Wiederaufnahme der Tätigkeit siehe oben.
  • Für die Ärzte und das sonstige Praxispersonal gelten ebenso die oben genannten Punkte.

Hinweis: Entschädigungen im Falle einer Quarantäne können entsprechend § 59 Infektionsschutzgesetz bei den zuständigen Behörden beantragt werden. Diese ist in Sachsen die Landesdirektion Sachsen, Referat 21, Altchemnitzer Str. 41, 09120 Chemnitz.

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Abrechnung/Einlesen EGK

Wie kann die Abrechnung des jeweiligen Arztes erfolgen?

Folgende 2 Varianten sind möglich:

  • Versicherten- bzw. Grundpauschale plus GOP 40122 für das Porto (0,90 Euro): Der Patient war in dem Quartal mindestens einmal in der Praxis oder hatte einen Arzt-Kontakt per Videosprechstunde

  • GOP 01435 plus GOP 40122 für das Porto (0,90 Euro): Der Patient war in dem Quartal weder in der Praxis noch in einer Videosprechstunde

Wie kann das Einlesen der eGK sichergestellt werden?

Das Verfahren zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sieht vor, dass Patienten, die für die Krankschreibung erstmals eine Praxis telefonisch konsultieren, ihre Versichertendaten nur mitteilen und ihre Mitgliedschaft in einer Krankenkasse mündlich bestätigen müssen. Damit wird verhindert, dass Patienten, die ihre AU-Bescheinigung oder bei Kindern die Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld per Post erhalten, später doch in die Praxis kommen müssen, nur um ihre eGK vorzulegen.

Bei bekannten Patienten mit einem ausschließlich telefonischen Kontakt sind die Versichertendaten aus der Patientenakte zu übernehmen.

Bei unbekannten Patienten mit ausschließlich telefonischem Kontakt sind folgende Daten zu erfragen und händisch einzupflegen:

  • Name und Vorname des Versicherten
  • Geburtsdatum des Versicherten
  • Wohnort des Versicherten (PLZ)
  • Krankenkasse
  • Nach Möglichkeit die eGK-Krankenversichertennummer
  • Versichertenart (Mitglied, Familienversichert, Rentner)

Für die Abrechnung ist das Ersatzverfahren anzuwenden.

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Versicherungsschutz für Ärzte und Mitarbeiter

Besteht für Ärzte und Mitarbeiter (MFA) im Zuge des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der KV Sachsen und im Zusammenhang mit möglichen Corona-Diagnosezentren sowie entsprechenden Hausbesuchsdiensten Versicherungsschutz?

In den o.g. Fällen finden die Versicherungsbedingungen des NFD grundsätzlich auch für diese Strukturen Anwendung:

Jeder Arzt, der in einem Corona-Virus-Diagnosezentrum arbeitet oder entsprechende Hausbesuchsdienste absolviert, muss über seine Berufshaftpflichtversicherung einen entsprechenden Versicherungsschutz haben. Die Arzthelfer/-innen sind, soweit ihre Tätigkeit direkt auf Weisung des Arztes erfolgt, grundsätzlich über dessen Berufshaftpflichtversicherung abgesichert.

Über die KV Sachsen steht ein subsidiärer Versicherungsschutz für alle im ärztlichen Bereitschaftsdienst tätigen Ärzte zur Verfügung. D.h., sofern die Berufshaftpflichtversicherung des im ärztlichen Bereitschaftsdienst tätigen Arztes eine Zahlung verweigert oder der Höhe nach kein ausreichender Versicherungsschutz besteht, springt dieser Schutz ein (diese Subsidiär Deckung zur Berufshaftpflicht der Ärzte übernimmt zwar ggf. die Ersatzleistungen gegenüber den Patienten, fordert aber vollumfänglichen Regress beim entsprechenden Behandler im Falle einer gänzlich fehlenden Deckung).

Infektionsrisiken sind über die jeweilige persönliche Krankenversicherung des Arztes und der MFA bzw. die berufsgenossenschaftliche Absicherung der Arztpraxen abgedeckt.

Das Risiko der Berufsunfähigkeit ist von jedem individuell abzusichern. Hier besteht kein zusätzlicher Versicherungsschutz über mögliche Leistungen der Berufsgenossenschaft hinaus.

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Verordnung von Medikamenten und Hinweise zum Versand von Formularen

Wie erfolgt die telefonische Rezeptanforderung bei Patienten?

Telefonische Rezeptanforderungen von Patienten, die Ihnen aus der laufenden Behandlung bekannt sind, können wie gehabt bedient werden. Voraussetzung für die Ausstellung ist, dass der Patient in den zurückliegenden sechs Quartalen (01.10.2018 bis 31.03.2020) mindestens einmal in der Arztpraxis persönlich vorstellig war. Diese und die nachfolgenden Regelungen gelten analog für Rezeptanforderungen von Pflegeheimen.

Da es sich um bekannte Patienten handelt, gilt für das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) das übliche Verfahren: Findet in einem Quartal ausschließlich ein telefonischer Kontakt statt, übernehmen Ärzte die Versichertendaten aus der Patientenkartei. Die Vorlage der eGK ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Dabei kann im Einzelfall auch die Verordnung von über den Quartalsbedarf hinausgehenden Mengen angezeigt sein; insbesondere um die Gefahr der Ansteckung schwerwiegend chronisch kranker Patienten zu verringern. Wir bitten Sie, bei der Entscheidung über die Verordnungsmenge gleichzeitig der Problematik von Lieferengpässen Rechnung zu tragen, um die sich - letztlich auch durch den Ausbruch des Corona-Virus - verstärkenden Lieferengpässe nicht noch weiter zu verschärfen. Sie helfen dadurch mit, dass die benötigten Medikamente vielen Patienten über einen möglichst langen Zeitraum kontinuierlich zur Verfügung stehen.

Dazu bitten wir um die Beachtung der folgenden Hinweise zur Verordnung von Arzneimitteln:

  • Keine Mehrfachverordnungen: Setzen Sie die Verordnung von Arzneimitteln insbesondere bei chronisch kranken Patienten im gewohnten Umfang fort (z.B. mit einer N3-Packung).
  • Keine zusätzlichen Privatrezepte: Auf eine zusätzliche Ausstellung von Privatrezepten, soweit sie aus ärztlicher Sicht nicht erforderlich sind, sollte verzichtet werden. Die Arzneimittel stehen dann den Patienten zur Verfügung, die diese dringend benötigen.
  • Aut-idem ermöglichen: Stellen Sie nach Möglichkeit eine Wirkstoffverordnung aus und wenden Sie das Austauschverbot (Aut-idem-Kreuz) nur in medizinisch begründeten Einzelfällen an.

Die Fachärzte unter Ihnen werden gebeten, im Falle der Schließung oder Überlastung der behandelnden Hausarztpraxis die medikamentöse Versorgung ihrer mitbehandelnden Patienten zu übernehmen. Insbesondere schwerwiegend chronisch kranken Patienten sollten dabei Mengen verordnet werden, die mindestens einen Quartalsbedarf abdecken. Mithilfe der Ihnen vorliegenden bzw. vom Patienten zugänglich gemachten Informationsquellen (z.B. aktueller Medikationsplan, Arztbrief oder Entlassbrief) können Sie die Verordnung fachlich gut absichern.

Die KV Sachsen wird sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Krankenkassen diese Verordnungen vor dem Hintergrund der besonderen Situation bewerten und von Prüfanträgen absehen. Mögliche Überschreitungen der Richtgröße, die durch das Verordnungen von Mengen über den Quartalsbedarf hinaus und im Gegenzug fehlenden Behandlungsfällen entstehen, sollten vom Arzt als Praxisbesonderheit geltend gemacht und von der Prüfungsstelle anerkannt werden.

Wie soll der Versand von Formularen erfolgen?

Der Versand der Rezepte per Post ist nur bei bekannten Patienten möglich. Als bekannter Patient gilt derjenige, der in den zurückliegenden sechs Quartalen (01.10.2018 bis 31.03.2020) mindestens einmal in der Arztpraxis persönlich vorstellig war.

Aufgrund des steigenden Bedarfs für nicht persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Zusammenhang mit der Corona-Virus-Pandemie hat der Bewertungsausschuss festgelegt, dass den Ärzten die Portokosten für den Versand mit 0,90 Cent erstattet werden. Die Abrechnung erfolgt über die Gebührenordnungsposition 40122. Diese Regelung ist zeitlich befristet bis zum 30. Juni 2020.

Betroffene Verordnungen sind:

  • Folgeverordnungen für Arzneimittel (einschließlich BtM-Rezepte und Wiederholungsrezepte für Kontrazeptiva)
  • Verordnung einer Krankenbeförderung (Muster 4)
  • Überweisungen (Muster 6 und 10)
  • Folgeverordnungen für häusliche Krankenpflege (Muster 12)
  • Folgeverordnungen für Heilmittel (Muster 13 Physiotherapie und Podologie, Muster 14 Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, Muster 18 Ergotherapie und Ernährungstherapie)
  • Verordnung von bestimmten Hilfs- und Verbandmitteln (Muster 16, z. B. Blutzuckerteststreifen, Inkontinenzprodukte, Stomabeutel)

Ausgenommen sind Seh- und Hörhilfen, die auf Muster 8 beziehungsweise auf Muster 15 verordnet werden. Bei ihnen ist vor einer Verordnung in der Regel eine ärztliche Überprüfung der Werte medizinisch erforderlich.

  • Folgeverordnung für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV, Muster 63)


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Testung immobiler Patienten

Wie soll die Testung bei immobilen Patienten erfolgen? Kann ich einen Transportschein dafür nutzen?

Im ersten Schritt sollte versucht werden, einen Transport zur Arztpraxis selbst zu organisieren. Eventuell sind auch Kostenübernahmen bei Taxi-Fahrten möglich. Hierzu müssen die Patienten bei ihrer Krankenkasse nachfragen.Wenn ein Patient immobil ist, sollte möglichst ein Hausbesuch durch den behandelnden Arzt erfolgen. Die Nutzung von Krankentransport- oder Rettungswagen ist aus Sicht des Ressourcenschutzes und der Notfallversorgung nur in dringenden Fällen vorzunehmen. Für die Ausstellung eines Transportschein beachten Sie bitte die voraussichtlich bis zum 30. Juni 2020 geltenden Sonderregelungen in diesem Bereich.

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Mund-Nasen-Bedeckung

Gibt es eine Möglichkeit die Mund-Nasen-Bedeckung nicht zu tragen, wenn ich gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweise?

Grundsätzlich wird empfohlen, im öffentlichen Raum oder bei engem Kontakt mit Risikopatienten eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können, sollten in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln Abstand halten. Zur Glaubhaftmachung ist ein Nachweis wie Schwerbehindertenausweis oder ärztliche Bescheinigung geeignet.

Seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen wird empfohlen, dass bei Vorerkrankungen im Bereich der Atemwege wie schwere Asthma bronchiale die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung erfolgen kann. Die Ausstellung der ärztlichen Bescheinigung ist grundsätzlich privat zu leisten.

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Ihre Ansprechpartner

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